Antisemitismus (bis 1945)

Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die seit etwa 1800 in Europa auftritt. Für den Nationalsozialismus war der Rassenantisemitismus zentral und führte im vom Deutschen Reich besetzten Europa bis 1945 zum Holocaust.

Zu seinen Voraussetzungen gehören der durch das Christentum begründete Antijudaismus im Mittelalter und der Antijudaismus in der Neuzeit. Zu seinen Wirkungen gehört der Antisemitismus nach 1945. Dieser ist zwar keine gesamtstaatliche Ideologie mehr, aber seine Stereotypen und Vorurteilsstrukturen bestehen in vielen Ländern und vielfältiger Form fort.[1][2]

Als Erfinder des Wortes Antisemitismus gilt der deutsche Journalist Wilhelm Marr (1879), von antisemitischen Vorurteilen sprach erstmals Moritz Steinschneider 1860 in Bezug auf die Werke von Ernest Renan.

Die internationale Antisemitismusforschung widmet sich seit 1945 der Erklärung des Phänomens.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

„Moderne“ Antisemiten betrachten Juden pseudowissenschaftlich als geschlossene Abstammungseinheit mit erblichen negativen Eigenschaften, die diese daher durch keine Assimilation, weder christliche Taufe noch „bürgerliche Verbesserung“, ablegen könnten. In Form einer Verschwörungstheorie behaupten sie einen übergroßen Einfluss der jüdischen Minderheit auf die Gesellschaft und machen sie für eine Vielzahl tatsächlich oder vermeintlich negativer Entwicklungen in Staat, Wirtschaft und Kultur verantwortlich. Dabei benutzen sie eine Reihe stets wiederkehrender Klischeevorstellungen über Juden.

Schon der mittelalterliche und frühneuzeitliche Antijudaismus diskriminierte und verfolgte Juden als fremdartiges Volk, ließ ihnen aber mit der Konversion zum Christentum stets die Integration in die herrschende Kultur offen. Der moderne Antisemitismus entstand nach der Französischen Revolution von 1789, als ältere antijüdische Vorurteile aufgrund der aufgeklärten Begründung und Durchsetzung der allgemeinen Menschenrechte zunehmend an Überzeugungskraft einbüßten. Er war durch tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche mitbedingt: Säkularisierung, Industrialisierung und die widersprüchlich verlaufene allmähliche Demokratisierung. Er reagierte auf europäische Moderne und Aufklärung und zeigte zugleich die Krise des Liberalismus an, gegen den er sich richtete.

Um den weiterwirkenden Vorurteilen gegen Juden eine scheinrationale Begründung zu geben, benutzte der Journalist Wilhelm Marr ab 1879 den Begriff Antisemitismus. Er unterstellte dem als Rasse aufgefassten Judentum einen fiktiven Semitismus, um die rechtliche Gleichstellung der Juden zu revidieren und sie aus der Gesellschaft des Deutschen Kaiserreichs auszugrenzen.

Ob dieser Antisemitismus erst damals oder schon seit 1789 entstand, ist in der Forschung umstritten. Diese Uneinigkeit hängt eng mit der Definition des Phänomens und seinem Verhältnis zu älteren Formen von Judenfeindlichkeit zusammen. Der Psychoanalytiker Ernst Simmel etwa sieht eher epocheübergreifende Kontinuitäten:[3]

„Der Antisemitismus ist sich über Jahrhunderte hin im wesentlichen gleich geblieben, auch wenn sich seit der Aufklärung seine Ausdrucksformen verändert haben, so wie die ethischen Maßstäbe und die Sozialstrukturen jeder Epoche.“

Der Historiker Olaf Blaschke stellt die Unterscheidung zwischen überkommenen religiösen und dabei antijüdisch orientierten Vorstellungen und modernen rassisch motiviertem Denken in Frage.[4] Die Historikerin Rita Botwinick sieht Antisemitismus als „modernes Wort für eine althergebrachte Bösartigkeit“ und betont wie schon Heinrich Graetz im 19. Jahrhundert die „Kontinuität des christlich motivierten Judenhasses.“ Auch Yehuda Bauer meint, der Antisemitismus könne „sein christliches Erbe nicht leugnen“.[5] Shulamit Volkow zufolge ist es „mit der Neuheit des modernen Antisemitismus nicht weit her“.[6]

Ebenfalls eine jahrhundertealte Entwicklungslinie zeichnet der Historiker Franz Wegener. Allerdings bezieht er in seiner mentalitätsgeschichtlichen Studie Kelten, Hexen, Holocaust: Menschenopfer in Deutschland die außerchristlichen Traditionen mit ein und belegt einen direkten Zusammenhang zwischen den menschlichen Brandopfern der vorchristlichen Völker, den Verbrennungen von Menschen während der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit und den Verbrennungen der NS-Opfer in den Krematorien der Konzentrationslager.[7]

Unumstritten ist die Verbreitung, Dauer und Wandlungsfähigkeit des Phänomens: In fast ganz Europa und einigen außereuropäischen Staaten, darunter den USA, gab und gibt es antisemitische Tendenzen.[8][9]

