Anti-Steuer-Rebellionen (1860–1912)
Boaventura, Liurai von Manufahi

Als Anti-Steuer-Rebellionen werden mehrere Aufstände in verschiedenen Teilen Portugiesisch-Timors (dem heutigen Osttimor) gegen die portugiesischen Kolonialherren zusammengefasst. Sie fanden zwischen 1860 und 1912 statt. Die bekanntesten waren jene zwischen 1895 und 1912 unter der Führung von Boaventura, dem Liurai (timoresischer Kleinkönig) von Manufahi. Bis zur endgültigen Niederschlagung der Revolten war die Macht der Portugiesen in der Kolonie weitgehend auf die Nordküste beschränkt. Im Landesinneren und an der Südküste konnten sich die einheimischen Liurais bis dahin weitgehend ihre Unabhängigkeit erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Hintergründe

Lage Timors
Timor war seit dem 17. Jahrhundert in einen niederländischen West- und einen portugiesischen Ostteil geteilt

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Reiche, in die sich die Insel Timor aufteilte, de facto unabhängig geblieben. Die koloniale Macht der Portugiesen war vor allem im Landesinneren gering und beschränkte sich meistens auf geringe Tributzahlungen (Fintas). Die Einnahmen der Kolonialherren stammten aus dem Handel mit Sandelholz und einigen anderen wenigen weiteren Exportgütern. Einer der Gründe für die schwache Herrschaft war der ständige Wettstreit mit den Niederlanden um die Vormachtstellung auf den Kleinen Sundainseln, der Kapazitäten beanspruchte. Doch 1859 wurde im Vertrag von Lissabon ein erstes Abkommen über die Grenzziehung geschlossen.

Nun konnte Portugal sich auf den Ausbau und die Festigung der kolonialen Macht konzentrieren. Auch der technische Fortschritt und besser ausgerüstete Truppen eröffneten neue Möglichkeiten, das Land unter die direkte Kontrolle Portugals zu bringen. Andererseits hatten nun rebellische Timoresen auch legal und illegal die Möglichkeit, sich Feuerwaffen zu beschaffen. Bis zum Handelsverbot in den 1880ern wurden jährlich Tausende von Schusswaffen importiert. Erst 1893 vereinbarte man schließlich mit den Niederlanden ein entsprechendes Abkommen zur Eindämmung des Waffenhandels.[1] Zudem hatten die Timoresen eine lange kriegerische Tradition, die ihre Wurzeln bereits in vorkolonialer Zeit hat. Folge ist eine Gesellschaft, die bis heute oft Gewalt als Lösungsweg wählt. Um neue Wege der Ausbeutung der Kolonie zu schaffen (die Vorkommen des bisherigen Hauptexportguts Sandelholz waren erschöpft), wurden die Timoresen ab den 1890ern zudem zur Zwangsarbeit beim Straßenbau und in Plantagen gezwungen. Schon zuvor wurden die Liurais zum Anbau des 1815 eingeführten Kaffees gedrängt. Die Ernte musste an die Kolonialherren zu einem von ihnen festgesetzten Preis verkauft werden. Zudem musste ein Zehntel der Reisernte abgegeben werden. Am 13. September 1906 (andere Quellen geben 1908 an[2]) wurde die Kopfsteuer für alle Familienväter zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr eingeführt. 500 Reis in bar musste jeder zahlen, es sei denn, er leistete eine Vertragsarbeit, arbeitete auf Plantagen mit mehr als 500 Hektar Größe oder lebte in einem Reich, das mehr als 500.000 Pfund Kaffee, Kakao oder Baumwolle produzierte - ein weiterer Schritt zur Steigerung der Produktion von Exportgütern in der Kolonie. Auch Reiche mit weniger als 600 Familien waren von der Kopfsteuer befreit. Die Liurais erhielten als Staatsfunktionäre die Hälfte der Einnahmen aus der Kopfsteuer in ihrem Reich. Die Erhebung von weiteren Abgaben wurde den Herrschern untersagt, womit bestehende traditionelle Abgabensysteme abgeschafft und die Liurais abhängig von Portugal gemacht wurden. Ein Problem stellte die unbekannte Einwohnerzahl der Kolonie dar. 1910 kam eine Kommission zu dem Schluss, dass in Portugiesisch-Timor 98.920 Familien lebten, deren Oberhäupter zahlungspflichtig waren. Die Anzahl der verschiedenen loyalen Reiche betrug nach der Erhebung 73 oder 75 (Afonso de Castro, Gouverneur von Portugiesisch-Timor 1859 bis 1863 hatte in einer Liste 1867 nur 47 Reiche aufgeführt[3][4]). Vor allem die Reiche an der kolonialen Grenze und im Krisengebiet von Manufahi litten unter einer Bevölkerungsabnahme.

Portugal hatte große Probleme die Kontrolle über die Insel zu gewinnen und zu behalten. Gouverneur José Celestino da Silva machte die Landschaft für die schwierige Kriegsführung in der Kolonie verantwortlich. Nach einem schmalen Küstenstreifen steigt die Landschaft der Insel schnell zu einer fast 3.000 m hohen Bergwelt, wo der Transport von Munition sich schwierig gestaltet und die Portugiesen immer wieder aus dem Hinterhalt und erhöhter Position angegriffen werden konnten. Das heiße und schwüle Klima machte den Portugiesen zusätzlich zu schaffen. Den timoresischen Reichen fiel es leicht, militärische Bündnisse nach ihren jeweiligen Bedürfnissen zu schließen, die schwer zu bekämpfen waren. Den Chinesen von Atapupu (heute Westtimor) und anderen Schmugglern warf Celestino da Silva vor, die Rebellionen aus Profitgründen anzuheizen. Zudem machte die Abgeschiedenheit Timors die Versorgung der Kolonie mit Truppen und Waffen für Portugal schwer. Vor 1910 gab es nicht mal eine regelmäßige Schiffsverbindung mit den anderen portugiesischen Besitzungen oder gar Lissabon.

Die Rebellion von 1861

Die vorangegangene Phase zwischen 1852 und 1859 war die ruhigste, die Portugal in seiner Kolonie erlebt hatte. Aus dieser Zeit gibt es nur Berichte über zwei kleinere Aufstände. Einer wurde von einen Timoresen namens Manumera geführt, im anderen rebellierte 1859 der Liurai von Vemasse Dom Domingos de Freitas Soares, der noch im selben Jahr ins Exil nach Lissabon geschickt wurde.

