La Paz
La Paz
Basisdaten
Einwohner (Stand)

Bevölkerungsdichte
896.802 Einw. (Fortschreibung 2010) [1]
4790 Einw./km²
Rang Rang 3
Fläche 187,24 km²
Höhe 3.600 m
Agglomeration 1,8 Mill. Einw. (2007)
Telefonvorwahl +591-2-...
Koordinaten 16° 30′ S, 68° 9′ W-16.494166666667-68.14753600Koordinaten: 16° 30′ S, 68° 9′ W
La Paz (Bolivien)
La Paz
La Paz
Politik
Departamento La Paz
Provinz Murillo
Homepage von La Paz
Klima
Klimadiagramm La Paz
Klimadiagramm La Paz
Wappen von La Paz
Zentrum von La Paz
Plaza Murillo mit Parlamentsgebäude (links) und Präsidentenpalast (rechts)

La Paz (La Paz de Ayacucho, Aymara: Chuqiyapu) ist der Regierungssitz Boliviens (Hauptstadt: Sucre). Mit einer Höhe von 3200 bis 4100 m ist die Stadt der höchstgelegene Regierungssitz der Erde.

Der volle Name der Stadt lautete zunächst Nuestra Señora de La Paz („Unsere Liebe Frau des Friedens“) wegen eines verhinderten Aufstandes der indigenen Ureinwohner; den heutigen Namen erhielt sie 1825 zum Gedenken an die siegreiche Schlacht bei Ayacucho im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier. La Paz ist auch Hauptstadt des Departamentos La Paz.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage im Nahraum

Die Stadt liegt im Landkreis (Municipio) La Paz auf etwa 3.600 m in dem rund 400 Meter tiefen Canyon des Río Chokeyapu, der in die umgebende Hochebene des Altiplano eingeschnitten ist und sich zu einem Talkessel mit einem geschützten und angenehmen Klima weitet.

Auf der Hochebene westlich von La Paz ist die Stadt El Alto entstanden, die inzwischen mit 949.912 Einwohnern größer als La Paz ist; dort befindet sich auch der internationale Flughafen La Paz-El Alto. Der Höhenunterschied zwischen den weiter talabwärts gelegenen südlichen Stadtteilen mit vielen Villen und dem Stadtrand am oberen Ende des Talkessels beträgt knapp 1000 m, was bei der Abfahrt von El Alto hinunter nach La Paz zu einem der spektakulärsten Ausblicke Boliviens führt. Zwischen der Höhenlage der Wohnviertel und dem sozialen Status ihrer Bewohner existiert eine eindeutige Beziehung: je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner. Bei einer durchschnittlichen Abnahme der Temperatur um 0,6 °C je 100 m liegt die Differenz zwischen den tiefsten und den höchsten Wohnlagen bei immerhin 6 °C im Jahresmittel; auch die Höhenkrankheit stellt für Auswärtige in den oberen Vierteln ein größeres Problem dar.

Die Stadt wird vom mächtigen Illimani (6.439 m) mit seinen vier Gipfeln beherrscht. Mit viel Fantasie kann man in den Felsen an seinen Hängen ein Bild eines Indio mit Frau, Kind und einem Lama erkennen.

Klima

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für La Paz
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17 17 18 18 18 17 17 17 18 19 19 18 Ø 17,8
Min. Temperatur (°C) 6 6 6 4 3 1 1 2 3 4 6 6 Ø 4
Niederschlag (mm) 114 107 66 33 13 8 10 13 28 41 48 94 Σ 575
Sonnenstunden (h/d) 6 5 5 6 8 9 9 8 7 6 6 6 Ø 6,8
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Quelle: BBC Weather

Stadtbild

Die Innenstadt unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Großstädten. Leuchtreklamen und Plakate, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten mit internationalem Angebot und moderne Bürogebäude beherrschen das Bild. Sehenswert ist die Kirche San Francisco, deren Bau 1549 begonnen wurde. Wie in jeder bolivianischen Stadt gibt es auch hier Markthallen und riesige offene Märkte, wobei der skurrile so genannte "Hexenmarkt" (der lokale Markt zum Handel mit rituellen Waren wird unter Touristen so genannt) eine Besonderheit darstellt. Quasi nahtlos an den Hexenmarkt schließt sich der Schwarze Markt (Mercado negro) an. Die Laden- und Standbesitzer hier zahlen keine bzw. kaum Steuern, der Markt ist jedoch zu wichtig (Arbeitsplätze, Geld, etc) als das die Regierung ernsthaft dagegen vorgehen würde. Im Innenstadtbereich befinden sich zahlreiche Museen. Einen höheren Bekanntheitsgrad hat das Coca-Museum. In ihm wird die Geschichte der Coca von ihren Anfängen als Bestandteil kultischer Riten bis hin zur Verwendung in der modernen Medizin dargestellt.