Zunächst im zaristischen Russland, seit 1879 und verstärkt seit 1918 auch in Deutschland und Österreich suchten Antisemiten eine „Lösung der Judenfrage“. Dazu gründeten sie neue politische Parteien, deren Programme bereits die Vertreibung, teilweise sogar Ausrottung der europäischen Juden forderten. Die Vernichtungsfantasien wurden in der antisemitischen Literatur als „Unschädlichmachung“, „Entjudung“, „Entfernung“, „Ausmerzung“, „Beseitigung“ umschrieben.[10] Andere brachten antisemitische Forderungen in bestehende staatstragende Parteien ein. Sie verfolgten neben der Ausgrenzung der Juden verschiedene antiaufklärerische, antidemokratische, antikapitalistische und antisozialistische Ziele, führten aber auch religiös begründete antijüdische Motive fort.

An diese Tradition konnte später der Nationalsozialismus anknüpfen. In dessen Weltanschauung war der rassistische Antisemitismus zentral. Er lieferte seit 1933 die Begründung aller judenfeindlichen Maßnahmen, die zuletzt in der Shoa gipfelten.

Voraussetzungen

Sozialökonomische Situation der jüdischen Minderheit

Hauptartikel: Jüdische Geschichte

Die Juden bildeten um 1800 in den meisten Ländern Mitteleuropas die größte nichtchristliche Minderheit. Sie gehörten überwiegend zur Unterschicht, da ihnen im Mittelalter Grunderwerb und Ackerbau, die Mitgliedschaft in Handwerkszünften und Kaufmannsgilden sowie der Aufstieg in den Adel verboten waren. Isolierung in städtischen Ghettos und die ständige Existenzbedrohung durch Pogrome kennzeichneten damals ihre Lage.

In der Frühen Neuzeit blieben Juden im Konkurrenzkampf mit Nichtjuden nur bestimmte Berufsbereiche: nichtzünftiges Handwerk, Kramhandel, Pfandleihe, Kleinkreditgewerbe, Brauwesen und Schankwirtschaften, Hausierergeschäft und reisender Landhandel. Wo sie wie in Polen im 16. Jahrhundert zeitweise eine gehobene und für den Adel unentbehrliche Stellung als Zoll- und Steuerneinnehmer, Gutspächter, Holz- und Pferdehändler erreichten, wurden sie später vom Kleinadel und aufstrebenden christlichen Bürgertum verdrängt. Nur weniger als zwei Prozent der Juden erreichte den Status von wohlhabenden und geachteten „Hofjuden“ oder Ärzten. Die Masse lebte in „Judendörfern“ oder „Judengassen“ in religiöser, rechtlicher und ökonomischer Absonderung. Ihre Begegnungen mit der übrigen Bevölkerung beschränkten sich weitgehend auf Tauschgeschäfte und Märkte.

Bis etwa 1670 hatten die meisten deutschen Städte die Juden aufs Land vertrieben. Auch im 18. Jahrhundert wurden besonders mittel- und arbeitslose Juden oft von anderen bedrückten Ständen und städtischen Kaufleuten oder wegen Versorgungskrisen vertrieben, z. B. 1745 aus Prag, 1750 aus Breslau, 1772 bis 1790 aus dem Bezirk Dresden. Dort, wo man sie duldete, beschränkte man ihre Gewerbe und Heiratsmöglichkeiten und machte das Recht zur Ansiedlung von einem Mindestvermögen abhängig. Befristete „Schutzbriefe“ von Landesherren mussten mit hohen Sondersteuern bezahlt werden.

Seit etwa 1780 wanderten viele verarmte Juden aus Osteuropa, deren Vorfahren aus Mitteleuropa vor Pogromen geflohen waren, wieder westwärts. 1804 verfügte ein Statut des Zaren, dass Juden nur noch in bestimmten Grenzgebieten siedeln durften; in den Folgejahren wurden etwa 230.000 russische Dorfjuden ausgewiesen oder zwangsumgesiedelt. Daraufhin nahmen Vertreibungen von 1800 bis 1848 auch in Preußen wieder zu. Die Folge war eine stetige Abnahme, Verkleinerung und Verelendung der verbliebenen Judengemeinden. Dies verstärkte wiederum das negative Außenbild von ihnen, das sich etwa in den Legenden vom heimatlos durch die Zeiten wandernden Ewigen Juden spiegelte.[11]

1820 lebten im deutschsprachigen Raum etwa 220.000 Juden.[12] Bis zur Reichsgründung 1871 wurden es 512.000, bis 1910 615.000. Dabei sank ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 1,25 Prozent auf knapp ein Prozent.[13]

1905 hatten 95 Prozent aller Orte im Deutschen Reich keine jüdischen Bewohner. 25 Prozent aller Juden – gegenüber 12 Prozent bei Nichtjuden – lebte in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern.[14] Große Anteile davon – um 1885: 30, um 1910: 60 Prozent – konzentrierten sich in wenigen Großstädten, besonders Berlin mit 144.000 Juden (3,7 Prozent der Gesamtbevölkerung) um 1905 und in Frankfurt am Main. In Wien lebten 175.000 (8,6 Prozent), in Budapest 204.000 (23,1 Prozent) Juden. Davon waren etwa ein Fünftel ausländischer Herkunft, meist „Ostjuden“. Diese bewohnten oft aufgrund sprachlicher und sozialer Barrieren eigene Stadtviertel oder Enklaven und waren dadurch deutlich als Minderheit sichtbar.

