Anklam-Lassaner-Kleinbahn
Anklam-Lassaner Kleinbahn
Strecke der Anklam-Lassaner-Kleinbahn
Streckennummer: 112c
Streckenlänge: 32,62 km
Spurweite: 600 mm
Legende
von der MPSB
0,0 Anklam
Salchower Weiche
Kreuzung der Staatsbahnstrecke
4,1 Relzow
7,0 Daugzin
8,1 Murchin
10,4
0,0
Krenzow
0,5 Rubkow
2,8 Buggow
7,8
0,0
Wahlendow
nach Pamitz
10,5 Buddenhagen (Klb)
14,5 Pinnow
15,3 Lentschow
18,2 Papendorf
19,4 Lassan
19,9 Lassan Hafen

Die Anklam-Lassaner Kleinbahn wurde am 30. März 1895 als Aktiengesellschaft mit der Firma Kleinbahngesellschaft Anklam−Lassan in Greifswald gegründet. An ihr waren der Preußische Staat, die Provinz Pommern, der Kreis Greifswald und die Städte Greifswald und Lassan – in den ersten Jahren auch die Firma Lenz & Co. GmbH – beteiligt. Am 1. Januar 1940 ging sie in den Pommerschen Landesbahnen auf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Anklam-Lassaner-Kleinbahn (ALKB) erschloss mit zwei Kleinbahnstrecken die Umgebung der Stadt Anklam in Vorpommern nördlich der Peene, den Lassaner Winkel. Ausgangspunkt war die Stadt Anklam, wo einerseits Anschluss zur Staatsbahnstrecke Stralsund–Pasewalk, andererseits zum Netz der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn AG bestand. Der überwiegende Teil der Strecken wurde am 17. April 1896 eröffnet.

Im Sommer 1914 verkehrten zwei bis drei Zugpaare täglich zwischen Anklam und Lassan, die eine Fahrzeit von fast eineinhalb Stunden benötigten. An Markttagen wurde ein zusätzliches Zugpaar eingelegt. Von Anklam nach Buddenhagen und zurück fuhr nur mittwochs, sonn- und feiertags im Sommer ein einziger Zug. Die Strecke blieb weit hinter den Erwartungen zurück und wurde bereits ab 1927 nur noch bis Rubkow betrieben, zwei Jahre später wurde das Streckenstück Wahlendow–Pamitz abgebaut.

1910 wurde die Betriebsführung von Lenz & Co an die Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Pommern in Stettin abgegeben. Nach ihrer Auflösung trat 1920 an deren Stelle die Vereinigung vorpommerscher Kleinbahnen und 1937/1938 die Landesbahndirektion Pommern. Als am 1. Januar 1940 die Pommerschen Landesbahnen als Körperschaft des öffentlichen Rechts entstanden waren, wurde die Kleinbahn Anklam–Lassan mit einer Streckenlänge von 16 Kilometern den Greifswalder Bahnen zugeteilt. In der Literatur (Bufe) wird auch von einer „Anklamer Bahn“ gesprochen.

Der spärliche Personenverkehr kam schon in der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg mehr und mehr zum Erliegen und wurde 1927 ganz durch Omnibusse ersetzt. Im Sommer 1945 soll es jedoch noch einmal Personenbeförderung auf der Schiene gegeben haben.

Aber auch der Güterverkehr, dem die Bahn hauptsächlich dienen sollte, blieb hinter den Erwartungen zurück, so dass in den 1930er Jahren nur noch die Strecke Anklam–Lassan nebst einem Abzweig von Crenzow nach Rubkow befahren wurde. Was an Gleisen noch nicht in den 1920er Jahren abgebaut worden war, wurde im Herbst 1945 für Reparationszwecke demontiert.

Streckennetz

Streckenführung

Das anfangs insgesamt 32,62 Kilometer lange Netz hatte seinen Ausgangspunkt in Anklam. Zunächst östlich der Greifswalder Straße am nördlichen Ufer der Peene, da die bestehende Anklamer Peenebrücke nicht genügend Tragkraft für eine zusätzliche Kleinbahn besaß. Umständliche Umladevorgänge von der Bahn auf Fuhrwerke waren deshalb nötig. Spätestens mit dem Anschluss des Getreidespeichers konnten im Stadtgebiet Anklams die erforderlichen Bahnanlagen in Hafennähe errichtet werden. Zusätzlich wurde ein Anschlussgleis zur MPSB hergestellt, dass gleichermaßen auch den Zugang zur Staatsbahn in Anklam ermöglichte.[1]

Beim Verlassen des ALKB-Bahnhofs in Anklam (Peene-Bahnhof) führte das Lassaner Streckengleis zunächst in eine Spitzkehre in der Ravelinstraße, wo sich auch Anschlussgleise zur örtlichen Kartoffelflockenfabrik befanden. Es verlief in gegensätzlicher Richtung weiter in Richtung Peenebrücke. Nach Überqueren der Klappbrücke, die auch dem Straßenverkehr diente, führte das Gleis in der Greifswalder Straße weiter in nördliche Richtung. Die Strecke kreuzte zusammen mit der Greifswalder Straße niveaugleich die Staatsbahnstrecke (Berlin–) Angermünde–Stralsund, wobei die Kleinbahnstrecke an diesem Punkt durch Entgleisungsweichen und Formsignale technisch gesichert war. Im wesentlichen verläuft das Gleis der ALKB auch auf den weiteren Streckenabschnitten entlang von vorhandenen Wegen und Straßen.