Die Stadt selber gliedert sich in zwei Teile: einen nördlichen Teil, der das Stadtzentrum und einen großen Teil der kulturellen Einrichtungen umfasst; und einen südlichen Teil, in dem Einfamilienhäuser das Bild prägen. Verbunden werden beide Teile mit einer Stadtautobahn für PKW und einer Hauptverkehrsstraße für öffentliche Verkehrsmittel. Der südliche Teil liegt wesentlich tiefer als das Zentrum, ist wärmer und deshalb bei der wohlhabenden Bevölkerungsschicht sehr beliebt. Da eine weitere Ausdehnung des nördlichen Teils an Platzmangel scheitert, wächst der Süden umso mehr.

Stadtteile

  • Casco Viejo: Casco Viejo ist die Altstadt und das ehemalige Zentrum von La Paz. Dort befinden sich Museen, Hotels, Geschäfte und wichtige Gebäude wie die Alcadia Municipal de La Paz und die Zentralbank von Bolivien, Banco Central de Bolivia. Am Plaza Murillo liegen der Regierungspalast und der Nationalkongress.
  • Zona Central: Zona Central ist als „die Mitte“ bekannt. Hier liegt das Viertel von Zona San Jorge. In diesem Stadtteil befinden sich Geschäfte, Hotels und viele Botschaften. Es gibt auch mehrere Wohnhäuser sowie Restaurants und Diskotheken.
  • Sopocachi: Sopocachi ist eines der ältesten Wohnviertel der Stadt.
  • San Pedro: San Pedro ist einer der ältesten Stadtteile. Sein Zentrum bildet die sogenannte "Plaza de San Pedro" (offizieller Name: Plaza Sucre) am rechten Ufer des Flusses Choqueyapu. Er ist die Heimat von zahlreichen Geschäften, von Druckereien und Autohäusern. In San Pedro liegt der Mercado Rodriguez, einer der größten und ältesten Märkte der Stadt.
  • Miraflores: Miraflores ist von der Innenstadt deutlich getrennt. In diesem Stadtteil wohnen mittlerweile etwa 45.000 Einwohner. Dieser Stadtteil wurde 1927 von dem Urbanisten Dr. Emilio Villanueva geplant. Miraflores ist als Erholungsort bekannt, beherbergt ein großes Einkaufszentrum, bedeutende Universitäten und Krankenhäuser mit der wichtigen Fakultät für Medizin der UMSA. In Miraflores befindet sich das größte Stadion von La Paz, das Estadio Hernando Siles.
  • Zona Norte: Zona Norte ist besonders durch seine Industrie geprägt (vor allem Lebensmittelindustrie). In Zona Norte beginnt auch die Autobahn, die La Paz mit der Stadt El Alto verbindet.
  • Zona Sur: Die Zona Sur ist der tiefste Punkt in La Paz und liegt auf einer Höhe von 3.200 m. Dieser Stadtteil ist das größte Wohnviertel von La Paz. Die Zona Sur verzeichnete in letzter Zeit ein starkes Wachstum und gilt als Wohnviertel der wohlhabenden Schichten.

Geschichte

La Paz wurde 1548 von Alonso de Mendoza als Station auf dem Handelsweg von Potosí nach Callao in Peru gegründet. Der formelle Gründungsakt für die neue Stadt wurde am 20. Oktober 1548 in der Ortschaft Laja vollzogen (ca. 25 km westlich vom heutigen La Paz), drei Tage später wurde ein Platz im Tal des Canyon des Río Chokeyapu als Standort für die neue Stadt festgelegt, da es hier Goldvorkommen gab und das Tal Schutz vor dem rauen Wetter auf der Hochebene des Altiplano bot. Ein Teil der Einwohner von Laja wurde in die neue Stadt umgesiedelt. Die neue Stadt lag verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt des Silberweges von Potosí nach Peru und des Cocaweges aus den Yungas.

