Ansichtspostkarte
Karte vom Molkenhaus vor 1905
Lithografie von 1898, Mehrbildkarte
Der Bahnhofsplatz im München 1900 (kolorierte Ansichtskarte)
Vorläufer-Karte des Verlegers Franz Scheiner
Ansichtskarten heute

Ansichtskarten sind Postkarten mit einer Abbildung auf der Rückseite (Bildseite der Ansichtskarte), teilweise sind auf neueren Ansichtskarten zusätzlich auch kleine Abbildungen auf der Adressseite. Der Begriff Bildpostkarte wird manchmal synonym verwendet, ist aber strenggenommen nicht unbedingt identisch, da es auch eine eigenständige Form der Postkarten mit dieser Bezeichnung gibt. Das Sammeln von Ansichtskarten wird auch als Philokartie bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Manche deutsche Postkartenverlage waren in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg auch international von Bedeutung, so wurden damals in den USA viele Ansichtskarten aus Deutschland z. B. vom Münchener Verlag von Ottmar Zieher bezogen. Dabei wurden verschiedene Motive (z. B. Münz- und Briefmarkenmotive oder Prägekarten) extra für den amerikanischen Markt hergestellt.

Des weiteren siehe: Postkarte

Verschiedene Arten von Ansichtskarten

Nach Arten der Abbildungen und Verwendungszweck

  • Topografie-Karten: Abbildungen von Städten, Ortschaften oder Landschaften. Die Abbildungen zeigen typischerweise berühmte Bauwerke, bekannte Plätze, Sehenswürdigkeiten oder charakteristische Ansichten von der besuchten Gegend und sollen einen Eindruck vom Aufenthaltsort vermitteln.
  • Motivkarten: Karten mit unterschiedlichen Motiven wie z. B. Tiere, Technik, Kunst
  • Glückwunschkarten: Für Grüße zu verschiedenen Anlässen wie z. B. Geburtstag, Weihnachten, Hochzeit
  • Werbekarten: Als Marketinginstrument z. B. als Gratispostkarten

Arten nach Zeit und Drucktechnik

  • Fotopostkarten: Werden im englischen Sprachraum auch als RPPC (real photo postcards) bezeichnet. Im deutschen Sprachraum ist nur die Bezeichnung Echtfotopostkarte eindeutig. Mit Fotopostkarten werden unter Umständen auch gedruckte, also nicht auf fotografischem Wege hergestellte Ansichtskarten bezeichnet, weil als Bildvorlage ein Foto verwendet wurde. Bis etwa um 1920 wurde für schwarz-weiße Fotokarten, neben dem Lichtdruck, oft der Bromsilberdruck verwendet. Spätere Fotokarten wurden gewöhnlich mit dem heute noch genutztem Offsetdruck hergestellt. Ab 1960 fanden Farbfotokarten im Vierfarbdruck immer mehr Verbreitung. Der Vierfarb-Offsetdruck wird bei Auflagen ab 1000 Stück wirtschaftlich; bei Kleinauflagen von weniger als 500 Stück kommt auch Digitaldruck zur Anwendung. Früher, als es noch keine echte Farbfotografie gab, wurden Karten des Öfteren – teils mit Schablonen – von Hand nachkoloriert. Ältere Fotokarten haben eine matte und neuere fast immer eine glänzende Bildoberfläche. Während es heute fast nur noch Ansichtskarten mit Fotos gibt, waren um 1900 künstlerisch gestaltete Karten – häufig in Form von Lithografien – noch weit häufiger als Fotokarten.
  • Lithografien: Dieses Druckverfahren ist bei vielen Sammlern sehr beliebt. Meist werden sie kurz als Lithos bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine alte, aus heutiger Sicht vergleichsweise aufwendige Drucktechnik, die nur für relativ kleine Auflagen verwendet werden konnte. Zunächst waren Lithografien fast nur einfarbig, ab etwa 1895 waren Ansichtskarten meist mehrfarbige Chromolithografien. Bei mehrfarbigen Lithografien werden verschiedene Farbschichten übereinander gedruckt. Die Ära der Chromolithografien kam etwa um 1906 zum einem fast abrupten Ende, und der Großteil von ihnen wurde zwischen 1895 bis 1905 gedruckt. Nach dieser Zeit ist auch ein relativ deutlicher Wechsel diese Stils der Ansichtskarten feststellbar, was zum Teil wohl auch auf herstellungstechnische Randbedingungen zurückzuführen ist. Lithografien sind häufig mit Ornamentik, Schnörkeln, Rähmchen, Blumen oder Blättern verziert. Ansichtskarten aus dieser Epoche sind nicht automatisch alle Lithos, wie es oft falsch bei Online-Auktionen zu sehen ist. Typisch für topografische Lithos aus dieser Zeit ist ein Schriftzug auf der Bildseite mit Ortsnamen: Gruss aus …
  • Vorläufer-Karten: Die Anfangszeit der Postkarten wurde von unbebilderten Karten dominiert. Frühe Ansichtskarten, bevor sie zu einer vielverwendeten Selbstverständlichkeit wurden, werden heute auch als Vorläufer bezeichnet. Sie sind oft auf bräunlich-gelblichem Karton gedruckt und einfarbig, häufig als Lithografien ausgeführt. Solche Karten sind heute seltene Sammelstücke, die oft Preise von über 100 Euro erzielen. Alle deutschen Ansichtskarten bis etwa 1885 gelten als Vorläufer. Die Definition ist jedoch abhängig vom Datum, wann private Verleger offiziell Ansichtskarten auch für den Auslandsverkehr herstellen durften [1]. Eine andere legt den Zeitpunkt auf den 30. Juni 1872.[2][3] Diese Definition basiert auf dem Kriterium, dass nach diesem Zeitpunkt auch offiziell Ansichtskarten von anderen Herstellern als der Post zugelassen wurden. Eine weitere mögliche Definition beschreibt Vorläufer als Karten, die im verschlossenen Umschlag verschickt werden mussten, da Karten bis zur Einführung von Postkarten, offiziell nicht ohne Umschlag postalisch befördert wurden.

