Anne Klein
Anne Klein (1990)

Anne Klein (* 2. März 1950 in Bilsdorf (Nalbach); † 23. April 2011[1] in Berlin) war eine deutsche Juristin und Senatorin des Landes Berlin. Als politische Vorkämpferin engagierte sich besonders für Frauenrechte und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach ihrem Abitur am Dillinger Realgymnasium hatte Klein zunächst in Saarbrücken, ab 1972[2] in Berlin Jura sowie Psychologie studiert. Sie engagierte sie in der Berliner Frauenbewegung und rief mit ihren Mitstreiterinnen das erste Berliner Frauenhaus und das erste feministische Rechtsberatungszentrum im Berliner Stadtteil Kreuzberg ins Leben. Nach ihrem Staatsexamen im Jahr 1978 gründete sie gegen Widerstände der Anwaltskammer die erste auf Frauenrechte spezialisierte Anwaltskanzlei in Berlin.[2]

Später schlug Klein eine politische Laufbahn ein. Von 1982 bis 1984 war sie bei der grünen Bundestagsfraktion als wissenschaftliche Assistentin im Bereich Arbeits-, Sozial- und Rentenrecht tätig. Sie verfasste für die Fraktion der Grünen einen Gesetzentwurf für ein „Antidiskriminierungsgesetz“, welches einige Jahre später – in veränderter Fassung – in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde.

Nach dem Wahlsieg Walter Mompers am 29. Januar 1989 wurde sie als parteilose Kandidatin für die Alternative Liste zur Senatorin für Jugend, Frauen und Familie ernannt. Die lesbisch lebende Klein schuf das damals völlig neuartige Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Sie erreichte die finanzielle Absicherung des Projekts Wildwasser für als Kinder missbrauchte Frauen und richtete Zufluchtsorte ein für Mädchen in Krisensituationen und Frauen, die in die Prostitution geraten waren. Zudem setzte sie durch, dass die in Frauenhäusern Zuflucht suchenden Frauen nicht auch noch dafür bezahlen müssen.[3]

Nach der Räumung der Mainzer Straße im November 1990 zerbrach die rot-grüne Koalition und Klein erklärte neben Sybille Volkholz und Michaele Schreyer ihren Rücktritt. Bereits im Sommer 1989 geriet sie als Gewinnerin von ca. 8000 DM in einem Geldspiel nach dem Schneeballsystem, für das sie Mitspieler geworben hatte, in die Schlagzeilen. Sie selber bezeichnete solche Spiele später als "asozial"[4] und rechtfertigte sich damit, sie habe "verdrängt", dass es das Prinzip dieser Spiele ist, dass nur Erfolg haben kann, wer andere Personen dazu bewegt, mitzumachen.[5]

Über ihre Tätigkeit bei der Fraktion der Grünen hinaus war Anne Klein in berufsrechtlichen Organisationen aktiv. Sie war Mitglied des Vorstandes der Rechtsanwaltskammer Berlin. Von Juni 1999 bis Dezember 2006 bekleidete sie das Amt der Präsidentin des Versorgungswerkes der Rechtsanwälte in Berlin und erreichte den Versorgungsanspruch auch für gleichgeschlechtliche Hinterbliebene[3]. Mitte 2006 wurde sie zur Vizepräsidentin der Anwaltunion Deutschland gewählt. Sie war bis zuletzt als Fachanwältin für Familienrecht und Notarin in Berlin tätig. Im April 2011 erlag sie einem Krebsleiden.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. RBB Online: Berlin: Ex-Senatorin Anne Klein gestorben. Vom 25. April 2011. Abgerufen am 13. Juli 2011.
  2. a b taz.de: Noch einmal das Meer sehen. 26. Februar 2011. Als die gebürtige Saarländerin, die ihre ersten Erfolge übrigens als Schlagersängerin Anouk feierte, 22-jährig nach Berlin zieht, nimmt die neue Frauenbewegung dort gerade Kontur an. Abgerufen am 13. Juli 2011.
  3. a b Waltraud Schwab: „Ich habe meine Träume gelebt“. Anwältin, Politikerin und Kämpferin Anne Klein starb mit nur 61 Jahren – ein Nachruf. In: L-Mag Juli/August 2011, S. 18.
  4. Ex-Senatorin Klein ist klar: Nie wieder!, Berliner Zeitung, 15. August 1995
  5. Tödliches Spiel, Berliner Zeitung, 10. Oktober 2008

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Anne Klein — (August 3, 1923 March 19, 1974) was an American fashion designer whose label was continued by designer Donna Karan after Anne Klein s death.Anne Klein was born as Hannah Golofski in New York City on August 3, 1923. Beginning as a sketcher she… …   Wikipedia

  • KLEIN, ALBERTO — (1897–1983), Argentinian engineer. Klein was born and educated in the Argentine. He was professor of mechanics at the National University of Technology at Buenos Aires from 1923 to 1960. He was prominent in Jewish communal work. Klein wrote… …   Encyclopedia of Judaism

  • Anne Akiko Meyers — is celebrated as one of the world’s premiere concert violinists known today for her impassioned performances, dedicated artistry and inspiring musicianship. The renowned soloist, chamber musician, recording artist and educator regularly performs… …   Wikipedia

  • Anne C. Klein — Articleissues unreferenced = September 2007 wikify = September 2007Anne Carolyn Klein (Rigzin Drolma) (born 1947) is Professor of Religious Studies at Rice University in Houston, Texas and founding director and resident teacher at Dawn Mountain,… …   Wikipedia

  • Klein, Anne — (1921 1974)    Born Hannah Golofski in Brooklyn, New York, she attended the Traphagen School of Fashion and started in the industry as a sketcher at the age of fifteen. She changed her name to Anne Klein and, in 1939, began designing for Vardin… …   Historical Dictionary of the Fashion Industry

  • Klein (Familienname) — Verteilung des Namens Klein in Deutschland (2005) Der Familienname Klein entstand als Übername (Eigenschaftsname) wahrscheinlich nach der Körpergröße oder auch nach Eigenschaften, die von der früheren Bedeutung des Wortes klein herrühren. So… …   Deutsch Wikipedia

  • Klein, Texas — Klein is an unincorporated community in the extraterritorial jurisdiction of Houston within north Harris County, Texas, bordering on Houston to the South and Tomball to the North. It is named after Adam Klein, a German immigrant whose best known… …   Wikipedia

  • Anne Carson — (née à Toronto (Ontario) 21 juin 1950) est une poètesse canadienne et professeure d histoire à l université McGill, Montréal. Sa formation en civilisation et histoire du monde antique, ainsi que sa connaissance des langues et des… …   Wikipédia en Français

  • Anne Libert — est une actrice belge, née le 21 juillet 1946. Sommaire 1 Biographie 2 Filmographie 3 Notes et Références …   Wikipédia en Français

  • Anne-Louise Bénédicte de Bourbon-Condé — Anne Louise Bénédicte de Bourbon Condé, Duchesse du Maine Anne Louise Bénédicte de Bourbon Condé, Mademoiselle d’Enghien, danach Mademoiselle de Charolais, danach Herzogin von Maine, (* 8. November 1676; † 23. Januar 1753 in Paris) war eine… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”