Die Bestimmung Sucres zur Hauptstadt nach der Unabhängigkeit Boliviens im Jahre 1825 schmälerte die Wichtigkeit von La Paz nicht. Am 25. Oktober 1830 wurde auf oberstes Dekret hin die Universität „Universidad Mayor de San Andrés“ (kurz: UMSA) gegründet.

1899 wurde die Stadt nach einer kurzen Revolte zum Regierungssitz bestimmt, da sie als einzige größere bolivianische Stadt nicht vom wirtschaftlichen Niedergang Potosís betroffen war.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl der Stadt La Paz ist in den vergangenen vier Jahrzehnten um etwa 35 Prozent angestiegen:

  • 1976: 654.713 Einwohner (Volkszählung)[2]
  • 1992: 713.378 Einwohner (Volkszählung)[3]
  • 2001: 789.585 Einwohner (Volkszählung)[4]
  • 2010: 896.802 Einwohner (Fortschreibung)[5]

La Paz ist die drittgrößte Stadt Boliviens, nach der Millionenstadt Santa Cruz (1.685.884 Einwohner) im Tiefland und der Nachbarstadt El Alto (992.716 Einwohner).

Die Agglomeration La Paz hat geschätzte zwei Millionen Einwohner, die Paceños bzw. Paceñas genannt werden, und schließt unter anderem die Städte El Alto, Viacha und Achocalla ein.

Sehenswürdigkeiten

Gebäude der Banco Central de Bolivia in La Paz

Bauwerke:

Das höchste Gebäude in La Paz und in ganz Bolivien ist mit 107,30 m die Banco Central de Bolivia.

Größte Brücke in La Paz ist die Puente de las Americas (La Paz), während die Drillingsbrücken Puentes Trillizos momentan im Bau sind. Ihr Bau wird 16 Millionen US-Dollar kosten.

Museen

  • Museo Casa: Das Museum Museo Casa de Murillo ist eines der größten und bekanntesten Museen in Bolivien. In ihm befinden sich über sechs Tausend Ausstellungsstücke.
  • Museo Nacional de Arte: Das Museo Nacional de Arte ist eines der größten Museen seiner Art in Südamerika. Es verfügt über eine Sammlung von Kunstschätzen aus Bolivien, darunter Skulpturen, Kleidung und Kostüme, kostbare Porzellan- und Glasgefäße, Möbelstücke und Musikinstrumente. Viele Werke der bekanntesten Maler Boliviens, u.a. Melchor Pérez de Holguín, finden sich in dem Barockgebäude.
  • Coca-Museum: Das Coca-Museum ist weltweit das größte Coca-Museum. In ihm wird unter anderem die Geschichte der Coca von ihren Anfängen als Bestandteil kultischer Riten bis hin zur Verwendung in der modernen Medizin dargestellt.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind das Valle de la Luna (Deutsch: Mondtal) im Süden der Stadt, Tiahuanaco und der Titicaca-See. Außerdem kann der Chacaltaya besucht werden, auf dem die, mittlerweile stillgelegte, höchste Skipiste der Welt liegt. Bei La Paz liegt das höchstgelegende Radrenn-Oval der Welt. Das Alto Irpavo Velodrome liegt auf 3.408 m Meereshöhe.

Kultur

La Paz verfügt im Vergleich zu anderen bolivianischen Städten über ein reiches kulturelles Angebot. Fast täglich gibt es Konzerte, Lesungen, Theater- und sonstige Aufführungen. Einen besonders wichtigen Platz nimmt die Folklore ein: Bolivianische Tänze gibt es nicht nur bei den zahlreichen Folklore-Umzügen, sondern auch regelmäßig im Teatro Municipal oder in der Casa de la Cultura zu sehen.

Theater

La Paz besitzt eine der reichsten Theaterszenen Boliviens. Das bolivianische Theater übernimmt eine aufklärerische und gesellschaftspolitische Funktion, die durch ein breites Spektrum von zeitgenössischen Dramatikern repräsentiert wird.

Medien

La Paz ist der Verlagsort für große nationale Tageszeitungen in spanischer Sprache wie El Diario, La Prensa, El Deber, die internationale Zeitung La Razón u.a.. Ebenso werden hier einige englischsprachige Zeitungen herausgegeben.

