Anschlag (Waffe)
Stehender Anschlag, einhändig
Isoceles-Anschlag (stehender, beidhändiger Anschlag mit parallel gestellten Füßen
Sitzender Anschlag, beidhändig
Kniender Anschlag (Hintergrund, rechts) bei einer Operation des United States Marshals Service gemeinsam mit dem ICE

Der Anschlag ist beim Schusswaffengebrauch die Körper- und Waffenhaltung, bei der ein Schuss durch einen Schützen aus einer Handfeuerwaffe abgegeben wird oder die unmittelbar vorbereitende Haltung hierzu.

Inhaltsverzeichnis

Anschlagsarten

Die Art des Anschlags hängt von den Gepflogenheiten des Schützen, dem Waffentyp und dem Grund der Schussabgabe ab.

Im Sport werden Faustfeuerwaffen (Pistole, Revolver) meist im Stehen geschossen. Sportpistolen (Luftdruckpistole, Kleinkaliberpistole) hält man dabei gemäß den Reglements der großen Sportverbände meist in einer Hand. Großkaliberpistolen werden in der Regel beidhändig geschossen. Bei verschiedenen Disziplinen ist aber auch das liegende, kniende, sitzende oder an eine Barrikade angelehnte Schießen üblich.

Gewehre werden im Sport meist im Knien oder Liegen geschossen. Die zweite Hand (die nicht am Abzug ist) greift dabei die Waffe am Vorderschaft oder unterstützt den Hinterschaft, insbesondere bei der Verwendung von Auflagen unter dem Vorderschaft. Teilweise werden Gewehre auch im Stehen geschossen. Dabei wird oft ein sogenannter Handstopp und ein Schießriemen zur Stabilisierung verwendet.

Im polizeilichen Einsatz wird meist aus stehender Position geschossen. Hierbei wird jedoch versucht, eine Deckung zu benutzen. In den letzten Jahren wurde vermehrt geschult, einen beidhändigen Anschlag zu verwenden. Aus Gründen der Eigensicherung steht der Beamte nicht frontal zum Gegenüber sondern seitlich, damit verringert er seine Trefferfläche, falls er angegriffen wird.

Im militärischen Bereich werden in der Regel Maschinenpistolen und automatische Gewehre benutzt. Hier gibt es oft Zusatzgriffe, um die Waffe zu stabilisieren.

Langwaffen

Bereitschaftspositionen

  • Low Ready: Tiefe Vorhalteposition

Waffe von Augenhöhe gerade tief genug senken, um die Hände des Gegners sehen zu können. Finger vom Abzug. Diese Position ist gut um den/die Gegner in Schach zu halten und dennoch schnell und gezielt feuern zu können.

  • Ready: Hohe Vorhalteposition. Beidhändiger Anschlag.
  • Retention Position: Sicherungs- und Festhalteposition

Waffe an den Körper heranziehen und einwinkeln. Waffe berührt den Rippenbogen, zielt aber dennoch auf den Beckenbereich des Gegners.

  • Sul: Sul (portugiesisch für Süden) Waffe körpernah sicher nach unten.

Schießpositionen

  • Kniend: Funktioniert gut hinter Deckung und auf Untergründen, auf denen man nicht liegen möchte.
  • Seitlich liegend: Die stabilste Schießposition
  • Rückenlage: Flach auf dem Rücken liegend im beidhändigen Anschlag.
  • In der Bewegung: Oberkörper und Unterkörper agieren getrennt. Nur mit dem Oberkörper schießen und die Knie als Stoßdämpfer benutzen
  • sitzend aufgelegt
  • im Schneidersitz sitzend, Waffe in der linken Armbeuge (Rechtshänder) aufgelegt, Hand stützt den Schaft
  • stehend freihändig
  • stehend angestrichen an einen Baum oder Schießstock

Kurzwaffen

Bereitschaftspositionen

Bereitschaftsposition (US-Armee)

Es gibt mehrere Bereitschaftspositionen für Handfeuerwaffen. Dabei wird die Waffe entweder in Richtung Boden oder aber in Richtung Himmel/Decke gehalten.

Schießpositionen

FBI-Schuss

Das FBI propagierte in den 1970er Jahren eine einhändige Anschlagsart, bei der die Pistole einhändig in Hüft- bis Brusthöhe gehalten wird. Der Waffenarm wird nicht unterstützt oder aufgelegt. Der andere Arm wird diagonal vor den Oberkörper gehalten um bei Beschuss den Körperorganen einen zusätzlichen Schutz zu bieten.

