Anna Karenina (1997)
Filmdaten
Deutscher Titel Anna Karenina
Produktionsland USA, Russland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Bernard Rose
Drehbuch Bernard Rose
Produktion Bruce Davey
Jim Lemley
Stephen McEveety
Musik Sergei Prokofjew
Sergei Rachmaninow
Pjotr Tschaikowski
Kamera Daryn Okada
Schnitt Victor Du Bois
Besetzung

Anna Karenina ist die im Jahr 1997 produzierte Verfilmung des zwischen 1875-77 geschriebenen gleichnamigen Romans von Leo Tolstoi und spielt im Russland des 19. Jahrhunderts. Im Film entwickelt sich die Geschichte aus der Sicht des Konstantin Dmitriewitsch Lewin (Alfred Molina), wobei sich der Regisseur und Drehbuchautor Bernard Rose enger an die Buchvorlage hielt, als dies bei früheren Verfilmungen geschehen ist.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Anna Karenina (Sophie Marceau) ist die schöne und kluge Frau des reichen, gefühllosen und viel älteren Fürsten Alexei Alexandrowitsch Karenin (James Fox). Trotz ihres glanzvollen Daseins und der Nähe zum russischen Zarenhof führt sie ein einsames, unerfülltes Leben, ist unglücklich in ihrer Ehe und vom Leben enttäuscht. Ihr Gatte, ein hoher Regierungsbeamter, sieht in einer erfolgreichen Karriere das höchste Lebensziel und hat für seine junge Frau kein Verständnis. Als pflichtbewusste und treue Ehefrau und liebevolle Mutter eines neunjährigen Sohnes ist sie zwar zufrieden, aber wahre Leidenschaft hat sie nie erlebt.

Eine Reise von Sankt Petersburg nach Moskau ändert dies, denn sie begegnet dort dem attraktiven jungen Kavallerieoffizier Graf Wronski (Sean Bean), der seine Mutter Gräfin Wronskaja (Phyllida Law) vom Zug abholt. Die Damen sind miteinander im selben Abteil gereist und die beiden jungen Leute werden einander vorgestellt. Ein tragischer Zwischenfall scheint wie ein böses Omen für die Zukunft zu sein: ein Bahnhofsarbeiter stürzt, gerät zwischen die Gleise des Zuges und wird vor den Augen der entsetzten Fahrgäste vom wieder anfahrenden Zug überrollt und getötet.

Zweck von Annas Besuch in Moskau ist, ihre Schwägerin Darja Alexandrowna (Saskia Wickham), genannt Dolly, mit ihrem Gatten, Annas Bruder Fürst Stepan (Stiwa gerufen) Arkadjewitsch Oblonski (Danny Huston), wieder zu versöhnen. Dieser hat eine Affäre mit einer ehemaligen Prostituierten begonnen, was sich allerdings keineswegs auf seine gesellschaftliche Stellung auswirkt, wodurch der Zuschauer zum ersten Mal einen Hinweis auf die Verlogenheit und Ungleichbehandlung in der Gesellschaft bekommt.

Ein Jugendfreund Stiwas, Konstantin Dmitrijewitsch Lewin, kommt in Moskau an und will um die Hand von Dollys jüngerer Schwester, Fürstin Jekaterina Alexandrowna Schtscherbatski, allgemein Kitty gerufen, (Mia Kirshner) anhalten. Diese lehnt den Heiratsantrag jedoch ab, da sie sich einen Antrag von Graf Alexei Kirillowitsch Wronski erhofft. Obwohl dieser einiges für Kitty empfindet, hegt er keinerlei Heiratsabsichten. Wronsky verliebt sich bereits bei der ersten Begegnung am Moskauer Bahnhof in Anna Karenina, der er auf einem Ball wieder begegnet, wo er Mazurka mit ihr tanzt, eifersüchtig beobachtet von der unglücklich verliebten Kitty.