Die Berufsstruktur wandelte sich erheblich: Lebten um 1800 noch die weitaus meisten Juden von Not- und Kleinhandel, so fiel dieser Anteil bis 1907 auf unter zehn Prozent. 62 Prozent aller Juden arbeiteten nun im Warenhandel und Verkehrswesen (gegenüber 13 Prozent der übrigen Deutschen), 27 Prozent in Handwerk und Industrie, acht Prozent bei öffentlichen und privaten Dienstleistern, 1,6 Prozent in Land- und Forstwirtschaft. Es gab also nach wie vor fast keine jüdischen Bauern und wenige Industriearbeiter, aber viele Warenhändler. Auch der Anteil der Freiberufe – seit dem preußischen Erziehungsgesetz von 1833 als Wendung der Juden zu „Wissenschaften und Künsten“ gefördert – wuchs unter Juden überdurchschnittlich. Der Wohlstand vor allem städtischer Juden wuchs schneller als der der übrigen Deutschen, was Werner Sombart 1910 an ihren Steuerzahlungen nachwies. Auch die Zahl der von Juden geführten Großunternehmen und Banken wuchs bis 1914 an.[15]

Juden waren also einerseits stärker in Großstädten und Handelsberufen konzentriert und konnten andererseits die Emanzipation stärker für sozialen Aufstieg nutzen als andere. Die seit Jahrhunderten vorgegebenen Diskriminierungs- und Ausgrenzungsmuster hatten sich immer auch auf solche sozialen Unterschiede und Reibungsflächen bezogen. So wurden die Juden in ökonomischen Umbrüchen und Krisen verstärkt als Ursache von Konflikten wahrgenommen und fixiert. Nicht zufällig fielen die Wellen des sich verstärkenden Antisemitismus z. B. 1819, 1873, 1879 ff., 1918–24 und 1930 ff. zeitlich mit Wirtschaftskrisen zusammen.[16] Deren undurchschaute ökonomische Ursachen wurden auf eine angebliche kulturelle, politische und ökonomische Dominanz der jüdischen Minderheit zurückgeführt.

Emanzipation und Reaktion

Hauptartikel: Jüdische Emanzipation

Die Schrift des preußischen Archivars Christian Wilhelm Dohm Über die bürgerliche Verbesserung der Juden (1781) wurde einflussreiches Leitbild der Judenemanzipation. Doch um 1800 lasen und diskutierten nur wenige meist adelige Gebildete solche Schriften. Die Mehrheit behandelte Juden weiterhin als Menschen minderen Werts und Rechts und fürchtete den Verlust ihrer eigenen ständischen Privilegien. Dies wog schwerer als die Aussicht auf mehr demokratische Partizipation. Die soziale Lage änderte sich allmählich in Folge der bürgerlichen Demokratiebewegung. Dieser Prozess unterlag besonders im deutschsprachigen Raum ständigen Rückschlägen. Er war nur mit staatlichen Verordnungen durchsetzbar, die zudem traditionelle Diskriminierungen beibehielten.

Nach dem Habsburger „Toleranzpatent“ von 1781 brachte die französische Nationalversammlung den Juden 1791 erstmals in einem europäischen Staat die vollen Bürgerrechte. Sie hob damit aber auch ihre bisherige Gemeindeautonomie und Wehrdienstbefreiung auf und zwang sie so zur Assimilation. Der von Napoleon 1804 erlassene Code civil führte diese Gesetze auch in den von Frankreich eroberten deutschen Gebieten ein, u. a. dem Rheinland und Hamburg. Doch 1808 schränkte ein Dekret Napoleons die Bürgerrechte für Juden sowie deren Bewegungsfreiheit und Berufsmöglichkeiten wieder ein: Jüdische Kreditgeber mussten nachweisen, dass ihre Forderung an den Schuldner ohne „Betrug“ zustande gekommen sei, und Zinsen auf Darlehen auf fünf Prozent begrenzen; bei mehr als zehn Prozent vereinbarten Zinsen verfiel der Gesamtbetrag. Zudem durften Juden nur noch mit Vorlage eines jährlich erneuerten Leumundszeugnisses („Judeneid“) Geschäfte abschließen. Dies bedeutete für viele jüdische Händler und Kaufleute den Ruin.[17]

Bis 1812 folgten fast alle deutschen Staaten Dohms Gleichstellungsforderungen, zuletzt Preußen. Dessen Judenedikt schloss sie aber weiter vom gehobenen Staatsdienst aus und galt nur für die altpreußischen Gebiete. In den Folgejahren scheiterten Anläufe zur vollen Gleichberechtigung. Nach den Befreiungskriegen erlaubte der Wiener Kongress von 1814 den Staaten des Deutschen Bundes, Napoleons Gesetze zurückzunehmen. Daraufhin widerriefen sie ihre bisherigen Zugeständnisse. Nach den Unruhen von 1819 (s. u.) kam es sogar wieder zu Ausweisungen von Juden (Lübeck). 1822 verbot Friedrich Wilhelm III. Juden Lehrberufe in Preußen und entließ sie aus allen Staatsdiensten. Daraufhin ließen sich viele gebildete Juden für Berufschancen und gesichertes Einkommen christlich taufen: Heinrich Heine sah darin das „Entreebillet zur europäischen Kultur“.

