Annaburg
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Annaburg
Annaburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Annaburg hervorgehoben
51.73277777777813.04555555555675
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Wittenberg
Höhe: 75 m ü. NN
Fläche: 224,19 km²
Einwohner:

7.457 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06925
Vorwahlen: 035385, 035386
Kfz-Kennzeichen: WB
Gemeindeschlüssel: 15 0 91 010
Adresse der Verbandsverwaltung: Torgauer Straße 52
06925 Annaburg
Webpräsenz: www.annaburg.de
Bürgermeister: Erich Schmidt (parteilos)
Lage der Stadt Annaburg im Landkreis Wittenberg
Brandenburg Sachsen Dessau Landkreis Anhalt-Bitterfeld Annaburg Bad Schmiedeberg Coswig (Anhalt) Gräfenhainichen Jessen (Elster) Kemberg Oranienbaum-Wörlitz Lutherstadt Wittenberg Zahna-ElsterKarte
Über dieses Bild

Annaburg ist eine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Deutschland), gelegen in der Annaburger Heide.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Annaburg liegt ca. 35 km südöstlich von Lutherstadt Wittenberg.

Gemeindegliederung

Ortsteile der Gemeinde sind Axien, Bethau, Gehmen, Groß Naundorf, Hohndorf, Kolonie, Labrun, Lebien, Löben, Meuselko, Plossig, Premsendorf, Prettin und Purzien. [2] [3]

Geschichte

Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen, spätere Kurfürstin von Sachsen

Im 13. Jahrhundert errichteten die Askanier das Jagdschloss Lochau an der heutigen Stelle von Annaburg. Das Schloss brannte allerdings 1422 wieder ab. Albrecht III. befand sich zum Zeitpunkt des Brandes im Jagdschloss und konnte sich zunächst retten, verstarb aber wenig später an den Folgen seiner Verletzung. Er starb als letzter askanischer Herzog.

Ab etwa 1500 baute Kurfürst Friedrich der Weise die Anlage zu einer der ersten Villen nördlich der Alpen aus. Kennzeichen war ein großer, mit einem Wall umschlossener Garten mit mehreren aufwändig gestalteten Lusthäusern direkt angrenzend an das Schloss. An den Garten schloss sich ein weitläufiger Tierpark an. In dieses Refugium zog sich Friedrich oft aus seiner städtischen Hauptresidenz im benachbarten Torgau zurück, und hier verstarb er am 5. Mai 1525.

Der Mathematiker und Gefährte Luthers Michael Stifel erwartete als Pfarrer von Lochau 1533 den von ihm vorhergesagten Weltuntergang. Der Humanist Georg Spalatin hielt sich oft auf der Lochau auf.

1573 wurde der Neubau des noch bestehenden Schlosses (und damit auch die Stadt) nach der sächsischen Kurfürstin Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585) („Mutter Anna“) in Annaburg umbenannt und war bis zur endgültigen Auflösung 1821 Sitz des Amtes Annaburg. 1550 lebten im Städtlein Lochau 40 besessene Mann, darunter acht Anspänner, ein Lehnrichter, neun Gärtner und 22 Vorstädter.

Die erste sächsische Hofapotheke befand sich ebenfalls in Annaburg. Im Juli 1754 wurde der Malificant, Malefiztäter = Gauner, Verbrecher Johann Christian Noack hingerichtet und zur Abschreckung in Annaburg aufs Rad geflochten - eine der letzten Hinrichtungen dieser Art. Seit 1762 war das Schloss Annaburg Sitz eines Militärknabeninstituts, in welchem über 500 Zöglinge von Militärpersonen evangelischen Bekenntnisses vom 11. bis zum 15. Lebensjahr unentgeltlich erzogen wurden. Außerdem bestand eine Unteroffiziervorschule in einer neuerrichteten Kaserne.

