278.0
DR-Baureihe ET 170
DR-Baureihe ET 170
Anzahl: 4 Triebwagen
Hersteller: LEW
Baujahr(e): 1959
Achsformel: Bo'2'Bo'+Bo'2'Bo'
Spurweite: 1.435 mm
Länge über Kupplung: 37.340 mm
Leermasse: 70,4 t
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Stundenleistung: 4×140 kW = 560 kW
Beschleunigung: 0,7 m/s²
Motorentyp: Gleichstromreihenschluss
Stromsystem: 800 V DC
Stromübertragung: seitliche, von unten bestrichene Stromschiene
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 112

Der Versuchszug der Baureihe ET 1700 (später BR 2782) ist der erste nach dem Krieg von der Deutschen Reichsbahn entwickelte Triebwagen für die Berliner S-Bahn. In die Berliner Verkehrsgeschichte ging er als „Blaues Wunder“ ein, der im Jahr 1959 – anlässlich des 10. Jahrestages der DDR – für Aufsehen sorgte. Nach völlig neuartigen Gesichtspunkten konstruiert, sollten S-Bahnen dieser Art damals Lücken im Wagenpark schließen, die sich durch Krieg, Reparationen und durch eine Reihe neuer elektrischer Strecken aufgetan hatten. Diese Fahrzeuge waren vom Konzept her sehr fortschrittlich angelegt und sollten auf der S-Bahn einen Modernisierungsschub bringen.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Mit der Projektierung dieses Zuges wurde der VEB LEW „Hans Beimler“ Hennigsdorf Mitte der 1950er Jahre beauftragt. Nach vielen Vorentwürfen – darunter ein dreiteiliger „Drittelzug“ mit zwei Jakobs-Drehgestellen – kristallisierte sich ein Konzept heraus, welches einen durchgehenden Halbzug vorsah, eine Idee, die erst knapp 40 Jahre später mit den S-Bahnen der Baureihe 481/482 in Berlin erfolgreich Einzug halten sollte. Die Durchgängigkeit wurde beim ET 170 damit erreicht, dass die beiden Wagen eines Viertelzuges auf Jakobs-Drehgestellen ruhten, somit die Achsfolge Bo'2'Bo' besaßen. Zwei Viertelzüge bildeten einen im Betrieb untrennbar gekuppelten Halbzug. Auffallend war auch die neuartige blau-weiße Lackierung mit goldfarbener Farbtrennkante. Sie brachte dem Zug den Spitznamen „Blaues Wunder“ ein. Indes fanden diese Farben bei der Berliner Bevölkerung genauso wenig Anklang, wie bei den 25 Jahre später gebauten blauen Prototypen der Baureihe 480.

Schon die Versuchsphase verlief beim ET 170 sehr unglücklich. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage der DDR und Devisenmangels wurde im Elektrobereich nur auf herkömmliche Technik der Baureihe ET 165 zurückgegriffen. Auch die für diesen Fahrzeugtyp verwendete unzureichende Bremsanlage konnte im Test nicht überzeugen. Der ET 170 besaß schließlich gegenüber den älteren Vorkriegszügen ein Drehgestell pro Viertelzug weniger.

Probleme bereiteten auch die festen Fenster ohne Lüftungsmöglichkeit. Die eingebaute Druckluftanlage reichte besonders im Sommer nicht für eine gute Belüftung aus. Eine merkwürdige Parallele zur knapp 40 Jahre später erfolgten Entwicklung der 481/482-S-Bahnwagen, bei der man sich auf das gleiche Konzept verließ. Bereits kurze Zeit nach der Inbetriebnahme mussten nachträglich Klappfenster eingebaut werden.

Sicherlich wären viele der festgestellten Mängel bei einem Serienbau zu beheben gewesen. Jedoch konnten Anfang der 1960er Jahre die als Reparationsleistung 1945 in die Sowjetunion gebrachten S-Bahnwagen zurückgekauft werden. Zudem wurden nach dem Mauerbau 1961 zunehmend weniger Fahrzeuge für den Verkehr in West-Berlin benötigt. Damit war der akute Fahrzeugmangel der Berliner S-Bahn behoben, und das „Blaue Wunder“ blieb ein Einzelexemplar.

Die beiden Halbzüge wurden abgestellt. Mitte der 1960er Jahre tauchten die Züge nach einigen Nachbesserungen wieder im Betrieb auf, nun in der gewohnten rot-ockerfarbenen S-Bahnlackierung. Aber die technischen Unzulänglichkeiten waren geblieben, so dass die Verwaltung der S-Bahn den Zug 1970 abstellte und vier Jahre später verschrotten ließ.

Randbemerkung

In den 1950er und 1960er Jahren waren beide deutsche Staatsbahnen (DB und DR) noch bemüht, bei Fahrzeugbeschaffungen gleichlautende Nummern für Schienenfahrzeuge zu vermeiden. Deshalb wurden Dampfloks der DR-Baureihe 65 oder Diesellokomotiven der Reihe V 100 mit einer um 1000 höhere Ordnungsnummer in den Betriebsmittelpark der Reichsbahn eingestellt, weil es die gleiche Baureihennummer bei der DB gegeben hat. Die zur gleichen Zeit der Beschaffung des Blauen Wunders für die Hamburger S-Bahn entwickelten Fahrzeuge der Reihe ET 170 erhielten daher eine um 100 höhere Ordnungsnummer und wurden als ET 1701 in Dienst gestellt.

Literatur

  • Mario Walinowski; Historische S-Bahn e.V. (Hrsg.): Züge der Berliner S-Bahn. Das „Blaue Wunder“. Verlag GVE, Berlin 2005, ISBN 3-89218-170-5. 

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