Revolten zwischen 1860 und 1893

Die Zwangsarbeiten an öffentlichen Projekten führten im Frühjahr 1861 unabhängig voneinander zu Revolten im Mambai-Reich von Laclo und im Tetum-Reich von Ulmera aus, beide in der Nähe von Dili. Gouverneur Castro, der zu diesem Zeitpunkt auf Java Erholungsurlaub machte, reagierte bei seiner Rückkehr mit Härte. Gegen Laclo entsandte er Cabeira, einen Veteranen und Kenner des Landes. Cabeira errichtete eine Basis in Manatuto, doch er konnte nur auf einige Truppen aus Vemasse zurückgreifen. Im April kam es zu Gefechten.

Den loyalen Liurai von Liquiçá überredete Castro zu einer Strafexpedition gegen das benachbarte Ulmera. Das nahe Maubara zeigte dagegen Sympathien für die Rebellen. Es gibt Spekulationen, dass Dom Carlos, der Liurai von Maubara sogar selbst Ulmera zur Revolte angestachelt hatte. Die Niederländer hatten einige Jahre zuvor im Vertrag von Lissabon im Tausch für einige portugiesische Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln die Oberhoheit über Maubara an Portugal abgegeben. Dom Carlos akzeptierte, trotz niederländischem Zuredens, jedoch nie seine neuen Herren.

Portugiesische Kanone am Hafen von Dili

Am 10. Juni erklärte Castro den Notstand und ließ Waffen an Zivilisten und sogar an die chinesische Bevölkerung Dilis austeilen. Außerdem konnte er auf 40 indische Krieger zurückgreifen, die nach dem Sepoy-Aufstand gegen die Briten 1857 nach Timor ins Exil gekommen waren. Doch die angeforderte Verstärkung aus Goa brauchte noch Zeit um nach Timor zu gelangen. Daher bat Castro bei den benachbarten niederländischen Kolonien auf den Molukken um Unterstützung. Der Gouverneur von Batavia entsandte daraufhin die Fregatte mit Dampfantrieb Citadelle d’Anvers, die Dili am 22. Juni erreichte.

Am 26. August wurde die Rebellion in Laclo niedergeschlagen. Das Lager der Rebellen wurde niedergebrannt und den einheimischen Verbündeten Plünderungen und die Kopfjagd auf die Rebellen erlaubt. Der Belagerungszustand für Dili wurde aufgehoben. Der Sieg Portugals wurde von Gouverneur Castro in Dili ausführlich gefeiert, inklusive dem traditionellem Likurai-Tanz, der für die vom Krieg heimkehrenden timoresischen Krieger traditionell von den Frauen vorgeführt wird. Dazu trug man die Köpfe der erschlagenen Feinde in einer Prozession durch den Ort. Die Kopfjagd war Teil des Funu, des rituellen Krieges. Die Köpfe der erschlagenen Feinde wurden normalerweise ins Heimatdorf unter Begleitung düsterer Gesänge (den Lorsai) und des Likurai-Tanzes getragen, wo sie als heilige Objekte (Lulik) dienten.

Mit dem Beginn der Regenzeit verlor Castro die Unterstützung seiner timoresischen Krieger, da diese sich nun um ihre Felder kümmern mussten. Um um die Loyalität der Liurais zu werben, kündigte Castro an, selbst die Truppen in das noch immer aufständische Ulmera zu führen. Am 18. September versammelten sich in Dili 1.200 einheimische Krieger. Im revoltierenden Reich traf Castro zudem auf die Unterstützung aus Liquiçá, so dass er nun über 3.000 Mann verfügte. Ulmera wurde überrannt und der Herrscher von Ulmera und sein Sohn als Gefangene nach Dili gebracht. Dort wurde eine weitere Siegesfeier veranstaltet, wo der gefangene Liurai niederknien und sich zur Zahlung einer hohen Entschädigungssumme verpflichten musste. Auch die Köpfe der gefallenen Gegner wurden wieder präsentiert. Castro schrieb später über die Rebellion: „Man muss Zwang anwenden, nicht um zu tyrannisieren, sondern um dem Gesetz zu gehorchen und ein träges Volk zur Arbeit zu zwingen.“

Im März 1862 erreichte Timor schließlich eine Korvette aus Macao. Zwar kam diese Verstärkung zu spät, um noch bei der Rebellion einzugreifen, doch das Geld und die Truppen an Bord wurden nun verwendet um, wie Castro sagte, „unsere Dominanz zu konsolidieren, unserer Beamten in ihrer die heiklen Lage zu stärken und die Ressourcen in unserer Kolonie für Wirtschaft und Industrie besser zu nutzen.“ Castro hatte Pläne in jedem Königreich der Kolonie eine Kaffeeplantage zu errichten. Zudem gründete er in jedem Distrikt Militärposten um die Souveränität der Liurais zu schwächen.

Im Juni 1863 wurde ein Aufstand der Makasae von Laga niedergeschlagen und das Dorf niedergebrannt. Dabei wurde der ehemalige Rebellenchef von Laclo gefangen genommen. Doch Gouverneur José Manuel Pereira de Almeida konnte sich nicht lange über diesen Sieg freuen. Nach nur einem Jahr im Amt, wurde er durch eine Revolte der Truppen vertrieben. Grund war nicht ausgezahlter Sold und Almeidas diktatorischer Führungsstil, in Folge dessen europäische und timoresische Mitglieder des Batalhão Defensor gegen den inneren Kreis der Beamten aus Goa meuterten. Ein Inder und der Capitão China wurden umgebracht und die Inder nach Batugade vertrieben. Bis Almeidas Nachfolger José Eduardo da Costa Meneses zwei Monate später eintraf, wurde die Kolonie von einem Rat mehrerer Würdenträger regiert. Costa Meneses löste die Finanzprobleme, die zur Revolte geführt hatten, indem er eine Anleihe beim Generalgouverneur von Niederländisch-Indien aufnahm. Als er aufgrund einer Krankheit 1866 nach Lissabon zurückkehrte, wurde er vor Gericht gestellt, da er mit der Kreditaufnahme seine Kompetenzen überschritten hatte. Costa Meneses starb während des Verfahrens. Nun musste Francisco Teixeira da Silva als Gouverneur die unliebsamen Folgen der Meuterei beseitigen. Beförderungen und Solderhöhungen durch seinen Vorgänger wurden zurückgenommen.