Diese Anschlagsart kann nur auf kurze Distanzen bis max. 15 m genutzt werden, und ist nur für den Combat-Bereich anwendbar.

Wird nach heutigen Maßstäben der Umfeldgefährdung und verantwortlichem Handeln nicht mehr verwendet.

Hüftschuss mit aufgesetztem Ellenbogen

Für den schnellen Schuss auf kurze Distanzen (5 bis 10 m) werden die Beine leicht breitbeinig gestellt und etwas eingeknickt. Die Waffe wird in einer Hand gehalten. Der Ellenbogen wird auf dem Hüftknochen aufgesetzt. Der Oberkörper neigt sich zu der Seite in der die Waffe gehalten wird. In einer Variante, dem Yaqui-Anschlag, wird der Oberkörper außerdem noch etwas zurückgebogen.

Dadurch, dass der Arm auf dem Hüftknochen abgestützt wird, können auch großkalibrige Waffen gut unter Kontrolle gehalten werden. Die Waffe wird dabei so hoch gehalten, dass sie im unteren Sichtfeld des Schützen erscheint und damit auf das Ziel ausgerichtet werden kann. Beim Yaqui-Anschlag wird dieser Effekt noch verstärkt. Durch die Verschiebung des Oberkörpers befindet sich der Kopf direkt über der Visierachse der Waffe.

Diese Art des Anschlags wird kaum noch benutzt und ist ohnehin nur im Combat-Bereich anwendbar.

Fixierung der Waffe

Beim Anschlag ist wichtig, dass die Waffe nicht krampfhaft festgehalten wird, jedoch auch nicht zu locker.

Bei der sogenannten Freien Pistole wird die gesamte Hand durch den Holzgriff umschlossen. Viele Sportpistolen verfügen über Formgriffe aus Holz, bei denen Fingermulden angedeutet sind und der Handballen durch eine verstellbare Auflage unterstützt wird.

Gebrauchswaffen haben meist Holz- oder Kunststoffgriffe. Diese sind oft mit einer rauen Oberfläche versehen, damit auch bei Feuchtigkeit (Wasser, Schweiß) ein sicherer Griff der Waffe gewährleistet ist.

Bei Magnum-Revolvern wird z.B. ein glatter Holzgriff verwendet, damit die Waffe sich in der Hand bewegen kann. Die auftretenden Kräfte bei der Schussabgabe führen bei einer zu festen Waffenhaltung (evtl. in Verbindung mit einem Gummigriff) schon nach wenigen Schüssen zu Hautabschürfungen.

Waffenhaltung

Die Hand ist die Schnittstelle zwischen der Person und der Waffe. Alle Faktoren wie Zielen, Abzugskontrolle und Rückstoßkontrolle finden ultimativ an dieser Stelle statt.

Der richtige Griff an der Waffe, der Abzugsvorgang und das Verhalten nach der Schussabgabe, sind die Schlüssel für gutes Schießen und Rückstoßkontrolle.

Der Griff stabilisiert die Waffe gegen schlechte Abzugskontrolle und ist der ausschlaggebende Faktor für das Rückstoßmanagement.

Die beste Technik hilft nichts, wenn sie sich nicht für schnelle Schussfolgen eignet oder nicht stabil während Stress einsetzen lässt.

Man geht davon aus, dass sich der beidhändige Anschlag als Grundtechnik weitgehend durchgesetzt hat.

Die Waffe so hoch wie praktikabel greifen, relativ zur Laufseele. Dadurch reduziert sich der Hochschlag der Waffe maßgeblich. Während dies bei hoch aufbauenden Waffen wie SIG Sauer P22x oder Heckler & Koch USP schwierig ist, liegt die Laufseele bei niedrig bauenden Waffen wie Glock oder Steyr fast auf Höhe der Daumenbasis.

Die Finger sollten zusammen liegen, sich berühren und so hoch wie möglich Kontakt zum Griffstück haben. Die schussschwache Hand ist etwa im Winkel von 30 – 45 Grad nach unten abgewinkelt und hat, ebenfalls so hoch wie möglich, Kontakt zum Daumen der schussstarken Hand und umschließt die Front des Griffstücks und die Finger der schussstarken Hand.

Platzieren sie den schussstarken Daumen so hoch, dass der Daumen der schussschwachen Hand Platz und Kontakt hat.

Ganzflächiger Kontakt von beiden Händen und Waffe ist wichtig.

