Antal Grassalkovich I.
Antal Grassalkovich I. (1694–1771)
Verteilung der Nationalitäten in Österreich-Ungarn, 1911

Antal Grassalkovich I. (ungarisch) oder Antun I. Grašalković (kroatisch) oder Anton I. Grasalkovič (slowakisch) (* 6. März 1694 im heutigen Mojmírovce (Slowakei; früher ungarisch Ürmény); † 1. Dezember 1771 in Gödöllő) war ein Graf im Königreich Ungarn und Präsident der Ungarischen Hofkammer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Antal Grassalkovich stammte aus einer armen slowakischen adeligen Familie niederen Standes aus Beckov. Der Name seines Vaters ist als "Krassalkovych" belegt. Die Endung des Namens Grassalkovich klingt südslawisch (kroatisch), daher wird oft angegeben, dass die Familie kroatischer Abstammung sei.[1]

Nach der Hochzeit mit der Tochter eines höheren Administrators wurde er 1720 zum königlichen Ankläger (Causarum Regalium Director) und 1731 zum Generalanwalt (Personalis) berufen. 1736 wurde er zum Freiherrn ernannt. Das Amt des Generalanwalts gab er nur zögerlich auf, als er 1748 die Nachfolge von Graf Erdődy als Präsident der ungarischen Hofkammer antrat; eine Position, die er bis zu seinem Tod behielt. Im gleichen Jahr wurde er in der Stand eines Grafen erhoben.

Die Ära Grassalkovich war gekennzeichnet von den systematischen Bemühungen der Hofkammer um Immigration von Siedlungswilligen aus dem Westen und von außerhalb der westlichen Grenzen des Heiligen Römischen Reiches zur Kolonisierung weiter Teile des damaligen Ungarn. Grassalkovich erwarb umfangreiche Ländereien im Bezirk Pest und stieg aus obskuren Anfängen zu einem der reichsten Männer Ungarns auf, und war 1787 dort der zehntwichtigste Landbesitzer.

Zusammen mit Freiherr Cothmann beeinflusste Grassalkovic die Ansichten des Wiener Hofes zu Gunsten der katholischen und magyarischen Landeigentümer in der Batschka, und Cotmann mit der Befürwortung der Reduzierung von Viehhaltung zu Gunsten des Getreideanbaus.[2] Grassalkovich prägte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in großem Umfang die Siedlungs – und Kolonisationspolitik der Erzherzogin, Kaiserin von Österreich, und Königin von Ungarn Maria Theresia. Obwohl er nicht immer der offiziellen Linie folgte, war es ihm als Günstling der Kaiserin möglich wegen seiner guten Erfolge bei der Besiedelung des Banats und ganz Ungarns seine eigenen und oft unkonventionellen Methoden anzuwenden.

Nicht jeder zu Hofe war ihm gewogen, so verlangte Deputationspräsident Graf Leopold Kolowrat von der Kaiserin sofort mit militärischer Macht gegen Grassalkovich vorzugehen, als dieser 1750 durch einen seiner Offiziere 159 Siedler aus einer Gruppe von insgesamt 900 auf der Donau in Pest abwarb. Die Kolonisten stammten aus dem Raum Trier, Mainz, und Lothringen. Grassalkovich sparte so die Kosten für die Logistik des Werbens und des Transportes dieser Kolonisten nach Pest, und stahl sie dann einfach vor Ort. Aber die Kolonisierung Ungarns machte gute Fortschritte, und dafür erhielt Grassalkovich das Pardon, wenn nicht sogar die Zustimmung der Kaiserin.

Palais Grassalkovich in Bratislava

Palais Grassalkovich, das heutige Präsidentenpalais

→ Siehe Hauptartikel: Palais Grassalkovich

Das Palais Grassalkovich (slowakisch Grasalkovičov palác) in Bratislava, heute auch als Präsidentenpalais (Prezidentský palác) bekannt, wurde als ein eindrucksvolles Rokoko-/spätbarockes Sommerpalais mit einem französischen Garten 1760 durch Andreas Mayerhoffer für Grassalkovich errichtet. Das Palais folgt dem Vorbild des ebenfalls für Grassalkovich errichteten Schlosses in Gödöllő. Zum Bauwerk gehören viele kunstvolle Räume, vor allem der spanische Saal, und das prachtvolle, reich mit Skulpturen ausgestattete Treppenhaus. Die Stiegenstufen bestehen aus dem harten weißen Kaiserstein aus Kaisersteinbruch im Burgenland.

Das Gebäude wurde nach seiner Fertigstellung zum Mittelpunkt der Barockmusik in Bratislava. Graf Grassalkovich besaß ein eigenes Orchester, und der zur gleichen Zeit lebende Nikolaus I. Joseph Fürst Esterházy überließ ihm des Öfteren seinen Dirigenten Joseph Haydn, der hier einige seiner Werke uraufführte. Das Palais wurde auch oft für verschiedene Bälle und Festlichkeiten des kaiserlichen Hofes benutzt.

In dem Gebäude nördlich der Altstadt und in der Nähe des Erzbischöflichen Sommerpalais befindet sich heute der Sitz des Präsidenten der Slowakei .

Siehe auch: Palais Grassalkovics

Siehe auch

Literatur

  • Claudia Schnurmann, Hartmut Lehmann, Hermann Wellenreuther: Atlantic Understandings: Essays on European and American History in Honor of Hermann Wellenreuther. LIT, Berlin, Hamburg, Münster 2006, ISBN 3-8258-9607-2.

Weblinks

 Commons: Antal I Grassalkovich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ep.edu.sk, epa.oszk.hu
  2. Glacesa: Agrarna Reforma u Backoj. S. 14; Vladimir R Djurić, Najnovije Bačka: Kolonistina iz Hrvatske. Bačka Gračac, Kljajćevo, Complja, Stanić, Ridica, Novi Sad 1960.

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