Anna Elżbieta Fotyga
Anna Fotyga

Anna Elżbieta Fotyga (* 12. Januar 1957 in Lębork) ist eine polnische Politikerin. Sie gehört der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an und war von Mai 2006 bis November 2007 Außenministerin ihres Landes.

Fotyga studierte Internationalen Handel an der Universität Danzig und legte 1981 ihr Examen ab. 1980/1981 war sie für die Gewerkschaft Solidarność tätig, deren Auslandsbüro sie leitete. Nach Tätigkeit in der Wirtschaft während der Zeit des Kriegsrechts kehrte sie nach 1989 wieder in die Politik zurück, unter anderem von 1997 bis 2001 als außenpolitische Beraterin des Ministerpräsidenten Jerzy Buzek. Von 2002 bis 2004 wirkte sie als stellvertretende Stadtpräsidentin Danzigs.

2004 wurde Fotyga in das Europaparlament gewählt und gehörte dort zusammen mit den anderen Abgeordneten der PiS der UEN-Fraktion an. Am 22. November 2005 legte sie ihr Mandat nieder. Vom 31. Oktober 2005 bis zum 9. Mai 2006 war sie als Staatssekretärin dem parteilosen Außenminister Stefan Meller beigeordnet. Unter Ministerpräsident Jarosław Kaczyński wurde sie schließlich selbst Außenministerin. Nach der Wahlniederlage 2007 wechselte die langjährige Vertraute von Präsident Lech Kaczyński in die Präsidialkanzlei. Am 20. August 2008 trat sie überraschend vom Amt der Leiterin der Präsidialkanzlei zurück.

Im Februar 2007 verlangte Fotyga von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Deutschland müsse der polnischen Bevölkerung im Lande Minderheitenrechte zugestehen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte sie danach, Polen seien in Deutschland einer „Assimilierung“ ausgesetzt, die wesentlich härter sei, als in anderen Ländern der Europäischen Union.[1]

Nach einem Bericht der tageszeitung[2] hat Fotyga in einem der US-amerikanischen Tageszeitung International Herald Tribune am 14. August 2007 gegebenen Interview Berlin und Moskau als „Polens historische Feinde“ bezeichnet und die russische Energiepolitik, insbesondere deren Missbrauch als politische Waffe, sowie deutsche Entschädigungsforderungen bezüglich des nach 1945 an Polen verlorenen Eigentums kritisiert. Sie sagte, Warschau müsse seine Interessen innerhalb der EU und NATO verteidigen:

„With growing concern over Russia's use of its energy wealth as a political weapon, German restitution claims for property ceded to Poland after 1945 and close ties between its historic enemies, Moscow and Berlin, Fotyga says, Warsaw has to fight to defend its interests inside the EU and the Western military alliance.
Mit wachsender Besorgnis über die Benutzung der russischen Energieschätze als politische Waffe und die deutschen Rückgabeansprüche wegen nach 1945 an Polen abgetretenen Eigentums sowie die engen Bande zwischen seinen historischen Feinden Moskau und Berlin muss Warschau seine Interessen innerhalb der EU und des westlichen Bündnisses kämpferisch verteidigen, sagt Fotyga.

A. Fotyga: 14. August 2007 in International Herald Tribune: „Poland's status still "not equal", foreign minister says“[3]

Als Außenministerin hat Fotyga die Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses des Sejm übergangen. Sie hat sich am 15. November 2007 mit der Bitte um Anhörung der Kandidaten für die Botschafterposten in Madrid, Washington und bei der OSZE in Wien gewandt. Der Botschafter bei der OSZE, Sados, sei aber zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Präsidenten ernannt gewesen, die anderen beiden Kandidaten haben ihre Ernennung noch am selben Tag erhalten. Damit wurden die Kompetenzen des Sejm verletzt.

Anna Fotyga ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Polen verlangt Rechte für Minderheit“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Februar 2007
  2. „Die antideutsche Karte ausgespielt“ in die tageszeitung vom 16. August 2007
  3. „Poland's status still "not equal", foreign minister says“ in International Herald Tribune vom 14. August 2007

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