Anthony Blair
Tony Blair

Anthony Charles Lynton „Tony“ Blair (* 6. Mai 1953 in Edinburgh) ist ein britischer Politiker und war von 1997 bis 2007 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Im Juni 2007 wurde er zum Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt.

Von 1994 bis 2007 war Blair auch Vorsitzender der Labour-Partei. Am 24. Juni 2007 übergab er die Führung der Labour-Partei auf einem Sonderparteitag in Manchester an Gordon Brown.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Nach dem plötzlichen Tod von John Smith wurde Blair im Juli 1994 Parteivorsitzender. Unter seiner Parteiführung gewann Labour 1997 die britischen Unterhauswahlen und beendete damit die achtzehnjährige Regierungszeit der Konservativen Partei. Tony Blairs Amtszeit wurde die längste aller regierenden Premierminister der Labour-Partei, und er führte seine Partei als einziger zu Wahlsiegen in drei aufeinanderfolgenden Wahlen. Zusammen mit Gordon Brown und Peter Mandelson näherte Blair die Labour-Partei der „politischen Mitte“ der britischen Politik an. Er vertrat eine Politik des freien Marktes und die Abgrenzung vom Kollektivismus unter den Schlagworten New Labour, „moderne Sozialdemokratie“ und „Dritter Weg“. Er schrieb die Clause IV des Parteiprogramms der Labour-Partei um, in der ursprünglich die Forderung nach „Verstaatlichung der Schlüsselindustrien“ festgelegt war.

Seine Innenpolitik war gekennzeichnet durch die Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Erziehung bei gleichzeitiger Einführung marktorientierter Reformen, die frühzeitig auf Kritik stießen. Ferner steht die Amtszeit Blairs für die Einführung eines Mindestlohns, von Schulgebühren zur Verbesserung der Ausbildung, Verfassungsänderungen, wie der Einführung der Home Rule in Schottland und Wales, und einen Fortschritt im Friedensprozess in Nordirland. Die britische Wirtschaft war durch Wachstum gekennzeichnet, wobei Blair sich an der konservativen Leitlinie orientierte, die Einkommensteuer nicht zu erhöhen.

Seit dem Beginn des Anti-Terror-Kampfs im Jahr 2001 unterstützte Blair vehement die US-amerikanische Außenpolitik, vor allem durch die Teilnahme von britischen Truppen an den Einsätzen in Afghanistan ab 2001 und im Irak ab 2003. Durch die nahezu bedingungslose Unterstützung der Maßnahmen der Bush-Regierung sah Tony Blair sich und seine Politik heftiger Kritik ausgesetzt. So musste er es sich etwa gefallen lassen, von der britischen Presse wegen seiner von vielen als unangemessen empfundenen Folgsamkeit gegenüber dem US-Präsidenten als Bush's poodle, Bushs Pudel, geschmäht zu werden.

Am 7. September 2006 erklärte Blair öffentlich, dass er als Parteiführer zurücktreten werde.

Leben

Blair wurde in Edinburgh in Schottland geboren, verbrachte aber den größten Teil seiner Jugend im nordenglischen Durham. Sein Vater Leo Blair, ein Rechtsanwalt, war Mitglied der Konservativen Partei. Leo Blair strebte eine Kandidatur für das britische Unterhaus an, erlitt jedoch einen Schlaganfall, als Tony elf Jahre alt war.

Blair machte seinen Schulabschluss am renommierten Fettes College in Edinburgh. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften am St John’s College in Oxford. In seiner Freizeit spielte er Gitarre und sang für eine Rockband namens „Ugly Rumours“ (deutsch: „Hässliche Gerüchte“). Nach seinem Studienabschluss 1975 wurde er Rechtsassessor und lernte Cherie Booth kennen. Blair und Booth heirateten am 29. März 1980. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

  • Euan Anthony Blair (* 19. Januar 1984)
  • Nicholas John Blair (genannt Nicky) (* 6. Dezember 1985)
  • Kathryn Hazel Blair (* 2. März 1988)
  • Leo George Blair (* 20. Mai 2000)

Leo Blair ist bekannt als das erste während der Amtszeit geborene Kind eines Premierministers seit 150 Jahren.

Blair war bis zum 21. Dezember 2007 Anglikaner (seither ist er römisch-katholisch), während seine Frau Cherie auch vorher schon römisch-katholisch war – auch die Kinder wurden und werden im römisch-katholischen Glauben erzogen. Die Werke des schottischen christlichen Philosophen John Macmurray hatten vermutlich einen prägenden Einfluss auf Blair, der als der religiöseste Premierminister seit William Ewart Gladstone angesehen wird.

