Anna Helmholtz
Anna Helmholtz im Jahre 1869. Gemälde von Wilhelm Füssli

Anna von Helmholtz (* 19. September 1834 in Tübingen; † 1. Dezember 1899 in Volosca, Istrien) war eine Berliner Salonière der Kaiserzeit und Ehefrau des Physikers Hermann von Helmholtz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anna von Helmholtz war die Tochter des württembergischen Staatsmannes Robert von Mohl (1799–1875) und seiner Frau Pauline, geb. Becher (1808–1894). 1852/53 lebte sie in Paris bei ihrer Tante, der Pariser Salonière Mary Clarke Mohl, was sie für ihr späteres Leben als Salonière nachhaltig prägen sollte. Nach ihrer Hochzeit 1861 lebte sie zuerst in Heidelberg, anschließend (ab 1871) in Berlin. 1899 starb sie im Urlaub in Istrien. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof Wannsee in Berlin.

Anna von Helmholtz war auch literarisch tätig: Sie hinterließ eine umfangreiche Briefschaft und übersetzte gemeinsam mit Estelle du Bois-Reymond, der Tochter des berühmten Physiologen Emil du Bois-Reymond, die Schrift Modern Views of Electricity des Physikers Oliver Lodge (Neueste Anschauungen über Electricität, Leipzig 1896).

Familie

Hermann Helmholtz. Gemälde von Ludwig Knaus

Ehe und Nachkommen

Anna von Mohl heiratete am 16. Mai 1861 den Physiker Hermann Helmholtz (1821–1894), der 1883 geadelt wurde. Für Helmholtz war es bereits die zweite Ehe.

Das Paar hatte drei Kinder:

  • Robert von Helmholtz (1862–1889)
  • Ellen von Helmholtz (1864–1941), ∞ 1884 mit Arnold von Siemens (1853–1918)
  • Friedrich Julius von Helmholtz (1868–1901).

Berühmte Verwandte

Annas Onkel waren

Ihre Tante war die Pariser Salonière Mary Clarke-Mohl (1793–1883), Gattin von Julius Mohl.

Ihr Bruder war der Diplomat Ottmar von Mohl (1846–1922).

Salon

Kronprinzessin Victoria, die bei Anna von Helmholtz viel verkehrte. Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, 1867

Seit etwa 1872 – im Jahr zuvor war ihr Mann an die Friedrich Wilhelms Universität berufen worden – führte Anna von Helmholtz in der Hauptstadt des jungen Deutschen Reiches an mehrmals wechselnder Adresse einen Salon, in dem sich die Spitzen der Berliner Gesellschaft trafen. Politiker trafen hier auf Künstler, Literaten auf Hofleute. Seine besondere Bedeutung erhielten die „Dienstage“ der Anna Helmholtz vor allem dadurch, dass sie besonders viele Gelehrte anzogen, und zwar vor allem Naturwissenschaftler. Erstmals wurde hier der akademischen Elite des Landes ein gesellschaftliches Parkett ersten Ranges geboten. Als Schnittstelle zwischen Hofgesellschaft, Künstlerszene und Bildungsbürgertum wurde ihr Haus zum bedeutendsten Salon im jungen Kaiserreich und zum Prototyp großbürgerlicher Geselligkeit im späten 19. Jahrhundert, während sie selber, als Tochter eines wegen seiner Leistung nobilitierten Juristen und Gattin eines ebenfalls durch eigene Leistung in den Adel aufgestiegenen Wissenschaftlers, das Ideal der großbürgerlichen Dame ihrer Zeit verkörperte, welche gesellschaftlichen Schliff und aristokratischen Umgang mit musischem Feinsinn und ernsthaftem wissenschaftlichem Interesse harmonisch verbindet. Ihre gesellschaftliche Rolle beschreibt Petra Wilhelmy so:

„Anna von Helmholtz war trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer Bildung und ihres bedeutenden sozialen Engagements nicht allgemein beliebt. Man bewunderte und respektierte sie, es blieb jedoch eine Distanz. Marie von Bunsen [...] vermutete, es sei ihr übelgenommen worden, dass sie sich als 'grande dame' und hochgebildete Salonnière über das Leitbild der bescheidenen, zurückhaltenden Professorenfrau hinweggesetzt habe. In der Tat betrachtete Anna von Helmholtz ihre Kreise des höheren Bildungsbürgertums als „Geistesaristokratie“ und strebte ehrgeizig um jeden Preis hochkarätige Geselligkeit an.[1]

Zum näheren Umgang Annas zählte Kronprinzessin Victoria, die spätere Kaiserin Friedrich, an deren Engagement für Krankenpflege und Mädchenbildung sie selber sich tatkräftig beteiligte. Bis zu seinem Tod 1894 bildete ihr Mann Hermann, mittlerweile ein Star der scientific community des Kaiserreiches, mit ihr den Mittelpunkt des Salons; aber auch als Witwe führte sie die Tradition bis zu ihrem Tod 1899 weiter fort. Mit einer anderen großen Salonière der Zeit, Marie Gräfin Schleinitz, war sie eng befreundet, ihre beiden Salons waren die Angelpunkte des Berliner geselligen Lebens: zu Mimi Schleinitz gingen vor allem Künstler, zu Anna Helmholtz Wissenschaftler.

Berühmte Habitués

Der Pianist Anton Rubinstein. Gemälde von Ilja Repin
Rudolf Virchow, ebenfalls ein häufiger Gast im Hause Helmholtz. Gemälde von Hugo Vogel

Werke

  • Ellen v. Siemens-Helmholtz (Hrsg.): Anna von Helmholtz. Ein Lebensbild in Briefen. 2 Bände. Verlag für Kulturpolitik, Leipzig 1929.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Wilhelmy, S. 287.
  2. Vgl. Wilhelmy, S. 661-669.

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