Als nächstes kam es in Fatumasi zum Aufstand. Bei der Niederschlagung wurden die Portugiesen diesmal durch den Herrscher von Ermera unterstützt. In Cotubaba (Tutubaba?), nahe Batugade an der Nordküste, kam es 1865 zu einem Angriff auf portugiesische Truppen durch timoresische Krieger. Gleichzeitig vereinigten sich die Liurais von Cová und Balibo zur Revolte gegen die Kolonialherren. Portugal reagierte mit dem Beschuss der Küste durch die 13 Geschütze der Dampfschiff-Korvette Sa de Bandeira.

Die Rebellion in Vemasse, Lermean und Sanirin

Im Frühjahr 1867 erhoben sich die Kemak aus Lermean (Raemean?), nahe Maubara. Gouverneur Teixeira da Silva schlug den Widerstand in einem ungleichen Kampf nieder. In der 48 Stunden dauernden entscheidenden Schlacht mussten sich die Rebellen gegen eine an Feuerkraft überlegene Übermacht wehren. 15 Dörfer wurden eingenommen und niedergebrannt. Die Anzahl der Opfer unter den Timoresen ist nicht bekannt, die Portugiesen bezifferten ihre Verluste mit zwei Toten und acht Verwundeten. Das Territorium Lermeans wurde auf die benachbarten Reiche aufgeteilt.

Im August 1867 rebellierten die Einwohner vom Reich von Vemasse, zu dem auch Laga gehörte. Sie belagerten Lalcia. Teixeira da Silva beendete die Belagerung und schlug den Aufstand mit Hilfe der verbündeten Könige von Motael, Hera, Laculo (Lacoliu?) und Manatuto nieder. Der Liurai von Vemasse wurde durch seinen Stellvertreter, dem Dato-hei ersetzt, der einen Bündnisschwur ablegte. Zwar versprach er friedliche Beziehungen zu seinen Nachbarn, doch bereits 15 Jahre später sollte es zu Kämpfen zwischen Vemasse und Laleia kommen, wofür der Kommandant der Militärkommandantur verantwortlich gemacht wurde. Die nahegelegenen Reiche von Faturó (Futoro) und Sarau (Saran) wurden ebenfalls zu einem Bündnis mit Portugal bewegt. 1868 entsandten die Portugiesen eine Streitmacht nach Sanirin (Sanir, Saniry) in der Militärkommandantur Batugade, dessen Liurai sich weigerte Steuern zu Zahlen. Die Kemak von Sanirin waren offiziell Balibo tributpflichtig.

Die Rebellion in Cová

Im Tetum-Reich von Cová brodelte der Widerstand schon seit mehreren Jahren, doch mit einer großangelegten militärischen Offensive sollte 1868 nun auch dieses Gebiet befriedet werden. Das Herrschaftsgebiet Covás reichte bis zur Nordküste und ins Gebiet des niederländischen Westtimors. Der Umstand, dass Cová auch von Herrschern aus dem Westteil der Insel unterstützt wurde, beunruhigte die Portugiesen zusätzlich. Das Fort von Batugade, das sich bereits auf dem Gebiet von Cová befand, wurde zur Basis der portugiesischen Militärexpedition, die aus Truppen aus Dili und irreguläre Einheiten aus Manatuto, Viqueque und Luca bestand. Am 20. August 1868 zerstörten die Portugiesen drei befestigte Siedlungen der Widerständler. Das Hauptquartier wurde mit Artillerie und Raketen bombardiert, was dort zu einer hohen Zahl an Opfern führte. Die portugiesische Seite hatte nur einen Toten und einen Verletzten zu beklagen.

Doch innerhalb eines Monats mussten sich die Portugiesen aufgrund von gut befestigten Forts der Rebellen bis nach Batugade zurückziehen. Auf portugiesischer Seite gab es 83 Tote, darunter der Anführer der einheimischen Truppen aus Laclo. Teixeira da Silva entsandte daraufhin eine Verstärkung von 1.200 Mann aus regulären Truppen, loyalen Moradores und Kriegern der Könige von Barique, Laleia, Ermera, Cailaco und Alas. Mit dabei, zwei Haubitzen. Cová sollte mit 800 Mann aus dem Norden Batugades und mit einer ähnlich großen Streitmacht aus der anderen Richtung eingeklammert werden. Wieder einen Monat später wurden weitere Truppen aus Oecussi, Ambeno, Cailaco und Ermera nach Batugade gebracht.

Zwar gab es an dem Sieg der Portugiesen nie wirklich Zweifel, doch wollte der neue Gouverneur João Clímaco de Carvalho einen symbolträchtigen Sieg. Im Mai 1871 traf Carvalho mit seinem Gefolge in Batugade ein, um sich mit den Königinnen von Cová und von Balibo zu treffen. Balibo stand damals auf Seiten Covás. Die Zeremonie der Unterwerfung sollte nach Carvalho Willen „feierlich sein und allen formalen Bräuchen folgen“. Die Königin von Balibo, Dona Maria Michaelia Doutel da Costa und ihr Gefolge erreichte Batugade pünktlich am 29. Mai, doch die Königin von Cová, Dona Maria Pires kam nicht. Dona Maria Michaelia unterzeichnete am 1. Juni 1871 die ihr vorgelegten Vereinbarungen, die eine Unterwerfung Balibos als Vasallen Portugals bedeuteten. Balibo stimmte damit zu, Portugal Steuern zu zahlen und Waffenhilfe zu leisten. Letztlich dauerte es bis 1881, bis Cová die Vorherrschaft Portugals anerkannte.

Die Revolte der Moradores

Am 3. März 1887[5] wurde Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia von einer Gruppe Moradores in einem Hinterhalt auf der Straße zwischen Dili und Lahane ermordet. Die Moradores waren Timoresen, die von portugaltreuen Liurais rekrutiert wurden, ohne dafür von den Portugiesen einen Sold zu erhalten. Gruppen von ihnen waren in Dili, Batugade und Manatuto stationiert. Dili fiel, laut der Presse in Macao, in totalen Terror. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in der Kolonie nur etwa 100 bis 150 europäische Soldaten; in etwa dieselbe Anzahl waren Moradores und indische Soldaten. Zur Unterstützung wurden die Kanonenboote Rio Tâmega (1887), Tejo (1888) und Rio Lima (1890) nach Timor entsandt.[5]