Das Gleis führte in nördlicher Richtung bis Krenzow (10,4 km), wo sich der Abzweig zum Streckenast nach Buddenhagen befand. Die Lassaner Strecke beschrieb einen Bogen und führte in östlicher Richtung weiter in Richtung Hafenstadt Lassan (19,4 km) am Peenestrom, wo zeitweise auch der Hafen und die örtliche Möbelfabrik bedient wurden. Von Krenzow ging die zweite Strecke in nördlicher Richtung über Wahlendow weiter bis Buddenhagen (11,0 km) an der Staatsbahnlinie Züssow–Wolgast. Die Strecke führte teilweise durch größere Forstgebiete, die der Bahn auch Langholztransporte sicherten. Von Wahlendow zweigte seit dem 5. Oktober 1899 noch eine nur einen Kilometer lange Bahn nach Pamitz ab.

In den Statistiken wird die Streckenlänge 1928 noch mit 27 Kilometern und 1939 mit 21 Kilometern angegeben. Zuletzt (1940/44) heißt es, davon seien fünf Kilometer stillgelegt worden.

Oberbau

Das komplette Netz der ALKB wurde mit 600 Millimetern Spurweite ausgeführt und durch die Lenz & Co. GmbH errichtet. Es kamen ausschließlich Holzschwellen zum Einsatz (eine Schwelle pro Meter Gleis), auf denen neun Meter lange Vignolschienen mit einer Masse von 13,92 Kilogramm pro Meter lagen. Innerhalb der Stadt Anklam verwendete man Rillenschienen mit einer Masse von 26,5 Kilogramm pro Meter, die eingepflastert wurden. Ohne Grunderwerb betrugen die Kosten für die Herstellung der Bahnstrecken 824.500 Goldmark.

Anschlussgleise

Der Peenehafen in Anklam (heutige Situation mit Normalspurgleis)

Auf der ALKB überwog von Anfang an der Güterverkehr. Zahlreiche Gleisanschlüsse ermöglichten den An- und Abtransport von Waren der Betriebe und Höfe per Bahn, so unter anderem die folgenden Betriebe:

  • Anklamer Kartoffelflockenfabrik
  • Anklamer Hafenspeicher
  • Anklamer Zellenspeicher (ab 1935)
  • Anklamer Bodenspeicher
  • Anklamer Zuckerfabrik (bis 1935)
  • Buddenhagen Holzverladung
  • Gut Lentschow
  • Gut Papendorf
  • Gut Zarrenthin
  • Lassan Fischerhafen
  • Lassan Möbelfabrik

Außerdem bestand seit 1899 ein Anschlussgleis zum Streckennetz der MPSB, dass zum Wagenübergang zwischen den beiden Kleinbahnen diente.[1]

Fahrzeuge der ALKB

Lokomotiven der ALKB
Loknr. Bauart Hersteller Bauj. Fabriknr. Bemerkungen
1q Cn2t Vulcan 1895 1480
2q Cn2t Vulcan 1895 1481
3q Cn2t Vulcan 1895 1482 + nach 1935

Lokomotiven

Die ALKB verfügte über drei von Vulcan gebaute Nassdampflokomotiven (Lenz-Gattung q). Zur Reduzierung der auftretenden Achslasten führte man diese Lokomotiven mit drei Treibachsen aus, ihre Dienstmasse wird mit 10,4 t angegeben. Einige Quellen nennen eine vierte Dampflok (Hagans, Baujahr 1899, Fabriknr.: 387), die um 1910 vor Personenzügen im Einsatz gewesen sein soll. Diese besaß jedoch im Gegensatz zu den Lokomotiven 1q - 3q nur zwei Treibachsen.[1][2]

Wagenpark

Wagen der ALKB
Bauart Hersteller Baujahr Anzahl LüP in mm
Pw Gör 1895 1 6050
C Gör 1896 4 6050
Ow Gör, Beu 1895/98 70 4600
Gw Gör 1895 9 4600
GGw Gör 1897/
1907
3 9100
Draine Gör  ? 1 3300

Begründet durch das niedrige Fahrgastaufkommen verfügte die ALKB lediglich über vier Personenwagen, die jeweils 18 Personen Platz boten. Außerdem war ein ebenfalls 6.050 Millimeter langer Gepäckwagen vorhanden. Für den Güterverkehr verfügte die Bahngesellschaft über insgesamt 82 Güterwagen, wobei 70 Wagen Güterwagen offener Bauart waren und teilweise auch zum Rübentransport eingesetzt wurden. Drei vierachsige gedeckte Güterwagen waren zum Transport von Möbelstücken aus der Lassaner Möbelfabrik, die ein eigenes Anschlussgleis besaß, gedacht. Es ist belegt, dass zwischenzeitlich Fahrzeuge von der MPSB angemietet worden sind.

Literatur

  • Wolfram Bäumer, Siegfried Bufe: Eisenbahnen in Pommern. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham und München 1988, S. 150ff. ISBN 3-922138-34-9

Einzelnachweise

  1. a b c Klaus Kieper, Reiner Preuß, Elfriede Rehbein: Schmalspurbahn-Archiv. S. 99-105. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1980.
  2. Rammelt/Fiebig/Preuß: Klein- und Privatbahnarchiv, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1989

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