Ankunftsliteratur

Ankunftsliteratur ist eine literarische Prägung der DDR-Literatur. Die Formulierung rührt aus Brigitte Reimanns „Ankunft im Alltag“ von 1961, in einer durch den „Bitterfelder Weg“ bestimmten Zeit.

Es handelt sich dabei um eine Doktrin, deren Konzept schon 1958 auf dem V. Parteitag der SED definiert wurde. Die DDR-Schriftsteller wurden aufgefordert, in die Betriebe zu gehen, um dort die Situation der Arbeiter kennenzulernen, was durchaus ihren Niederschlag in den Werken dieser Zeit fand (z. B. Christa WolfDer geteilte Himmel“, 1963). Umgekehrt sollten außerdem die Arbeiter zur Literatur gebracht werden (Parole der Konferenz: „Greif zur Feder, Kumpel!“), was jedoch kaum verwirklicht wurde. Die häufigste Form, in der die Arbeiter schrieben, waren die sogenannten Brigadetagebücher. Die SED-Führung verfolgte mit diesem Konzept die Absicht, dass diese Literatur der DDR-Lebenswelt sehr nahe stehen sollte.

Ebenso prägend für diese Zeit war das NÖSPL (Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung). Es wurde hier eine Dezentralisierung beschlossen, die eine tendenzielle Kompetenzverlagerung vor Ort mit sich brachte. Dadurch kam es zu einer Aufwertung der Verantwortung für den ökonomischen Prozess sowie zur Aufwertung der Mittelschicht (besonders der Ingenieure und der Parteifunktionäre) wegen ihres Sachverstandes. Durch die Schule oder das Studium im Sozialismus wurden diese „linientreu“ geprägt und können so als „erste Bildungselite der DDR“ bezeichnet werden. In der Literatur sind die Hauptfiguren nun meist jüngere der „Intelligenz“ entstammende Menschen, die sich sowohl im Beruf als auch im Privaten bewähren müssen, z. B. auch bei Christa Wolf „Der geteilte Himmel“. In diesem Werk tritt neben der Ost-West-Teilung als weitere Tendenz das Auftreten weiblicher Hauptfiguren zu Tage.

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