Anschläge am 26. November 2008 in Mumbai
Das Hotel Taj Mahal Palace
Oberoi-Hotel, Aufnahme 2005
Die verschiedenen Tatorte

Bei den Anschlägen in Mumbai am 26. November 2008 kam es in der indischen Metropole Mumbai innerhalb kurzer Zeit zu 17 Explosionen, Angriffen mit Schnellfeuerwaffen und zu Geiselnahmen an zehn verschiedenen Stellen der Stadt durch eine Gruppe von etwa zehn Angreifern, die sich in mehrere Gruppen aufgeteilt hatten. Sie wurden nach heftigen Gefechten durch die Polizei im Laufe des 27., 28. und 29. November festgenommen oder erschossen. Nach Angaben der indischen Behörden hat es dabei mindestens 239 Verletzte und 174 Tote[1] gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Anschläge und Geiselnahmen

Am 26. November, einem Mittwoch, wurden in Mumbai am späten Abend nach 21:15 Uhr Ortszeit (Indian Standard Time; entspricht 11:45 p.m. ET) eine Reihe von Anschlägen durchgeführt. Mehrere mit Schnellfeuergewehren, Handgranaten und Sprengstoff bewaffnete kleine Gruppen der Attentäter führten an etwa zehn Orten im südlichsten Teil Mumbais Anschläge unterschiedlicher Art durch. So wurde am Hauptbahnhof (21:24 Uhr) von zwei schwarz gekleideten Männern wahllos in die Menge der Pendler geschossen, ebenso in den Empfangshallen von zwei großen Hotels auf die dortigen Gäste und Personal. In den Hotels sowie anderen Stellen der Innenstadt wurden viele Geiseln genommen.

Im einzelnen wurden das Leopold Cafe (bekanntes Touristenrestaurant; 21:15 Uhr; vier oder fünf Täter, acht Tote), eine jüdische Einrichtung im Nariman House (Chabad Centre Geiselnahme, 21:20 Uhr), der Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus (zwei Täter, CST, 21:24 Uhr), das Hotel Hilton Trident Oberoi 18.92722222222272.820555555556 (Geiselnahme, 21:35 Uhr) und das Hotel Taj Mahal Palace & Tower 18.92166666666772.833333333333, das Krankenhaus Cama Albless Hospital (Frauen- und Kinderklinik,[2] Geiselnahme; 22:15 Uhr, dieselben Täter, die bereits den Bahnhof überfallen hatten) angegriffen. Dort wurden drei Polizeibeamte und zwei Wachleute erschossen. Die Täter nutzten die Gelegenheit und stahlen das Polizeifahrzeug, mit dem die Polizisten dort angekommen waren. Sie schossen im Fahren in die Menge und töteten mindestens einen Menschen – ein IBN-Kameramann filmte den Angriff. Die Fahrt endete an einer Straßensperre, wo ein Täter erschossen wurde, ein anderer wurde verhaftet (22:50 Uhr). Um 21:55 Uhr explodierte ein Taxi bei Ville Parle (drei Tote).

Die Täter, die das Nariman House, einen Bürokomplex, zum Teil besetzten, warfen kurz vorher eine Handgranate auf eine nahegelegene Tankstelle, verfehlten aber das Ziel.

Zwischen 22:15 und 22:30 Uhr begannen Attentäter auf Uniformierte zu feuern, die vor dem „Taj Mahal“-Hotel Position bezogen hatten. Nach Mitternacht Ortszeit brannte es nach einer Detonation im Taj-Mahal-Hauptgebäude. Im Hotel wurden mehrere Dutzend Geiseln von diesen bewaffneten Männern festgehalten.

Später wurden am Ufer der Stadt zwei Schnellboote gefunden, die von der Angreifergruppe verwendet worden sein könnten. Zu der Nachricht von einem verlassen vorgefundenen Schiff mit einem Toten an Bord, mit dem die Gruppe ihre Waffen an die Stadt herantransportiert haben könnte, gab es keine Bestätigung.

27. November, Donnerstag

Am Donnerstag, den 27. November führten im Laufe der Nacht Polizei-Spezialeinheiten und Militärs in den beiden Hotels Kommandoaktionen durch. Dadurch konnten wiederholt Touristen-Gruppen ins Freie gebracht werden. Um 8 Uhr Ortszeit war im Oberoi-Trident-Hotel eine Granatenexplosion zu hören, der weitere folgten. Spezialtruppen der Polizei stürmten die beiden Luxushotels, in denen sich einige Angreifer verschanzt hatten.

