Anonyma – Eine Frau in Berlin
Filmdaten
Deutscher Titel: Anonyma – Eine Frau in Berlin
Originaltitel: A Woman in Berlin
Produktionsland: Deutschland, Polen
Erscheinungsjahr: 2008
Länge: 131 Minuten
Originalsprache: Deutsch, Russisch
Stab
Regie: Max Färberböck
Drehbuch: Max Färberböck
Produktion: Günter Rohrbach
Besetzung

Anonyma − eine Frau in Berlin (Originaltitel: A Woman in Berlin) ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahr 2008 von Max Färberböck. Der Film handelt von der Situation der Frauen in den ersten Nachkriegstagen im Frühjahr 1945 in Berlin während der Besetzung durch die Rote Armee. Er orientiert sich an dem autobiografischen Buch Eine Frau in Berlin von Marta Hillers, das ursprünglich von C. W. Ceram herausgegeben wurde. Kinostart in Deutschland war am 23. Oktober 2008.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

April 1945. Die Rote Armee marschiert in Berlin ein. In einem halb zerstörten Wohnhaus werden die Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Eine von ihnen ist knapp 30-jährige Frau (ihr Name wird nie erwähnt) Anonyma (Nina Hoss), einst Journalistin und Fotografin. Sie hält die Geschehnisse für ihren Lebensgefährten, der vor Jahren an der Ostfront verschwand, in einem Tagebuch fest. In der Not fasst sie den Entschluss, sich einen russischen Offizier zu suchen, der sie beschützt und als Gegenleistung mit ihr schlafen darf. Und es geschieht, worauf sie am wenigsten gefasst war. Langsam nähert sie sich ihrem Beschützer an, dem höflichen melancholischen Andrej (Jewgeni Sidichin). Es entsteht eine Beziehung zu dem Offizier, die sich wie Liebe anfühlt, wäre da nicht die Barriere, die sie bis zum Ende Feinde bleiben lässt. Als am Ende ihr Mann Gerd zurückkehrt, hat sie sich diesem entfremdet.

Der Film stützt sich auf die Tagebuchaufzeichnungen einer bis zu ihrem Tod anonym gebliebenen Autorin, die als einzige Frau über die bis heute tabuisierten Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Soldaten der Roten Armee am Ende des zweiten Weltkriegs berichtet hat. Das Buch ist ein historisches Dokument, das weltweit Aufsehen erregte und nach seiner deutschen Neuauflage im Jahre 2003 in vielen Bestsellerlisten zu finden war.

Hintergrund

Die Hauptrolle der Anonyma spielt Nina Hoss, die für den Film Yella bei den Internationalen Berliner Filmfestspielen mit dem Silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Auch die weiteren Rollen sind prominent besetzt, darunter die Trägerin des Deutschen Filmpreises Sandra Hüller, Irm Hermann, Jördis Triebel, August Diehl, Rüdiger Vogler und Juliane Köhler. Alle sowjetischen Soldaten werden von russischen Schauspielern gespielt, darunter der Kino- und Theaterschauspieler Jewgeni Sidichin.

Kritik

In den Kritiken ist der Film umstritten. So wird der Regisseur dafür gelobt „alles richtig gemacht“ zu haben:

„Vor allem aber ist Färberböck und seinem Produzenten Günter Rohrbach der Geniestreich gelungen, ein Tabuthema der deutschen Geschichte so zu inszenieren, dass es die aktuellen Ängste vor dem Absturz aus einem kosmopolitischen Wohlstandsleben in die archaische Form des Faustrechts nachvollziehbar macht.“

Süddeutsche Zeitung[1]

Auf der anderen Seite müssen sich die Filmemacher den Vorwurf gefallen lassen, das Thema zu „zahm und geschliffen“ inszeniert zu haben.[2]

„Filme wie diesen gibt es, nicht weil die Macher sich fürs Thema interessierten, sondern weil jemand Geld verdienen will, und man dann Themen sucht, "die gehen". Weil ein Produzent auf einen Zug, der schon lange und sicher und mit hoher Geschwindigkeit dahinrollt, aufspringen will. Und er das Geld hat, die Rechte zu kaufen. [...] Das Ergebnis ist ein Mainstream-Prestigeprojekt, ist cleanes deutsches Hochglanz-Schicksalskino, wie wir es - fast hätten wir gesagt: "bis zum Erbrechen" - kennen; saubere, hervorragende deutsche Schauspielerinnen bis in die Nebenrollen, mit schwarzer Schmutzschminke im Gesicht und sichtbar kratzigem Tuch auf der weißen Haut, als müssten sie ein Hauptmann-Stück aufführen, und dann zwischen fein säuberlich arrangierte Trümmerkulissen gestellt.“

Telepolis[3]

Auszeichnungen

Nebendarstellerin Irm Hermann wurde 2009 für den Deutschen Filmpreis nominiert.[4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. A. Kreye: Männer, von Natur aus feige, sueddeutsche.de vom 22. Oktober 2008
  2. Kritik in Filmstarts.de
  3. "Verbotene Liebe und prekäre deutsche Männlichkeit" - Kritik auf Telepolis
  4. vgl. Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick bei welt.de, 13. März 2009

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