Anna Justina Mahler
Anna Mahler (1921), Bildnis von Broncia Koller-Pinell

Anna Justine Mahler (* 15. Juni 1904 in Wien; † 3. Juni 1988 in London) war eine musikalisch und bildnerisch vielfach begabte österreichische Künstlerin. Sie war die Tochter des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler und seiner Frau Alma Mahler-Werfel.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anna Mahler mit ihrer Mutter Alma und ihrer Schwester Maria (1906)

Ihr berühmter Vater starb, als Anna Mahler erst sechs Jahre alt war. Ihre Mutter Alma Mahler-Werfel, die zum Zeitpunkt des Todes von Gustav Mahler ein Verhältnis mit Walter Gropius unterhielt, wurde in Wien zu einer der großen Gesellschaftsdamen mit engen Verbindungen zu zahlreichen Kulturschaffenden Europas. Der Salon der Mutter wurde zu einem der Zentren des intellektuellen Lebens Wiens, in dem unter anderem Gerhart Hauptmann, Alexander von Zemlinsky, Alban Berg, Bruno Walter, Paul Kammerer und Willem Mengelberg verkehrten. Ihre Mutter war eine umworbene und als Witwe Mahlers von vielen verehrte Frau, die sich zunehmend den Ruf einer Femme fatale erwarb. Anna Mahler war Zeuge, wie ihre Mutter nach einer stürmischen Beziehung zu dem expressionistischen Maler Oskar Kokoschka und einer kurzen Ehe mit Walter Gropius eine langwährende Beziehung mit Franz Werfel einging. Oliver Hilmes, der Biograph von Alma Mahler-Werfel, hat die Behauptung aufgestellt, dass es die für Anna Mahler erdrückende und sexuell aufgeladene Atmosphäre war, die sie dazu trieb, mit erst 17 Jahren den Dirigenten Rupert Koller zu heiraten. Die Ehe scheiterte nach wenigen Monaten.

Anna Mahler zog nach Berlin und verliebte sich dort in den Komponisten Ernst Krenek. Die beiden heirateten 1924, die Ehe scheiterte jedoch ebenfalls nach einem Jahr. Nachdem sie Bildhauerei in Wien studiert hatte, war sie in der Lage, sich dort als Bildhauerin zu etablieren. Eine kurze Ehe verband sie auch mit Paul Zsolnay, dem Verleger von Franz Werfel, der auch die Briefe zwischen ihren Eltern verlegt hatte. Auch diese Ehe, aus der eine Tochter hervorging, scheiterte.

Wie Oliver Hilmes schreibt, unterhielt die politisch eher links Eingestellte in der ersten Hälfte der Dreissigerjahre ein Liebesverhältnis mit dem österreichischen Politiker, ab 1934 Bundeskanzler (realiter Diktator) und Führer der Vaterländischen Front, Kurt von Schuschnigg. Nach dem Tod seiner Gattin bei einem Autounfall zwischen Linz-Ebelsberg und Asten, den Schuschnigg selbst mit leichteren Verletzungen überstanden hatte, brach dieser aber das Verhältnis zu Anna Mahler ab, da er das Unglück als Strafe Gottes für seine Sünde empfand.

1937 wurde Anna Mahler auf der Pariser Weltausstellung für ihre Skulptur weiblicher Akt mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

1938 war sie in Versuche involviert, sozusagen 5 nach 12 (nach dem Berchtesgadener Abkommen vom 12. Februar, das den Untergang Österreichs besiegelte) noch eine Verständigung zwischen Regierung/Vaterländische Front und den seit 1934 verfolgten österr. Sozialdemokraten herzustellen, um doch noch eine Front gegen Hitler und die Nationalsozialisten aufzubauen.

Todesanzeige

1939 floh Anna Mahler, da ihr Vater jüdischer Abstammung war, vor den Nazis nach London. Sie heiratete den Dirigenten Anatole Fistoulari, mit dem sie eine weitere gemeinsame Tochter hatte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte sie in Kalifornien in der Nähe ihrer Mutter und ihres Stiefvaters. Dort heiratete sie Albrecht Joseph, einen Drehbuchautor aus Hollywood. Nach dem Tod ihrer Mutter 1964 erlaubte es Anna Mahlers finanzielle Unabhängigkeit, sich in Spoleto, Italien niederzulassen. 1988 starb sie in London, während sie ihre dort lebende Tochter Marina besuchte.

Werke

Zu ihren Arbeiten gehören eine Reihe von Bronzebüsten von bedeutenden Musikern des 20. Jahrhunderts, darunter Arnold Schönberg, Alban Berg, Artur Schnabel, Otto Klemperer, Bruno Walter und Rudolf Serkin.

Literatur

  • Barbara Weidle, Ursula Seeber (Hrsg.): Anna Mahler. Ich bin in mir selbst zu Hause. Weidle Verlag, Bonn 2004, ISBN 3-931135-79-9.

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