Anna Maria Schicklgruber

Adolf Hitlers Familie entstammte dem niederösterreichischem Waldviertel und war später in Braunau am Inn (Oberösterreich) ansässig. Seine Familiengeschichte dürfte im Leben Adolf Hitlers eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Inhaltsverzeichnis

Adolf Hitlers Beziehungen zu seiner Familie

Zeit seines Lebens hat Hitler darauf geachtet, dass seine Herkunft möglichst im Unklaren blieb. „Sie dürfen nicht wissen,“ sagte er 1930 über seine politischen Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.“ Grund für diese Haltung dürfte sein, dass die Beziehungen von Adolf Hitlers Vorfahren untereinander von Inzest nicht frei waren. Hier blieb Raum für Spekulationen von Seiten seiner Gegner, die soweit gingen, dass kolportiert wurde, Hitlers Vater sei aus einem Verhältnis der Großmutter mit einem Juden hervorgegangen; eine Spekulation, die mittlerweile als widerlegt gilt. Um entsprechenden Angriffen entgegenzuwirken, präsentierte Hitler selbst in seinem Buch Mein Kampf eine „bereinigte“ Fassung seiner Familiengeschichte, die im „Dritten Reich“ durch die Propaganda zur offiziellen Version der Ereignisse erhoben wurde. Vergleichbare Schönfärbungen und Mythenbildungen finden sich auch in den offiziellen biografischen Darstellungen zu Josef Stalin.

Die Beziehungen Adolf Hitlers zu seinen lebenden Verwandten – seine Eltern waren bereits verstorben, als er seine politische Karriere begann – waren in aller Regel durch Zurückhaltung und bewusstes Abstandhalten gekennzeichnet. Eine Ausnahme hiervon bildete lediglich seine Halbschwester Angela und deren Tochter, Adolfs Nichte, Angelika Raubal, für die Adolf Hitler die Rolle eines Vormunds übernahm.

Vorfahren

Alois Hitler (1837–1903), Vater Adolf Hitlers
Klara Hitler, geb. Pölzl (1860–1907), Mutter Adolf Hitlers

Adolf Hitler war das vierte von sechs Kindern des Zollbeamten Alois Hitler und von Klara Hitler, geb. Pölzl. Adolf Hitler schildert seinen Vater als streng und jähzornig, doch dürfte der Erziehungsstil insgesamt eher zeittypisch gewesen sein. Der Geburtsname des Vaters war Alois Schicklgruber; die Namensänderung in Alois Hitler erfolgte 1876, als der Ortspfarrer von Döllersheim den Geburtseintrag des Alois von „unehelich“ in „ehelich“ änderte und den Namen Schicklgruber durchkreuzte. Dies geschah auf Grund von Zeugenaussagen, wonach der vorgebliche leibliche Vater, Johann Georg Hiedler, sich zu der Vaterschaft bekannt habe. Tatsächlich hat dieser jedoch nie eine offizielle Vaterschaftserklärung abgegeben. Möglich ist daher auch, dass in Wahrheit Johann Georgs Bruder Johann Nepomuk Hiedler aus Weitra der leibliche Vater des Alois war, zumal es Johann Nepomuk war, der auf die Änderung des Geburtseintrages drängte. Fest steht lediglich, dass die Mutter des Alois eine Anna Maria Schicklgruber aus Strones war. Hans Frank brachte außerdem das Gerücht auf, Anna Maria Schicklgruber sei mit Alois schwanger geworden, als sie im Hause des Grazer Juden Frankenberger als Magd tätig gewesen sei, doch gilt dies als widerlegt.[1] Nach offizieller Lesart war Klara über ihren Onkel Johann Georg Hiedler Alois Cousine zweiten Grades.[2]