Im Januar 2008 wurde bekannt, dass Blair eine Teilzeitstelle bei der amerikanischen Investmentbank JPMorgan angenommen hat.[1]

Politische Karriere

Kurz nach seinem Universitätsabschluss 1975 trat Tony Blair in die Labour Party ein. In den frühen 80er Jahren war er in Hackney, einem Bezirk in London, aktiv, wo er der „gemäßigten Linken“ angehörte, die die Kontrolle über die Partei zu übernehmen versuchte. Allerdings schlug sein Versuch fehl, als Kandidat für den Rat von Hackney aufgestellt zu werden. Über seinen Schwiegervater kam er in Kontakt mit Tom Pendry, einem Unterhausabgeordneten, den er um Unterstützung für seine politische Karriere bat. Pendry vermittelte Blair als Kandidaten für eine Nachwahl zum Unterhaus in Beaconsfield im Jahr 1982. Auch wenn dies ein sicherer Wahlkreis der Tories war und Blair lediglich 10 Prozent der Stimmen erreichte, wurde er dadurch innerhalb der Labour-Partei und bei ihrem Vorsitzenden Michael Foot bekannt.

1983 gelang es Blair, Kandidat für Labour im neu geschaffenen Wahlkreis von Sedgefield zu werden. Es war ein sicherer Wahlkreis für Labour, und so zog Blair trotz der verheerenden Niederlage seiner Partei bei den Unterhauswahlen ins Parlament ein.

Parlamentarische Oppositionszeit

Nach dem Einzug ins Parlament begann für Tony Blair ein steiler Aufstieg. 1984 war er stellvertretender finanzpolitischer Sprecher seiner Partei. Er initiierte eine Untersuchung der Übernahme der kollabierten Johnson Matthey Bank durch die Bank of England und brachte die Regierung in Verlegenheit, als er einen Bericht der Europäischen Gemeinschaft vorlegte, der auch von einem Kabinettsmitglied unterzeichnet worden war und in dem die britische Wirtschaftspolitik kritisiert wurde.

Blair gehörte dem Reformflügel seiner Partei an, der von Parteichef Neil Kinnock angeführt wurde. Nach den Unterhauswahlen 1987 kam er in die Arbeitsgruppe für Handel und Industrie und wurde deren Sprecher für die Stadt London. Er kandidierte für das Labour-Schattenkabinett und erhielt 71 Stimmen aus seiner Fraktion, was für einen jungen Parlamentarier als gutes Ergebnis angesehen wurde.

Nach dem Börsencrash von 1987 gewann Blair an Bekanntheit. Er setzte sich als Modernisierer in Szene, indem er gegen den drittklassigen Service für Kleinanleger an der Londoner Börse protestierte. Er wurde im Labour-Schattenkabinett 1988 Energieminister und im folgenden Jahr Arbeitsminister des Schattenkabinetts. Ihm fiel auf, dass die Unterstützung seiner Partei für die in Entwicklung befindliche Europäische Sozialcharta einer Abkehr von den sogenannten „Closed Shops“ bedeutete, der Verpflichtung durch britische Arbeitgeber an alle ihre Beschäftigten, Mitglied in der gleichen Gewerkschaft zu sein. Als er diese Positionsänderung im Dezember 1989 bekanntgab, sorgte dies für große Verärgerung bei der Parteilinken, erschwerte den Konservativen aber politische Attacken auf seine Partei.

Wegen seiner jugendlichen Ausstrahlung und Telegenität wurde Blair durch den PR-Beauftragten seiner Partei, Peter Mandelson, stärker ins Rampenlicht gerückt. Seine erste große Rede auf dem Parteitag 1990 war allerdings ein Fehlschlag, als er überhastet sprach und den Faden seines Manuskripts verlor. Er arbeitete daran, seine Partei stärker in die politische Mitte zu rücken und sie dadurch bei den Wahlen von 1992 wählbarer zu machen.

Nach der Wahlniederlage 1992 gegen Premier John Major trat Parteichef Neil Kinnock zurück. Unter seinem Nachfolger John Smith wurde Blair Innenminister im Schattenkabinett. Sein Konzept beschrieb er als „Hart gegen die Kriminalität, hart gegen die Ursachen der Kriminalität“. In diesem Feld hatte die Labour-Partei zuvor ein eher schlechtes Image. Tony Blair beklagte einen Verlust an Gemeinsinn, den er zumindest teilweise dem „Liberalismus der 60er Jahre“ anlastete, sprach sich für die Angleichung des Mindestalters für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen aus und war gegen die Todesstrafe.

