Anthropometrisch

Anthropometrie ist die Lehre der Ermittlung und Anwendung der Maße des menschlichen Körpers. Anthropometrie wird vor allem in der Ergonomie zur Gestaltung von Arbeitsplätzen, Werkzeug und Möbeln gebraucht sowie im Arbeitsschutz zur Festlegung von Sicherheitsmaßnahmen z. B. Bemessungen von Schutzabdeckungen oder Abständen zu gefahrenträchtigen Teilen verwendet. Wirtschaftsgeschichtler nutzen die Körpergrößen-Angaben als Indikator für den Lebensstandard. In früherer Zeit versuchte die Anthropometrie, angeblich vorhandene Zusammenhänge zwischen Körpermerkmalen und Charaktermerkmalen zu belegen.

Inhaltsverzeichnis

Normen

Beispiel[1] einer anthropometrischen Betrachtung

Normen haben das Problem, dass sich Menschen in ihren Körpermaßen erheblich voneinander unterscheiden. Üblicherweise betrachten daher Normen nur einen eingeschränkten Bereich der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Anthropometrie werden meist nicht direkt verwendet, sondern in Datentabellen oder Normen abgelegt, um dort z. B. der Klassifikation von Bewegungen zu dienen. Dort liegen die mit der Anthropometrie erhobenen Daten zur Umsetzung durch andere Fachbereiche bereit. In den Tabellen werden nicht nur die Durchschnittswerte, sondern auch das fünfte und das fünfundneunzigste Perzentil angegeben.

Bei der Körpergröße bedeuten die Hinweise:

  • 5. Perzentil: nur 5 % sind kleiner
  • 50. Perzentil: 50 % sind kleiner bzw. größer (Medianwert)
  • 95. Perzentil: nur 5 % sind größer

Das gezeigte Beispiel entstammt dem NASA-Standard 3000T[2], ist aber in ähnlicher Form auch in anderen Normen verwendet. In Deutschland sind das die folgenden Normen:

  • EN ISO 7250 Wesentliche Maße des menschlichen Körpers für die technische Gestaltung
  • DIN 33402 Körpermaße des Menschen
    • Teil 1 Begriffe
    • Teil 2 Werte
  • DIN 33458 Körperumrißschablone
  • DIN 33411 Körperkräfte des Menschen

Körperbewegung

Aus der angewandten Anthropometrie kommend, gibt es einige Möglichkeiten, Bewegungen zu klassifizieren und einzuteilen. Einige Beispiele für Körperbewegungen aus dem Bereich der Motorik:

  • Flexion (beugen)
  • Extension (strecken, dehnen)
  • Abduktion (von der Körpermitte fort)
  • Adduktion (zur Körpermitte hin)
  • Rotation (drehen der Körperachse)
  • Circumdation (Kreis- oder halbkreisförmige Bewegung)

Körperachsen

Körperbewegungen oder -fehlhaltungen erfolgen bzw. sind fixiert um Körperachsen, aus denen sich auch Mischachsen ergeben können:

  • Longitudinalachse (Längsachse des Körpers oder einer Extremität) – benannt auch in Anlehnung an die allgemeine technische Nomenklatur „y-Achse“
  • Transversalachse (Querachse des Körpers oder einer Extremität) – „x-Achse“
  • Sagittalachse (Frontal- bzw. „Pfeil“-Achse des Körpers oder einer Extremität)- „z-Achse“

Modelle

Wichtige digitale Menschmodelle in der Anwendung der Anthropometrie sind Anthropos und RAMSIS. Der Anthropos findet in der Luftfahrt häufige Anwendung. RAMSIS wurde ursprünglich für die Fahrzeugindustrie entwickelt, wird aber zunehmend auch bei der Auslegung von Flugzeugcockpits oder Industriemaschinenführerstände, wie etwa beim Gabelstapler, verwendet. RAMSIS ist die Abkürzung für Rechnergestütztes Anthropometrisches Mathematisches System zur InsassenSimulation. Das System wird heute weltweit von der Human Solutions GmbH vertrieben. Hauptanwender ist die Fahrzeugindustrie.

Siehe auch

Literatur

Alvin R. Tilley, Henry Dreyfuss Associates: The Measure of Man and Woman: Human Factors in Design. ISBN 0-471-09955-4.

Quellen

  1. AMRL-TR-74-102 Churchill, E. Sampling and Data Gathering Strategies for Future USAF Anthropometry Webb Associates, Inc. A/F Aerospace Medical Res 2-76
  2. NASA Man-Systems Integration Standards: Anthropometry and Biomechanics

Weblinks


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