29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1)
Wappen der 29. Waffen-Grenadier-Division der SS

Die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1), auch bekannt als Legione SS Italiana (Italienische SS-Legion), entstand am 10. Februar 1945 als zweite SS-Division mit dieser Nummer – (vergleiche 29. Waffen-Grenadier-Division der SS „RONA“, welche vorzeitig aufgelöst wurde) – aus der bereits im November 1943 aufgestellten Waffen-Grenadier-Brigade der SS (italienische Nr. 1). In manchen Publikationen taucht als Divisions-Beiname auch „Italia“ auf.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung und Hintergrund

Nachdem das Königreich Italien nach dem Fall des Faschismus am 8. September 1943 einen einseitigen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen hatte (Waffenstillstand von Cassibile), besetzten die deutsche Wehrmacht und die Waffen-SS Norditalien und entwaffneten die dort stehenden italienischen Truppen, sofern diese nicht gewillt waren, den Kampf an deutscher Seite fortzusetzen. Die Gründung der Sozialrepublik Italien am 23. September desselben Jahres 1943 mit Benito Mussolini als Staatschef ermöglichte es, auch Italiener in die Waffen-SS zu rekrutieren. Am 2. Oktober 1943 entwarfen Heinrich Himmler und Gottlob Berger daher ein Programm zur Aufstellung der italienischen Miliz-Einheiten durch die Waffen-SS[1], das die Zustimmung Adolf Hitlers und Benito Mussolinis fand.

Aufstellung

Ende Oktober 1943 begannen etwa 15.000 Freiwillige ihre Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz Münsingen, wobei bald darauf etwa 9.000 Rekruten wegen Untauglichkeit ausgemustert und zur Ordnungspolizei oder als Arbeiter in die Rüstungsindustrie überstellt wurden[2]. Allerdings trugen die Soldaten an ihren Uniformen die SS-Runen (Sig-Runen) der SS zunächst auf rotem statt schwarzem Untergrund, am linken Ärmel umfasste der Reichsadler statt des Hakenkreuzes ein Liktorenbündel. Das Divisionsabzeichen zeigte ebenfalls ein Liktorenbündel, wenn auch in etwas abgewandelter Form mit der Axt über den Ruten statt wie sonst üblich dazwischen.

Am 23. November 1943 wurden 13 Miliz-Bataillone vereidigt und an den SS-Ausbildungsstab Italien unter Führung des SS-Brigadeführers Peter Hansen abgegeben, wo sie in einem „blutigen Bruderkrieg“[3] gegen Partisanen eingesetzt wurden. Die Einheit unterstand SS-Obergruppenführer Karl Wolff in seiner Funktion als Höchster SS- und Polizeiführer (HöSSPF) Italien und wurde nun als Italienische SS-Freiwilligen-Legion bezeichnet, kurz darauf aber in 1. Sturmbrigade Italienische Freiwilligen-Legion umbenannt.

Die Angehörigen dieses Verbandes wurden vor allem in Italien selbst als Legionari (Legionäre) bezeichnet, zuerst im allgemeinen Sprachgebrauch sowie praktisch unmittelbar danach auch in den offiziellen Berichten.

Einsatz

Im April 1944 wurden drei Bataillone der Brigade auch gegen den Alliierten Brückenkopf bei Anzio und Nettuno mit überraschend gutem Erfolg eingesetzt. Für diese Leistungen erhielten die Soldaten von Heinrich Himmler die Erlaubnis, die SS-Runen nunmehr auf dem wie üblich schwarzen statt wie bisher roten Untergrund zu führen. Mehrere Soldaten erhielten Auszeichnungen und die Regimentsfahne wurde mit einem silbernen Orden versehen. Mit dem Befehl vom 7. September 1944 erfolgte die Umbenennung in Waffen-Grenadier-Brigade der SS (italienische Nr. 1)[4] und dem Generalkommando Lombardia der Heeresgruppe C unterstellt. Im September 1944 übernahm der italienische SS-Brigadeführer Pietro Mannelli das Kommando für kurze Zeit, bevor er wieder internen Diensten und der Anwerbung von weiterem Personal betraut wurde. Er war einer von nur zwei Italienern, die bei der Waffen-SS Generalsrang erreichten. Durch Zulauf weiterer Rekruten wuchs die Personalstärke bis zum Dezember 1944 auf 15.000 Mann. Im Frühjahr 1945 bildete die Division unter dem Kommando von SS-Oberführer Ernst Tzschoppe (ihrem zugleich letzten Kommandeur) die Kampfgruppe Binz, die bis zum Zusammenbruch der deutschen Front in Italien Mitte April gegen französische Einheiten an den westlichen Grenzen im Piemont sowie gegen italienische Partisanen in der Lombardei kämpfte.

Die letzten Teile der Division ergaben sich am 30. April 1945 US-amerikanischen Panzertruppen in der Stadt Gorgonzola.

Gliederung

(die Gliederung der Waffen-Grenadier-Brigade der SS (italienische Nr. 1) ist die gleiche wie die der Division)

  • Waffen-Grenadier-Regiment der SS 81 (italienisches Nr. 1) (I.-III.)
  • Waffen-Grenadier-Regiment der SS 82 (italienisches Nr. 2) (I.-III.)
  • Waffen-Artillerie-Regiment der SS 29 (italienisches Nr. 1) (I.,II.)
  • Füsilier-Bataillon 29 Vendetta
  • Panzerjäger-Abteilung 29
  • SS-Pionier-Kompanie 29
  • SS-Nachrichten-Kompanie 29
  • SS-Ersatzbataillon
  • Offiziersbataillon

Kommandeure

  • 13. November 1943 – März 1944: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Peter Hansen
  • März 1944 – September 1944: SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Karl Wolff
  • September 1944 – September 1944: SS-Brigadeführer Pietro Mannelli
  • September 1944 – Oktober 1944: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Peter Hansen
  • Oktober 1944 – November 1944: SS-Oberführer Gustav Lombard
  • 9. November 1944 – Januar 1945: SS-Standartenführer Constantin Heldmann
  • Januar 1945 – April 1945: SS-Oberführer der Reserve Erwin Tzschoppe

Quellen

  1. RF-SS, Tgb.Nr. 35/143/43 g. vom 2. Oktober 1943
  2. Der Chef der OrdPol, Kdo I O (3) 1 Nr. 578/43 vom 2. Oktober 1943
  3. Rolf Michaelis Die Grenadier-Divisionen der Waffen-SS, II, S.179
  4. SS-FHA, Amt II Org.Abt. Ia/II, Tgb.Nr. 2940/44 g.Kdos. 7. September 1944

Siehe auch


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