Der neue Gouverneur António Francisco da Costa begann mit großangelegte Untersuchungen. Die Ursache der Unruhen war schnell geklärt. Francisco Ferreira, der Sekretär des alten Gouverneurs, hatte in dessen Namen den Bogen überspannt. Schwieriger war festzustellen, wer Schuldiger oder nur Sündenbock war. Die Rädelsführer der Revolte waren in die Hügel geflohen, so dass das Militär Suchaktionen in Liquiçá durchführte. Unruhen gab es auch in den Reichen, vor allem in Manatuto. Schließlich wurden die Verdächtigen eingefangen, auf dem Kanonenboot Rio Lima nach Macao gebracht und im berüchtigten Fort Monte eingekerkert. Einige Timoresen, wie der Herrscher von Motael Lucas Martins, wurden in Goa vor Gericht gestellt, was Martins letztlich der weniger brillanten Verteidigung eines timoresischen Missionars verdankte. Die Revolte hatte die portugiesische Herrschaft auf Timor in ihren Grundfesten schwer erschüttert. Die Ermordung Lacerda Maias war der Beginn von Aufständen zahlreicher Liurais, ganz vorne Dom Duarte und sein Sohn Boaventura von Manufahi.

Die Revolte von Maubara

Das Fort von Maubara

Gouverneur António Francisco da Costa versuchte die militärische und administrative Kontrolle Portugals über seine Kolonie auszuweiten, unter anderem durch ein effektiveres System zur Steuereintreibung. Damit zog die Kolonialverwaltung die Wut der Liurais auf sich. Diese entlud sich schließlich unter Gouverneur Cipriano Forjaz 1893 in der Revolte von Maubara. Der Herrscher von Maubara griff die Militärposten Dato und Vatuboro (Fatuboro) an und tötete dabei mehrere Soldaten. Gleichzeitig bot er den Niederländern an, sich wieder unter ihre Oberhoheit zu stellen, wie es bereits vor 1859 gewesen war. Gouverneur Forjaz forderte daraufhin das Kanonenboot Diu zur Unterstützung an.[5]

Die Diu brauchte für die Strecke von Macao nach Dili nur acht Tage, wo sie am 21. Juni eintraf. Nur wenige Jahrzehnte zuvor wäre eine solch schnelle Reaktion nicht möglich gewesen. Kurz darauf beschoss die Diu Vatuboro mit ihren Krupp-Kanonen und Hotchkiss-Schnellfeuergeschützen. Danach wurde ebenso Dato beschossen und ein Landekommando abgesetzt. Es bestand aus 37 afrikanischen Soldaten, 220 Kriegern aus Liquiçá, 60 aus Maubara, 96 Moradores und 204 weitere Soldaten. Dem Herrscher von Atabae, der ebenfalls rebellierte, wurde ein Ultimatum gestellt. Am 14. Juli willigte er ein und schwor dem König von Portugal Treue. Atabae musste Entschädigungen in Form von Geld, Büffeln und Schweinen an Portugal und Cotubaba zahlen.

Die Folgen des Massakers in Maubara reichten weit über die bloße Zahl der durch die Kämpfe Umgekommenen hinaus. Denn durch die verwesenden Leichen und Tierkadaver brach in Maubara, aber auch in Tibar, Atapupu und auf Alor die Cholera aus. Einen Zusammenhang zwischen Kämpfen und Ausbruch der Seuche kennt man auch von den Kolonialkriegen der Niederlande auf Sumatra gegen die Padris und Aceh und jener der Briten in Ägypten.

Der Krieg von Manufahi

José Celestino da Silva

Der portugiesische Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) führte nach Amtsantritt die Festigung der portugiesischen Herrschaft weiter. Mit verschiedenen Reichen wurden schriftliche Verträge über ihren Vasallenstatus geschlossen, so mit Maubara im November 1893, Hera und Dailor im Januar 1894, Fatumean im September 1895 und Buibau (Boebau) und Luca im April 1896. Der Wert dieser Verträge war allerdings fragwürdig, vor allem wenn sie unter Druck zustande kamen. In der ganzen Kolonie wurden neue Militärposten gegründet.

Zudem startete Celestino da Silva drei Offensiven gegen verschiedene Reiche. Im Oktober 1894 gegen Lamaquitos, Agassa, Volguno und Luro-Bote; im März 1895 gegen Fatumean, Fohoren, Lalawa, Casabauk, Calalo, Obulo und Marobo (Marabo) und schließlich im August 1895 gegen das Reich von Manufahi. Der Liurai von Manufahi Dom Duarte vereinigte sich daraufhin mit jenen aus Raemean (Raimean) und Suai und weiteren Gebieten zum Widerstand durch einen Blutpakt. Boaventura, Sohn von Dom Duarte wurde nach Cailaco, Atsabe, Balibo und in andere Reiche geschickt um Bündnisse zu schließen. Manufahi konnte sich gegen den Angriff der kolonialen Truppen und 12.000 verbündeter Timoresen bis 1896 behaupten. Dann setzte sich immer mehr die Kolonialmacht durch, wenn auch unter schmerzhaften Umständen. So wurde das Fort von Batugade von Rebellen aus Fatumean zeitweise besetzt, während die Besatzung an einen anderen Ort kämpfte. Und auch der finanzielle Aufwand war hoch gewesen. Celestino da Silva verlangte 1896 von der damals zuständigen kolonialen Regierung in Macao 15.000 bis 20.000 Patacas, um die Kosten für die Munition, die gegen die Rebellen eingesetzt wurde, decken zu können. Der spätere Gouverneur Teófilo Duarte (1926 bis 1928) kritisierte, dass Celestino da Silvas Militärexpeditionen „eine enorme Summe an Geldern“ gekostet hätten und solche besonderen Sicherungsmaßnahmen „in keiner anderen Kolonie existieren“. 1900 sah sich Manufahi um die bereits geschlagenen Verbündeten gebracht und litt zudem unter einer Choleraepidemie. Um einem Massaker zu entgehen ergab sich Dom Duarte und trat zu Gunsten seines Sohnes Boaventura als Liurai ab.[2]

Portugiesisch-Timor 1894 bis 1910

Celestino da Silva war der Ansicht, dass man zukünftige Kriege nur verhindert könnte, wenn Militär, zivile Beamte und auch die Missionare gute Arbeit leisten würden. Er gründete daher in verschiedenen Teilen der Kolonie Schulen, in denen der Bevölkerung Grundlagen der Landwirtschaft beigebracht wurde, um diese beim Kaffeeanbau anzuwenden. Nach Macao richtete Celestino da Silva eine regelmäßige Schiffsverbindung ein und ließ ein Telefonnetz in der Kolonie errichten. Zudem wurden neue Märkte gegründet. Unter Celestino da Silva wurde die bisher in Naturalien erhobene Distriktsteuer in eine Kopfsteuer geändert. Außerdem entstanden private Plantagen- und Handelsgesellschaften.