Anna flieht förmlich vor Wronsky und ihren Gefühlen heim nach St. Petersburg zu ihrem Mann und ihrem Sohn Serioscha. Wronski verfolgt sie mit demselben Zug, allerdings fährt er in einem anderen Waggon. Am Bahnhof wird Anna von ihrem Gatten abgeholt, wobei es zu einer kurzen Begegnung der drei kommt.

Nach anfänglichem Zögern und Widerstand gegen ihre aufflammenden Gefühle lässt sich Anna Karenina schließlich auf eine Affäre mit Wronski ein und verstrickt sich dadurch in einen Strudel von Pflicht und Neigung. Ihre Beziehung zu Wronski wird offenkundig, als dieser bei einem Pferderennen stürzt und sie äußerst entsetzt darauf reagiert. Die Konventionen einer verlogenen Gesellschaft treiben Anna dem tragischen Untergang zu; sie provoziert mit ihrer Affäre einen gesellschaftlichen Skandal.

Anna erwartet von ihrem Geliebten ein Kind und gesteht ihrem Mann ihr außereheliches Verhältnis. Karenin verweigert die Scheidung und verlangt von ihr, dass sie den Geliebten nie wieder sieht und dass sie sich in Hinkunft standesgemäß verhält, ansonsten würde er ihr den Sohn entziehen. Schließlich erleidet sie eine Fehlgeburt, liegt im Sterben und ihr Mann verzeiht ihr. Als ihr Geliebter an ihr Sterbebett eilt, verzeiht er auch diesem angesichts der Leidenden. Heimgekehrt unternimmt Wronsky einen Selbstmordversuch, der jedoch scheitert.

Wider Erwarten überlebt Anna, über den Verlust des Kindes hilft ihr die verordnete Einnahme von Opium zur Beruhigung hinweg. Wronski holt die noch immer Kranke aus dem ehelichen Haus und reist mit ihr nach Italien. Voller Heimweh und Sehnsucht nach ihrem Sohn will sie jedoch später zurück nach Russland. Ihr Geliebter, der ihretwillen seinen Dienst beim Militär quittiert hat und dadurch sehr zum Missfallen seiner Mutter eine vielversprechende Karriere aufgegeben hat, kehrt mit ihr zurück. Er fühlt sich ohne seinen Beruf nicht ausgefüllt. Parallel dazu verläuft die Geschichte des wohlhabenden Großgrundbesitzeres Lewin und seiner Vermählung mit der von Wronski zugunsten Annas verschmähten Kitty. Diese hatte ja Lewin zuerst wegen Wronski abgewiesen, war kurz drauf sehr krank geworden und hatte sich in ein deutsches Kurbad zurückgezogen. Die Verbindung wird nur zögerlich auf Dollys (Anna Kareninas Schwägerin) Vermittlung hin eingegangen. Der zuerst zurückgewiesene Lewin erkannte bei einem zufälligen Blick auf die im Wagen vorbeifahrende Kitty, dass er sie nach wie vor liebte. Die Beziehung zwischen den beiden vertieft sich mit der Zeit und sie führen eine äußerst glückliche Ehe, gekrönt durch die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes.

Annas Noch-Ehemann nutzt inzwischen Annas Situation für seine Belange aus. Er steht unter dem Einfluss der religiösen Fanatikerin Gräfin Lydia Iwanowna (Fiona Shaw), einer Freundin des Hauses, die ihm inzwischen den Haushalt führt. Karenin verweigert weiterhin die Einwilligung in die Scheidung und beansprucht das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn, den Anna auch nicht sehen darf, obwohl der Vater selber keinerlei emotionalen Bezug zu dem Kind hat. Lydia geht sogar soweit, dem Jungen zu erzählen, dass seine Mutter tot sei. Als Anna sich am Geburtstag des Jungen heimlich ins Haus schleicht, um dem Kind Geschenke zu bringen, wird sie von Karenin ertappt und dieser jagt seine weinende Frau wütend aus dem Haus.