John Smith starb 1994 unerwartet nach einem Herzinfarkt. Tony Blair und Gordon Brown waren die aussichtsreichen Kandidaten für seine Nachfolge. Auch wenn Brown mit seiner größeren Erfahrung zunächst als der wahrscheinlichere Kandidat galt, zeigten die Umfragen eine deutlich größere Unterstützung für Blair, und Brown verzichtete auf die Kandidatur. Am 21. Juli 1994 setzte sich Blair bei der Wahl gegen John Prescott und Margaret Beckett durch und wurde neuer Parteivorsitzender. Es gibt Berichte, nach denen er Gordon Brown versprochen habe, ihn nach einer festgelegten Zeit zu seinem Nachfolger zu machen.

Parteivorsitz

Blair begann die Partei konsequent zu reformieren und ersetzte die Parteistatuten von 1918. Bemerkenswert war die Streichung der Klausel IV, welche vorsah, dass „das Volk die Produktionsmittel besitzen“ solle (daraus leiteten frühere Labour-Regierungen die Legitimation von Verstaatlichungen ab). Auf einem Sonderparteitag 1995 wurde diese Änderung bestätigt. Sozialreformen und eine Öffnung des Landes gegenüber der Europäischen Union bildeten weitere Kernpunkte seiner Politik. Blair gebrauchte den Begriff New Labour, um seine christlich-demokratischen Überzeugungen gegenüber dem seiner Meinung nach veralteten sozialistischen Gedankengut abzugrenzen.

Seine Reformen stießen auf Kritik bei den Traditionalisten der Parteilinken und wurden von den politischen Gegnern als „oberflächlich“ bezeichnet, doch es gab seiner Partei ein neues Bild in der Öffentlichkeit. Auf dem Parteitag 1996 nannte er als Prioritäten nach einer möglichen Regierungsübernahme „Bildung, Bildung, Bildung“. Unterstützt durch die Unzufriedenheit mit der konservativen Regierung John Majors, welche von Korruptionsanschuldigungen und Streit um die Europapolitik geplagt war, erreicht „New Labour“ bei den Unterhauswahlen von 1997 einen Erdrutschsieg. Am 2. Mai 1997 wurde Tony Blair mit 43 Jahren als jüngster britischer Premierminister seit 1812 vereidigt.

Er war auch der erste Premierminister in der Regentschaft von Queen Elizabeth II., der während ihrer Regentschaft geboren wurde.

Erste Amtszeit 1997–2001

Gleich nach dem Amtsantritt gab die Regierung, namentlich Schatzkanzler Gordon Brown, der Bank of England freie Hand bei der Festsetzung der Leitzinsen. Zuvor hatten die Regierungen, gerade in Wahlkampfzeiten, oft an den Zinsen gedreht, was negative Folgen für die britische Wirtschaft hatte. Mit Alastair Campbell installierte er einen Pressesprecher mit vorher nicht da gewesenem Einfluss.

Einer der größten Erfolge während seiner ersten Amtszeit war die Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens, welches den Nordirland-Konflikt wesentlich entschärfte. Die Verhandlungen über ein Abkommen hatten bereits unter Blairs Vorgänger John Major begonnen. Es wurde schließlich am 10. April 1998 unterzeichnet. Am 26. November des gleichen Jahres war Blair der erste britische Premierminister überhaupt, der vor dem irischen Parlament eine Rede hielt. Auch wenn die Einlösung vieler Teile des Abkommens auf sich warten lässt, haben die Waffenstillstandsvereinbarungen und neuen politischen Strukturen für Nordirland die Perspektiven für einen langfristigen Frieden in Nordirland wesentlich verbessert.

Es gab zudem wesentliche Verfassungsreformen. Ein Menschenrechtskatalog wurde 1998 eingeführt; in Wales und Schottland wurden Regionalparlamente errichtet, und erbliche Adelstitel berechtigten in den meisten Fällen nicht mehr zum Einzug ins Oberhaus. Im Jahr 2000 wurde eine neue regionale Struktur für den Großraum London geschaffen und ein „Freedom of Information Act“ verabschiedet.

