Leopold Sedar Senghor
Léopold Sédar Senghor 1961 in Frankfurt am Main

Léopold Sédar Senghor (* 9. Oktober 1906 in Joal, Senegal; † 20. Dezember 2001 in Verson, Frankreich), war ein senegalesischer Dichter und Politiker und von 1960 bis 1980 Präsident des Senegal.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Jahre 1928 ging er zur Ausbildung nach Paris. 1933 gründete er die Vereinigung westafrikanischer Studenten. Er befasste sich eingehend mit europäischer Literatur und erlangte 1935 als erster Schwarzafrikaner die Agrégation in klassischer Philologie. Er war mittlerweile französischer Staatsbürger geworden. Als Autor von Gedichten und Aufrufen begründete er mit Aimé Césaire und weiteren afrofranzösischen Intellektuellen die Strömung der Négritude. 1940 geriet er als Offizier in deutsche Kriegsgefangenschaft und entging nur knapp seiner Erschießung zusammen mit anderen Soldaten schwarzer Hautfarbe. Als Kriegsgefangener las er u. a. Schriften von Leo Frobenius, was seine Weiterentwicklung des Konzeptes der Négritude beeinflussen sollte. Nach der Befreiung arbeitete er zunächst wieder als Gymnasiallehrer, wurde aber noch 1945 als Abgeordneter der SFIO für den neuen Wahlbezirk Senegal-Mauritanie in die Französische Nationalversammlung gewählt. 1946 heiratete er die Tochter des Generalgouverneurs für Französisch-Äquatorialafrika Félix Éboué. 1948 wurde er Mitbegründer des gemäßigt linken Bloc démocratique sénégalais und ab 1951 Staatssekretär. Er blieb eine der wichtigsten politischen Persönlichkeiten der Union Française bis zu deren Ende. Nach der Unabhängigkeit des Senegal 1960 war er bis 1980 dessen erster Präsident.


1950 schloss Senghor Freundschaft mit dem deutschen Schriftsteller Janheinz Jahn, dessen Publikationen das (westdeutsche) Afrikabild entscheidend änderten und modernisierten. 1968 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Im Vorfeld dieser Auszeichnung kam es in Frankfurt am Main wegen seines autoritären Führungsstils als Staatspräsident zu massiven Unruhen. Hauptanlass dafür war folgender Vorfall: Am 23. Mai 1968 hatten Studenten in der senegalesischen Hauptstadt Dakar die Universität besetzt. Bei der von Senghor veranlassten gewaltsamen Räumung war ein Student ums Leben gekommen. Der heutige Grüne EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit wurde im Anschluss an diese Demonstration zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.[1]

1978 lud Senghor den in Paris angesehenen ehemaligen NS-Bildhauer Arno Breker zu einem Afrika-Besuch ein. Der Künstler porträtierte Senghor zum Auftakt eines Afrika-Zyklus.[2]

Am 31. Dezember 1980 trat Senghor zu Gunsten des Ministerpräsidenten Abdou Diouf vom Amt zurück.

1983 wurde Senghor als erster Afrikaner Mitglied der Académie française. 1996 erhielt er einen Lifetime Award des Grand Prix littéraire de l'Afrique noire für seine Anthologie de la nouvelle poésie negre et malgache de langue française. Daneben wurde er unter anderem zum Großkreuz der französischen Ehrenlegion und Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres ernannt. 1990 wurde im ägyptischen Alexandria eine neu gegründete Universität nach ihm benannt.

Kritik und Nachleben

Von radikalen Kritikern wurde Senghor vorgeworfen, dass er sich kulturell und politisch zu sehr an Europa orientiere und zu wenig versuche, eine eigenständige afrikanische Identität aufzubauen. Zudem habe er sich den ehemaligen Kolonialmächten gegenüber zu versöhnungsbereit gezeigt.

Der Internationale Flughafen von Dakar wurde nach ihm Dakar-Yoff-Léopold Sédar Senghor International Airport benannt.

Werke (Auswahl)

  • Bis an die Tore der Nacht, Waldbrunn 1985.
  • Liberté I. Négritude et humanisme, Paris 1964, dt. Negritude und Humanismus. Düsseldorf, Diederichs 1967
  • Liberté II. Nation et voie africaine du socialisme, Paris 1971.
  • Liberté III. Négritude et civilisation de l'universel, Paris 1988.
  • On African Socialism, New York 1964.
  • Tam-Tam schwarz, Heidelberg 1955.

Literatur

  • János Riesz: Leopold Sedar Senghor. Der afrikanische Aufbruch im 20. Jahrhundert, Peter Hammer Verlag 2006, ISBN 3779500477

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Frankfurt-Live.com: Das Jahr der Veränderungen
  2. Exemplare des Bronzeporträts stehen unter anderem in Salzburg und in Alexandria.

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