Landesbund für Vogelschutz in Bayern

Landesbund für Vogelschutz in Bayern
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.
(LBV)
LBV-Logo.jpg
Zweck: Einsatz und Projektarbeit im Umwelt- und Naturschutz
Vorsitz: Ludwig Sothmann
Gründungsdatum: 1909
Mitgliederzahl: 75.000 (2010)
Sitz: Hilpoltstein
Website: www.lbv.de

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (kurz LBV) ist ein Umwelt- und Naturschutzverband in Bayern. Er hat sich zum von der Mitgliederzahl viertgrößten Naturschutzverband Deutschlands entwickelt, mit heute 75.000 Mitgliedern und Förderern, 350 Kreis- und Ortsgruppen, 120 Jugendgruppen und ca. 2.750 ha eigenen Schutzgebieten. Der organisatorisch selbstständige LBV ist der bayerische Partnerverband des Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der LBV wurde 1909 im damaligen Königreich Bayern in Bamberg als „Staatlich autorisierte Vogelschutzkommission“ gegründet[1]. Gründungsvorsitzender war Hermann von Gebsattel, der von 1909 bis 1920 amtierte. Schon 1911 änderte die Kommission ihre Satzung und firmierte seither zugleich als bayerischer Landesverband für Vogelschutz. Dieses ambivalente Verhältnis zwischen einem Organ der Staatsverwaltung und zugleich einem Mitgliederverband war lange Zeit typisch für den LBV. Alle Vorsitzenden des LBV von 1920 bis 1978 waren zugleich Beamte des Freistaats Bayern. 1927 waren auch knapp 3000 bayerische Gemeinden korporative Mitglieder im LBV. Ende der 1920er Jahre wurde mit Unterstützung der Gemeinde Garmisch eine Vogelschutzwarte im dortigen Kurpark zu eröffnet. Die Vogelschutzkommission zog im Mai 1931 von Bamberg nach Garmisch um. 1939 wurde im Zuge der Gleichschaltung im Reichsbund für Vogelschutz der Landesverband in Landesbund für Vogelschutz in Bayern umbenannt. Für die Alltagsarbeit blieb dies jedoch ohne größeren Einfluß. Nachdem 1947 die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen die Räume der Vogelschutzwarte im Kurhaus gekündigt hatte, schloss der damalige Vorstand Otto Henze Verträge über den Bau einer neuen Vogelschutzwarte ab. Das überdimensionierte Projekt überforderte die Finanzen des Landesbunds, der nur durch die Übernahme der Vogelwarte durch den Freistaat Bayern vor dem Ruin gerettet werden konnte. Das Verhältnis zum Deutschen Bund für Vogelschutz war in dieser Zeit nicht völlig geklärt. Um 1950 erklärte sich der LBV als selbstständig, allerdings wurde der LBV noch 1962 als DBV Landesgruppe gelistet und ab 1971 war der LBV kurzzeitig wieder Mitglied im Dachverband DBV. Verbindlich war die Eigenständigkeit des bayrischen LBV erst ab 1974, wonach alle Versuche ihn wieder in den DBV/NABU zu integrieren scheiterten. 1978 wurde Ludwig Sothmann auf der Grundlage einer neuen Satzung zum Ersten Vorsitzenden gewählt. 1996 eröffnete der Landesbund seine heutige Landesgeschäftsstelle am Eisvogelweg in Hilpoltstein. 2001 wird der Landesbund zum „NABU-Partner Bayern“. Mit einem Festakt in der Münchener Residenz feierte der Landesbund 2009 sein 100jähriges Bestehen.

Arbeitsschwerpunkte

Der LBV betreibt Arten-, Landschafts- und Biotopschutz sowie Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 1985 wurden mit Hilfe des Arche Noah Fonds, dessen Zweck der Ankauf von Flächen mit Spendengeldern ist, über 2.500 ha Flächen im Wert von über 10 Millionen Euro zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten erworben. [2]. Größtes eigenes Schutzgebiet ist der Rainer Wald an der Donau[3][4]. Diese Biotopflächen werden durch die über 3.000 ehrenamtlich Aktiven gepflegt. Derzeit hat der LBV etwa 75.000 Mitglieder und Förderer in 350 Kreis-, Orts-, und Jugendgruppen.