In der Kosovo-Krise 1999 spielte Blair eine führende Rolle: Nachdem die Labour-Partei die Schwäche der Tory-Regierung während des Bosnienkrieges kritisiert hatte, forderte Blair ein klares Handeln der NATO gegenüber Slobodan Milošević. Er überzeugte US-Präsident Clinton, notfalls auch Bodentruppen im Kosovo einzusetzen. Auf einer Rede in Chicago, einen Monat nach Kriegsbeginn, legte er Grundzüge einer neuen Doktrin für die internationale Gemeinschaft fest [2]. Im gleichen Jahr erhielt er den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

Wahlen und zweite Amtszeit 2001–2005

Tony Blair und George W. Bush am 12. November 2004

Im Wahlkampf 2001 machte Blair die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen, insbesondere des britischen Gesundheitswesens, zum Hauptthema. Die Konservative Partei versuchte das Thema weitgehend zu ignorieren und kritisierte vor allem eine mögliche britische Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion. Die Labour-Partei gewann die Wahlen deutlich, und Tony Blair wurde der erste Labour-Premier, der eine volle zweite Amtsperiode regierte. Der Vorsitzende der Tories, William Hague, trat zurück und wurde durch Iain Duncan Smith ersetzt. Hague war der erste konservative Parteivorsitzende, der nie Premierminister wurde.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stellte sich Blair kompromisslos auf die Seite der USA und half bei der Bildung einer internationalen Koalition zur Intervention in Afghanistan, bei der britische Truppen beteiligt waren.

Blair unterstützte von Beginn an die Pläne von US-Präsident Bush zu einem möglichen Angriff auf den Irak unter Diktator Saddam Hussein, wobei er durch seine Diplomatie zur Spaltung der Europäischen Union über die Irak-Frage beitrug. Der Krieg war international wie auch im eigenen Land heftig umstritten. Blairs Begründungen fokussierten auf die Behauptung, Irak besitze Massenvernichtungswaffen und habe UN-Resolutionen verletzt, da der Sturz einer Diktatur im internationalen Recht kein Kriegsgrund ist. Großbritannien nahm mit 46.000 Soldaten, einem Drittel der gesamten Stärke der Armee, am Irakkrieg von 2003 teil. Nach dem Sturz Saddam Husseins wurden die Truppen vorrangig im Süden des Irak stationiert. Als sich die Existenz von Massenvernichtungswaffen nach Kriegsbeginn und Besetzung des Iraks nicht bestätigte, geriet Blair innenpolitisch unter Druck. Ihm wurde vorgeworfen, die vorliegenden Indizien einer irakischen Bedrohung massiv übertrieben zu haben. Die Kontroverse hält bis heute an. Im November 2007, nach dem Ende seiner Amtszeit, erklärte Blair im Rahmen einer BBC-Dokumentation, dass er den Krieg ausdrücklich gewollt und sich gegenüber US-Präsident Bush auch niemals um eine diplomatische Lösung im Irak bemüht habe.[3]

Innenpolitisch ging Blair nach dem Wahlsieg zunächst die Erfüllung seiner Versprechen bezüglich der öffentlichen Dienstleistungen an. Seine Regierung erhöhte die Steuern, um die Ausgaben für Bildung und Gesundheitswesen zu erhöhen. Er bemühte sich um Reformen bei der Struktur der Gesundheitswesen und gab den Krankenhäusern größere finanzielle Autonomie.

Nach dem Tod des Waffenexperten und Berater der britischen Regierung David Kelly am 17. Juli 2003 wurden die Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen und von der Opposition immer lauter. Am 29. Januar 2004 veröffentlichte der mit der Untersuchung der näheren Umstände des Todes betraute Lordrichter Brian Hutton den Schlussbericht seiner Arbeit. Dort wurde auch die Frage erörtert, ob Tony Blair die Order zur Preisgabe des Namens des Biowaffenexperten gab. Tony Blair und die Öffentlichkeit interpretieren den Abschlussbericht als völlige Entlastung, während der Generaldirektor und der Intendant der BBC umgehend von ihren Ämtern zurücktraten.

2002 rechtfertigte er im Unterhaus die staatliche Unterstützung von Schulen, an denen Kreationismus als der Evolution gleichwertig dargestellt wird, damit, dass dies der Vielfalt des Schulsystems diene.[4] Im Herbst 2003 wurden bei Blair Herzrhythmusstörungen festgestellt. Er musste sich deswegen ein Jahr später einer Operation unterziehen. Kontroversen gab es auch um Studiengebühren. Ein Gesetz, das Erhöhungen zuließ, brachte Blair am 27. Januar 2004 an den Rand einer Abstimmungsniederlage im Unterhaus. Im April 2004 kündigte er zudem ein Referendum über die EU-Verfassung an. "Let the people have the final say.", es geht um das Letztentscheidungsrecht. Dies wäre erst das zweite nationale Referendum in der britischen Geschichte und bedeutete eine Abkehr von der bisherigen Position seiner Regierung.

