Anticharta

Anticharta war die Gegenreaktion der herrschenden kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei auf die Charta 77, ein Kommuniqué der künstlerischen Opposition. Sie wurde von über 2.000 Künstlern unterschrieben.

Die Tageszeitung Rudé Právo veröffentlichte 12. Januar 1977 eine Erklärung unter der Überschrift Die Gestrandeten und Usurpatoren (Ztroskotanci a samozvanci), in der das Vorgehen der Opposition verurteilt wurde. Den Unterzeichnern der Charta wurde unterstellt, die ehrliche Arbeit des Volkes zu boykottieren. Für den 28. Januar 1977 wurden in das Nationaltheater Nationalkünstler, Schauspieler und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen. Vor diesem ausgewählten Publikum verlas die Schauspielerin Jiřina Švorcová die Resolution tschechoslowakischer Ausschüsse künstlerischer Verbände, die zum künstlerischen Wirken im Namen des Sozialismus und Friedens und zur Loyalität zum kommunistischen Regime aufriefen. In den darauffolgenden Tagen wurden viele Bürger an ihren Arbeitsplätzen gezwungen, die Anticharta zu unterzeichnen. Wer nicht unterschrieb, musste mit Problemen rechnen.

Auch zahlreiche bekannte und beliebte Künstler unterschrieben diese Anticharta. Das Verzeichnis der Unterzeichner wurde in dem kommunistischen Organ Rudé Právo am 31. Januar 1977 veröffentlicht. Eine ähnliche Veranstaltung fand am 4. Februar 1977 im Theater der Musik (Divadlo hudby) statt. Am 12. Februar 1977 meldete das Parteiorgan, dass insgesamt 76 Nationalkünstler, 360 verdiente Künstler und weitere siebentausend Personen die Charta unterzeichneten.

Allerdings war das Verzeichnis nie allzu glaubhaft, da sich darunter auch Namen von Personen befanden, die die Unterschrift nicht geleistet hatten. Viele der der in der Tageszeitung aufgeführten Künstler und Persönlichkeiten gaben an, die Unterschrift verweigert zu haben. Andere gaben an, dass sie nicht den Mut aufbrachten, gegen die Fehlinformation zu protestieren, andere unterschrieben unter Druck später, ein Teil gab an, dass sie gegen die Veröffentlichung ihres Namens vergeblich protestiert hätten. Allerdings gab es vor 1989 keine vernünftige Möglichkeit, diesen Protest öffentlich zu machen. Schließlich wurde die Liste, so auch von dem damals schwerkranken, berühmten Schauspieler Jan Werich, für eine Anwesenheitsliste der Veranstaltung gehalten, nicht jedoch als Protestnote.

Ein kleiner Teil der Künstler, wie zum Beispiel Bohumil Hrabal oder Vladimír Neff, durften nachdem sie freiwillig die Unterschrift leisteten, ihre Werke wieder veröffentlichen.

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