28. November, Freitag

Am 28. November kamen bei der Befreiung des Chabad-Centres zwei Terroristen ums Leben.[3] Im „Taj Mahal“ verschanzte sich weiterhin mindestens einer der Terroristen mit zwei Geiseln. Anderen Berichten zufolge hätten sich dort noch mehrere der Täter aufgehalten.

29. November, Samstag

Am 29. November, Samstag, wurde als letzter Tatort das Taj Palace nach einer gründlichen Durchsuchung um 8 Uhr durch die Polizei als gesichert bezeichnet.

Opfer

Nach Angaben von Augenzeugen wurden die Geiseln gezielt nach ihrer US-amerikanischen oder britischen Staatsangehörigkeit unter den zufällig Anwesenden ausgewählt. Das Nariman-Gebäude, in dem sich ein jüdisches Gemeindezentrum befindet, sei ebenso als eines der Ziele ausgesucht und dort das Rabbiner-Ehepaar Holtzberg ermordet worden.[4] Zu den Opfern im Taj Palace-Hotel zählt unter anderem Ralph Burkei, der bei der Flucht vor den Angreifern tödlich verunglückte. Der Chef der Anti-Terror-Einheit (Mumbai ATS), Hemant Karkare, wurde bei dem Einsatz an der Cama-Klinik ermordet.[5] Diesem wurde bereits am 15. September 2008 in einer Ankündigung eines Anschlags auf Mumbai namentlich gedroht. Die Zahl der Todesopfer wird offiziell am 30. November auf 174, die der verletzten Personen mit etwa 239 von etwas höheren Zahlen am Vortag korrigiert. Der Großteil der Todesopfer sind indischer Nationalität – darunter 17 der eingesetzten Polizeibeamten – und 18 Ausländer (deren Zahl wird zum Teil abweichend angegeben).

Tatverdächtige

Zunächst hieß es, die Laschkar e-Taiba stehe hinter den Ereignissen, doch stritt diese Organisation eine Beteiligung ab. Nach einer E-Mail bekannte sich bei mehreren indischen Medien eine Gruppe namens Deccan Mujahideen für die Taten verantwortlich. Sie war bislang nicht bekannt[6] und ist seither auch nicht mehr in Erscheinung getreten.

Die britische Tageszeitung The Independent berichtete, dass es sich bei den Angreifern um junge, südasiatische Männer handele, die in der E-Mail Hindi schreiben und einzelne Urdu-Begriffe verwenden.[7]

Bereits am 15. September berichtete die indische Zeitung Deccan Herald von einer per E-Mail an indische Medien versandte Anschlagdrohung einer islamistischen Gruppe namens Indian Mujahideen, jene Gruppe, die sich zu einer mehrmonatigen Anschlagserie in Delhi, Ahmedabad, Bengaluru und Jaipur mit über 130 Toten bekannt hatte. In ihrer Drohung bezog sie sich auf Razzien der Anti-Terror-Einheit Mumbai ATS in Ansarnagar, Mograpada in Andheri, bei denen Moslems misshandelt worden seien und macht diese für einen kommenden Anschlag in Mumbai verantwortlich. Sie würden nur noch auf den richtigen Zeitpunkt zur Ausführung eines Anschlags in Mumbai warten, dessen Einwohner schon mal gewarnt sein sollten.[8]

Nur einer der etwa zehn Täter, Ajmal Kasab, ein 21-Jähriger aus Faridkot, einem Dorf in Pakistan, konnte festgenommen werden. Der Prozess gegen Kasab begann im April 2009. Er legte in seiner Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab und erklärte sich der bezichtigten Taten schuldig.[9] Am 3. Mai 2010 wurde Kasab der maßgeblichen Beteiligung an den Anschlägen für schuldig befunden. Er habe gemeinsam mit einem Komplizen im Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus 58 Menschen getötet und 104 verletzt.[10] Als Strafmaß wurde am 6. Mai die Todesstrafe verhängt, die aber noch vom Obersten Gericht Mumbais bestätigt werden muss.[11]