Anna, die sich mit der Situation nicht abfinden kann, wird immer unglücklicher und unzufriedener und ihre gesellschaftliche Ächtung wird bald so groß, dass es schließlich zur Katastrophe kommt. Ihr Geliebter, dessen Zuneigung zu ihr abgekühlt scheint, geht wie gewohnt und sehr zum Missfallen Annas seinen Vergnügungen und gesellschaftlichen Verpflichtungen nach, während Anna ihm mehr und mehr misstraut. Unklugerweise schimpft sie ihm gegenüber bei einem Streit über seine Mutter und beschuldigt diese, dass sie ihn mit ihrer neuen Gesellschafterin, der schönen (Anna Calder-Marshall) verkuppeln wolle und er wohl auch nicht abgeneigt sei. Er gehe ja auch ohne sie zu diversen Dinners und in die Oper und begleite seine Mutter und deren junge Gesellschafterin. Anna verbringt die Abende und Nächte einsam zuhause grübelnd - und zur Beruhigung Opium einnehmend.

Ihr Geliebter scheint wohl nur noch aus Pflichtgefühl bei ihr zu bleiben, seine Liebe zu ihr ist abgekühlt. Und zu ihrem Ehemann, den sie inzwischen verabscheut und der nach wie vor die Scheidung verweigert, will sie nicht mehr zurück. Sie sieht keinen Ausweg mehr, keine gemeinsame Zukunft mit dem geliebten Mann und wirft sich vor einen Zug.

Wronski meldet sich daraufhin freiwillig für den Krieg in Serbien (1877), in dem die Serben gegen die Türken revoltierten, denn auch er sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr. Dies erzählt er Lewin, als beide zufällig im selben Zugabteil fahren, Wronski Richtung Front und Lewin nach Hause zu Frau und Sohn, von denen er freudig erwartet wird.

Sonstiges

  • Bernard Rose wählte Sean Bean für die Rolle von Graf Wronski, da er ihn im Britischen Fernsehen in der Rolle des Richard Sharpe in der Sharpe-Serie gesehen hatte und der Meinung war, dass der Schauspieler in einer zeitgenössischen Militäruniform ganz und gar natürlich wirken würde und die Idealbesetzung sei.
  • Dieser Film war die erste „westliche“ Produktion von „Anna Karenina“, die tatsächlich in Russland (Sankt Petersburg) gefilmt wurde – in der Zeit von Februar bis Juli 1996.

Kritiken

  • Die OÖN (www.ooen.at/archiv) schrieb am 3. Mai 1997, dass die Verfilmung große Ratlosigkeit hinterlasse, Bernard Rose hätte mit Tolstoi ebenso wenig anzufangen gewusst wie mit seinen Schauspielern. Sophie Marceau husche mit schönem und blassem Gesicht durch die Gegend, befinde sich auf dauernder Suche nach (russischer) Seele. Fast möchte ihr der erschöpfte Zuschauer vor dem Sprung vor den Zug zurufen: „Spring, Mädchen, spring!“ Der hölzerne Sean Bean hätte als Pinocchio bessere Figur gemacht, und James Fox agiere als betrogener Alexej A. Karenin wie ein melancholischer britischer Gentleman beim immerwährenden Fünfuhrtee.
  • film-dienst 9/1997 hingegen meinte, dass der Film eng an die Vorlage angelehnt sei, er zeigt mit aufwändiger Ausstattung und Detailtreue das Leben der feinen Gesellschaft, konzentriert sich aber immer auf deren Psychologie und sei hervorragend fotografiert und gespielt.

Literatur

  • Lew N. Tolstoi: Anna Karenina. Roman (Originaltitel: Anna Karenina). Deutsch von Fred Ottow. Mit einem Nachwort von Johanna Döring-Smirnow, Anmerkungen von Bodo Zelinsky und einer Zeittafel. 2. Auflage. Winkler Weltliteratur (Blaue Reihe). Artemis & Winkler, Düsseldorf 2007, 1179 S., ISBN 978-3-538-06349-5 oder ISBN 3-538-06349-4

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