Anne Gollin

Anne Gollin (* 11. Dezember 1956 als Annegret Gollin in Neubrandenburg) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anne Gollin ist die Tochter einer Landarbeiterin und eines Schmieds. Sie wuchs in Mecklenburg auf. Von 1963 bis 1973 besuchte sie eine Polytechnische Oberschule in Neubrandenburg, anschließend absolvierte sie von 1973 bis 1975 in Leipzig eine Lehre als Buchhändlerin. Nachdem sie in den Augen der DDR-Behörden ihrer Arbeitspflicht nicht nachgekommen war, wurde sie im Herbst 1975 erstmals verhaftet und wegen angeblich "asozialen Verhaltens" zu sechs Monaten Arbeitserziehung verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe ging Gollin nach Berlin und wohnte dort im Bezirk Prenzlauer Berg sechs Monate in einem besetzten Haus. 1977 wurde sie erneut verhaftet und zu einer einjährigen "Arbeitsplatz- und Wohnortbindung" in Griesen verurteilt. 1979 heiratete sie und zog um nach Zwickau, wo sie bei der Volkssolidarität sowie später bei der Inneren Mission tätig war. Sie hatte Kontakt zu anderen jungen Autoren und gehörte einem Zirkel Schreibender Arbeiter an. 1980 wurde sie erneut verhaftet, diesmal wegen angeblicher Verbreitung von "Hetzschriften" (es handelte sich dabei um Werke der in der DDR verbotenen Autoren Reiner Kunze und Jürgen Fuchs), jedoch nach drei Monaten Untersuchungshaft wegen ihrer Schwangerschaft auf Bewährung entlassen. Im Februar 1982 erfolgte ihre letzte Verhaftung, diesmal wurde sie wegen "Herstellung und Verbreitung von Hetzliteratur" und "Herabwürdigung des Sozialismus in der Öffentlichkeit" zu einer Gesamtstrafe von 20 Monaten Haft verurteilt. Sie verbüßte einen Teil dieser Strafe im Gefängnis Hoheneck; im Dezember 1982 wurde sie von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. 1983 übersiedelte sie nach West-Berlin und lebt seitdem in Berlin-Schöneberg.

Von 1985 bis 1987 leitete Anne Gollin den Buchladen "Rauchzeichen"; ab 1988 war sie freie Schriftstellerin. Sie veranstaltete regelmäßig Lesungen an Berliner Schulen und war in der politischen Bildungsarbeit, u.a. für die Ehlers-Akademie, die Jakob-Kaiser-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Von 1996 bis 1999 absolvierte sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit 2001 arbeitet sie vorwiegend als Betreuerin von Besuchergruppen in Bundespresse- und Kanzleramt sowie als Reiseleiterin für politische Stadtführungen durch Berlin.

Anne Gollin ist Verfasserin von Erzählungen, Essays und Gedichten. Sie lieferte auch zahlreiche Beiträge für Anthologien, Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk.

Anne Gollin ist seit 1985 Mitglied der GEDOK und der Neuen Gesellschaft für Literatur. Sie gehörte vorübergehend dem Berliner Landesverband des Verbandes Deutscher Schriftsteller an, trat jedoch später wieder aus. Seit 1992 ist sie Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik an. Sie erhielt u.a. 1992 den Literaturförderpreis der GEDOK, 1995 und 1999 ein Aufenthaltsstipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Villa La Collina, 1999 ein halbjähriges Aufenthaltsstipendium für die Stadt Bern sowie 2000 ein Aufenthaltsstipendium des Künstlerdorfes Schöppingen.

Werke

  • Schrei-Berlin(g) und die kleinste Anarchie, Berlin 1988
  • Deutschland - ein Lügenmärchen, Berlin 1990
  • Ich fühle mich so unerhört, Berlin 1996
  • Die Kindheit aber bleibt, Berlin 1992
  • Liebesb(e)reit, Berlin 1992
  • Rätselhafte Aussichten, Berlin 1992
  • Nächtliche Irritationen, Berlin 1995
  • Anne Gollin, Berlin 1996
  • Doppelbelichtung, Berlin 1996
  • Drei Szenen aus Bolandas Leben, Berlin 1998
  • Ausgelassen, Ahlhorn 2001

Herausgeberschaft

  • Die liebe Liebe ... und der Mut dazu, Vechta-Langförden 2002

Weblinks


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