Anny von Hamburg
Anny von Hamburg
Technische Daten (Überblick)
Schiffstyp: Segelschiff
Flagge: Deutschland
Heimathafen: Hamburg
Länge (ü. a.): 38,0 m
Laenge (p. p.): 28,0 m
Breite (ü. a.): 6,95 m
Tiefgang: max. 2,65 m
Baujahr: 1914
Bauwerft: C.Lühring, Hammelwarden

Anny von Hamburg ist ein Dreimastschoner.

Geschichte

Das Schiff wurde 1914 als „Anny“ auf der Werft C. Lühring in Hammelwarden an der Unterweser zusammen mit sieben Schwesterschiffen als Frachtsegler aus Eisen gebaut. Die 28 Meter langen und 6,95 Meter breiten Fahrzeuge waren als reine Gaffelschoner getakelt, also ohne Rahen. Am Vormast kann jedoch an einer losen Rah eine Breitfock gefahren werden. Die Besegelung besteht aus drei großen Gaffelsegeln, den dazu gehörigen Gaffeltopsegeln, ferner aus vier Vorsegeln, nämlich Stagfock, Klüver, Außenklüver und Jager, sowie einem Flieger zwischen Vor- und Großmast, woraus sich eine Segelfläche von etwa 520 Quadratmetern ergibt. Die Masten sind aus gewachsenem Holz.

Seine erste Reise segelte das Schiff nach Sankt Petersburg. Dort wurde es aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs beschlagnahmt und lag für die nächsten Jahre als Wohnschiff für Kadetten im Hafen fest. Nach Kriegsende wurde die „Anny von Hamburg“ nach Deutschland zurückgeführt.

1925 entstand der Frachtsegler neu mit verkleinerter Takelage und einem Motor mit 25 PS. Der neue Name lautete „Hanna“. 1936 erhielt der Schoner unter neuem Eigner einen neuen Namen: „Kurt Both“ und der Heimathafen wurde Glückstadt.

Während des Zweiten Weltkriegs fuhr er zwischen Bremen und Helgoland, um Zement für die Befestigung der Insel zu transportieren; später ging er in die Trampfahrt nach Skandinavien. 1940 entstand aus dem Dreimaster ein Anderthalbmaster mit einer neuen, 150 PS starken Maschine. 1950 wurde die Kurt Both auf der Werft Fritz Frank in Hamburg-Wilhelmsburg um acht Meter verlängert. Nach Entfernung des Bugspriets 1952 bei Hugo Peters in Beidenfleth war aus dem Schoner endgültig ein Motorschiff geworden. Nach knapp 32 Jahren wurde das Schiff 1957 aus dem Hamburger Schiffsregister gelöscht. Es war zum Preis von 230.000 DM an Oscar Abrahamsson & Söhne in Edshullshall, Schweden, verkauft worden, für die es als Ringö fuhr. 1963 wurde es vom Finnen Paul Grönquist erworben, der es weitere 16 Jahre als Kümo auf der Ostsee betrieb.

1980 entdeckte Jörn Deistler, Geschäftsführer der Germania Schiffahrt GmbH, Hamburg, das Schiff als Ringö im Hafen von Karlskrona. Der ehemalige Gaffelschoner war teilausgebrannt und hatte sein Aussehen völlig verändert. Nur Dank alter Baupläne der Lühring-Werft machte es Sinn, über eine originalgetreue Restaurierung nachzudenken. Nach einer abenteuerlichen Überführungsreise auf eigenem Kiel wurde das Schiff wieder als Anny in das Schiffsregister seines alten Heimathafens Hamburg (Rufzeichen DANY) eingetragen.

Unter Aufsicht des Germanischen Lloyd wurde der Rumpf in Glückstadt bei der Brockmüller-Werft auf das alte Maß gekürzt und in ursprünglicher Form erneuert, das Rigg wurde von Michael Kiersgaard in Svendborg in Dänemark nach den alten Plänen gebaut und getakelt. Das Innenleben des Schiffes wurde gründlich überholt. Es wurde eine neue 280-PS-Deutz-Hauptmaschine als Flautenschieber eingebaut sowie zwei 50-PS-Perkins-Hilfsdiesel für die Stromversorgung. Für die sichere Navigation wurden Radar, Satellitennavigation, Echolot und andere moderne Navigationsgeräte installiert. Im früheren Laderaum wurden bei der Asmus-Werft, Glückstadt, im Stil der Zeit, jedoch mit modernem Komfort, ein repräsentativer Salon, fünf Doppelkabinen mit eigenem Bad und WC sowie geräumige Besatzungsunterkünfte eingebaut.

Der heutige Eigner ist ein Reeder aus Norddeutschland.

Literatur

  • Otmar Schäuffelen: Die letzten großen Segelschiffe. Verlag Delius Klasing, Bielefeld 1994, ISBN 3-7688-0860-2 (S.13).

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