Anna Pröll

Anna Pröll (* 12. Juni 1916 in Augsburg-Pfersee als Anna Nolan; † 28. Mai 2006 in Augsburg) war eine deutsche Widerstandskämpferin in der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Geprägt wurde ihre Überzeugung bereits aus ihrer Familie: Anna Nolan musste die Verhaftung von Vater und Mutter erleben. 1931 schloss sich die 15-jährige Anna dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) an, nachdem sie ihren Vater von einer KPD-Versammlung abgeholt und dort eine Rede über die Arbeitsbedingungen von Frauen in Augsburg gehört hatte. Als 1933 Annas Mutter Rosa als Mitglied der Roten Hilfe verhaftet wurde, „gab es ein Stocken in der politischen Arbeit für uns … Wir Jungen, wir haben ja schon vorher Polizeiverhöre geübt. Man war also schon gefasst, dass das kommen kann. Dann, wie meine Eltern verhaftet waren, bin ich jeden Tag nach der Arbeit vor dem Katzenstadel gestanden, wo meine Mutter einsaß. Vater Nolan war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. Er hatte dort solch schreckliche Erlebnisse, dass Friedensarbeit neben der Arbeit im Turn- und Sportverein zum wichtigsten Lebensinhalt wurde. Er verteilte 1932 Flugblätter gegen den Krieg und wurde deswegen von einem Soldaten angezeigt. Nolan wurde zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt wegen "Zersetzung der Wehrmacht". Noch im Jahre 1932 musste er seine Strafe "antreten".

Anna Nolan war eine der wichtigsten Figuren der Gruppe Jugendlicher, die den Widerstand in Augsburg versuchten. Eines der 1933 in Oberhausen verteilten Flugblätter: „Proleten! Kampfgenossen! Unaufhaltsam wütet der Mordfaschismus weiter. Täglich fordert der Aasgeier des Kapitalismus neue Opfer. 50.000 revolutionäre Arbeiter schmachten im Kerker. Wollt Ihr sie wie Freiwild den faschistischen Tyrannen ausgesetzt lassen? Arbeiter heraus! Duldet es nicht länger. Es ist Blut von Eurem Blut. Darum kämpft mit uns Kommunisten!“ (Zitatende) "Da hatte man eine andere Sprache als heute - wir wollten die Menschen aufrütteln". (Quelle: Interview Anna Pröll 1999 - Archiv Josef Pröll)

Im September 1933 flog die Augsburger Jugendgruppe auf: Doch in Augsburg fanden sich trotzdem wieder Jugendliche, die die Arbeit weiterführen wollten und sich nicht von der Brutalität der Polizei und der SS abschrecken ließen. Mittlerweile hatten sich die Grausamkeiten im KZ Dachau herumgesprochen: Der Augsburger KPD-Chef Leonhard Hausmann war vom SS-Wachmann Ehmann (Quelle Archiv Josef Pröll) kaltblütig ermordet worden. Der Kreis der jugendlichen Widerständler erweiterte sich: auch aus sozialistischen und christlichen Gruppen rekrutierten sich Leute.

Im Juni 1934 folgte der Prozess gegen ihren Vater Karl Nolan, der inzwischen aus der Haft entlassen war, und seine Tochter Anna Nolan und ihre Widerstandsgruppe. Beide wurden verurteilt wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" (Quelle: Gerichtsakten Bay. Staatsarchiv München). Die 17-jährige Anna wurde zu einer Haftstrafe von insgesamt 21 Monaten im Frauengefängnis Aichach verurteilt. Als sie unerlaubt Kontakt zu einer Genossin aufgenommen hatte, bestrafte man sie mit Dunkelhaft. Nach ihrer Entlassung kam sie wie alle politisch Verurteilten in „Schutzhaft“ und wurde ins KZ Moringen abtransportiert. Im KZ Moringen war sie unter den politischen Häftlingen die Jüngste. Nur durch die Hilfe der anderen mitgefangenen Frauen überlebte sie. "Die gegenseitige Solidarität im Lager prägte mich für mein ganzes Leben" (Zitat Anna Pröll Interview 1999 - Archiv Pröll).

Später wurden die Frauen ins KZ Ravensbrück verlegt. Anna Nolan wurde vorher entlassen. Heinrich Himmler persönlich hatte das KZ Moringen besucht und Anna gefragt: "Was hältst du nun von unserem dritten Reich?" Anna antwortete: "Ich habe es nur von der schlechtesten Seite kennengelernt". (Quelle: Wortprotokoll - Himmler im KZ Moringen). Anna konnte gar nicht glauben, dass sie trotzdem entlassen wurde. Der einzige Grund: Sie war blond und hatte blaue Augen. Von nun an musste sie sich täglich bei der Polizei in Augsburg melden. Auch ihr Privatleben wurde ständig überwacht und von Nachbarn, im Auftrag der Polizei, bespitzelt. Sie heiratete Josef Pröll, der auch schon einige Jahre KZ-Haft hinter sich hatte. Die Polizei hatte die Hochzeit verboten. Josef Pröll wurde am 1. September 1939 wieder verhaftet und war mehr als 8 Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern. Seine beiden Brüder Fritz und Alois Pröll starben eines "gewaltsamen Todes" in den Konzentrationslagern Dachau und Dora. Der Vater von Anna, Karl Nolan, wurde im KZ Dachau im Alter von 39 Jahren ermordet. (Quellen: Int. Rotes Kreuz Arolsen)

Gedenktafel Anna Pröll

Bis ins hohe Alter trat Anna Pröll als eine der letzten Überlebenden des Augsburger Widerstandes für Antifaschismus und Demokratie in Augsburg ein. Aufgrund ihrer Verdienste regten der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Gernot Römer und die Historikerin Annette Eberle anlässlich ihres 80. Geburtstages 1996 bei dem damaligen Oberbürgermeister Peter Menacher (CSU) eine Ehrenbürgerschaft an. Dies wurde damals abgelehnt. Durch den Dokumentarfilm von Josef Pröll und Wolfgang Kucera "Anna ich hab Angst um dich" der das Leben Annas von 1916 an beschreibt, wurde ihr mutiges Leben so bekannt, dass sie vom damaligen Augsburger Oberbürgermeister Paul Wengert (SPD) im Jahr 2003 doch als Ehrenbürgerin der Stadt Augsburg ausgezeichnet wurde. Sie ist die erste Frau seit 215 Jahren, die in Augsburg mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet wurde.

Ein Jahr vor ihrer Ehrung in Augsburg wurde Anna Pröll am 10. September 2002 in der Bayerischen Staatskanzlei in München mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) überreichte die Urkunde. Anna Pröll sagte, sie nehme die Auszeichnung nur als Ehrung derjenigen an, die die Konzentrationslager nicht überlebten. Im Namen der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis (LGRF) gratulierte deren Vorsitzende Rosel Vadehra-Jonas Anna Pröll. Unter anderem sagte sie: „Diese Auszeichnung ist eine Würdigung Deines langen und aufopferungsvollen Kampfes gegen den Faschismus und Deines unermüdlichen Engagements gegen das Vergessen.“

Zwei Wochen vor ihrem neunzigsten Geburtstag verstarb Anna Pröll am 28. Mai 2006.

"Ich möchte, dass die Kinder ohne Angst vor der Zukunft aufwachsen können. Nie mehr sollen Menschen Krieg oder Faschismus erleiden müssen."

Wo alles begann im Leben der Anna Pröll, an ihrem Geburtshaus in der Augsburger Straße 5 in Pfersee, steht seit Samstag den 1. November 2008 dieser Satz auf einer Gedenktafel geschrieben.

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