Anna von Preußen und Jülich-Kleve-Berg

Anna von Preußen und Jülich-Kleve-Berg (* 3. Juli 1576; † 30. August 1625) war Ehefrau von Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg. Sie betrieb dabei eine teilweise eigenständige Politik.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Ihr Vater war Herzog Albrecht Friedrich von Preußen, ihre Mutter war Eleonore von Jülich-Kleve.

Sie selbst heiratete am 30. Oktober 1594 Markgraf Johann Sigismund, den späteren Kurfürsten von Brandenburg. Die Mutter Johann Sigismunds hatte diesen zuvor gewarnt, Anna sei keine Schönheit. Die Heirat war eine Zweckehe zur Absicherung der brandenburger Ansprüche auf das Herzogtum Preußen.[1] Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen drei früh starben.

Leben

Allegorische Darstellung des Erwerbs Preußen und der Rheinlande durch das brandenburgische Kurfürstenpaar. Preußen und die Rheinlande sind als Seegottheiten an den Seiten des Thrones dargestellt (Lithographie aus dem 19. Jahrhundert)

Von territorialpolitischer Bedeutung war die Verbindung insofern, als Anna als Nichte des letzten Herzogs von Kleve, Johann Wilhelm seitens der preußischen Hohenzollern als Erbin der Vereinigten Herzogtümer angesehen wurde, also der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg sowie der Grafschaften Mark und Ravensberg.

Anna war ihrem Ehemann politisch und intellektuell überlegen. Sie hatte zudem einen eisernen Willen und war äußerst tempramentvoll. Bei den Trunksuchtsanfällen des Kurfürsten warf sie ihm gelegentlich Teller und Gläser an den Kopf. Sie baute sich ein eigenes diplomatisches Netzwerk auf und vertrat ihre Ansprüche auf das Erbe im Westen selbst.[2] Von ihr stammen Pläne zur Teilung des umstrittenen Gebietes und sie verhandelte selbst mit dem Konkurrenten aus der Pfalz. Während der Jüterboger Tagung von 1611 nahm sie ein Gutachten der Räte entgegen. Im Jahr 1612 schickten sie zur Wahrung ihrer Interessen einen eigenen Gesandten zu Kaiser Matthias.

Am Ende des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits mussten sich die Hohenzollern das klevische Gesamterbe nur mit Pfalz-Neuburg teilen. Somit fielen erstmals Gebiete im Rheinland und in Westfalen an das Kurfürstentum Brandenburg.

Nachdem ihr Ehemann zum Calvinismus übergetreten war, wurde Anna zur Fürsprecherin der lutheraner Bevölkerung. Proteste und Eingaben waren meist an sie gerichtet. Durch ihr Festhalten am Besuch des lutherischen Gottesdienstes trug sie zur Behauptung der lutherischen Konfession bei. Sie unterhielt enge Beziehungen mit Sachsen, dem Zentrum der lutherischen Orthodoxie.[3]

Auch nach dem Übergang der Kurwürde auf ihren Sohn Georg Wilhelm spielte Anna noch eine einflussreiche Rolle. Sie war eine Gegnerin der Habsburger und verheiratete ihre Tochter Maria Eleonore ohne ihren Sohn vorher zu informieren mit Gustav Adolf von Schweden und untergrub damit von Anfang an die Autorität und das internationale Ansehen des Kurfürsten. Ziel war es erneut die Ansprüche Brandenburgs auf Preußen zu stärken. Dies war ein durchaus gewagter Schritt, führte Schweden doch gerade Krieg mit Polen, dem Preußen lehnsrechtlich noch unterstand.[4]

Begraben wurde Anna im Dom zu Königsberg.

Einzelnachweise

  1. Clark, Preußen, S.30
  2. Clark, Preußen, S.103
  3. Clarke, Preußen, S.149
  4. Clark, Preußen, S.50

Literatur

  • Andreas Gautschi/Helmut Suter: Vom Jagen, Trinken und Regieren. Reminiszenzen aus dem Leben des Kurfürsten Sigismund von Brandenburg, nach alten Briefen zitiert (= Aus dem deutschen Adelsarchiv, N.F. 9), Limburg 2005
  • Rolf-Achim Mostert: Der jülich-klevische Regiments- und Erbfolgestreit ein „Vorspiel zum Dreißigjährigen Krieg“?, in: Stefan Ehrenpreis (Hg.): Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Berg und in seinen Nachbarregionen. Neustadt/Aisch 2002, S. 26-64 (dort ältere Literatur)
  • Saring, Toni: Kurfürstin Anna von Preußen, Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 53 (1941) 248-295.
  • Christopher Clarke: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947. Bonn, 2007 ISBN 978-3-89331-786-8

Weblink


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