Trotz der Reformen brachen weitere Rebellionen aus: In Ainaro (1902), Letefoho und Aileu (1903), Quelicai (1904) und schließlich wieder in Manufahi (1907). 1908 entschied sich Portugal, den Liurais die Autorität zu entziehen und die Gerichtsbarkeit in die Hände der kolonialen Verwaltung zu legen. Die neue portugiesische Administration baute auf der einheimischen Ebene unterhalb der Liurais auf, dem Suco. Die Wahl (oder besser gesagt, die Bestätigung) der Führer der Suco war abhängig von der Genehmigung durch die Portugiesen. Aus einer Gruppe von Sucos wurde ein Posto bestimmt und diese Postos wurden in einem Concelho (Rat) versammelt. Dieser Concelho überwachte die Postos durch die portugiesische Verwaltung. Die Umorganisation sollte die traditionellen Strukturen zerbrechen und den Einfluss der Familienclans zerstören,[6] eine Methode, die bereits in Portugals afrikanischen Kolonien erfolgreich benutzt worden war.

Doch die politische und administrative Neustrukturierung veränderten weder die lokale Ideologie, noch den Alltag. Die Führer der Sucos brauchten immer noch die Unterstützung und das Wissen der Liurais und ihrer verwandtschaftlichen Verbindungen. Traditionelle Hierarchien blieben bestehen, unterstützt durch lokale Traditionen und Weltanschauungen. So entstand ein System auf zwei Ebenen – einer kolonialen und einer einheimischen, traditionellen.[6] Zudem schienen die Timoresen immer rebellischer zu werden, je weiter man das kulturfremde Arbeitssystem „Geld für Arbeit“ einführte.

Die Rebellion von Manufahi

Der Sturz der Monarchie in Portugal

Emanuel II., Portugals letzter König

Den Prolog zur Rebellion von Manufahi bildete der Sturz der Monarchie und die Ausrufung der Republik in Portugal am 6. Oktober 1910. Nachdem erste Gerüchte die Runde machten, erreichte Dili am 7. Oktober 1910 ein Telegramm mit der offiziellen Meldung über die neue Regierung. Am nächsten Tag wurde sie nochmals durch den portugiesischen Kreuzer São Gabriel bestätigt, der im Hafen von Darwin lag. Gouverneur Alfredo Augusto Soveral Martins gab am 30. Oktober offiziell die Ausrufung der Republik bekannt, die blau-weiße Flagge des royalen Portugals wurde eingeholt und die neue grün-rote Flagge Portugals wurde unter Abfeuern von 21 Schuss Salut gesetzt. Es dauerte bis zum 5. November, die Verwaltung auf die neue Situation umzustellen. Das beinhaltete vor allem das Erscheinungsbild und die Hoheitszeichen, wie Briefköpfe offizieller Schreiben, Symbole an Verwaltungsgebäuden, militärische Uniformen und ähnliches. Eine Ausnahme bildeten die Pataca-Banknoten, die mit den royalen Symbolen noch bis 1912 im Umlauf blieben. Soveral Martins verließ Dili Anfang November, nachdem seine Frau auf tragische Weise verstorben war. Das Amt wurde von Soveral Martins Sekretär, Kapitän Anselmo Augusto Coelho de Carvalho protokollarisch weiter geführt. Ihn ersetzte am 22. Dezember, ebenfalls protokollarisch, Kapitän José Carrazedo de Sousa Caldas Vianna e Andrade. Doch die Veränderungen waren nur für die Stadtbevölkerung und die europäisch ausgebildeten Timoresen spürbar. Die Landbevölkerung merkte keine Unterschiede und die Liurais wurden durch die Abschaffung der Monarchie eher verwirrt. Die Liurais schöpften einen Teil ihres Herrschaftsanspruchs aus heiligen Objekten (Lulik), die im Besitz der Herrscherfamilien waren. Als die Portugiesen die Timoresen unterwarfen, übergaben sie den Liurais als Vasallen die portugiesische Flagge, die in den Augen der Timoresen, genauso wie der Flaggenmast selbst zu heiligen Objekten wurden, welche die Herrschaft der Portugiesen und der ihnen treuen Liurais legitimierte. Der Flaggenwechsel führte daher aus Sicht der Timoresen zu einem Machtverlust. Zusätzliches Chaos verursachte die Vertreibung der jesuitischen Missionare, die ebenfalls in den Augen der Timoresen als heilige Männer eine Quelle des Herrschaftsanspruchs der Portugiesen darstellten. Die anti-klerikalen Strömungen in Portugal hatten auch in Dili unter den Europäern und assimilierten Timoresen fruchtbaren Boden gefunden. Es bildeten sich einige republikanische Zellen und sogar eine Freimaurerloge. Am 23. Dezember wurden die Jesuiten auf Weisung aus Dili aus Soibada vertrieben, was letztlich einen Rückschlag für die Portugiesen in der Region bedeutete.

Die Revolution und ihre Ziele waren den Liurais schwer zu vermitteln. Zudem arbeiteten einige Beamte, vor Ankunft des neue Gouverneur Filomeno da Câmara de Melo Cabral (1911 bis 1917), gegen die republikanischen Ideale. Und auch die Niederländer unterstützten anti-republikanische Strömungen bei den Timoresen, indem sie Bilder der niederländischen Königin Wilhelmina verteilten. Zudem sahen die Niederlande in der unübersichtlichen Situation eine Chance sich das umstrittene Territorium von Lakmaras mit europäischen und javanischen Truppen anzueignen.

Der Beginn

Niederländisch- (orange) und Portugiesisch-Timor (grün) 1911

1911 erhob sich Boaventura ein letztes Mal gegen die portugiesischen Kolonialherren. Die Rebellion von Manufahi oder auch die Boaventura-Rebellion war wahrscheinlich die blutigste, auf jeden Fall aber der Aufstand, der am tiefsten im Gedächtnis Osttimors verankert ist, zumal er durch koloniale Berichte, offizielle Meldungen, Zeitungsartikel und Augenzeugen besser dokumentiert ist, als jede Rebellion zuvor. Auch in der portugiesischen Kolonialgeschichte ist sie eine der größten Erhebungen überhaupt. Damals hatte das Reich von Manufahi etwa 42.000 Einwohner, nur etwas weniger als der heutige Distrikt Manufahi. Hauptort war bereits damals Same. Die Bevölkerung ernährte sich vom Getreide- und Obstanbau, daneben wurden Pferde und Schafe gezüchtet und Kaffee und Tabak angebaut. Die Region war bekannt für herausragende Leder-, Gold- und Silberarbeiten.