Erst ab 1830 forderten auch liberale Demokraten die „bürgerliche Verbesserung“ von Juden und Bauern, um den Feudalismus abzuschaffen. Der deutschpatriotische Jude Gabriel Riesser kämpfte für volle Religionsfreiheit ohne diskriminierende soziale Folgen und sorgte dafür, dass die Frankfurter Nationalversammlung 1848 diese in die Grundrechte des deutschen Volkes aufnahm. Viele deutsche Staaten, die Napoleons Dekret von 1808 übernommen hatten, hoben es erst 1849 auf. Bis 1850 blieben die preußischen Berufsverbote in Kraft, sodass Juden weiterhin nur verachtete und unsichere Nischenberufe und Kleingewerbe blieben.

Nach dem Herzogtum Baden (1862), der Stadt Frankfurt am Main (1864), der Österreich-Ungarischen Monarchie (1867) und dem Norddeutschen Bund (1869) wurde den Juden die volle Gleichberechtigung im Kaiserreich 1871 gesetzlich zugestanden.[18]

Frühantisemitismus

Aufklärung, Idealismus und Romantik

Naturwissenschaftlicher und sozialer Fortschritt veränderten seit dem Westfälischen Frieden von 1648 allmählich die Einstellung zur jüdischen Minderheit. Aus dem Naturrecht leitete aufgeklärte Philosophie die Gleichberechtigung aller Bürger ab. Als deren Bedingung bzw. Ziel galt die Überwindung des irrationalen Aberglaubens von Antijudaismus ebenso wie „Judaismus“. Damit drängte das aufstrebende Bürgertum den kirchlichen Einfluss auf die Gesellschaft zurück, übernahm aber zugleich einen Großteil der tradierten antijüdischen Denk- und Verhaltensmuster.

Schon die englischen Deisten bekämpften den Offenbarungs- und Wunderglauben des Judentums, hauptsächlich um so das orthodoxe Christentum zu unterhöhlen. Auch Voltaire (1694–1778) lehnte beide Religionen von Grund auf ab. Er geißelte Juden in seinem Werk wiederholt u. a. als „betrügerische Wucherer“, „diebische Geldverleiher“, „Abschaum der Menschheit“ mit angeborenen negativen Eigenschaften. Trotzdem verteidigte er auch ihre Gewissensfreiheit und protestierte gegen damalige religiöse Verfolgungen.

Diderot (1713–1784) dagegen glaubte an die soziale Bedingtheit und damit Veränderbarkeit aller Religiosität. Mit seinem Enzyklopädie-Projekt wollte er auch zur Überwindung des jüdisch-christlichen religiösen „Wahns“ beitragen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) schrieb, „der Jude“ sei „ein unersättlicher, habgieriger Betrüger, besessen von einem skrupellosen Handels- und Schachergeist“, amoralisch, gerissen, hinterhältig und schmarotzerhaft. Er halte sich für viel zu intelligent, sei aber „ausgesprochen anpassungsfähig, nutzlos und schädlich für die Umwelt“, ein Beispiel des Bösen und Minderwertigen. Er verglich Juden in seinen Sudelbüchern öfter mit Sperlingen, die damals als schlimme Flurschädlinge galten und massenhaft bekämpft wurden. Andererseits trat er für befreundete Juden ein.

Auch Immanuel Kant (1724–1804) nannte Juden „Vampyre der Gesellschaft“, die „durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil in den nicht unbegründeten Ruf des Betruges… gekommen“ seien.[19] Obwohl er biblische Grundgedanken der Tora in seinem Sittengesetz vernunftgemäß entfaltete und die rabbinischen Traditionen kaum kannte, hielt er das Christentum für sittlich überlegen, grenzte es scharf gegen das Judentum ab, verlangte von Juden die Abkehr von biblischen Ritualgesetzen und ein öffentliches Bekenntnis zur ethischen Vernunftreligion. Erst dann könnten sie Anteil an allen Bürgerrechten erhalten.

Dabei zählte er Juden zu seinen besten Freunden; ebenso Johann Wolfgang von Goethe. Dieser ließ seinen Wilhelm Meister sagen: „[…] dulden wir keinen Juden unter uns; denn wie sollten wir ihm den Anteil an der höchsten Kultur vergönnen, deren Ursprung und Herkommen er verleugnet.“ Dies zitierten Antisemiten wie Houston Stewart Chamberlain später als Goethes Eigenansicht.