Die Umstände, warum die Namensänderung von 1876 auf „Hitler“ erfolgte – und nicht etwa auf „Hiedler“ oder „Hüttler“ – sind unklar.[3] Zdral erwähnt in seinem Buch, dass es sich um ein „phonetisches Missverständnis“ des Notars gehandelt haben könnte, der den Namen möglicherweise nach der mündlichen Aussprache aufgeschrieben habe. Jedenfalls hält Zdral die Schreibweise „Hitler“ für „eine bewusste Wahl, denn Alois hat die falsche Schreibweise nie korrigieren lassen, was leicht möglich gewesen wäre“. Zdral führt dazu weiter aus:

„Wahrscheinlich gefiel ihm [Alois] die Idee, sich mit dieser Namensversion für alle sichtbar noch weiter von seiner Herkunft zu distanzieren. Als ‚Hitler‘ eröffnet er eine neue Linie des Stammbaumes, wie ein dynastischer Stammvater begründet er einen eigenen Clan.[4]

Geschwister und verschwägerte Verwandte

Aus der Ehe zwischen Alois Hitler und Klara Hitler gingen insgesamt sechs Kinder hervor, von denen vier bereits im Kindesalter verstarben; lediglich die jüngere Schwester Paula erreichte außer Adolf das Erwachsenenalter:

  • Gustav (* 10. Mai 1885; † 8. Dezember 1887), starb an Diphtherie
  • Ida (* 23. September 1886; † 2. Januar 1888), starb ebenfalls an Diphtherie
  • Otto (* 1887; † 1887)
  • Adolf (* 20. April 1889; † 30. April 1945)
  • Edmund (* 24. März 1894; † 28. Februar 1900), starb an Masern
  • Paula (* 21. Januar 1896; † 1. Juni 1960)

Die in Wien lebende Paula hatte sich, offenbar auf Betreiben des Bruders Adolf, den Nachnamen Wolf zugelegt. Möglicherweise war das Verhältnis zwischen den Geschwistern zunächst nicht besonders gut, doch ist belegt, dass Adolf Hitler sich später zumindest darum bemühte, Paula ein sicheres finanzielles Auskommen zu gewährleisten. Paula blieb unverheiratet und starb kinderlos, so dass es heute keine lebenden Nachkommen aus der Ehe von Adolf Hitlers Eltern mehr gibt. Adolf Hitler selbst hatte kurz vor seinem Selbstmord Eva Braun geheiratet. Die Theorie, wonach Adolf Hitler in seiner Zeit als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg eine Affäre mit Charlotte Eudoxie Alida Lobjoie gehabt habe, aus der dann Jean Loret als unehelicher Sohn hervorgegangen wäre, gilt in der Forschung als eher unwahrscheinlich; sie wurde im Wesentlichen nur von Werner Maser vertreten.

Stiefmütter und Halbgeschwister

Klara Pölzl war jedoch bereits Alois Hitlers dritte Ehefrau. 1875 hatte er die 14 Jahre ältere Anna Glasl-Hörer geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos, und bald darauf ließ Alois, dessen Name wie erwähnt zwischenzeitlich von Schicklgruber in Hitler geändert wurde, sich von ihr scheiden. 1883 heiratete Alois dann die um 24 Jahre jüngere Franziska Matzelsberger. Bereits vor der Eheschließung hatte Alois mit ihr den Sohn Alois Hitler junior (* 1882), 1884 kam dann die Tochter Angela Hitler zur Welt. Die Mutter Franziska starb allerdings kurze Zeit später an Tuberkulose. Bereits Anfang 1885 ehelichte Alois dann Klara Pölzl. Die Kinder aus der zweiten und aus der dritten Ehe wuchsen im selben Haushalt in Braunau auf.

