Annemie Fontana

Annemie Fontana (* 14. Dezember 1925 in Versoix, Kanton Genf; † 25. Oktober 2002 in Zürich[1]), eigentlich Jacqueline Annemarie Fontana, war eine Schweizer Künstlerin und Bildhauerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Siebdruck 1996, ohne Titel

Sie wurde als Tochter des Kunstmalers Alois Fontana geboren. Bereits kurz nach ihrer Geburt in Versoix gelangte sie nach Zürich. Von 1943 bis 1946 ging Annemie Fontana in einem Haute-Couture-Atelier in die Lehre und schloss als Schneiderin ab. Danach genoss sie eine Ausbildung als Keramikerin bei der Firma Gebrüder Müller in Luzern. 1950 bezog Annemie Fontana ihr erstes Atelier in der «Alten Mühle» an der Mühlebachstrasse. 1954 konnte sie erste Plastiken ausstellen. 1960 verabschiedete sie sich von ihrem Hauptberuf als Schneiderin und wandte sich vollberuflich der Kunst zu. Sie lebte und arbeitete seit 1969 in Zumikon, wo auch der befreundete Max Bill lebte.[2] Sie gewann mehrere Preisausschreiben für öffentliche Werke. Einzelausstellungen und Gruppenausstellung hatte sie vor allem in der Gegend von Zürich und einige in der Schweiz sowie einige internationale Gruppenausstellungen in Florenz (1967), Den Haag (1968), Tel Aviv (1972), Haifa, Jerusalem, Budapest, Antwerpen (1973), Lindau (1977) und nochmals Budapest (1978).[3] Sie starb am 25. Oktober 2002 in Zürich.

Zu ihren Werken gehören unter anderem Tierplastiken, abstrakte Polyester-Skulpturen («Phantome» genannt), grosse Skulpturen aus Metall und Polyester, Metallköpfe, sowie bildliche Werke wie Graphiken und Siebdrucke.

Werke (Auswahl)

«Wasserorgel» beim Montalin-Schulhaus Chur
  • 1964 «Wasserorgel» (Brunnen) beim Montalin-Schulhaus Chur
  • 1969 Überbauung Döltschihalde, Zürich
  • 1969 – 1972 «Sirius» (Brunnen) auf dem Escher-Wyss-Platz, Zürich
  • 1969 − 1972 «Sitzmuschel» im Schwimmbad Mythenquai, Zürich
  • 1974 «Sunrise» (Skulptur) beim Sportplatz Hardhof, Zürich
  • 1974 «Sitzwellen» im Schwimmbad Zumikon
  • 1980 – 1983 «Durchschritt» (Skulptur) in der Kantonsschule Bülach
  • 1995 – 1996 «Sesam-Tür und Bronzeplastik» im Widder Hotel, Zürich

«Wasserorgel»

1963 gewann Annemie Fontana den ersten Preis eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbes und erhielt den Auftrag zur Realisierung eines Brunnens beim Schulhaus Montalin in Chur. Dies war das erste realisierte Projekt eines öffentlichen Werkes der Künstlerin.[4]

Die 1964 errichtete «Wasserorgel» ist eine Brunnenplastik im Zentrum des Schulhausplatzes. Die Skulptur besteht aus zwei vertikalen und unterschiedlich leicht geknickten Messingröhrenbündel. Die Bündel fächern oben ein wenig auseinander und in der Mitte spriesst eine Wasserfontäne hervor. Die Skulptur steht auf einem Sockel in einem grossen kreisförmigen Wasserbecken und erreicht dadurch eine Höhe von 3,5 Meter.[4]

Koordinaten: (759883 / 191545)46.8558166440789.5354099571705

Skulptur in der Döltschihalde

Skulptur Döltschihalde

Die erste öffentliche Arbeit in Zürich, datiert 1969[5], steht in der Überbauung Döltschihalde (Hausnummern 20−26[5]). Es handelt sich um eine Polyester-Plastik auf einem Sockel, welcher auf einem kleinen Platz steht, der inoffiziell als «Köbi Kuhn Platz WM 2006» bekannt ist. Die Plastik besteht aus einer gelben, aufrecht stehenden Scheibe, welche durch zwei symmetrische, halbtropfenförmige und auf der Tropfenspitze stehenden Körper flankiert ist. Diese haben auf der Innenseite eine rote und auf der Aussenseite eine grüne Farbe. Die halbtropfenförmigen Körper haben zusätzlich nach vorne und hinten, zu 90 Grad zur Rotationsachse versetzte Einbuchtungen in einer blauen Farbe.