Johann Gottfried Herder (1744–1803) hielt die Juden für „verdorben“, „ehrlos“ und „amoralisch“, aber durch Erziehung zu bessern. Er deutete ihre Diaspora-Situation als Unfähigkeit zu einem eigenen Staatsleben und prägte den oft zitierten Satz: Juden seien seit Jahrtausenden eine parasitische Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen.[20] Er forderte die Abkehr von ihrer Religion als Voraussetzung für ihre nationale und kulturelle Integration.

John Toland (1670–1722), englischer Freidenker, sprach sich als Erster ausdrücklich für eine rechtlich-kulturelle jüdische Emanzipation aus. In Deutschland kämpfte vor allem Moses Mendelssohn (1729–1786) für die Anerkennung seiner Religion, die er zugleich von innen liberalisieren und über sich selbst aufklären wollte (Haskala). Sein Freund Gotthold Ephraim Lessing (1729–1782) rief 1749 in seinem Lustspiel Die Juden dazu auf, die anachronistischen Vorurteile gegen sie aufzugeben. In seinem Drama Nathan der Weise (1779) forderte er die gegenseitige Toleranz der drei monotheistischen Religionen, deren subjektive „Wahrheit“ objektiv unbeweisbar sei. Die Hauptfigur trägt Mendelssohns Züge und setzte ihm ein Denkmal. Lessing glaubte an die Aufhebung jedes religiösen Aberglaubens durch humanen Fortschritt und die pädagogische Erziehung des Menschengeschlechts (1781); auch den „jüdischen Kinderglauben“ an Tora und Talmud wollte er damit „überwinden“.

Von den wichtigen Theoretikern der Aufklärung erkannte nur Montesquieu (1689–1755) das Judentum in seiner Eigenart an.

Johann Gottlieb Fichte (1762–1814) war ein entschiedener Judengegner. Er schrieb 1793 in seinem vielzitierten Beitrag zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution:[21]

„Juden Bürgerrecht zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel als das, in einer Nacht ihnen alle die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein ander Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie alle dahin zu schicken.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) widersprach zwar der volkstümelnden Romantik, sah Juden aber auch nur als Verkörperung der Entzweiung und materiellen Knechtschaft im Gegensatz zur griechisch-platonischen Freiheit des Geistes:[22]

„Der Löwe hat nicht Raum in einer Nuss, der unendliche Geist nicht Raum in dem Kerker einer Judenseele.“

In der „Phänomenologie des Geistes“ schrieb Hegel:[23]

„Das Schicksal des jüdischen Volkes ist das Schicksal Macbeths, der aus der Natur selbst trat, sich an fremde Wesen hing und so in ihrem Dienste alles Heilige der menschlichen Natur zertreten und ermordet, von seinen Göttern endlich verlassen und an seinem Glauben selbst zerschmettert werden musste.“

Clemens Brentano (1778–1842) zeigte 1811 seine Verachtung der Juden in der Satire Der Philister vor, in und nach der Geschichte für die Berliner Christlich-deutsche Tischgesellschaft:[24]

„Die Juden, als von welchen noch viele Exemplare in persona vorrätig, die von jeder ihren zwölf Stämmen für die Kreuzigung des Herrn anhängenden Schmach Zeugnis geben können, will ich gar nicht berühren, da jeder der sich ein Kabinett zu sammeln begierig, nicht weit nach ihnen zu botanisieren braucht; er kann diese von den ägyptischen Plagen übriggebliebenen Fliegen in seiner Kammer mit alten Kleidern, an seinem Teetische mit Theaterzetteln, und ästhetischem Geschwätz, auf der Börse mit Pfandbriefen und überall mit Ekel und Humanität und Aufklärung, Hasenpelzen und Weißfischen genugsam einfangen.“

Dieser Haltung widersprach Friedrich Schlegel (1772–1829) und verwies 1815 darauf, dass Juden alle bürgerlichen Pflichten, besonders den Kriegsdienst, erfüllt hätten und man ihnen deshalb nicht länger die Bürgerrechte verwehren könne.

Anti-napoleonischer Nationalismus

Am Vorabend der Französischen Revolution definierte Emmanuel-Joseph Sieyès in seiner einflussreichen Kampfschrift Was ist der Dritte Stand den Begriff der Nation als Gesamtheit aller Bürgerlichen im Gegensatz zu den privilegierten Ständen von Adel und Klerus. Für die Pariser Revolutionäre von 1789 galten für alle Landesbewohner die gleichen Menschenrechte. Zur Nation konnte jeder gehören, der sich zu den Prinzipien Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bekannte.

Auf diese demokratische Definition reagierten andere Staaten wegen und nach der französischen Besetzung mit einer ethnischen, exklusiven Auffassung von Volk und Nation als einer „Abstammungsgemeinschaft“. Diese grenzte sich nicht gegen die privilegierten Stände, sondern gegen die Franzosen und alle Fremden ab, besonders die Juden.

