Antias

Fortuna (lat. „Glück“, „Schicksal“; Fors Fortuna: „Macht des Schicksals“; Beiname Antias) ist die Glücks- und Schicksalsgöttin der Römischen Mythologie, entspricht der Tyche in der Griechischen Mythologie und dem Heil bei den altnordischen Völkern.

Inhaltsverzeichnis

Antike

Vermutlich wurde die Göttin durch den König Servius Tullius bereits zu Beginn des Römischen Reichs populär, welcher ihr zwei Tempel gewidmet haben soll. Der Legende nach war dieser als Sohn einer Sklavin durch die Gunst der Schicksalsgöttin auf den Königsthron gekommen. Fortuna spielt später in der Religion der Römer eine wichtige Rolle, unter anderem wird sie als eine der Parzen genannt, und viele Tempel im gesamten Römischen Reich waren ihr gewidmet. Bekannte Tempel der Fortuna befanden sich in Antium, von dem sie ihren Beinamen Antias hat[1], Praeneste und auf dem Quirinal, einem der sieben Hügel Roms. Ihr Fest wird am 24. Juni gefeiert.

Mittelalter und Neuzeit

Tadeusz Kuntze: Fortuna, 1754

Ausgehend von den Klosterschulen, fing man im 12. Jahrhundert an, Fortuna sowie die Göttin Natura als Dienerinnen Gottes zu sehen. Obwohl diese Idee unvereinbar mit dem christlichen Glauben war, wanderte sie im 13. Jahrhundert an die neu gegründeten Universitäten. Philosophisch beschlagene Geister blieben dieser Ansicht gegenüber jedoch häufig kritisch.

Fortuna wird im Allgemeinen als eine wankelmütige, vielschichtige Göttin charakterisiert, die (insoweit ähnlich der Justitia, die freilich dabei abstrakt abwägt) die Gaben ihres Füllhorns, gutes wie schlechtes Schicksal, Glück und Unglück, ohne Ansehen der Person verteilt. Ihre anfängliche religiöse Bedeutung als Fruchtbarkeitsgöttin wurde dabei später von ihren Glücks- und Schicksalsaspekten verdrängt. Als Orakelgöttin wurde Fortuna häufig zur Zukunft befragt, oftmals geschah dies über das Ziehen von Losen, kleinen Holzstücken mit eingeritzten Linien, die von der Priesterschaft gedeutet wurden.

Fortuna und das „Rad des Lebens“, mittelalterliches Manuskript

In der bildenden Kunst wird sie häufig mit ihren Attributen: dem Lebensrad, dem Füllhorn und auf einer Kugel daher rollend dargestellt.

Carl Orff hat den ersten und den letzten Teil (Fortuna Imperatrix Mundi) seiner Carmina Burana ihr gewidmet: der Text aus der gleichnamigen Sammlung aus dem 13. Jahrhundert beginnt mit

O Fortuna,
velut luna
statu variabilis …
(O Fortuna, wie der Mond so veränderlich …);

das zweite Lied beginnt mit

Fortune plango vulnera …
(Die Wunden, die Fortuna schlug …).

Fortuna ist ferner ein beliebter Vereinsname für Sportvereine und wird insbesondere im Fußball häufig als Kurzform für den ganzen Verein verwendet. Siehe auch Fortuna Düsseldorf 1895 e.V. und S.C. Fortuna Köln e.V. sowie Fußballvereinsname.

Einzelnachweise

  1. Vollmer: Woerterbuch der Mythologie, Stuttgart 1874

Literatur

  • Publius Ovidius Naso, Fasti VI 771-784.
  • Klaus Reichert: Fortuna oder die Beständigkeit des Wechsels. Suhrkamp Verlag. Frankfurt a. M. 1985
  • Ehrengard Meyer-Landrut: Fortuna. Die Göttin des Glücks im Wandel der Zeiten. Deutscher Kunstverlag. München & Berlin 1997

Weblinks


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