Anisbrötli
Springerle mit typisch weißer Oberfläche: Hochzeitskutsche (Rokoko)

Springerle (auch: Anisbrötli) sind traditionelle Anis-Weihnachtsplätzchen aus einem Eierschaumteig. Sie gehören wie Spekulatius zum Bildgebäck. Springerle sind in Süddeutschland, Teilen von Österreich, der Schweiz und Ungarn bekannt. Der Name, der schwäbische Diminutiv von Springer, kommt entweder von einem beliebten Motiv, einem Reiter (Springer) oder, was sehr viel wahrscheinlicher ist, vom Aufspringen (Aufgehen) beim Backen. Beim Backen wächst der Teig auf die doppelte Höhe, dabei bildet sich am unteren Rand ein „Fuß“.

Inhaltsverzeichnis

Zubereitung

Springerle frisch aus dem Model: Hochzeitskutsche (Rokoko)
Springerle mit dem typischen Füßle

Aus Eiern, Puderzucker, Mehl und etwas Hirschhornsalz als Treibmittel sowie ungemahlenem, geröstetem Anis wird ein Teig zubereitet, der einige Stunden kalt gestellt wird, bevor er zu einer Teigplatte von etwa 0,5 cm ausgerollt wird. Auf den ausgerollten Teig werden Model gedrückt, um die Motivplätzchen zu formen. Die Springerle werden ausgeschnitten und trocknen etwa 24 Stunden bis zum Backen. Das Bild wird in dieser Zeit fest und verändert sich beim Backen nicht mehr.

Springerle werden kurz vor dem Backen auf ihrer Unterseite wieder angefeuchtet, damit das Hirschhornsalz wirken kann, und auf das mit Butter eingefettete und Anis bestreute Backblech gesetzt. Dank der Ofenhitze von ca. 160° wachsen die Teiglinge zusehends auf etwa doppelte Höhe, bilden somit die sogenannten Füßchen aus. Erst nach längerer Lagerung von 2 bis 3 Wochen in einer feuchten Umgebung werden die Plätzchen mürbe und damit genießbar. Bis zum Verzehr ist die Lagerung in einer Blechbüchse zusammen mit einem angeschnittenen Apfel zu empfehlen.

Historisches

Springerle-Model aus Schwaben, Hochzeitskutsche (Rokoko), Vorderseite
Springerle-Model aus Schwaben, Hochzeitskutsche (Rokoko), Rückseite

Wann genau die Springerle erfunden wurden, ist unbekannt. Mindestens seit dem Mittelalter gibt es Model aus Stein, Metall, Keramik oder Holz, um Gebäck mit Bildern zu versehen. Seinen Ausgangspunkt nahm die Entwicklung von der kirchlichen Hostienbäckerei. Die ersten Springerle-Motive waren kirchlichen Ursprungs. Es wurden biblische Geschichten oder christliche Symbole dargestellt. Weihnachtliche oder österliche Motive sind sehr beliebt.

Im 17. und 18. Jahrhundert setzten sich mehr und mehr weltliche Motive durch. Den Anfang machten heraldische Motive. Das Thema „Glück - Liebe - Fruchtbarkeit“ ist im 17. - 19. Jahrhundert stark vertreten. Modisch gekleidete Damen, prächtig geschmückte Reiter, Liebeskutschen, Fruchtbarkeits- und Liebessymbole sind in alten Modeln zu erhalten geblieben. Entsprechend den Motiven wurden die Springerle zur Verlobung, Hochzeit und als Werbegeschenk verschenkt.

Die Model

Das übliche Material für Holzmodel ist Birnenholz. Es ist hart, splittert kaum und seine Härchen richten sich nicht auf, wenn es nass wird. Dadurch werden auch feinste Ziselierungen auf den Plätzchen sichtbar. Das Modelstechen gehörte lange Zeit zum Handwerk der Konditoren oder Zuckerbäcker. Model gehören zur Volkskunst und sind selten signiert. Heutige Model werden meist mit Hilfe von Fräsen hergestellt oder in Kunstholz gegossen.

Ausstellungen

Seit ein paar Jahren findet zwischen November und dem neuen Jahr eine Ausstellung mit dem Thema Springerle im Museum im Schlössle in Freiberg am Neckar statt.

Literatur

  • Holzmodel aus Hohenlohe. ISBN 3-923740-06-9
  • Elke Knittel und Rolf Maurer: Modelschätze. Silberburg-Verlag 2005, ISBN 3874076768.

Weblinks


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