LGBT

LGBT (seltener auch GLBT) ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans (dt. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans (Abkürzung für Transgender bzw. Transsexualität, von daher auch LSBT bzw. SLBT)). Es handelt sich dabei um eine Schicksalsgemeinschaft mit unterschiedlicher Thematik, deren Gemeinsamkeit es ist, nicht der Heteronormativität zu entsprechen. Einerseits geht es um die sexuelle Orientierung gegenüber dem Partnergeschlecht, andererseits um die eigene Geschlechtsidentität.

Diese Abkürzung wird im Englischen sowie in soziologischer oder Bewegungsliteratur schon länger verwendet und tauchte beispielsweise 1980 in dieser Bedeutung in einem allgemeinen Abkürzungs-Wörterbuch auf.[1] 2004 war sie schon so weit verbreitet, dass sie weltweit von vielen Gruppen und deren Medien verwendet und dadurch zum Internationalismus wurde.

Es ist die meistverwendete Zeichenfolge aus dem queeren Buchstaben-Baukasten (siehe unten und [2]). Je nach Anlass können Zeichen weggelassen oder hinzugefügt werden. Von mancher Seite gibt es Kritik, unter anderem an der Verknüpfung von zwei verschiedenen Thematiken, sowie an der teilweise aus einem Automatismus heraus übermäßigen Verwendung des Ts, auch wenn es nicht um Trans*-Anliegen geht.

Initial wurde die Gruppe LGBT auch mit dem kontroversen Begriff sexuelle Minderheiten bezeichnet, oft sind mit diesem Begriff heute auch andere Gruppen gemeint.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der LGBT

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Drittes Geschlecht als Sammelbegriff für Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen, verwendet. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er wurde in der Wissenschaft immer mehr zwischen Homo- und Transsexualität unterschieden und der Begriff Drittes Geschlecht wurde aufgegeben. Besonders in den 1940ern bis Anfang der 1970er verwendeten einige statt des medizinisch klingenden, durch die Überbetonung des Sex leicht zu Missverständnissen führenden und stark negativ belasteten Wortes homosexuell den Begriff homophil als Selbstbeschreibung, der die Liebe hervorheben sollte. Es waren oft konservativere Personen, die auch eine sehr starke Anpassung an die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft guthießen. Besonders ab Stonewall 1969 verwendeten progressivere Personen die heute zu Geusenwörtern gewordenen Begriffe gay oder schwul.

Durch die stärkere Zusammenarbeit der Schwulenbewegung mit der Lesbenbewegung, die auch stark mit der Frauenbewegung verknüpft ist, wurde die Forderung nach einer eigenen Identität laut und es wurden immer mehr die Wortfolgen „Schwule und Lesben“, „schwul-lesbisch“ oder „gay and lesbian“ verwendet, um klarzustellen, dass auch lesbische Belange gemeint sind. Oft wurde auch den Frauen im Namen der Vortritt gelassen, unter anderem, weil sie weniger oft bemerkt werden. Im Alltagsgebrauch in der Szene wird auch oft „schwullesbisch“ oder „gaylesbian“ verwendet.

In den 1970ern begann sich die Bi-Bewegung zu emanzipieren, forderte, als eigenständige Gruppe betrachtet zu werden[3] und wollte aber teilweise mit den schon etablierten Verbänden zusammenarbeiten. Durch die herrschende Heteronormativität wurden Bisexuelle oft als Schwule und Lesben angesehen. Andererseits gab es Differenzen, da sich einige Lesben und Schwule schwer taten, Bisexuelle als solche zu akzeptieren und ihnen nicht Feigheit vor einem Coming-out und damit manchmal sogar den Verrat an der Bewegung vorzuwerfen. Zusätzlich war in den späten 1970ern und Anfang der 1980er die erste Euphorie nach Stonewall verflogen und AIDS betrat die Bühne der Zeitgeschichte. Auch durch Letzteres angestoßen, kamen Ende der 1980er vermehrt die Bezeichnungen „gay, lesbian and bisexual“ beziehungsweise „Schwule, Lesbische und Bisexuelle“ auf. Wegen der Langatmigkeit, alle Gruppen aufzuzählen, benutzte man in der englischsprachigen Welt immer öfter die Abkürzung „GLB“ beziehungsweise „LGB“. Im deutschsprachigen Raum konnte sich die Abkürzung „LSB“ nur in geringem Maße durchsetzen und noch weniger „SLB“. Hier ging man mehr dazu über, mit den vorhandenen Worten zu spielen und oft durch Binnenmajuskel verdeutlichte Akronyme wie vor allem „LesBiSchwul“ oder auch „schwuLesBisch“ zu verwenden. Auch die Newsgroup „de.alt.soc.lesbischwul“ hat daher ihren Namen. Das englische Pendant LesBiGay beinhaltet zugleich das Wortspiel „Let's be gay!“[4]