Seit 1780 wurde in Annaburg vom Amtsaktuar Christian August Seidel eine Maulbeerbaumplantage betrieben. 1815 wurde Annaburg preußisch. Nachdem Annaburg im 17. Jahrhundert das Stadtrecht verloren hatte, wurde ihm dieses Recht 1939 wieder verliehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde in Annaburg das Stammlager für die indischen Kriegsgefangenen in Deutschland eingerichtet, aus denen sich später die Indische Legion der Wehrmacht rekrutierte.

Eingemeindungen

Purzien wurde am 16. Februar 2003 eingemeindet.[4] Premsendorf kam am 3. August 2003 hinzu.[4] Löben gehört seit dem 1. Januar 2004 zu Annaburg.[5] Am 1. Januar 2011 wurden alle Städte und Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Annaburg-Prettin zur Stadt Annaburg vereinigt. Dadurch vergrößerte sich die Stadtfläche von 120,61 km² auf 224,61 km², die Einwohnerzahl stieg von 3.533 auf 7.611.

Politik

Wappen

Das Wappen wurde am 7. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 59/1993 registriert.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Rasen ein natürlicher Rosenstrauch mit fünf roten (3:2) gestellten Rosen.“

Annaburg hat seit dem Jahre 1678 ein eigenes Stadtwappen. Das Wappen mit seinen roten Rosen erinnert an das alte Lochauer Wurzelwort gloln = Heckenrose. Das Rosenwappen ist verhältnismäßig jung und stammt aus einer Zeit, in der Lochau schon Annaburg hieß. Es ist anzunehmen, dass die Rose gewählt wurde, da es um den Ort reichlich Heckenrosen gegeben hat. Es wird davon ausgegangen, dass die fünf Rosen sich auf die fünf Stadtteile beziehen. Als Annaburg nach dem Dreißigjährigen Krieg sein Stadtrecht verlor, führte es das Wappen weiter.

Flagge

Die Flagge der Stadt Annaburg ist Grün - Weiß gestreift mit dem mittig aufgelegten Stadtwappen.

Städtepartnerschaften

Kurz nach der Maueröffnung im Jahre 1989 entstand eine Städtefreundschaft zwischen Annaburg und der Gemeinde Verl in Nordrhein-Westfalen. Zu Beginn gab es Kontakte zwischen dem damaligen Hegeringsvorsitzenden von Annaburg und seinem Pendant in Verl, in deren Folge sich weitere Kontakte anderer Einrichtungen und der Verwaltungen beider Kommunen anschlossen, die schließlich zu dem Beschluss führten, eine offizielle Städtefreundschaft miteinander einzugehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Eingang zum Vorderschloss
  • Schloss Annaburg. Das ehemalige Jagdschloss Lochau (später Annaburg) mit weitläufigen Garten- und Parkanlagen wurde von Kurfürst August I. von Sachsen und seiner Gemahlin Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen zwischen 1572 und 1575 erbaut. Es war sowohl Ausflugsziel für die beim Kurfürsten sehr beliebte Jagd in der Lochauer Heide als auch Residenz der Kurfürstin Anna, die hier vielen Tätigkeiten nachging. Zu ihren Ehren wurde die Stadt 1573 in Annaburg umbenannt.
  • Amtshaus. Das ehemalige Amtshaus von Annaburg wurde 1578 erbaut und beherbergt heute das stadtgeschichtliche Museum.
  • Militärknaben-Erziehungsinstitut. Zwischen 1762 und 1921 genutzt, wird das Gebäude heute als Pflegeheim betrieben.
  • Evangelische Kirche am Markt
  • Marktbrunnen „Pfarrer Stifel“ aus Bronze und Sandstein von Vinzenz Wanitschke, aufgestellt 1997