Im Oktober 1911 forderten Boaventura und einige andere Liurais der Region ein Treffen mit dem Kommandanten von Suai, da eine Erhöhung der Kopfsteuer angekündigt worden war. Sie sollte von einem auf zwei Patacas und zehn Avos erhöht werden. Dazu kam noch das Verbot für Einheimische, Sandelholz zu schlagen, eine Steuer von zwei Patacas pro gefälltem Baum, die Registrierung des Viehbestandes und von Kokospalmen und eine Steuer von fünf Patacas für die Schlachtung von Tieren für Festlichkeiten. Am 5. Oktober, dem Jahrestag der Proklamation der Republik, versammelten sich angeblich mehrere Herrscher in den Vororten von Dili. Laut zeitgenössischen, portugiesischen Berichten planten sie eine Verschwörung, bei der alle Europäer ermordet werden sollten. Die Anwesenheit eines englischen Handelsschiffs im Hafen von Dili soll sie von ihrem Plan abgebracht haben.

Aufgrund der bedrohlichen Situation wurde der portugiesische Posten von Suai am 8. Dezember evakuiert. Ein mosambikanischer Soldat, der Meldungen nach Bobonaro bringen sollte, wurde auf dem Weg dorthin umgebracht. Als der eigentliche Beginn der Rebellion gilt der 24. Dezember. An diesem Tag brachte man den abgeschlagenen Kopf von Leutnant Alvares da Silva, dem Kommandanten des Militärpostens Same, seiner Frau. Sie selbst blieb verschont, während vier oder fünf weitere Europäer auf Befehl von Boaventura getötet wurden. Die Rebellion dehnte sich schnell auf die benachbarten Regionen aus. Die Plantagen in der Region lagen brach.

Am 29. Dezember suchten 1.200 Timoresen aus Angst vor portugiesischen Repressalien Schutz in der niederländischen Enklave Maucatar. Unter ihnen der Liurai von Kamenasa (Camenassa) und sein Gefolge.

Portugals Reaktion

Ein Surik aus Maubisse

Der Militärkommandant von Manufahi hatte bereits am Anfang der Rebellion damit begonnen Stellungen der Aufständischen anzugreifen und strategisch wichtige Punkte zu besetzen. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Kolonie 76 europäische und 96 asiatische Soldaten stationiert. Dazu kamen Streitkräfte aus einheimischen Moradores, Arraias und Kriegern aus den verbündeten Reichen um Dili. Die Bewaffnung verminderte sich stark mit sinkendem Status. Die Kolonialsoldaten hatten Remingtongewehre oder Steinschlossgewehre, die Moradores nur Suriks oder Macheten. Doch der Mangel an Schusswaffen und Schießpulver benachteiligte die timoresischen Rebellen von vornherein. Zumeist waren auch sie nur mit Speeren, Pfeil und Bogen und Suriks bewaffnet.

Am 5. Januar zog Gouverneur Cabral mit 200 Mann nach Aileu und errichtete dort eine Basis. Zu den 25 europäischen Soldaten und Moradores schlossen sich auf dem Weg noch loyale Arraias den Truppen an. Nach drei Wochen im Schlamm der Regenzeit war ein Großteil des Territoriums wieder unter Kontrolle Portugals. Die geschwächten Einheiten wurden auf 2070 irreguläre Kämpfer, 264 Moradores, 65 Berufssoldaten und acht Offiziere verstärkt. Doch die Truppen waren immer noch zu schwach zum Angriff auf die Hauptstadt Boaventuras. Daher versuchte Cabral nach alter portugiesischer Kolonialart loyale und rebellische Liurais gegeneinander auszuspielen. Unterstützung erhielt er vom Verräter-Liurai Nai-Cau (Naicau) und seinem Neffen Aleixo Corte-Real aus Soro. 1907 hatte Nai-Cau die Unabhängigkeit Soros vom Reich von Atsabe errungen. Im Osten und Süden grenzte es an Manufahi. Beim Angriff Boaventuras auf Ainaro kam Nai-Cau dem bedrohten Militärposten zur Hilfe.

Am 19. Februar 1912 meldete der Sydney Morning Herald:
Der Großteil der Insel Timor ist in Aufruhr. Männer des Rameastammes überfielen Dili, töteten viele Einwohner und brannten viele Häuser nieder. Major Ingley, Leutnant Silva und mehrere Soldaten wurden während der Straßenkämpfe getötet. Die Köpfe wurden von den Rebellen abgeschnitten und auf Pfähle gesteckt. Das Regierungsgebäude wurde geplündert.

Jaime do Isno war Augenzeuge der Rebellion von Manufahi

Der Bericht übertrieb die Situation, doch Dili wurde tatsächlich schwer in Mitleidenschaft gezogen und europäische Familien evakuiert. Dennoch konnte die Stadt durch eilig zusammengesuchte Verteidiger vor einer Plünderung bewahrt werden. Zur Verstärkung schickte Portugal von Macao aus das Kanonenboot Pátria unter dem Kommando von Kapitänleutnant Gago Coutinho, das am 6. Februar eintraf. Am 11. Februar erreichte Dili das englische Dampfschiff St. Albans mit 75 Soldaten (zur Hälfte Europäer) der Companhia Europeia da India und am 15. Februar das englische Schiff Aldenam mit der achten Companhia Indigena de Moçambique. Außerdem wurde in Mosambik eine weitere Kompanie Soldaten mobilisiert, um sie an Bord des portugiesischen Schiffes Zaire nach Timor zu schicken. Jaime do Inso, zweiter Leutnant an Bord der Pátria berichtete von drei Köpfen, die in Laclo aufgehängt worden waren, Beleg für die „abscheuliche Grausamkeit des Krieges primitiver Menschen“, wie er schrieb. Es mag Inso entgangen sein, dass Gouverneur Castro 50 Jahre zuvor diese timoresische Tradition selbst für seine Siegesfeiern verwendet hatte.