Zu Transgendern besteht keine direkte Verbindung, da es sich dabei um keine sexuelle Orientierung handelt. Die Verbindung ergibt sich historisch aus dem Dritten Geschlecht und aus dem sozial wirkenden Heterosexismus, der beide betrifft. Unter anderem die Verbreitung von Ideen aus der Queer-Theory und die Genderforschung in anderen Kulturen und Zeiten führten dazu, dass die Schicksalsgemeinschaften sich wieder näher kamen. Dies ging nicht ohne Reibereien vonstatten, da sich besonders einige Transsexuelle bis auf die Geschlechtsangleichung sehr nach heteronormativen Stereotypen verhalten. Erst in den 1990ern wurde es üblich, von „gay, lesbian, bisexual and transgender people“ oder „Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern“ zu sprechen. Da die oftmalige Aufzählung aller Betroffenen der sexuellen Minderheiten immer sehr langatmig und platzraubend ist, wurde Mitte der 1990er das erweiterte Akronym „LGBT“ oder etwas seltener auch „GLBT“ üblich und hat sich recht schnell bis zur heutigen oftmaligen Verwendung durch Vereine und Organisationen verbreitet, vor allem in den englischsprachigen Ländern, aber auch im deutschsprachigen Raum und in vielen anderen Ländern. Sogar im sonst sehr auf Sprachtreue Wert legenden Frankreich hat sich diese Bezeichnung durchgesetzt. Die deutschsprachigen Pendants „LSBT“ oder „SLBT“ sind weniger verbreitet. Sprachenspezifische Akronyme gibt es dagegen in Esperanto (GLAT), Ungarisch (LMBT), Norwegisch (LHBT), Schwedisch (HBT) und Schottisch-Gälisch (LCDT). An die Schrift angepasste Varianten gibt es bei Kyrillisch (ЛГБТ)[5] und Hebräisch (להט"ב).

Einige Transgender kritisieren, dass sie vereinnahmt werden durch die häufige Verwendung von LGBT als Synonym für Lesbisch-Schwul (was einen nicht bestehenden Zusammenhang herstellt), denn Transgender-Menschen können auch eine heterosexuelle Orientierung haben. Andere Transgender argumentieren allerdings gerade für LGBT, da sie sich als marginalisierter Teil einer gemeinsamen Bewegung/Szene begreifen. Auch wird der Begriff des Öfteren einfach automatisch verwendet, auch wenn es nur um schwul-lesbische Anliegen geht.

Immer öfter wird Queer (dt. ‚seltsam‘ oder ‚sonderbar‘) als Synonym verwendet, insbesondere in Namen, da es ein Anglizismus, kein Kunstwort und nur ein Begriff ist. Darunter wird prinzipiell alles von der Heteronormativität Abweichende verstanden. Da es zum Modewort geworden ist, stecken aber vor allem bei kommerziellen Namensverwendungen – im Gegensatz zu „Queer-Studies“-Universitätsinstituten und ähnlichem – oft nur Teilbereiche dahinter.