Familienzweig Alois junior

Alois Hitler junior (zuerst Matzelsberger, seit 1945 Hiller; * 13. Januar 1882 in Wien; † 20. Mai 1956 in Hamburg) ging allerdings bald seine eigenen Wege. Eine Ausbildung zum Ingenieur brach er ab, wurde straffällig und wegen Diebstahls zu Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung wanderte er nach London aus. Dort heiratete er die Irin Bridget Dowling, mit der er einen Sohn hatte, den 1911 geborenen William Patrick Hitler. 1915 verließ Alois jr. jedoch seine Familie und kehrte nach Österreich zurück, heiratete – ohne zuvor von seiner Ehefrau Bridget geschieden zu sein – Hedwig Heidemann, die ihm 1923 den Sohn Heinrich Hitler gebar. In Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ wird Alois jr. mit keinem Wort erwähnt, beide hatten offenbar während der Herrschaft Adolf Hitlers auch keinen Kontakt miteinander. Alois jr. schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten und dann in Berlin als Restaurantbesitzer durch. Nach Kriegsende änderte er seinen Namen in Alois Hiller. Er starb 1956 in Hamburg.

Auch das Verhältnis zwischen Adolf Hitler und seinem Halbneffen William Patrick Hitler (* 12. März 1911 in Liverpool; † November 1987) war belastet. William Patrick zog nach Adolf Hitlers Machtergreifung aus England nach Deutschland und erhoffte sich offenbar persönliche Vorteile durch seine Verwandtschaft mit dem Diktator. Da es dabei aber offenbar zu Erpressungsversuchen durch William Patrick gekommen war, der gedroht haben soll, Familiengeheimnisse an die Öffentlichkeit zu tragen, entzweiten sich die beiden, William Patrick kehrte zurück nach England und emigrierte 1939 in die USA, wo er zunächst seine Verwandtschaft zum deutschen Diktator durch starke Medienpräsenz auszunutzen versuchte. 1944 trat er in die US Navy ein. Nach der Entlassung 1947 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seine weltanschauliche Position bleibt aber unklar; die Annahme des Namens Stuart-Houston (der auf seinem Grabstein auf Long Island steht) galt wegen des Anklangs an Houston Stewart Chamberlain einigen Historikern als Beweis für die Nähe zu antisemitischen Gedanken. Mit seiner Frau Phyllis (* 1925), die er 1947 geheiratet hatte, hatte der 1987 verstorbene William Patrick Hitler vier Kinder: Alexander Adolf Hitler (* 1949), Louis Hitler (* 1951), Howard Hitler (* 1957, † 1989 bei einem Autounfall) und Brian Hitler (* 1965). Alle vier Kinder legten später den Familiennamen Hitler ab und distanzierten sich von ihrem Großonkel, dem Diktator.

Bridget Elizabeth Dowling (* 1891 in Dublin, Irland; † 1969 auf Long Island) war die Schwägerin Adolf Hitlers. Sie heiratete 1909 Alois Hitler junior. Als Mutter von William Patrick Hitler wanderte sie ab 1939 mit diesem in die USA aus.

Familienzweig Angela

Angela Hitler (später Raubal, später Hammitzsch; * 28. Juli 1883 in Braunau am Inn; † 30. Oktober 1949) unterhielt zu ihrem Halbbruder Adolf offenbar stets ein gutes Verhältnis. Sie heiratete den Beamten Leo Raubal senior, mit dem sie drei Kinder hatte, Leo (* 1906), Geli (* 1908) und Elfriede (* 1910). Deren Vater starb bereits 1910. In den 1920er Jahren zog Angela, die bis dahin in Wien gelebt hatte, zu Adolf Hitler nach München, später auf seinen „Berghof“ auf dem Obersalzberg. 1936 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Adolf und Angela jedoch, und Angela zog mit ihrer Tochter Elfriede nach Dresden, wo sie den Architekten Martin Hammitzsch heiratete. Angela starb 1949.

