Anita Ree
Anita Rée, Selbstporträt, 1932

Anita Clara Rée (* 9. Februar 1885 in Hamburg; † 12. Dezember 1933 in Kampen auf Sylt) war eine bedeutende deutsche Malerin, die in der Zeit der Weimarer Republik wirkte.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Anita Rée war die zweite Tochter des Kaufmanns Israel Rée und seiner Frau Clara, geb. Hahn. Die Hamburger Linie der alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie handelte seit Generationen vor allem mit Getreide, mit ostindischen Waren der seit 1727 in Dänemark ansässige Zweig der Familie. Anita und ihre Schwester Emilie wurden evangelisch-lutherisch getauft und konfirmiert. Der protestantisch geprägten Erziehung im assimilierten Elternhaus gemäß folgte die der Zeit nach angemessene Bildung als „höhere Tochter“.[1][2]

Ab 1905 nahm Anita Rée Malunterricht beim Hamburger Künstler Arthur Siebelist. Da sie von Selbstzweifeln hinsichtlich ihres Berufswunsches geplagt war, suchte sie 1906 Rat bei Max Liebermann in Berlin. Dieser erkannte Rées Talent und riet ihr zu Fortsetzung ihrer Ausbildung als Malerin. Da es eine reguläre Akademieausbildung in der Hansestadt noch nicht gab, ließ sich Rée bis 1910 bei Siebelist ausbilden und schloss sich dann mit Franz Nölken und Friedrich Ahlers-Hestermann zu einer Ateliergemeinschaft zusammen. Die Freundschaft zerbrach aufgrund Rées unerwiderter Liebe zu Nölken.

Teresina, 1925 (Hamburger Kunsthalle)

Im Winter 1912/1913 war Rée Schülerin bei Fernand Léger in Paris und lernte dort Aktzeichnen, was in Deutschland für Frauen einen Skandal bedeutet hätte. Es lassen sich ebenfalls Einflüsse von Picasso, Matisse und Cézanne in ihrem Werk erkennen.[3] 1913 nahm sie an einer ersten Ausstellung bei Commeter in Hamburg teil. 1914 machte sie die Bekanntschaft des Dichters Richard Dehmel. In den folgenden Jahren erlangte sie durch ihre Porträts Anerkennung.

1919 war Rée Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Hamburgische Sezession und gewann in den folgenden Ausstellungen große Beachtung. Sie traf sich mit Künstlern wie Gretchen Wohlwill, Alma del Banco und Franz Radziwill.

Von 1922 bis 1925 lebte Rée hauptsächlich in Positano an der italienischen Amalfiküste und wandte sich dort der Neuen Sachlichkeit zu. In dieser Zeit war sie mit dem Buchhändler und Maler Christian Selle befreundet. [4] Sie kehrte nur für Ausstellungen nach Hamburg zurück.

Ab 1926 lebte Rée wieder in Hamburg; 1929 und 1931 führte sie größere Wandbilder in zwei von Fritz Schumacher neu erbauten Schulen aus, für die Rée großes Lob erntete. Nur das Wandbild Orpheus mit den Tieren in der früheren Oberschule für Mädchen an der Caspar-Voght-Straße (OCV) in Hamm, heute die Ballettschule des Hamburg Ballett, blieb erhalten, nachdem es während der Umbaumaßnahmen Ende der 1980er Jahre von einer Übermalung befreit wurde.

Im Jahr 1930 bekam Rée einen Auftrag zur Erstellung des Ansgar-Triptychons für den Neubau der St. Ansgar-Kirche in Hamburg-Langenhorn. Die Gemeinde war mit ihren Entwürfen nicht zufrieden, 1932 wurde der Auftrag aus „kultischen Bedenken“ endgültig zurückgezogen. 1930 war Rée in diesem Zusammenhang von der NSDAP als Jüdin denunziert worden.

1932 verließ sie Hamburg und zog nach Sylt. Am 25. April 1933 wurde sie von der Hamburgischen Künstlerschaft als „artfremdes Mitglied“ diffamiert und ausgeschlossen. Schon seit längerer Zeit war Rée durch die Anfeindungen und persönlichen Enttäuschungen vereinsamt; all dies trieb sie am 12. Dezember 1933 in den Suizid.

Am 7. August 2007 wurde zum Andenken an die verfemte Malerin ein Stolperstein in Kampen auf Sylt verlegt. Ein weiterer Stolperstein in der Straße Fontenay erinnert an Rées letzten Hamburger Wohnort.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1986 - Eva und die Zukunft. Das Bild der Frau seit der Französischen Revolution, Hamburger Kunsthalle
  • 2004 - Kunst der 20er Jahre in Hamburg, Hamburger Kunsthalle
  • 2005 - Ausgegrenzt, Hamburger Kunsthalle
  • 2006 - Künstlerinnen der Avantgarde, Hamburger Kunsthalle

Literatur

  • Carl Georg Heise: Anita Rée. Christians Verlag, Hamburg 1968
  • Bettina Roggmann: Anita Rée. In: Eva und die Zukunft. Prestel Verlag, München 1986 (Ausstellungskatalog Hamburger Kunsthalle)
  • Jutta Dick, Marina Sassenberg (Hrsg.): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Rowohlt Verlag, Reinbek 1993, ISBN 3-499-16344-6.
  • Maike Bruhns: Anita Rée. Leben und Werk einer Hamburger Malerin 1885–1933. Verein für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-923356-15-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dick/Sassenberg: Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. S. 308
  2. Kirchengemeinde St. Ansgar
  3. Adriane von Hoop: Anita Rée. fembio.org. Abgerufen am 30. April 2009.
  4. Adriane von Hoop: Anita Rée. fembio.org. Abgerufen am 30. April 2009.

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