Weitere alte Drucktechniken für Ansichtskarten sind z. B. die Heliogravüre (Heliocolorkarten) und die Autotypie.

Spezielle Bezeichnungen

Man kann zwischen Ein-, Zwei- oder Mehrbildkarten unterscheiden. Zwei- und Mehrbildkarten werden teilweise auch als Potpourrikarten bezeichnet. Karten mit besonders vielen kleinen Bildern werden auch Mikrokarten genannt.[4] Karten mit drei Bildern übereinander, in der Regel im Hochformat, werden auch als Dreietagenkarten bezeichnet.[4]

Weitere Merkmale

Bildbeschreibung

Eine Besonderheit bei topografischen Ansichtskarten ist, dass sich auf neueren Karten auf der Adressseite eine Beschreibung der Bildseite befindet. Bei älteren Ansichtskarten befindet sich die Beschreibung der Abbildung nur auf der Bildseite.

Geteilte Adressseite

Postkarte von Iquique 1900, vor Einführung der geteilten Adreßseite: Beschrieben wurde die Bildseite

Ab 1905 wurde die Adressenseite der Ansichtskarte in Deutschland geteilt, wobei die linke Seite für Mitteilungen zur Verfügung stand. Bis dahin durften die Mitteilungen ausschließlich im Bildteil der Ansichtskarte erfolgen, weil die Anschriftseite ausschließlich für die Adresse verwendet werden durfte. Laut Amtsblatt des Reichs-Postamts in Berlin Verfügung Nr. 2 vom 17. Januar 1905 wurden vom 1. Februar 1905 an im inneren deutschen Verkehr briefliche Mitteilungen auf der Vorderseite der Ansichtspostkarten (= Adressseite) versuchsweise zugelassen. Der senkrechte Teilungsstrich durfte keinesfalls die linke Hälfte der Karte überschreiten. Geteilte Karten sind somit nie älter als das Einführungsdatum einer entsprechenden Regelung im jeweiligen Land. Bei ungeteilten Karten findet sich deshalb meist auf der Bildseite noch unbedruckten Platz für einige wenige Sätze an den Empfänger.

Einführung der geteilten Anschriftseite in anderen Ländern[5]
  • 1902 England
  • 1903 Kanada (18. Dezember)[6]
  • 1904 Frankreich, Österreich (23. November)[7]
  • 1905 Australien (Januar)[8]
  • 1907 USA, Schweiz

Diese neue Unterteilung wurde 1906 durch den Postkongress in Rom weltweit zum 1. Oktober 1907 eingeführt.[9]

Vorderseite und Rückseite

Für die Post ist die Adressseite die Vorderseite der Ansichtskarte und die Rückseite die Bildseite. Diese Festlegung gilt auch für deutschsprachige philatelistische Fachliteratur. Oft wird es aber andersherum gehandhabt, so auch im englischsprachigem Raum.

Herstellung

Ansichtskarten werden entweder von spezialisierten Verlagen hergestellt oder auch von lokalen Fotografen, Schreibwaren- und Souvenirläden. Heute kann jeder über das Internet bei verschiedenen Anbietern seine eigenen Ansichtskarten mit eigenen digitalen Bilder auch in kleinen Stückzahlen drucken lassen.

Verwendung

Postkarten dienen ursprünglich als schnelle, günstige und einfache Alternative zum damals oft sehr formellen Brief. In gewissen Zeiten war auch das Porto für Postkarten geringer als für Briefe. Da früher die Postzustellung meist mehrmals täglich erfolgte, wurden Postkarten häufig für Nachrichten verwendet, die man heute kurz per Telefon oder SMS übermitteln würde. Für Ansichtskarten wurde jedes Motiv verwendet, das guten Umsatz versprach. Da es nur wenige andere Alternativen für Bildkommunikation gab, wurden oft Ansichtskarten mit Aufnahmen von lokalen Unglücksfällen wie Autounfälle, Blitzeinschlägen, Kapitalverbrechen, Überschwemmungen oder Grubeneinstürze gedruckt.[10]

Ansichtskarten werden heute häufig während Reisen oder von Ausflügen an Bekannte und Verwandte verschickt. Außerdem werden sie auch für alle möglichen Arten von Glückwünschen und Grüßen verwendet. Es gilt nach wie vor als eine freundliche und höfliche Aufmerksamkeit, Ansichtskarten von unterwegs oder zu bestimmten Anlässen zu schreiben. Seit langem werden sie auch für allerlei Werbezwecke verwendet.