Der LBV betreibt Naturschutz auf unterschiedlichen Ebenen. Er setzt sich für eine frei fließende Donau, für Gentechnikfreiheit, für einen Nationalpark Steigerwald und für den Klimaschutz ein. Der LBV hat bereits fünf EU-LIFE-Projekte durchgeführt, mehr als jeder andere Verband in Deutschland, sowie mehrere Großvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz. Weiterhin führt er Artenhilfsprogramme für Wiesenweihe, Weißstorch, Uhu und Wanderfalke und Ortolan durch.[5]. Mit der Wiedereinführung des Oberpfälzer Rotviehs, dem Projekt Lerchenfenster und extensiver Teichwirtschaft will er Vorbilder schaffen für eine nachhaltige Landnutzung. Auf dem Gebiet der Umweltbildung nimmt der LBV eine Sonderstellung ein: Er betreibt als einziger deutscher Naturschutzverband einen eigenen Kindergarten[6] und seine Umweltbildungsprojekte sind deutschlandweit anerkannt und mehrfach von der UN-Dekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet[7].

Organisation

Die Mitglieder jedes Landkreises oder jeder kreisfreien Stadt gehören zur dortigen Kreisgruppe, in der es wiederum einzelne Ortsgruppen geben kann. Die Naturschutzjugend in Bayern ist die Jugendorganisation des LBV. Ihr gehören alle Mitglieder bis 27 Jahren an.

Oberstes Organ ist die jährlich tagende Delegiertenversammlung, die aus dem Vorstand, dem wissenschaftlichen Beirat, Vertretern der Kreisgruppen, Vertretern der Naturschutzjugend in Bayern (NAJU) und des Förderkreises der Naturschutzjugend im LBV e. V. besteht. [8] Erster Vorsitzender des Vereins ist seit 1978 der Apotheker Ludwig Sothmann.

Die Landeszentrale des Landesbundes für Vogelschutz befindet sich in Hilpoltstein, Mittelfranken. Dort werden der LBV, seine 20 Geschäftsstellen und die rechtlich unselbständigen Orts- und Kreisgruppen zentral verwaltet.

Aktionen

Die Stunde der Wintervögel führt der LBV zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland und Birdlife Österreich jährlich um den 6. Januar herum durch.

Die Stunde der Gartenvögel ist die deutschlandweit größte Aktion zur Vogelbeobachtung, sie findet jährlich zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland in ganz Deutschland statt.

Sonstiges

Das Magazin Vogelschutz, in dem über LBV-Projekte und Naturschutzthemen berichtet wird, erscheint vierteljährlich und wird an alle Mitglieder versandt. Die Mitglieder der Naturschutzjugend in Bayern erhalten das Jahrbuch Nestflüchter.

Wappentier des LBV ist der Eisvogel, der Vogel des Jahres 1973 und 2009.

In Bayreuth befindet sich das Naturkundemuseum Lindenhof welches vom LBV betrieben wird.

Quellen

  1. Rede des Historikers Dr. Uekötter anlässlich des 100. LBV-GeburtstagesAbgerufen am 27. Dezember 2010
  2. laut Angaben auf der Homepage des LBV zum Arche Noah Fonds
  3. LBV-Seite über den Rainer Wald
  4. Eigene Seite zum Rainer Wald Projekt
  5. [Der Falke Taschenkalender 2009. Aula-Verlag. Wiebelsheim. S. 196].
  6. Seite des Arche Noah Kindergartens des LBV. Abgerufen am 27. November 2009.
  7. Seite der Umweltbildung im LBV. Abgerufen am 27. November 2009.
  8. siehe Satzung des LBV

Weblinks


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