Queerer Baukasten

Vor allem im englischen Sprachraum, aber auch international bei anderen Schwerpunktsetzungen, verwendet man auch weitere Buchstaben und Kombinationen. So wird etwa von der türkischen Organisation Lambda Istanbul oft LGBTT für lezbiyen, gey, biseksuel, travesti ve transseksueller verwendet. In Brasilien verwendet man gerne GLTTB für Gays, Lésbicas, Travestis, Transexuais e Bissexuais oder Gays, Lésbicas, Travestis, Transgêneros e Bissexuais. In den USA wird gerne mit Q für Queer, wie etwa bei glbtq.com, oder vor allem im Jugendbereich für Questioning (Unsicher) erweitert. Auch das A oder S für Straight Ally (Alliierte) wird gerne im Jugendbereich verwendet und bezeichnet befreundete Hetero- oder Cissexuelle, die einen unterstützen. Es werden auch unterschiedliche Kombinationen innerhalb eines Dokumentes verwendet, um beispielsweise von GL über GLB bis GLBQ (als Questioning) die jeweiligen Aussagen dem Gesamten oder Teilgruppen zuzuweisen. Das ganze wird auch als „Alphabet Soup“ („Alphabet-Suppe“), „Queer-Alphabet“, „Gay Alphabet“ oder „Homo-Alphabet“ bezeichnet. Als teilweise scherzhafte Erweiterung hängen manche auch OW für or whatever (oder wasauchimmer) an.

Abkürzung → Bezeichnung
Abk. Bedeutung 1 Bedeutung 2 Bedeutung 3 Bedeutung 4
2 Two-Spirit
A Ally (Mz: Allies) / Alliierte Asexual / Asexuell
B Bisexual / Bisexuell
G Gay / Schwul
I Intersex / Intersexuell
L Lesbian / Lesbisch
O Omnisexual / Omnisexuell other / andere
OW or whatever / oder wasauchimmer
P Pansexual / Pansexuell Polyamorous / Polyamor
Q Queer Questioning / Unsicher
S Straight Ally / Hetero-Alliierte
T Transgender Transsexual Two-Spirit Transvestit
TG Transgender, Gay Transgender
TS Transsexual / Transsexuell Two-Spirit
U Unsure / Unsicher
Bezeichnung → Abkürzung
Bezeichnung Abk. 1 Abk. 2 Abk. 3
(Straight) Ally A S
Asexual A
Bisexual B
Gay G
Intersex I
Lesbian L
Omnisexual O
or whatever OW
Other O
Pansexual P
Polyamorous P
Queer Q
Questioning/Unsure Q U
Transgender T TG
Transsexual T TS
Transvestit T TV
Two-Spirit 2 T TS

Ähnliche Abkürzungen

Das Magazin Anything That Moves prägte das Akronym „FABGLITTER“ (Fetish, Allies, Bisexual, Gay, Lesbian, Intersexed, Transgender, Transsexual Engendering Revolution dt. Fetisch, Verbündete, Bisexuelle, Schwule, Lesben, Intersexuelle, Transgender, Transsexuelle erzeugende Revolution), welcher aber darüber hinaus sehr wenig Verbreitung fand.

Von einem afroamerikanischen Aktivisten wurde das Akronym „SGL“ (same gender loving) geschaffen, um sich von der als durch Weiße dominiert empfundenen LGBT-Community abzugrenzen.

Die Akronyme „LUG“ (lesbian until graduation), „GUG“ (gay until graduation) und „BUG“ (bisexual until graduation) sind in den USA verwendete scherzhafte Bezeichnungen für – meist weibliche – Jugendliche und junge Erwachsene, welche während ihrer Ausbildung am College oder an der Universität mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen temporär experimentieren.

Siehe auch

 Portal:Homo- und Bisexualität – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Homo- und Bisexualität

 Portal:Transgender, Transsexualität und Geschlechtervielfalt – Übersicht der Wikipedia-Inhalte zum Themenbereich

Belege

  1. „LGBT Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgendered [Lifestyle classifications]“
    Gale Research Company: Acronyms, Initialisms & Abbreviations Dictionary, Gale Research Co., 1980, ISBN 0-7876-2854-9, S. 1752
  2. "Der queere Buchstabenbaukasten" auf der Diskussionsseite dieses Artikels
  3. Erwin J. Haeberle: Bisexualitäten – Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems, erschienen in:
    E. J. Haeberle und R. Gindorf: Bisexualitäten – Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1994, S. 1–39
  4. Stanislawa Paulus: Identität ausser Kontrolle: Handlungsfähigkeit und Identitätspolitik jenseits des autonomen Subjekts, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2001, ISBN 3-8258-4971-6, S. 85
  5. Für kyrillisch (auch cyrillisch, zyrillisch) siehe auch „Schriften in Europa. Das phönizische und das griechische Alphabet“ (Stand 2. Feb. 2008).

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