In Deutschland sahen viele den angestrebten deutschen Nationalstaat schon vor 1848 als „Organismus“ und verbanden mit diesem biologischen Sprachbild oft Kritik an „Volksschädlingen“ und unproduktiven „Schmarotzern“. Diese Verachtung bezog sich wie auf die „Wucherer“ im Mittelalter weiterhin vor allem auf Juden.

So forderte der Berliner Justizrat Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer zu Beginn der preußischen Emanzipationsdebatte 1791 ihre Vertreibung. Seine Schrift Über die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden löste heftige Debatten in Berlin aus. Weitere Hassschriften Grattenauers folgten (u. a. 1803: Wider die Juden), bis der Staat diese verbot.

Der Berliner Schriftsteller Friedrich Buchholz warnte 1803 (Jesus und Moses) vor der langwierigen „bürgerlichen Verbesserung“ der Juden und bedauerte, dass man sie zu seiner Zeit nicht mehr vertreiben könne. Gleichwohl erörterte er diese Möglichkeit öffentlich ausführlich. Sie blieb ständiges Drohmittel, um die Assimilation der Juden zu beschleunigen und ihre Religion möglichst bald verschwinden zu lassen.[25]

Auch der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi, der „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn und der Völkerkundler Ernst Moritz Arndt waren Nationalisten und Judenfeinde, deren Ideen vom deutschen Volkstum rassistische Antisemiten später aufgriffen. So schrieb Arndt zur Westwanderung russischer und polnischer Juden:[26]

„Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, dass sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche. […] Ein gütiger und gerechter Herrscher fürchtet das Fremde und Entartete, welches durch unaufhörlichen Zufluß und Beimischung die reinen und herrlichen Keime seines edlen Volkes vergiften und verderben kann. Da nun aus allen Gegenden Europas die bedrängten Juden zu dem Mittelpunkt desselben, zu Deutschland, hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese verderbliche Überschwemmung vorzüglich von Osten her nämlich aus Polen droht, so ergeht das unwiderrufliche Gesetz, dass unter keinem Vorwande und mit keiner Ausnahme fremde Juden je in Deutschland aufgenommen werden dürfen, und wenn sie beweisen können, dass sie Millionenschätze bringen.“

Während die meisten Regierungen Juden im Interesse aller Bürger langfristig integrieren wollten, ließen Provinzstädte ihre Vertreibung weiterhin oft zu. Dazu aktivierten gebildete Frühantisemiten gern „Volkes Stimme“. Der Völkerkundler Friedrich Rühs (1781–1820) z. B. schrieb in einem antijüdischen Traktat 1816: Könne man die Juden nicht zur Taufe bewegen, dann bleibe nur ihre Ausrottung.[27] Dem stimmte der Philosoph Jakob Friedrich Fries zu:[28] Fragt doch einmal Mann vor Mann herum, ob nicht jeder Bauer, jeder Bürger sie als Volksverderber und Brotdiebe haßt und verflucht. Die „Gesellschaft prellsüchtiger Trödler und Händler“ müsse ihre betrügerische Tätigkeit aufgeben oder der Staat müsse sie dazu zwingen, da andernfalls ihre gewaltsame Vertreibung unausweichlich sei. Er forderte, sich von der „jüdischen Pest“ zu befreien.

Fries rief die bei der Gründung der Urburschenschaft auf dem Wartburgfest 1817 anwesenden Studenten zu einer Bücherverbrennung auf. Dabei wurde auch die Schrift Germanomanie des jüdischen Autors Saul Ascher, die den deutschnationalen Verfolgungswahn kritisierte, mit dem Ruf Wehe über die Juden! ins Feuer geworfen.

Heinrich Heine schrieb 1821 in seiner Tragödie „Almansor“ seine oft zitierte, jedoch nicht auf das Wartburgfest 1817 bezogene Vorhersage:

„Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Zur Bücherverbrennung auf dem Wartburgfest äußerte er sich 1840 wie folgt:[29]

„Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen!“

Kriminalrat Christian Ludwig Paalzow schrieb 1817 einen Dialogroman Helm und Schild, der die Argumente für und wider das jüdische Bürgerrecht auf einen Juden (Helm) und einen Christen (Schild) verteilte und letzteren rhetorisch siegen ließ. Er verwies im Munde Schilds auf die angeblich zu starke Vermehrung, politische Unzuverlässigkeit und Neigung zur Rebellion der Juden aufgrund ihres Messiasglaubens. Ihre Gewerbefreiheit werde ihnen die ökonomische Macht über die Mehrheit zufallen lassen. Daher müsse man sie rechtzeitig vertreiben, wenn sie nicht freiwillig gingen. Der Schaden durch ihren Verlust sei geringer als der Nutzen, sie los zu sein.