Die Kämpfe gingen weiter bis in den Mai hinein. Nun brach auch in der Exklave Oecussi eine Rebellion aus. Laut Inso sollte Manufahi, als Zentrum der Rebellion, isoliert und von der Unterstützung aus den benachbarten verbündeten Reichen Raemean, Cailaco, Bibisusso (Bubususu?), Alas und Turiscai (Toriscai) abgeschnitten werden. Die portugiesische Streitmacht wurde dafür in vier Kolonnen geteilt. Die Hauptkolonne, die Maubisse eingenommen hatte, wurde vom Gouverneur selbst geführt. Sie bestand aus 4.000 Mann, darunter 20 Europäer, 200 Afrikaner, 500 Moradores und Arraias. Mit dabei ein Krupp BM75L-Geschütz. Von Soibada aus zog die zweite Kolonne mit einer indischen Kompanie, einigen hundert Moradores und einem Maxim-Maschinengewehr. Die dritte Kolonne hatte ihre Basis in Soro und bestand aus zwei Europäern, 70 Afrikanern und 200 Moradores. Auch hier stand ein Maschinengewehr zur Verfügung. Die vierte Kolonne mit hundert Moradores lag an der Grenze zu Westtimor. Teilweise waren die Truppen sogar aus Angola herangezogen worden.[6]

Das Ende

Rebellion von Manufahi 1911 bis 1912

Es scheint, dass Boaventura zu diesem Zeitpunkt schon bereit für einen Friedensschluss gewesen wäre, doch Cabral wollte nun einen endgültigen Sieg. Am 27. Mai 1912 griff er die befestigten Stellungen Boaventuras am Berg Cablac an und besetzte den Berg in den folgenden Tagen. Cabral verfügte dabei nun über 8.000 irreguläre Kämpfer, 1.147 Soldaten und 34 Offiziere, die bisher größte europäische Streitmacht auf Timor. Die Hauptkräfte der Rebellen zogen sich nach Riac, an den unteren Hängen des Cablac zurück, wo sie zwischen dem 11. und 21. Juni von den Portugiesen belagert wurden. Schließlich wurden die Rebellen und die Zivilbevölkerung zur Flucht zum Berg Leolaco gezwungen. Dort wurde Boaventura zusammen mit 12.000 Männern, Frauen und Kindern in einem 35 km² großen Gebiet erneut von den Portugiesen eingekreist. Zwischen dem 8. und 10. August durchbrachen Boaventura und einige Tausend seiner Kämpfer die Belagerungslinien und entkamen. Inso berichtet aber, dass die zurückgebliebenen Kämpfer und Zivilisten in den folgenden zwei Tagen und Nächten von den Portugiesen abgeschlachtet wurden. Mehr als 3.000 Timoresen sollen dabei getötet worden sein.[7]

Das Kanonenboot Pátria war an der Niederschlagung der Rebellion beteiligt

Im April war die Pátria erneut nach Timor beordert worden, nachdem sie zwischenzeitlich aufgrund der Revolution in China nach Macao zurückberufen wurde. Sie brachte den Bodentruppen Cabrals dringend benötigte Waffen und andere Versorgungsgüter. An der Südküste der Insel beschoss die Pátria bei der Residenz der Königin von Betano die letzten Stellungen Boaventuras. Dadurch starben laut Leutnant Inso tausend Menschen. Der Lärm der Geschütze und ihre verheerende Wirkung hatten, neben dem militärischen, auch einen deutlichen psychologischen Effekt auf die Timoresen. Boaventura wurde eingekreist und er und mehrere Tausend weitere Timoresen gefangen genommen.

Trotz der Gefangennahme Boaventuras musste die Pátria im Laufe des Jahres 1912 noch mehrmals gegen Rebellen eingesetzt werden, so in Oecussi. Baucau verteidigten Marinesoldaten der Pátria unter dem Kommando von Inso zwischen dem 29. Juni und 25. Juli gegen die Aufständischen, wofür er mehrere Belobigungen erhielt. Auch in Quelicai kam es nochmals zu einem Aufstand. Diese Aufstände blieben aber lokal begrenzt. Am 16. August 1912 wurde der Ausnahmezustand für die Kolonie wieder aufgehoben und am Tag darauf eine Siegesfeier veranstaltet. Dabei veranstalteten die Moradores, mit Erlaubnis von Cabral, auch wieder den Likurai-Tanz mit den abgeschlagenen Köpfen der Feinde. Gouverneur Celestino da Silva hatte davor nicht mehr auf die makabere Tradition zurückgegriffen.

Die Folgen

Insgesamt schätzt man, dass in Folge der Rebellion von Manufahi 15.000 bis 25.000 Menschen den Tod fanden. Dazu kommen Opfer der einhergehenden Ruhrepidemie und die Opfer der zeitgleichen Aufstände in Baucau (2.000), Lautém (300) und anderen Orten. Die gesamten Kämpfe bei der kolonialen Befriedung Manufahis zwischen 1894 und 1912 kosteten wahrscheinlich 90.000 Menschen das Leben und entvölkerten ganze Landstriche. Auch wenn die Zahlen sehr unsicher sind, so war die offizielle Bevölkerungszahl von 1913 mit 303.600 bei weitem die niedrigste seit Jahrzehnten. Boaventura wurde auf der Insel Atauro eingekerkert, wo er vermutlich starb.[2] Nach 1913 gibt es keine Berichte mehr über ihn.

Die loyalen Liurais, ohne die ein Sieg der Portugiesen wohl nicht möglich gewesen wäre, erhielten zum Dank militärische Ränge eines Majors oder Oberstleutnants. Jene, die sich zuerst den Portugiesen unterworfen hatten, wurden mit territorialem Zugewinn belohnt - auf Kosten der rebellischen Reiche. Einige Gebiete wurden unter direkte koloniale Verwaltung gestellt, um dort Plantagen anzulegen. Umgekommene oder gefangengenommene Herrscher, wie Afonso Hornai de Soares Pereira von Bibisusso, wurden durch loyale Anhänger Portugals ersetzt, ohne Rücksicht auf die traditionelle Nachfolge zu nehmen. Die Witwen von gefallenen Arraias und im Kampf Verwundete erhielten Kokos- und Kakaobäume oder andere steuerfreie Zuwendungen. Bewohner der Rebellengebiete wurden dafür gezwungen, Kokos- und Kakaobäume anzubauen und unbezahlte Arbeit auf Plantagen zu leisten. Zudem musste jede Familie 600 Kaffeebüsche unterhalten. Allein 1916 wurden daher acht Millionen Kaffeebüsche neu gepflanzt. Timoresen im Alter zwischen 14 und 60 mussten Arbeitsdienst leisten.

