Anschlag auf die Mosel

Der Anschlag auf die Mosel fand am 11. Dezember 1875 in Bremerhaven statt. Das Motiv für den Anschlag auf das Auswandererschiff war ein Versicherungsbetrug. Obwohl die Explosion vorzeitig ausgelöst wurde, starben dabei 83 Menschen. Als Täter wurde der Kanadier Alexander Keith aus Halifax ermittelt, der an den Folgen eines anschließenden Selbstmordversuchs starb.

Inhaltsverzeichnis

Hergang

Die Mosel kurz nach dem Bombenanschlag

Das Dampfschiff Mosel war ein Auswandererschiff des Norddeutschen Lloyd aus Bremerhaven. Am 11. Dezember 1875 sollte sie unter Kapitän Leist, Ersatz für den erkrankten Kapitän Hermann Neynaber, zu einer Überfahrt nach New York ablegen, wobei vorgesehen war, in Kent Schiffbrüchige der kurz zuvor gesunkenen Deutschland aufzunehmen. Die Passagiere kamen vorwiegend aus Süddeutschland und waren mit dem Zug angereist. Neben der Mosel lag die Simson am Kai.

Die Passagiere gingen langsam an Bord und das Gepäck wurde verladen. Schließlich standen nur noch ein paar große Kisten auf dem Pier. Als die Träger eine von ihnen auf das Schiff hieven wollten, rutschte sie ihnen aus der Hand, schlug auf dem Boden auf und explodierte in einer gewaltigen Feuersäule, deren Druckwelle alles auf dem Kai und den beiden Schiffen zum Umstürzen brachte. Metall- und Holzsplitter flogen durch die Luft und im Bug der Mosel klaffte ein breites Loch.

„Eine pilzförmige Rauchsäule von annähernd 200 Metern Höhe stieg über den Hafen. Überall lagen schreiende und wimmernde Menschen neben Trümmern. Die ganze Pier war mit Ruß bedeckt. Es war wie der Vorhof zur Hölle“. So berichtete ein Matrose, der auf einem anderen Schiff die Szenerie beobachtete.

Der Täter

Minuten nach der Detonation fiel ein Schuss und die Polizisten, die dabei waren, das Schiff zu räumen, fanden die entsprechende Kabine – es war eine der 1. Klasse. Auf dem Bett lag ein blutüberströmter Mann, der Brite William King Thomas. Die Vermutung, der Selbstmordversuch hänge mit dem Attentat zusammen, bestätigte sich: Thomas gestand die Tat am 16. Dezember.

Der Massenmörder Alexander Keith alias William King Thomas

William King Thomas hieß eigentlich Alexander Keith und kam aus dem ostkanadischen Halifax. Er hatte sich während des Amerikanischen Bürgerkriegs nach seinen Angaben als Blockadebrecher betätigt und war schon einmal in den Verdacht geraten, einen Sprengstoff-Anschlag verübt zu haben. 1864 hatte er seine Heimatstadt fluchtartig verlassen, da er Geld veruntreut hatte. Danach lebte er für kurze Zeit in Wien, Linz und Leipzig und zog schließlich nach Dresden[1], wo er heiratete und Vater von vier Kindern wurde.

Schon bald hatte Thomas erneut Geldprobleme und wollte diese durch Versicherungsbetrug lösen. 1873 gab er bei dem Turmuhrmacher J. J. Fuchs aus Bernburg (Saale) eine Uhr in Auftrag, die zehn Tage lautlos laufen und dann einen Schlag ausführen sollte. Nach der Fertigstellung im Jahre 1875 kombinierte er diese dann mit dem Sprengstoff Lithofracteur, den er zuvor in der Kölner Sprengstofffabrik der Gebrüder Krebs gekauft hatte, und tarnte die Bombe als harmlose Fracht. Den Sprengsatz und das restliche – völlig wertlose – Gepäck wollte er mit hohen Versicherungssummen verschiffen.

Sein erster Versuch schlug fehl, weil die Bombe nicht detonierte. Bei einem weiteren Schiff wollte der Zahlmeister die Fracht nicht an Bord nehmen, ohne sie gesehen zu haben.[1]

Auf der Mosel ging sein Plan jedoch auf: Dieser sah vor, in Southampton von Bord zu gehen, nachdem er das Uhrwerk eingestellt hatte. Dann sollte die Mosel während der Überfahrt über den Atlantik explodieren und mit den etwa 400 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord untergehen. Bald darauf wollte er dann im Vereinigten Königreich die hohen Versicherungsgelder kassieren.

Nach dem Scheitern seines Planes fügte er sich mit seiner Pistole schwere Kopfverletzungen zu, an denen er etwa neun Tage später in einem Bremerhavener Krankenhaus starb.

Die Opfer

Zwar wurde der Anschlag durch einen Zufall knapp vereitelt, aber dennoch starben 83 Personen durch die Detonation der Bombe. Etwa 200 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt und verstümmelt. Die Toten hinterließen 56 Witwen und 135 Waisen. Die 41 Bremerhavener Opfer wurden am 14. Dezember 1875 auf dem Friedhof Wulsdorf bestattet.

Siehe auch

1977 versenkte Udo Proksch mit Sprengstoff das Schiff Lucona mit dem Ziel eines Versicherungsbetruges.

Literatur

  • Regina Bruss (Hg.): Bremen / Bremerhaven Geschichte + Geschichten, 1. Auflage; Verlag Eilers + Schünemann Bremen (1980)
  • Cord Christian Troebst: Die Thomas-Katastrophe. In: mare – Die Zeitschrift der Meere No. 57, August / September 2006, dreiviertel verlag, S.26ff ISSN 1432-928X
  • Westermanns Monatshefte Band 45 von 1879, Seite 379
  • Dr. Georg Bessel: Geschichte Bremerhavens. Verlag von F. Morisse, Bremerhaven 1927. S. 487–489.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Cord Christian Troebst: Die Thomas – Katastrophe. In: Mare – Die Zeitschrift der Meere No. 57, August / September 2006, Dreiviertel Verlag GmbH & Co. KG, S. 26ff; ISSN 1432-928X; Online-Quelle
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