Anodontotie
Klassifikation nach ICD-10
K00.0 Anodontie, Hypodontie, Oligodontie
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Hypodontie (von altgriech. ὕπο „unter-“ und ὀδόντος „mit Zähnen versehen“)[1] ist eine Zahnunterzahl. Darunter wird das durch eine Nichtanlage (Aplasie) bedingte Fehlen von einem oder mehrerer Zähne verstanden. Fehlen mehrere Zähne (etwa mehr als 5 Zähne) spricht man von einer Oligodontie (von altgriech. ὀλίγο- „wenig“)[1] und das Fehlen aller Zähne heißt Anodontie (von altgriech. ἀ(v)- „ohne“).[1]

Inhaltsverzeichnis

Echte Hypodontie

Oligodontie bei einem fünfjährigen Mädchen infolge einer Hypohidrotischen ektodermale Dysplasie: Im Oberkiefer ist kein Bleibender Frontzahn angelegt. Daher persistieren die Milchzähne. Im Unterkiefer fehlen auf jeder Seite drei Bleibende Zähne, die Zähne 31 und 41 (mittlere Schneidezähne) sind extrem retiniert. Eine (Nicht)-Anlage der Weisheitszähne kann noch nicht beurteilt werden.
Echte Hypodontie: Die oberen seitlichen Schneidezähne sind nicht vorhanden.

Die echte Hypodontie ist angeboren und durch Erb- oder Rasseneinflüsse bedingt. Als Folge einer Entwicklungsstörung kann sie gemeinsam mit anderen Erkrankungen oder Anomalien auftreten: Down-Syndrom (Mongolismus), Anhydrosis hypotrichotica, Arachnodaktylie, Bloch-Sulzberger-Syndrom, Curtius-Syndrom, Chondroektodermaldysplasie, Dysostosis acrofacialis, Dysostosis mandibulofacialis, Dysplasia linguofacialis, Hypohidrotischen ektodermale Dysplasie, Ektodermalsyndrom, Hämolytische Anämie oder Lipoidproteinose.[2]

Häufigkeit und Verteilung

Die Hypodontie ist eine der am weitesten verbreiteten Anomalitäten. 3,5–8,0 % der Bevölkerung sind (abgesehen von den dritten Backenzähnen) betroffen. Das Fehlen der Weisheitszähne lässt sich bei 20–23 % der Bevölkerung feststellen.[3]

Beim Menschen verteilt sich die Häufigkeit des Fehlens einzelner Zähne bei einer echten Hypodontie folgendermaßen:[4]

  • 3. Molaren (Weisheitszähne / 8er)[5]
  • Obere seitliche Schneidezähne (Zähne 12 und 22)
  • Untere 2. Prämolaren (Zähne 35 und 45)
  • Untere mittlere Schneidezähne (Zähne 31 und 41)
  • Übrige Prämolaren und untere seitliche Schneidezähne)
  • Relativ selten: Obere mittlere Schneidezähne (Zähne 11 und 21), Eckzähne, (3er), obere und untere 1. und 2. Molaren (6er und 7er)

Im Milchgebiss sind Hypodontien weitaus seltener.

Erworbene oder Unechte Hypodontie

Traumatische (unfallbedingte) Ereignisse können zum frühzeitigen Zahnverlust und damit zu einer Hypodontie führen, ebenso aber auch eine Knochenmarkentzündung oder auch Röntgen- und Radiumbestrahlungen. Eine zentrale Luxation eines Milchzahnes kann zur Schädigung des Zahnkeimes des bereits angelegten Bleibenden Zahnes führen, so dass dieser dann verkümmert. Streng genommen ist natürlich auch der (frühzeitige) Verlust von Zähnen durch Karies eine Form der Zahnunterzahl, hier spricht man aber eher von einer Gebiss-Reduktion.

Vorgetäuschte Hypodontie: Obwohl der 7er bereits fehlt, ist der 8er retiniert, und scheint somit nicht vorhanden.
In diesem Fall ist evtl. eine Zahntransplantation möglich: der Weisheitszahn würde entfernt und an der Stelle des fehlenden 1. Molaren implantiert.

Vorgetäuschte Hypodontie (Hypodontia spuria)

Sind Zähne angelegt, brechen aber nicht durch, so liegt eine Hypodontia spuria (von latein: spurius „falsch, unecht“) vor.[2]

Therapeutische Maßnahmen

Grundsätzlich sind kieferorthopädische, prothetische, implantologische und kieferchirurgische Maßnahmen möglich. Die Behandlung muss für jeden Fall gesondert geplant werden, weil viele Faktoren von Bedeutung sind: Anzahl der fehlenden Zähne, Zustand und Zahnstellung der vorhandenen Zähne, Kiefergröße und Lage der Kiefer zueinander, Allgemeinerkrankungen und nicht zuletzt finanzielle Aspekte. Oft ist auch eine sich ergänzende Kombination mehrerer Therapiemaßnahmen sinnvoll und erforderlich, so dass eine enge Absprache und Zusammenarbeit der oben genannten zahnmedizinischen Disziplinen vonnöten ist. Soweit möglich wird man kieferorthopädischen Maßnahmen den Vorrang einräumen und erst danach chirurgische (Freilegung von retinierten Zähnen oder gar Implantationen oder Zahntransplantationen)[6] bzw. die Versorgung mit Zahnersatz als Behandlungsmöglichkeit in die Therapie einbeziehen.

Einzelnachweise und Quellen

  1. a b c Wilhelm Gemoll: GEMOLL, Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch, G. Freytag Verlag, München
  2. a b Walter Hoffmann-Axthelm: Lexikon der Zahnmedizin, Quintessenz-Verlag, Berlin
  3. B. W. Neville et al.: Oral & Maxillofacial Pathology, 2. Auflage. 2002
  4. Gottfried P. F. Schmuth: Kieferorthopädie - Grundzüge und Probleme, Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  5. Für die Zahnbezeichnungen siehe: Zahnschema
  6. Joachim Gabka/Herbert Harnisch: Operationskurs für Zahnmediziner, Georg Thieme Verlag, Stuttgart
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