Beim Verbot der Fuchsjagd legte sich Blair mit den Traditionalisten seines Landes an. Im Gegensatz zur kompromisslosen Partnerschaft mit den USA bei deren Militäraktionen drängt Blair auf ein rasches Handeln beim Klimaschutz und eine vollständige Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Hierzu befürwortet er auch einen Ausbau der Atomenergie. Seine Regierung verabschiedete innenpolitisch ein Gesetz zur Einführung der Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare, das Mitte Dezember 2005 in Kraft trat. Ab dem 6. Februar 2005 war Blair der bisher am längsten regierende Labour-Premierminister.

Wahlkampfplakate zur Wahl 2005

Wahlen und dritte Amtszeit 2005–2007

Auch wenn Labour Mandate einbüßte, wurde Blair bei der Unterhauswahl 2005 erneut in seinem Amt bestätigt. Am Mittwoch, dem 27. Juni 2007, trat Blair vom Amt des Premierministers zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige Schatzkanzler Gordon Brown, der wenige Tage zuvor auch zum Labour-Chef gewählt worden war.

Zeit ab Rücktritt

Im Juni 2007 wurde er zum Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt.

Ende Oktober 2007 wurde bekannt, dass Blair vom Verlag Random House neun Millionen US-$ Vorschuss für seine Memoiren erhalten wird, die er „selbst schreiben“ wolle.[5] Im gleichen Jahr erschien ein neuer Roman des englischen Bestsellerautors Robert Harris mit dem Titel „Ghost“, der aus der Perspektive eines Ghostwriters die Entstehung der Memoiren eines abgetretenen englischen Premierministers beschreibt, der für seine Lebensgeschichte von einem amerikanischen Verlag zehn Millionen Dollar Vorschuss erhalten hat. Nach allgemeiner Überzeugung finden sich in diesem Buch sehr viele Übereinstimmungen zwischen der Hauptfigur, Adam Lang, und dem realen Tony Blair. Auch seine Frau und seine wichtigste Mitarbeiterin spiegeln sich in den entsprechenden Personen des Buches.

In einem Interview[6] mit dem „Northern Echo“ monierte Blair, dass man im Irak nach Saddam Massengräber mit Hunderttausenden Ermordeter gefunden habe, dies aber in den Medien nicht immer berichtet wurde.

Religiöse Orientierung

Im Rahmen einer BBC-Dokumentation im November 2007 teilte Blair mit, dass sein Glaube an Gott wichtige Entscheidungen während seiner Amtszeit beeinflusst habe; außerdem wurde bekannt, dass Blair zum römisch-katholischen Glauben konvertieren wolle.[7] Am 21. Dezember 2007 wurde er während einer Heiligen Messe in der Kapelle im Haus des Erzbischofs von Westminister in London in die Gemeinschaft der Römisch-Katholischen Kirche aufgenommen. Kardinal Cormac Murphy-O’Connor gab bekannt, dass Tony Blair in den letzten Monaten ein Vorbereitungsprogramm zur Aufnahme in die Kirche absolviert hat.[8] Aus Gründen der Staatsraison wartete er mit dem Übertritt, obwohl er schon 2003 in Rom während einer Papstaudienz von Papst Johannes Paul II. die Heilige Kommunion empfing. In Großbritannien hat es seit mehr als 400 Jahren keinen katholischen Regierungschef gegeben.[9]

Verfilmungen

Literatur

  • Dixon, Keith: Ein würdiger Erbe. Anthony Blair und der Thatcherismus. UVK Konstanz, 2000: ISBN 3-87940-716-9
  • Haring, Merten: Verfassungswandel in Großbritannien - Von Margaret Thatcher bis Tony Blair. Osnabrück: Koentopp, 2006. ISBN 978-3-938342-06-0
  • Gerd Mischler: Tony Blair. Reformer, Premierminister, Glaubenskrieger.. Parthas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-86601-520-8.

Weblinks

Anmerkungen

  1. BBC: „Tony Blair joins investment bank“ 10. Januar 2008
  2. pbs.org: The Blair Doctrine
  3. Spiegel Online: „Ich wollte Krieg, es war das Richtige“ 17. November 2007
  4. The Guardian: What a creation ... 15. Januar 2005 (englisch)
  5. „MEMOIREN – Neun Millionen Dollar Vorschuss für Blair“, Spiegel Online, 26. Oktober 2007
  6. Interview mit Northern Echo
  7. „Tony Blair liest vorm Einschlafen die Bibel“, Spiegel Online, 25. November 2007
  8. Die Welt: Britanniens Ex-Premier Blair ist jetzt Katholik 22. Dezember 2007
  9. Rheinische Post: Tony Blair ist jetzt katholisch 22. Dezember 2007

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