Bewertung

Unter Historikern ist umstritten, ob der letzte Aufstand Boaventuras nun ein weiterer Versuch war, die Fremden aus dem Land zu vertreiben, ein Protest gegen die seit 1906 bestehende Kopfsteuer und die Entmachtung der Liurais oder eine Rebellion mit Tendenzen zu einem ersten timoresischen Nationalgefühl, zumal auch Letrados (auch Assimilados), gemeinsame Sache mit den „primitiven“ Kriegern machten. Sowohl Dom Duarte, als auch sein Sohn Boaventura hatte Kontakte zu diesen Timoresen mit europäischer Ausbildung aus Dili, von denen einige sogar Mitglied in der Freimaurerloge waren. Einige Moradores aus dieser Gruppe versorgten die Rebellen auch mit Schießpulver und Kanonenkugeln. Sicher scheint, dass die Unabhängigkeitsbewegung auf den Philippinen Vorbild für die Timoresen war. Bekannt ist dies auch von der benachbarten Insel Flores, wo es allein 1911/12 zehn bewaffnete Aufstände gegen die niederländischen Kolonialherrn gab. Doch es fehlen jegliche schriftliche Quellen, die belegen, dass Boaventura eine unabhängige Nation anstrebte. Auch wie die 5.000 Assimilierten die um die hundert feudalen Zwergstaaten aus der die Kolonie bestand hinter sich vereinigen hätten sollen, ist offen, zumal die meisten Liurais skeptisch betreffs des möglichen Erfolges der Rebellion waren und sich ruhig verhielten. Auch wenn die Rebellion von 1911/12 der Höhepunkt des timoresischen Widerstands gegen Portugal war, so war sie doch weitgehend auf den Westteil der Kolonie beschränkt und die Rebellen von neutralen oder sogar pro-portugiesischen Herrschern umgeben.

Die königliche Flagge Portugals galt in Timor als heiliger Gegenstand (Lulik)

Für die Steuererhöhung als Grund der Rebellion spricht, dass die Timoresen zu Beginn als Schlachtruf riefen: „Venham ca buscar duas patacas, se são capazes!“ („Kommt und holt Euch Eure zwei Patacas, wenn Ihr könnt!“). Klar scheint, dass der Wechsel der Regierungsform in Portugal und der damit einhergehende Verlust von bewährten, als heilig angesehenen Machtsymbolen ein weiterer Grund für den Ausbruch der Revolution war. In einigen Orten war die neue Flagge Portugals herunter gerissen und wieder die alte Flagge gesetzt worden. In diesem Zusammenhang kam noch hinzu, dass der alte Konkurrent Portugals, die Niederlande es nicht gestört hätte, wenn auch die portugiesische Hälfte der Insel aufgrund royaler Sehnsüchte der Timoresen ihnen in die Hände gefallen wäre.

Historiker sehen in der Niederschlagung der Rebellion einen schwarzen Fleck und Präzedenzfall in der Geschichte der ersten portugiesischen Republik. Ihr folgten große Massaker in den portugiesischen Kolonien in Guinea, Mosambik und Angola. Portugal tolerierte keinen großflächigen Ungehorsam mehr.

Die Kämpfe am Cablac werden heute in Osttimor und vor allem in Manufahi als heldenhafte Schlacht Boaventuras verklärt, der Liurai selbst als Nationalheld Osttimors. Unter anderem wurde die Dom Boaventura-Medaille nach ihm benannt, die höchste Auszeichnung des Landes. Die Witwe Boaventuras, Königin Maria de Manufahi war 1976 als Mitglied der FRETILIN Unterstützerin der Unabhängigkeit Osttimors.

Die Gesellschaft Portugiesisch-Timors nach den Rebellionen

Boaventura-Denkmal in Dili

Am 13. August 1913 strukturierte der Gouverneur in Vertretung Gonçalo Pereira Pimenta de Castro die kolonialen Streitkräfte um. Er entließ die Kommandanten der Moradores und löste ihre Kompanien auf. Die Moradores wurden unter den direkten Befehl europäischer Offiziere gestellt.

Gouverneur Filomeno da Camera blieb aufgrund des Ersten Weltkrieges bis 1917 im Amt und prägte die Kolonie mit seinen Reformen bis in die 1940er hinein. Die Macht der Liurais versuchte er weiter zu umgehen, indem er nun die Sucos als erste koloniale Verwaltungsebene einsetzte, vorbei an den traditionellen Herrschern.[2] Zudem wurde eine Ebene darüber auch die zivile Verwaltung auf die 15 Militärkommandanturen aufgeteilt und die Liurais den Militärkommandanten unterstellt.

Schon am Ende des 19. Jahrhunderts begann die katholische Kirche die Missionierung zu verstärken und ab 1904 (in Soibada) in Schulen die Kinder von Liurais auszubilden und zu erziehen. Aus diesen Kindern, Dom Aleixo war einer von ihnen, erwuchs die gesellschaftliche Schicht der europäisch erzogenen Timoresen, die Letrados. Bis 1910 die Kirche in ihrer Arbeit beschränkt wurde, existierten bereits elf Schulen für 412 Jungen und zwei Schulen mit 223 Mädchen, dazu vier Hochschulen mit 105 Studenten und 153 Studentinnen. 30 Geistliche und 141 Lehrer unterrichteten sie. Diese Generation bildete später eine neue, christliche Elite in der Kolonie, auf die sich die portugiesische Kolonialmacht stützen konnte. Mit dem Sturz der Diktatur des Estado Novo 1974 erwuchs aus ihr die neue politische Herrschaftsschicht, die auch heute noch einen großen Einfluss in der Gesellschaft Osttimors hat.

Quellen

Literatur

  • Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Aberag, Hamburg 1996, ISBN 3-934376-08-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Neil Deeley, Shelagh Furness, Clive H. Schofield: The International Boundaries of East Timor, 2001, ISBN 189764342X (bei Google Buchsuche)
  2. a b c d CAVR-Report von 2005: Part 3: The History of the Conflict
  3. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  4. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  5. a b c Revista da Armada: A história da presença da Marinha em Timor (portugiesisch)
  6. a b c History and Politics - Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  7. Steve Sengstock, Faculty of Asian Studies, Australian National University, Canberra

Siehe auch

Literatur

  • Jaime do Inso: Em Socorro de Timor, 1913, Lissabon
Neuauflage beim Verlag Cosmos 1939 unter dem Titel „Timor – 1912“ (portugiesisch)

Weblinks


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