1821 veröffentlichte Hartwig von Hundt-Radowsky den Judenspiegel. Darin propagierte er u. a. den Verkauf jüdischer Kinder als Sklaven an die Engländer, um weitere jüdische Nachkommen zu verhindern, und zuletzt Ausrottung und Vertreibung aller Juden. Auch Heinrich Eugen Marcard forderte 1843 in Minden mit einer Petition ihre „Vertilgung“. Hermann von Scharff-Scharffenstein schrieb 1851 in seiner Schrift Ein Blick in das gefährliche Treiben der Judensippschaft:[30]

„Das aber bildet eben den Grundcharakter dieser Nation, daß sie allem eigenen und fremden Staatsleben sich feindlich entgegenstellen und wie Parasiten an alle Völker sich anklammern, ohne diesen anders zu lohnen, als indem sie dieselben zu Grunde richten…Die Juden wollen die Herrschaft über Deutschland, ja über die ganze Welt erlangen. Deshalb werden sie nicht gehen, denn ‚hier‘ können sie wie Vampyre das Blut der Christen saugen und in Palästina finden sie keine.“

Wie viele andere Autoren verwendete er die Tiermetaphern der Spinne, die ihr Netz um die Welt spinnt, des Blutegels oder der gefräßigen Heuschrecken für Juden.

Seit 1830 kamen Aversionen gegen gebildete, meist konvertierte jüdische Schriftsteller und Künstler dazu, deren angebliche „Charaktermängel“ und fehlende „nationale Volkskunst“ sie zu einfallslosem Plagiatoren- und Epigonentum zwinge.[31] So schrieb Richard Wagner gegen die als Konkurrenten empfundenen Komponisten Felix Mendelssohn und Giacomo Meyerbeer:[32]

„Eine Sprache, ihr Ausdruck und ihre Fortbildung, ist nicht das Werk einzelner, sondern einer geschichtlichen Gemeinsamkeit: Nur wer unbewußt in dieser Gemeinschaft aufgewachsen ist, nimmt auch an ihren Schöpfungen teil.“

Der Gymnasiallehrer Eduard Meyer schrieb gegen Ludwig Börne:[33]

„Börne ist Jude wie Heine, wie Saphir. Getauft oder nicht, das ist dasselbe. Wir hassen nicht den Glauben der Juden, wie sie uns glauben machen möchten, sondern die häßlichen Besonderheiten dieser Asiaten, die nicht mit der Taufe abgelegt werden können: die häufig auftretende Schamlosigkeit und Arroganz bei ihnen, die Unanständigkeit und Frivolität, ihre vorlautes Wesen und ihre häufig schlechte Grundeigenschaft.“

Er forderte Börne auf, sich nicht Deutscher zu nennen, da nicht der Geburtsort, sondern die „deutsche Gesinnung und Vaterlandsliebe“ darüber befinde und diese ihm fehle.

1803 bis 1805, 1812 bis 1819 sowie seit 1848 waren solche Schriften in der akademischen Literatur besonders verbreitet. Sie setzten die mittelalterliche Tradition antijüdischer Hetzschriften im aufgeklärten, kirchenfernen Bürgertum fort und etablierten die Ressentiments, Abgrenzungs-, Deportations- und Vernichtungsrhetorik etwa 100 Jahre lang im öffentlichen Diskurs, bevor der Rassebegriff für Juden aufkam.

Frühsozialismus und Anarchismus

Antisemitismus war zwar eng mit dem Aufkommen des Nationalismus verbunden, blieb aber keineswegs auf diesen beschränkt. Der israelische Historiker Edmund Silberner sieht „eine lange antisemitische Tradition im modernen Sozialismus“, die über die Feindbilder der Frühsozialisten bis zu rassenantisemitischen Vorstellungen französischer Sozialisten um die Jahrhundertwende nachweisbar sei.[34] So trifft man auch bei manchen Junghegelianern, Religionskritikern und Frühsozialisten Aussagen an, die wie schon im Deismus mit dem überkommenen Christentum zugleich gegen das Judentum gerichtet waren und auf deren Auflösung zielten. Am bekanntesten wurde der Streit zwischen Moses Hess und Bruno Bauer, den Karl Marx 1844 in seinem Aufsatz Zur Judenfrage dokumentierte. Marx setzte Kapitalismus mit Geldherrschaft und diese mit dem Judentum in eins. Der „Schacher“ erschien ihm als „der weltliche Kultus des Juden“ und als das „Wesen des Judentums“. Ludwig Feuerbach ordnete den jüdischen Glauben moralisch noch unter dem Polytheismus stehend ein und setzte ihn mit Egoismus gleich:[35]

„Ihr Prinzip, ihr Gott ist das praktischste Prinzip der Welt – der Egoismus, und zwar der Egoismus in der Form der Religion.“

Einige Frühsozialisten setzten Juden und Kapitalisten gleich.[36] Pierre Leroux z. B. bezeichnete die Juden als „Verkörperung des Mammons“. Eine Versammlung Wiener Zunfthandwerker beschloss am 27. März 1848, „daß kein Arbeiter mehr bei einem jüdischen Fabriksbesitzer in Arbeit treten dürfe; jeder dawider Handelnde wird von der Innung ausgeschlossen. Der Grund liegt darin, daß der israelitische Fabrikant soviel als möglich drückt und schlecht bezahlt“.