Museen

  • Stadtgeschichtliches Museum. Im ehemaligen Amtshaus am Markt wird über die Geschichte der Stadt Annaburg informiert.
  • Das Museum im Hinterschloss informiert über die Entwicklung des Schlosses:
    • die Bau- und Nutzungsgeschichte mit den für Annaburg wichtigen Personen Friedrich III. (der Weise), Kurfürst August I. von Sachsen, Kurfürstin Anna Auguste von Dänemark (Gemahlin von August I.),
    • die Nutzung als Militär-Knaben-Erziehungs-Institut ab 1762 bis 1921,
    • die kurfürstliche Jagd in der Lochauer/Annaburger Heide.
    • Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bedeutung der Fladerdecke, eine der ersten „Tapeten“ Europas, die 1987 vom Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e. V. freigelegt wurde.
  • Porzellanmuseum. Es gibt Einblicke in die Geschichte der Annaburger Porzellanproduktion, die 1874 begann und bis heute existiert.

Parks

Tiergarten

Der in unmittelbarer Nähe zum Schloss befindliche Tiergarten mit jahrhundertealten Eichen, Ahornen und anderen Bäumen, der heute als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, wurde ab 1498 von Friedrich dem Weisen, Kurfürst von Sachsen, angelegt. Hier wurden Hirsche und Rehe und im 18. Jahrhundert auch Auerochsen und Rentiere gehalten.

Landschaften

Die Annaburger Heide erstreckt sich vom Norden, Osten bis in den Süden um die Stadt herum und reicht bis über die Landesgrenzen zu Brandenburg und Sachsen hinaus. Sie wird zu einem Großteil als Bundeswehrtruppenübungsplatz sowie für forstwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Wirtschaft und Infrastruktur

  • ANNABURGER Nutzfahrzeug GmbH, Hersteller von Landtechnik und LKW-Spezialaufbauten

Verkehr

Der Bahnhof Annaburg liegt an der Eisenbahnlinie Roßlau–Lutherstadt Wittenberg–Falkenberg (Elster) und wird von Regionalbahnen der DB Regio fahrplanmäßig angefahren. Von 1902 bis 1996 verband die Prettin-Annaburger Kleinbahn Annaburg mit Prettin an der Elbe.

Annaburg ist mit der Bundesstraße 187 in Jessen (Elster) über die Landesstraßen L 113 und L 116 verbunden.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Rudolf Trautmann (1908–1944), NS-Funktionär und von 1943 bis 1944 Mitglied des Reichstags

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen

  • Friedrich III. (Sachsen), (* 17. Januar 1463 auf Schloss Hartenfels zu Torgau; † 5. Mai 1525 in Lochau), auch Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, residierte in Lochau ab etwa 1500 und verstarb hier 1525
  • August I. (Sachsen), (* 31. Juli 1526 in Freiberg; † 11. Februar 1586 in Dresden), auch Vater August, Kurfürst von Sachsen, ließ das Schloss Friedrich des Weisen 1571 abreißen und 1572 - 1575 neu erbauen
  • Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585) (* 22. November 1532 in Hadersleben; † 1. Oktober 1585 in Dresden), genannt Mutter Anna, Kurfürstin von Sachsen und Gemahlin August I. von Sachsen, Namensgeberin der Stadt Annaburg, residierte im neu gebauten Schloss Lochau (später Annaburg), betrieb ein Destillierhaus, beschäftigte sich mit der Herstellung von Medizin, Obst- und Kräuteranbau, Aquavitherstellung und Kochkunst. Schloss Annaburg beherbergte die erste sächsische Hofapotheke.
  • Michael Stifel, (* um 1487 in Esslingen am Neckar; † 19. April 1567 in Jena), Theologe, Mathematiker und Reformator, war Weggefährte Martin Luthers und als Pfarrer in Lochau (heute Annaburg) tätig
  • Justus Christian Thorschmidt, (* 23. Februar 1688 in Somsdorf bei Dresden; † 10. Juli 1750 in Annaburg), Pfarrer und Historiker

Einzelnachweis

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen; Stand: 31. Dez. 2010 (PDF; 231 KB) (Hilfe dazu)
  2. GemNeuglG WB
  3. Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Annaburg-Prettin 2010-12 (Sonderausgabe)
  4. a b StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004

Weblinks


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