Anne Marie von Orléans
Anne Marie de Bourbon-Orléans

Anne Marie de Bourbon-Orléans (* 27. August 1669 auf Schloss Saint-Cloud in Saint-Cloud; † 26. August 1728 in Turin) war ein Mitglied der französischen Königsfamilie aus dem Haus Bourbon-Orléans. Durch Heirat war sie Herzogin von Savoyen, von 1713 bis 1720 Königin von Sizilien und anschließend Königin von Sardinien-Piemont.

Leben

Anne Marie war die jüngste Tochter von Herzog Philipp I. d’Orléans und seiner ersten Frau Prinzessin Henrietta Anne Stuart, jüngste Tochter des englischen König Karl I. und dessen Gemahlin Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich. Die Ehe ihrer Eltern war nicht glücklich und der frühe Tod der Herzogin im Jahre 1670 wurde, ungerechtfertigter Weise, Gift zugeschrieben. 1671 heiratete ihr Vater aus politischen Gründen ein zweites Mal, Prinzessin Elisabeth Charlotte von der Pfalz, Tochter des Kurfürsten Karl I. Ludwig. Unter der Obhut ihres Onkels, König Ludwig XIV., und ihrer Stiefmutter erhielt Anne Marie eine damals für Fürstenhäuser übliche höfische Mädchen-Erziehung. Das umfasste Reisen, besonders im Herrschaftsgebiet, ebenso wie Sprachen, schöne Künste, Reiten, Nadelarbeit, Singen, Etikette, Tanz oder Genealogie.

Anne Marie beugte sich widerspruchslos der Staatsräson und ihrem Onkel und heiratete am 10. April 1684 in Versailles Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen, Sohn des Herzogs Karl Emanuel II. und seiner zweiten Frau Prinzessin Maria Baptista von Savoyen-Nemours. Ihr Mann galt als jähzornig, resolut, durchtrieben, skrupellos und ein gewiefter Taktiker. Aus der eher glücklichen Ehe gingen sechs Kinder hervor:

∞ 1722 Prinzessin Anna Christine Luise von Pfalz-Sulzbach (1704–1723)
∞ 1724 Prinzessin Polyxena von Hessen-Rotenburg-Rheinfels (1706–1735)
∞ 1737 Prinzessin Elisabeth Therese von Lothringen (1711–1741)
  • Emanuele Filiberto (*/† 1705), Herzog von Chablais

Ein diplomatisches Meisterstück gelang dem Herzogspaar während der Erbfolgekriege. Im Spanischen Erbfolgekrieg trieb Viktor Amadeus II. seine Unverfrorenheit auf die Spitze: Er begann den Krieg an der Seite der Franzosen und beendete ihn auf der anderen Seite. Als aus Vergeltung 1706 Turin belagert wurde, eilte ihm der Befehlshaber der kaiserlichen Truppen, der berühmte Prinz Eugen von Savoyen, zu Hilfe. Wieder einmal hatte ihr Mann den richtigen Zeitpunkt zum opportunsten Weg gewählt und wurde vom Glück begünstigt: Der Friedensschluss von 1713 brachte ihm Montferrat und andere Gebiete sowie die noch willkommenere Königswürde ein. Zunächst wurde er König von Sizilien; doch schon nach sieben Jahren musste er Sizilien gegen das Armenhaus Sardinien-Piemont austauschen, weil es wieder einmal verschiedene internationale Fragen zu regeln galt.

Königin Anne Marie starb am 26. August 1728 in Turin, betrauert von ihrem Mann und der Bevölkerung. Der erste König aus dem Hause Savoyen beschloss seine Tage als Gefangner auf Schloss Moncalieri.


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