Manche Waffen haben einen angewinkelten oder aufgerauten Abzugsbügel um einen Zeigefinger darauf ruhen zu lassen. Von wenigen Ausnahmen, bezüglich der Handgröße und Waffenform abgesehen, handeln sie sich dadurch nur Nachteile ein. Zum einen besteht dabei immer die Gefahr, dass man über den so abgestützten Zeigefinger beim Abziehen eine Kraft auf die Waffe ausübt, welche die Mündung aus der Zielrichtung schiebt. Zum anderen schwächt man dadurch den Einfluss der linken Hand auf die Rückstoßkontrolle.

Manche Schützen, speziell Schützen mit kleinen Händen, haben bei dieser hohen Handhaltung Schwierigkeiten, den Abzug zu erreichen. Da Abzugskontrolle einer der Schlüssel für gute Treffer ist und Abzugskontrolle das größere Problem darstellt als das Zielen und die Rückstoßkontrolle, ist es besser, mit dem Abzugsfinger zu beginnen und rückwärts zu arbeiten.

Die Platzierung des Abzugsfingers auf dem Abzug ist und war schon immer Grundlage endloser Diskussionen zwischen erfahrenen Schützen. Ob nun die Fingerspitze, der erste Ballen oder die erste Beuge benutzt wird, ist Geschmackssache. Es wird immer ein Abwägen zwischen mehr Gefühl und mehr Kraft sein. Schützen mit leichten Abzügen werden eher die Spitze benutzen, Schützen mit strengen Abzügen eher die Beuge. Was auch immer benutzt wird, sie sollten nur die Vorderseite des Abzuges berühren und idealer weise im Zentrum des Abzuges gleich bleibenden Druck ausüben können.

Beide Hände drücken die Waffe nach vorne. Dadurch wirkt man dem Rückstoß in gerader Linie entgegen. Rückstoß wird sich niemals ganz eliminieren lassen. Es ist schwierig, schriftlich darzustellen, wie fest die Waffe zu halten ist. Zwei Drittel der Haltekraft kommen von der schussschwachen Hand, ein Drittel von der schussstarken Hand. Fest, aber nicht verkrampft. Erhöhen Sie den Druck, bis ihre Hände zu zittern beginnen und reduzieren Sie ihn dann, bis es sich komfortabel anfühlt. Ihr gesamter Körper sollte gespannt, aber nicht verkrampft sein. Daneben ist – abhängig von der Rückstoßkraft – ein sicherer Stand am Boden bzw. eine stabile Position im Liegen notwendig. Damit vermeidet man die ungewollte Änderung der Anvisierung (Verreißen).

Bedeutung

Sinn und Zweck ist die (sichere) situative Waffenführung.

Die Anschlagsarten werden insbesondere beim Einsatzverhalten der Polizei sowie beim Militär eingeübt und angewandt.

Trageweise Handfeuerwaffen

Für den Transport zu Fuß werden unterschiedliche Trageweisen angewandt, um eine Langwaffe nur mitzuführen oder einsatzbereit zu führen.

  • umgehängt - Gewehrriemen kurz, zumeist über die rechte Schulter gehängt - militärische Trageweise
  • über den Rücken - Gewehrriemen kurz über die rechte Schulter und Brust, Gewehr auf dem Rücken
  • geschultert - auf der rechten oder linken Schulter abgelegt, Hand hält den Gewehrschaft
  • Jägertrageweise auch untergehängt (militärisch) - Gewehrriemen lang, Rechtshänder über die rechte Schulter, Waffe waagerecht, Mündung nach vorne, Hand am Griffstück, Bereitschaftshaltung für den Deutschuss
  • Jägertrageweise (jagdlich) - Rechtshänder umgekehrt über die rechte Schulter, Mündung nach oben
  • Gebirgstrageweise - Gewehrriemen kurz, von links nach rechts vor der Brust, Trageweise bei grossen Rucksäcken
  • Afrikanische Trageweise - Gewehrriemen lang, Rechtshänder über die linke Schulter, Mündung nach unten, Schaft hinten nach oben
  • israelische Trageweise - vor der Brust, Rechtshänder Schaft oben rechts am Koppeltragestell befestigt oder Gewehrriemen lang über rechte Schulter und Rücken, Mündung nach unten links, Anschlag sofort möglich, Hand am Griffstück

Faustfeuerwaffen werden von Rechtshändern in Holstern am Gürtel rechts, am Gürtel links vorne, in Achselholstern links oder linke Brustseite oder rechts in Tiefziehholstern getragen.

Literatur

  • Henning Hoffmann: Die Flinte – Waffe, Werkzeug, Sportgerät, DWJ Verlag, 2005, ISBN 3-936632-51-0

Siehe auch

weblinks


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