Leo Raubal juniors (* 2. Oktober 1906; † August 1977) genaues Verhältnis zu seinem Onkel Adolf bleibt unklar. Insbesondere ist unsicher, ob Leo Adolf eine Mitschuld am Tod seiner Schwester Geli gegeben hat oder nicht; hierzu gibt es widersprüchliche Aussagen. Zum Teil wird Leo sogar als Lieblingsneffe des Diktators betrachtet. Leo machte eine Karriere als Studienrat für Chemie, nahm dann als Soldat am Russlandfeldzug teil und geriet bei Stalingrad in sowjetische Gefangenschaft. 1955 kehrte Leo Raubal junior aus der Kriegsgefangenschaft nach Österreich zurück. Er starb 1977 während eines Spanien-Urlaubs. Sein Sohn Peter, der Ingenieur wurde, lehnt bis heute jeden Anspruch auf ein Erbe ab.

Angelika „Geli“ Raubal (* 4. Juni 1908 in Linz; † 18. September 1931 in München) kam 1917 mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Wien. 1923, sie war gerade 15 Jahre alt, wurde Adolf Hitler zu ihrem Vormund bestellt. Es wird berichtet, dass sie in der Folge ein lebenslustiges Mädchen mit einer Reihe von Verehrern gewesen sei, ein Umstand, der Adolf Hitler alles andere als angenehm war. Es gibt Spekulationen über eine mögliche Liebesbeziehung Adolfs zu ihr, doch soll Adolf Hitler selbst dergleichen mit der Bemerkung, dass der Altersunterschied eine Beziehung nicht zugelassen habe, von sich gewiesen haben. Kurz nachdem es 1931 zwischen Adolf Hitler und Geli zu einer persönlichen Auseinandersetzung gekommen war, erschoss sich Geli. Ihre Beziehung zu Adolf Hitler wurde in dem Film Die Nichte – Hitlers verbotene Liebe thematisiert.

Literatur und Film

  • August Kubizek: Adolf Hitler mein Jugendfreund. Leopold Stocker Verlag, Graz-Stuttgart 1953, ISBN 3-7020-0971-X.
  • Werner Maser: Adolf Hitler Legende-Mythos-Wirklichkeit. München und Esslingen 1971.
  • Christa Mulack: Klara Hitler. Muttersein im Patriarchat. Göttertverlag, 2005, ISBN 3922499805
  • Wolfgang Zdral: Die Hitlers (Die unbekannte Familie des Führers). Campus Verlag, Frankfurt/Main 2005, ISBN 978-3-593-37457-4, bzw. Taschenbuchausgabe: Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-404-61631-2
  • David Gardner: The last of the Hitlers. Worcester, BMM, 2001. ISBN 0-9541544-0-1
  • Marc Vermeeren: De jeugd van Adolf Hitler 1889–1907 en zijn familie en voorouders. Soesterberg, 2007, Uitgeverij Aspekt. ISBN 90-5911-606-2.

Vergleiche vor allem zum Thema die auf kritischer Auswertung der erhaltenen Originalurkunden beruhenden Veröffentlichungen von

  • Karl Merinsky: Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Besatzungszeit im Raum von Zwettl in Niederösterreich. Phil. Diss. Wien 1966.
  • Karl Merinsky: Zwettl und der Truppenübungsplatz Döllersheim. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte Niederösterreichs. In: Zwischen Weinsberg, Wild und Nebelstein. Bausteine zur Heimatkunde des Hohen Waldviertels. Zwettl 1974, S. 137–169. (Hg. Franz Trischler, mit Unterstützung des Amtes der NÖ. Landesregierung).
  • Oliver Halmburger und Thomas Staehler: Familie Hitler. Im Schatten des Diktators. Dokumentarfilm. Unter Mitarbeit von Timothy Ryback und Florian Beierl. München: Oliver Halmburger Loopfilm GmbH u. Mainz: ZDF-History 2005

Einzelnachweise

  1. Vgl. Herkunft Alois Hitlers.
  2. Vgl. Ian Kershaw: Hitler, 1889–1936, Stuttgart 1998, S. 37
  3. Siehe zu den Details: W. Zdral: Die Hitlers, S. 14 f.
  4. W. Zdral: Die Hitlers. S. 15.

Weblinks


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