Leimrute

Leimrute

Vogelleim ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die Mistel. Der Name stammt aus der Römerzeit, als Vogelfänger Ruten mit einer klebrigen Flüssigkeit einstrichen, welche aus den Früchten der Mistel hergestellt wurde (Leimruten). Um den Leim noch klebriger zu machen und gegen Austrocknung zu schützen, wurden auch eingedickter Birnen- und Pflaumensaft sowie Honig zugesetzt. Dies wurde bis ins 19. Jahrhundert in ganz Europa praktiziert. Man streicht dabei den Leim auf Birkenästchen, die man auf einen in den Boden geschlagenen Stock steckt. Neben diesen Stock wird ein Käfig mit einem Lockvogel aufgestellt. So wurden bevorzugt Fichtenkreuzschnäbel und andere Finkenvögel gefangen, um im Winter eine Unterhaltung zu haben, da diese Vögel schön singen. Im Winter wurde mit Leimruten, die auf Büschen platziert wurden, Drosseln zum Verzehr nachgestellt.

Heute ist der Vogelfang in den meisten Teilen der EU verboten – Leimruten (inzwischen in der Regel mit synthetischem Leim) werden dennoch entgegen den Vorschriften der EU-Vogelschutzrichtlinie als Vogelfallen in Norditalien, auf Zypern und in Katalonien weiterhin verwendet. Die katalanischen Vogelfänger haben sich ihr Hobby von der Regionalregierung genehmigen lassen – in Italien und auf Zypern ist der Einsatz von Leimruten illegal.


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  • Leimrute — (in auf der Leimrute sitzen u.ä., vgl. Wendungen wie auf den Leim gehen) Sf zum Vogelfang verwendete, mit Leim bestrichene Rute erw. phras. (15. Jh.), fnhd. līmruote, mndd. līmrode Stammwortdeutsch s. Leim, s. Rute …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Leimrute — Leim|ru|te 〈f. 19〉 1. mit Leim bestrichene Rute zum Vogelfang 2. 〈fig.〉 Köder, Lockmittel * * * Leim|ru|te, die [spätmhd. līmruote]: für den Vogelfang verwendete, mit Leim bestrichene Rute, an der sich darauf niederlassende Vögel hängen bleiben:… …   Universal-Lexikon

  • Leimrute — Leim|ru|te …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Das Stundenbuch des Herzogs von Berry — Das Blatt „Mariä Heimsuchung“ im Stundenbuch des Herzogs von Berry Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15.… …   Deutsch Wikipedia

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  • Tres Riches Heures — Das Blatt „Mariä Heimsuchung“ im Stundenbuch des Herzogs von Berry Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15.… …   Deutsch Wikipedia

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  • Pechvogel — Unglücksrabe (umgangssprachlich); Schlemihl (umgangssprachlich) * * * Pẹch|vo|gel 〈m. 5u; fig.〉 jmd., der oft Pech hat [eigtl. „der am Vogelpech hängen bleibt“] * * * Pẹch|vo|gel, der [aus der Studentenspr., eigtl. = Vogel, der an einer… …   Universal-Lexikon

  • Falle — a) Fallgrube, Fangeisen, Fanggerät, Leimrute, Netz, Schlinge, Wolfsangel; (schweiz.): Klinke; (Jagdw.): Habichtskorb. b) Hinterhalt, List, Trick. * * * Falle,die:1.〈VorrichtungzumTierfang〉Fanggerät+Schlinge·Garn·Netz·Leimrute;auch⇨Fallgrube,⇨Fange… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Latte — Mit der Latte laufen: ein Narr sein, in engerer Bedeutung: toll sein vor Liebe. Belegt ist der Ausdruck z.B. 1728 bei Daniel Stoppe (›Gedichte‹ Band 2, S. 199): »Wer mit der Latte läuft und sich als ein Narr stellt«. Der Sinn der Redensart wird… …   Das Wörterbuch der Idiome

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