Einer der Drahtzieher, David Coleman Headly, wurde im Oktober 2009 auf dem Weg nach Pakistan festgenommen. Headly war nicht direkt an der Ausführung der Anschläge beteiligt, kundschaftete aber auf seinen Reisen nach Mumbai mögliche Ziele aus. Interessant ist darüber hinaus seine Rolle als Informant der amerikanischen Drogenbehörde D.E.A., die nicht auf Warnungen seiner Radikalisierung reagierte. [12]

Am 30. November und 1. Dezember 2010 nahm die spanische Polizei in Barcelona sieben Personen (sechs Pakistaner und ein Nigerianer) fest die verdächtigt werden Geld und Pässe für den Anschlag organisiert zu haben. Außerdem wurden in der gleichen Operation in Thailand zwei Pakistaner und ein Thailänder festgenommen.[13]

Auswirkungen

Nach Kritik am Krisenmanagement trat der Innenminister Shivraj Patil zurück, das Amt übernahm der bisherige Finanzminister P. Chidambaram.[14] Auf Drängen seiner Partei stellte auch der Chief Minister Maharashtras Vilasrao Deshmukh sein Amt zur Verfügung.

Die in dem Bundesstaat Goa vor allem bei Touristen beliebten Goa-Partys am Strand, wurden zeitweise aus Angst vor weiteren Anschlägen untersagt.[15]

Der Verkauf von SIM-Karten wurde, insbesondere für Ausländer, deutlich erschwert, da sich die Attentäter unter anderem mit Hilfe solcher Chip-Karten anonym miteinander ausgetauscht hatten. In Kaschmir wurde der Einsatz von SIM-Karten im Jahr 2009 gänzlich verboten.[16] Research In Motion, der Anbieter des Mobiltelefons Blackberry, räumte den indischen Behörden die Möglichkeit zum Mitlesen privater E-Mails ein, nachdem diese dem Unternehmen mit einem Verkaufsverbot des Geräts gedroht hatten.[17]

Siehe auch

Quellen, Zeitungsartikel

Weblinks

 Commons: Anschläge am 26. November 2008 in Mumbai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. AP, Ramola Talwar Badam: Death toll in Mumbai attacks revised down to 174. Associated Press writers Ravi Nessman, Erika Kinetz and Anita Chang contributed to this report from Mumbai, and Foster Klug and Lara Jakes Jordan contributed from Washington. (abgerufen 3. Dezember 2008)
  2. Cama Albless Hospital (Dhobi Talao; 367 Betten – bei: Goverm. & Municipal hospitals in Mumbai)
  3. Sechs Geiseln tot, zwei Terroristen bei Erstürmung des Chabad-Centers getötet. Auf diejuedische.at, 28. November 2008 (abgerufen am 29. November 2008)
  4. Terroristen suchten gezielt nach Israelis und Juden. In: Die Welt
  5. Terroristen richten Blutbad in Mumbai an. In: Spiegel Online – Politik, 27. November 2008]
  6. Sondereinheiten stürmen besetzte Luxushotels. In: Spiegel Online – Politik , 27. November 2008
  7. Who could be behind the Mumbai attacks? (abgerufen am 27. November 2008; geht auch den Vermutungen über Indian Mujahideen und der verbotenen Students' Islamic Movement of India (SIMI) nach.)
  8. Deccan Herald: Next Mumbai: Indian Mujahideen. 15. September 2008 (abgerufen am 29. November 2008)
  9. Mumbai attacks gunman pleads guilty and confesses in court. In: Telegraph.co.uk, 20. Juli 2009
  10. Tagesschau: Attentäter von Mumbai droht die Todesstrafe (nicht mehr online verfügbar), 3. Mai 2010.
  11. Mumbai-Angreifer ist zum Tode verurteilt. In: Die Welt, 6. Mai 2010.
  12. D.E.A. Deployed Mumbai Plotter Despite Warning
  13. Spanien verhaftet Helfer von Mumbai-Anschlag. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. Dezember 2010, abgerufen am 1. Dezember 2010 (deutsch).
  14. Indischer Innenminister Patil zurückgetreten
  15. Reisen nach Goa - Tanzen verboten Süddeutsche Zeitung vom 22. Dezember 2008
  16. [1] Winfuture vom 31. Oktober 2009
  17. Blackberry-Hersteller akzeptiert Überwachung Die Zeit vom 13. Januar 2011

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