Koordinaten: (680017 / 246426)47.3638200918248.4979167580605

«Sirius»

Brunnen «Sirius»

Eines der bekanntesten Werke war der Brunnen «Sirius» auf dem Escher-Wyss-Platz in Zürich. Am 18. März 2009 wurde die Brunnenskulptur abmontiert. Er wurde in den Jahren 1969 bis 1972 gefertigt und bestand aus leuchtend orangem Polyester. Er sah aus wie zwei ineinander gewundene Spiraltreppen, welche in einem wenige Zentimeter hohen, innenseitig grünen Becken standen. Sein Durchmesser betrug sechs Meter. Für diese Skulptur hat Annemie Fontana das Auf- und Zugehen von Windenblüten im Zeitraffer gefilmt als Inspiration für die Dynamik des Brunnens.[6] Das ursprüngliche Konzept des Brunnens wurde zweimal verändert. Zuerst sollte es geschlossene «Wasservorhänge» durch Überfallkanten von halboffenen Leitungen geben, die in die Fugen auf der Unterseite der Flügel eingelassen waren. Im Beckenboden hatte es zwei Lampen, die durch das Wasser die Unterseite der Skulptur beschienen. Die Wasservorhänge konnten aber nicht befriedigend erzeugt werden und so versuchte man in Absprache mit der Künstlerin stattdessen einen «Wasserkamm» zu realisieren, indem die Leitungen in 20 bis 30 mm Abstand angebohrt wurden um 4 mm grosse Löcher zu erzeugen. Die Konstruktion blieb aber störungsanfällig, da die Zuleitungen häufig verstopften. Die Reinigungsvorgänge waren aufwändig und das Wasser spritzte über den Beckenrand, was wiederum mit Absprache mit Annemie Fontana zu einem kompletten Umbau führte. Im Jahr 1995 wurden die Leitungen abmontiert und anstelle der Vorhänge waren je auf einer Seite eine kleine, etwa dreissig Zentimeter hohe Wasserfontäne im Becken aufzufinden, welche zusätzlich von Lampen in der Skulptur von oben beleuchtet wurden.[7] Der Brunnen wurde jeweils in der Nacht abgestellt.

Die Umsetzung des Brunnens war umstritten, da Vorurteile gegenüber dem Material (Polyester) bestanden. So sorgten sich die Ämter um die Haltbarkeit und die Entsorgbarkeit der Skulptur. Ebenso glaubte man, dass die Farben durch Witterung unansehnlich werden. Das führte zu der relativen langen Verzögerung von der Planung im Jahr 1969 bis zur Installation im Jahr 1972.[4]

«Sitzmuschel» im Strandbad Mythenquai

Die Rezeption war sehr unterschiedlich. Max Bill pries damals den Brunnen angeblich als das beste Kunstobjekt im öffentlichen Raum. Für das Tiefbauamt ist der Brunnen «ein wichtiger Zeitzeuge und ein bedeutendes, eigenwilliges Werk».[8] Für viele Passanten ist er eine «trostlose Skulptur» und ein «komischer 70er-Jahre-Entwurf».[8]

Für den Brunnen wird ein neuer Standort gesucht, da seit dem 9. September 2008[9] der Escher-Wyss-Platz umgebaut wird. Im neuen Entwurf ist der Brunnen nicht mehr eingeplant. Wo der Brunnen in Zukunft stehen wird, ist noch unklar. Der umgebaute Platz bei Bahnhof Zürich Wiedikon steht als neuer Standort zur Evaluation.[10]

«Sitzmuschel»

Für das Strandbad Mythenquai in Zürich entwickelte Annemie Fontana eine begehbare «Sitzmuschel» aus Polyester. Diese an die Natur angelegte Form erscheint den Besuchern als eine vergrösserte Muschel, obwohl es sich um eine sehr abstrahierte Form handelt.[11] Sie ist in der Nähe des Kleinkinderbeckens aufgestellt und ist drei Meter hoch. Aussenseitig ist die Skulptur weiss und hat ein gelbes treppenförmiges Inneres und ist kinderbeckenseitig geöffnet. Anlässlich des Neubau des Kinderbereiches in den Jahren 2002 bis 2004 wurde die Skulptur renoviert und optisch in die Gestaltung integriert, um ihr noch mehr Geltung zu geben.[12]

Koordinaten: (682837 / 245270)47.3530800760338.5350278019905

Gegenplastik «Sunrise» beim Sportplatz Hardhof

«Sunrise»

Stele aus «Sitzwellen»

«Sunrise» ist eine 1974 errichtete Gegenplastik zur «Sirius»-Skulptur. Sie besteht aus der wiederverwendeten Negativform der Brunnenplastik. Das Kunstwerk wird aus zwei unabhängigen treppenartigen Flügeln aus einem satten und dunklen cyanfarbigem Polyester mit einer Gesamtbreite von sechs Metern gebildet. Ein Flügel liegt am Boden, der andere ist aufrecht aufgestellt. Die Skulptur steht neben den Tennisplätzen des Sportplatzes Hardhof in Zürich.[4]

Koordinaten: (680101 / 249976)47.3957347007098.4996601939201

«Sitzwelle»

«Sitzwellen»

Für die Badeanstalt Juch in ihrer Heimatgemeinde Zumikon gestaltete Annemie Fontana zwischen 1972 bis 1974 mehrere blaue und cyanfarbene «Sitzwellen». Es handelt sich dabei um wellenförmige Sitzgelegenheiten mit je zwei oder vier Vertiefungen, die in der Badeanstalt nahe der Schwimmbecken und Kleinkinderbassins aufgestellt wurden. Aus denselben Wellen gestaltete sie zusätzlich eine Doppelstele. Sie besteht aus zwei ineinander greifende, 7.2 Meter hohen Wellen, die neben dem Restaurant aufgestellt wurde. Die eine Welle hat eine beige und die andere eine weisse Farbe.