Historische Dokumentation

Alte Ansichtskarten sind wichtige historische und kunsthistorische Dokumente, die oft für Heimatchroniken und zahlreiche andere Publikationen verwendet werden. Sie wurden auch als Vorlage verwendet, um z. B. vom Krieg zerstörte Gebäude wieder im ursprünglichen Aussehen wiederherzustellen.[11]

Bedeutende Sammlungen

Das Archiv des früheren Postkartenverlags Metz, Tübingen, befindet sich mit 4.000 Negativen (viele Glasplatten) im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart. Der Verlag galt über Jahrzehnte als der wichtigste Produzent von Ansichtskarten aus Baden und Württemberg.[12] Er sammelte Aufnahmen über mehrere Generationen und beschäftigte über 100 Mitarbeiter in Herstellung und Vertrieb.

Literatur

  • Kirsten Baumann, Rolf Sachsse, Bernd Dicke: moderne grüße. Fotografierte Architektur auf Ansichtskarten 1919-1939. Architecture Photography in 1920s and 1930 Germany. Arnoldsche Verlagsanstalt, 2004, ISBN 389790019X
  • Jan Kotłowski: Alte Postkarten als Kulturspiegel. Dawna pocztówka zwierciadłem kultury. BIS, Oldenburg 1996, ISBN 3-8142-0543-X (Digitalisat)
  • Erasmus Schröter, Peter Guth: Bild der Heimat. Die Echt-Foto-Postkarten aus der DDR. 159 Seiten. Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2002. ISBN 3896024213
  • Markus Schürpf, Alexander Büchi, Beatrice Kümin, Jürg Schneider: Fernschau. Global. Ein Fotomuseum erklärt die Welt (1885-1905). Hier und Jetzt Verlag, 2006
  • Linke/Richter: Ratgeber fuer Ansichtskartensammler und die es werden wollen, erschienen im Salzwasserverlag Bremen, ueber Buchhandel ISBN 978-3-86741-091-5
  • R. Lutz: Die Ansichtspostkarte Ihre Entstehung, Entwicklung und Bedeutung, Baden-Baden 1901
  • Hans Dichand (Herausgeber), Michael Martischnig: Jugendstilpostkarten, Harenberg Kommunikation GmbH Dortmund, ein Buch mit Ansichtskarten der Wiener Werkstätte

Einzelnachweise, Anmerkungen

  1. vgl. Otto Wicki, Geschichte der Post- und Ansichtskarten, Verlag Zumstein & Cie., Bern 1996, Seite 14
  2. Amts-Blatt der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nr. 41 (Herstellung von Postkarten-Formularen auch privat gestattet); (Bundespostmuseum, Schreiben vom 11.8.1994, Post-Oberamtsrat Herbert Leclerc) Quelle von "Arnold Linke, Celle" 1. Vorsitzender "Ansichtskarten-InteressenGemeinschaft" im Bund Deutscher Philatelisten; vgl. hierzu [1]
  3. vgl. hierzu Ansichtskarten-Sammlerbrief (Mitteilungsblatt der Ansichtskarten-Interessensgemeinschaft im Bund deutscher Philatelist) Nr. 164 vom September 2007
  4. a b Otto Wicki, Geschichte der Post- und Ansichtskarten, Verlag Zumstein & Cie., Bern 1996, Seite 3
  5. Glossary of Postcard Terms (Stichwort: Divided Back) in: Susan Brown Nicholson, "The Encyclopedia of Antique Postcards", Wallace-Homestead Book Company, Readnor, Pennsylvania 1994, Seite 230 ff
  6. Geschichte der Postkarten in Kanada (in englisch)
  7. Dank einer Auskunft, auf eine Anfrage per E-Mail hin von Postgeschichte, Auktionshaus Markus Weissenböck, Salzburg
  8. http://www.artgallery.sa.gov.au/noye/Misc/Postcard.htm
  9. Otto Wicki, Geschichte der Post- und Ansichtskarten, Verlag Zumstein & Cie., Bern 1996, Seite 18
  10. Thomas Weski: Introduction, in: Martin Parr: Postcards, Chris Boot, London 2008, ISBN 978-1-905712-10-6
  11. Otto Wicki, Geschichte der Post- und Ansichtskarten, Verlag Zumstein & Cie., Bern 1996, Seite 22
  12. http://www.ghv-lichtenstein.de/2003_ToT_PK_Ausstellung.htm

Weblinks


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