Bildung

Die juristische Fakultät der Universidad Católica Boliviana San Pablo befindet sich in dem Stadtteil Sopocachi, Obrajes. Inzwischen gibt es sie auch in anderen Länder wie z. B Chile und Argentinien. Die Universidad Catolica Boliviana San Pablo ist eine der besten Universitäten des Landes. Es gibt außerdem noch eine ganze Reihe von anderen Universitäten und Hochschulen in La Paz wie die Universidad Andina Simón Bolívar oder die Universidad Mayor de San Andrés, die 1830 gegründet wurde und somit die älteste Universität des Landes ist.

Messen

In La Paz gibt es jährlich eine internationale Buchmesse, bei der die regional und international teilnehmenden Exponenten ihre Bücher vorstellen.

Verkehr

Fernverkehr

La Paz hat einen Busbahnhof im Norden der Innenstadt und ist durch Straßen in die nördlich gelegenen Yungas und in das südlich gelegene Oruro mit dem Rest des Landes verbunden. Die früher bestehende Eisenbahnanbindung nach El Alto (mit Anschluss an die Linien nach Chile und in den Süden des Landes nach Oruro und Uyuni) wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt. La Paz verfügt über einen internationalen und nationalen Flughafen. Der internationale Flughafen mit dem Namen Aeropuerto Internacional El Alto Flughafen La Paz liegt in der Nachbarstadt El Alto, etwa 50 bis 60 Minuten von der Zona Sur entfernt.

Nahverkehr

Aufgrund der Topographie gibt es im Stadtgebiet nur wenige breite und flache Hauptstraßen, auf die sich der Fahrzeugverkehr konzentriert. Insbesondere im Stadtzentrum, das nicht umfahren werden kann, kommt es häufig zu chaotischen Verkehrsverhältnissen.

Der öffentliche Nahverkehr besteht hauptsächlich aus Minibussen (max. 35 Eurocent) und Sammeltaxis ("Trufis", max. 50 Eurocent). So gibt es mehr als 200 verschiedene Routen, die jeden Bereich der Stadt abdecken. Die Busse und Taxis halten ohne feste Haltestellen auf Zuwinken oder Zuruf, was insbesondere auf den stark belasteten Hauptstraßen im Zentrum zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führt. Versuche der Stadtverwaltung, im Zentrum verbindliche Haltestellen vorzuschreiben, waren bisher erfolglos.

Viele Radiotaxis (mit Funkgeräten ausgestattete Fahrzeuge, die telefonisch bestellt, aber auch auf der Straße herangewinkt werden können) prägen das Verkehrsbild. Die Fahrpreise der Radiotaxis sind höher als die der normalen Taxis ohne Funk (die nur herangewinkt werden können), gelten aber als sehr sicher, da die Fahrer eine Pauschale verdienen und deshalb nicht gezwungen sind, rasant zu fahren, um möglichst viele Passagiere abzufertigen. Für weniger als vier Euro kommt man innerhalb der Stadt überall hin. Nachts sollte man aus Sicherheitsgründen nur mit Radiotaxen fahren, die man sich telefonisch bestellt hat.

Zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wird auf politischer Ebene der Bau einer Hochbahn ("Tren elevado") diskutiert, die vom Stadtzentrum in die talabwärts gelegenen Vororte der Zona Sur führen soll (möglicherweise als Einschienenbahn) und später vom Zentrum nach El Alto verlängert werden soll. Die Finanzierung ist jedoch noch ungeklärt.

Sport

Besonders im Fußball und in den Tennissportarten dominiert der Regierungssitz den Sportbetrieb des Landes weitgehend. In der Stadt residieren die beiden erfolgreichsten Fußballvereine Boliviens, Club Bolívar (1925 gegründet) und The Strongest La Paz (1908 gegründet). Das Derby zwischen beiden Vereinen wird Superclásico genannt. Die meisten Fußballspiele werden im Estadio Hernando Siles ausgetragen.

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaften

La Paz ist seit dem 12. Oktober 1982 Teil der Vereinigung der iberoamerikanischen Hauptstädte (UCCI) und gehört seit 1999 dem Netzwerk Mercociudades an, dem im Jahr 2010 bereits 213 Städten aus Mercosur-Ländern beigetreten sind.

Einzelnachweise

  1. World Gazetteer
  2. Thomas Brinkhoff: City Population
  3. Instituto Nacional de Estadística Bolivia (INE) 1992
  4. Instituto Nacional de Estadística Bolivia (INE) 2001
  5. World Gazetteer

Weblinks

 Commons: La Paz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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