Annalistik
Melker Annalen im Stift Melk

Annalen (Mehrzahl) sind chronologische Aufzeichnungen wichtiger Begebenheiten und Ereignisse eines Jahres.

Annalen leitet sich aus dem Lateinischen ab („libri annales“, zu: annus = „Jahr“). Annales ist die lateinische Bezeichnung für „Jahrbücher“. Die Bezeichnung Annalen wird auch häufig für Jahresberichte, Geschichtswerke und als Titel von Zeitschriften (z. B. den „Annales d'histoire économique et sociale“) gebraucht.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Annalen gab es schon im Altertum. Vor der literarischen römischen Geschichtsschreibung schrieb der höchste Priester Roms („pontifex maximus“) die wichtigsten Ereignisse eines jeden Jahres (u.a. Getreidepreis, Sonnen- und Mondfinsternisse) auf mit Gips überzogenen Holztafeln nieder. Sie wurden „annales maximi“ bzw. „annales pontificum maximorum“ genannt. Diese Tradition behielt man bis in die Gracchenzeit bei. Die annales maximi waren streng chronologisch strukturiert und bestanden meist aus kurzen Hauptsätzen. Dieser Stil wurde vor allem von den ersten literarischen Annalisten beibehalten.

Ältere Annalistik

Die älteren Annalisten schrieben zunächst griechisch. Der erste von ihnen war Quintus Fabius Pictor. Er beschrieb den Ersten und Zweiten Punischen Krieg und diente dem griechischen Historiker Polybios und dem berühmten römischen Historiker Livius als Quelle. Bei Pictor vermischen sich Wahrheit und Mythologie. Dies war allerdings bei den Annalisten, vor allem bei den älteren, eine beliebte Form der Darstellung.

Nachdem Marcus Porcius Cato mit seinem nicht annalistischen Werk „Origines“ die lateinische Prosa begründete, schrieben auch die Annalisten bald darauf (ab der Gracchenzeit) lateinisch. Erwähnenswert sind die Namen Lucius Calpurnius Piso Frugi, Sempronius Asellio, und Lucius Coelius Antipater. Letzterer grenzt sich von den anderen deutlich ab. Sein Werk hat keinen politischen oder moralischen Anspruch. Vielmehr legt er auf einen ansprechenden Stil großen Wert. Seine Darstellung des Zweiten Punischen Krieges wird daher auch als „Epos in Prosa“ bezeichnet.

Jüngere Annalistik

Im 1. Jahrhundert vor Christus schrieben die Annalisten ausführlicher und schmückten ihre Werke stärker aus. Drei Vertreter der jüngeren Annalistik sind Quintus Claudius Quadrigarius, Gaius Licinius Macer und Valerius Antias. Letzterer hat in seinen Werken allerdings sehr viele Angaben gefälscht und oft stark übertrieben.

Zugleich entwickelten sich die Autobiographien und die Historien. Beide drängten die Annalistik in den Hintergrund. Jedoch werden alle Annalisten, Autobiographen und Historiker von den berühmten römischen Geschichtsschreibern Sallust, Livius und Tacitus (Annales) in den Schatten gestellt.

Mittelalter

Die Annalen des Mittelalters, waren zunächst notizhafte Aufzeichnungen für den Eigengebrauch von Klöstern und wurden meist ohne Titel von Mönchen über Generationen geführt; Zusätzlich zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zur Berechnung des Ostertermines eines jeden Jahres wurden in diesen weit verbreiteten Werken wichtige Ereignisse wie z.B. Naturkatastrophen und Kriege in zeitlicher Folge wie in einem Tagebuch erfasst. Im Laufe der Zeit wuchsen diese Berichte immer mehr an und im auslaufenden 8. Jahrhundert entwickelten sie sich zu einer allerdings literarisch anspruchslosen Gattung der Geschichtsschreibung. Wenn die Annalen protokollarische Züge tragen und an einem Ort enger Verbindungen zum Herrscher entstanden sind, besitzen sie für Historiker einen hohen wissenschaftlichen Erkenntniswert, wie z. B. die Reichsannalen Karls des Großen, dieser Erkenntniswert muss allerdings sehr kritisch bewertet werden, da die Fehlerrate in den Annalen aufgrund der häufigen Zirkulation in den verschiedenen Klöstern als hoch einzustufen ist.

Die Ordnung der Ereignisse nach Jahren (annalistisches Prinzip) benutzt man noch heute häufig in Nachschlagewerken (Handbüchern u. a.), um das zeitliche Nebeneinander (z. B. das gleiche Geburtsjahr von Schriftstellern, das gleiche Erscheinungsjahr von Büchern) hervortreten zu lassen.

Literatur

  • Robert Drews: Pontiffs, Prodigies, and the Disappearance of the ‚Annales Maximi‘. In: Classical Philology 83, 1988, S. 289–299.
  • B. W. Frier: Libri Annales Pontificum Maximorum. The Origins of the Annalistic Tradition. Rom 1979 (= Papers and Monographs of the American Academy in Rome 27).
  • E. Rawson: Prodigy Lists and the Use of Annales Maximi. In: The Classical Quarterly 21, 1971, S. 158–169.

Weblinks


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