Koordinaten: (689328 / 243008)47.3318825277478.6204762756824

«Durchschritt»

«Durchschritt» bei der Kantonsschule in Bülach

Annemie Fontana erhielt den Auftrag eine Skulptur auf dem Areal der von Hans Knecht erbauten Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach aufzustellen. Die Skulptur «Durchschritt» ist eine 35 Tonnen schwere Granit-Kugel, die auf einem Rasenhügel platziert wurde. Die begehbare Kugel ist kreuzförmig durchbrochen und hat so zwei gedeckte Gänge. Ihre Gestaltungszeit dauerte von 1980 bis 1983.[4]

Die Kugel ist Symbol für ein beklemmendes Erlebnis in der Schulzeit von Annemie Fontana im Schulhaus Letten in Zürich. Sie sass jeweils eine Zeit lang unter dem Relief des gedeckten Schulhauseingangs bis sie es wagte, in die Schule einzutreten. Das Kunstwerk ist nun Sinnbild für dieses transzendentale Erlebnis. Die Kugel ist das Symbol für die Welt der Künstlerin und fordert den Besucher auf, in dieser Welt den Übertritt von der privaten, geschützten Welt in die öffentliche Schulwelt zu vollziehen, wie das Annemie Fontana in ihrer Schulzeit täglich erleben musste.[4]

Koordinaten: (683564 / 263606)47.5178818100468.548082113266

«Sesam-Tür und Bronzeplastik»

Die «Sesam-Tür und Bronzeplastik» ist ein Diptychon bestehend aus zwei übereinander gehängten metallischen Bildern mit dreidimensionaler geometrischer Gestaltung. Das eine Bild erscheint wie das kopfüber aufgehängte Negativ des anderen Bildes. In der Bildmitte liegt ein Quadrat an der kürzeren Parallelseite eines gleichschenkligen Trapezes. Diese liegen auf drei Rechteckebenen, die so eine flache Stufenpyramide bilden, welche bei einem Bild in die Höhe und beim anderen Bild in die Tiefe geht. Das Diptychon befindet sich im Eingangsbereich des Widder Saals. [13]

Koordinaten: (683173 / 247435)47.3725008090938.5398745536804

Fontana-Gränacher-Stiftung

Annemie Fontana legte testamentarisch fest, dass nach ihrem Ableben eine Stiftung für förderungswürdige Künstlerinnen eingerichtet werden soll. Die Stiftung wurde im Frühjahr 2003 ins Handelsregister eingetragen und unterstützt die Arbeit der Künstlerinnen mit einem jährlichen Kunstpreis in der Höhe von 20'000 Schweizer Franken. Es werden nur Künstlerinnen ausgezeichnet die Mitglied der SGBK Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen oder von visarte berufsverband visuelle kunst-schweiz sind.

Weblinks

 Commons: Annemie Fontana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Todesschein des Zivilstandskreis Zürich, 7. November 2002, Band 10, S. 340, Nr. 3585
  2. rib., Das Wesen der Form, in: Neue Zürcher Zeitung, 31. Oktober 2008
  3. Portrait, abgerufen 25. August 2008
  4. a b c d e f Fritz Billeter, Annemie Fontana, ABC-Verlag, Zürich, 1996, ISBN 3-8550-4160-1
  5. a b Schriftliche und telefonische Auskunft vom Amt für Hochbauten, Kunst und Bau / öffentlicher Raum, 23. September 2008
  6. Portrait auf der Stiftungswebsite, abgerufen 24. August 2008
  7. Mail vom Tiefbauamt Zürich vom 2. September 2008
  8. a b Beat Metzler, Kreis 5 verliert sein heimliches Wahrzeichen, in: Tages-Anzeiger, 29. Mai 2008
  9. Informationsseite der Stadt Zürich über den Umbau Pfingstweidstrasse, abgerufen 25. August 2008
  10. Jürg Rohrer in Tages-Anzeiger: Der Sirius-Brunnen soll nach Wiedikon, 11. Juni 2009
  11. Hans Neuburg, Annemie Fontana, Skulpturen und Grafiken, ABC Verlag Zürich, Zürich 1979, ISBN 3-85504-057-5
  12. Faltblatt des Hochbauamtes zum Umbau des Kinderbereiches im Strandbad Mythenquai, Mai 2004
  13. E-Mail mit Bildmaterial vom Widder Hotel, 29. September 2008

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