Antisemitismus gab es auch in der nicht-marxistischen Linken, der Anarchist Pierre-Joseph Proudhon etwa schrieb: „Der Jude besitzt ein gegen die Produktion eingestelltes Temperament; er ist weder Ackerbauer noch Gewerbetreibender, nicht einmal wirklicher Kaufmann. Er ist stets betrügerischer und parasitärer Vermittler [...]. Seine Politik in der Wirtschaft ist völlig negativ; er ist das böse Prinzip, nämlich Satan und Ahriman, der in der Rasse Sems Gestalt angenommen hat.“ Juden sah Proudhon als „Feinde der Menschheit, die man nach Asien zurückschicken sollte“. Der Anarchist Bakunin schrieb in „Persönliche Beziehungen zu Marx“ 1871:[37]

„Nun diese ganze jüdische Welt, die eine ausbeuterische Sekte, ein Blutegelvolk, einen einzigen fressenden Parasiten bildet, eng und intim nicht nur über die Staatsgrenzen hin, sondern auch für alle Verschiedenheiten der politischen Meinungen hinweg, – diese jüdische Welt steht heute zum großen Teil einerseits Marx, andererseits Rothschild zur Verfügung.“

Deutschland

Antijüdische Krawalle vor der Reichsgründung

Die Reaktionen im Volk auf bürgerliche Emanzipation und intellektuelle Judenaversion ließen nicht lange auf sich warten. Im August 1819 breitete sich mit den Hep-Hep-Unruhen eine gewaltsame Krawallserie von deutschen Großstädten bis Kopenhagen und Amsterdam aus. Politisch und ökonomisch unzufriedene Handwerker, Bauern und Studenten gaben die Schuld an den Problemen der frühkapitalistischen Industrialisierung den Juden. Sie plünderten und zerstörten deren Häuser und Geschäfte, steckten Synagogen in Brand und misshandelten Juden mit dem Kampfruf:

„Nun auf zur Rache! Unser Kampfgeschrei sei Hepp, Hepp, Hepp! Allen Juden Tod und Verderben, ihr müsst fliehen oder sterben!“

„Hep“ wurde als Anspielung auf den Kreuzfahrer-Ruf Hierysalem est perdita („Jerusalem ist verloren“) oder Tieranruf („Springt, haut ab“) gedeutet. In Flugblättern und Parolen der Krawallanten wurden Juden als „Christusmörder“ angegriffen. Die von aufgeklärten Ideen inspirierte jüdische Emanzipation wurde also nicht von der Masse der Bevölkerung getragen.

Auch in den Folgejahrzehnten gab es vielerorts Gewalttaten gegen Juden, teils als Begleitung des allgemeinen antifeudalen Protestes und revolutionärer Stimmungen, teils in Krisensituationen oder aus alten religiösen Motiven. In Hamburg wurden Juden 1830 und 1835 wie schon 1819 vom Jungfernstieg vertrieben. Angeregt durch Sensationsberichte über die Damaskusaffäre 1840 lebte auch die Ritualmordlegende wieder auf und führte in einigen Orten – u. a. Geseke, Oettingen, Thalmässing – zu teilweise monatelangen Ausschreitungen gegen Juden. Dabei wurden erneut Hetzrufe wie „Hepp, Hepp, Jude verreck!“ und „Schlagt die Juden tot!“ laut. In Mannheim führte ein Regierungsbeschluss, eine Judenpetition für Gleichstellung zuzulassen, zu Krawallen gegen Juden der Stadt. 1848 zerstörten Bauerngruppen in Leiningen im Taubertal Wohnungen von Juden, die sie als Gläubiger ansahen. In Baisingen verjagten bewaffnete Bauernknechte jüdische Bewohner mit dem Ruf „Geld oder Tod!“ aus ihren Häusern und nötigten vorübergehend 230 Juden des Ortes zur Flucht. Sie versuchten, die Gemeinderäte zu erpressen, den Juden das Bürgerrecht zu nehmen, das die Allmende-Nutzung einschloss.

Im Verlauf der Märzrevolution 1848/49 kam es besonders in süd- und ostdeutschen Regionen und etwa 80 Städten, darunter Berlin, Köln, Prag und Wien, zu schweren antijüdischen Exzessen. Neben Zerstörung von Kreditbriefen und Schuldenakten wurden dabei immer wieder Vernichtungsdrohungen laut, sowohl von Seiten aufständischer Bauern wie antirevolutionärer Bürger. Beide gaben den Juden für Not und Revolution die Schuld.[38]

Sozialdarwinismus und Rassismus

Das kirchliche Mittelalter hatte Juden prinzipiell eine jenseitige Erlösung offengehalten, die sie durch die Taufe schon in diesem Leben erreichen konnten. Deshalb wurden jüdische Gemeinden zeitweise geduldet und von manchen Päpsten und Kaisern ausdrücklich geschützt. Freiwillig getaufte Juden waren vor weiterer Verfolgung meist relativ sicher. Nur bei Zwangstaufen behielten andere Christen Vorbehalte gegen sie: besonders in Spanien. Nach der Massenvertreibung der spanischen Juden durch das Alhambra-Edikt von 1492 verfolgte die spanische Inquisition die im Land gebliebenen „Conversos“ als „Schweine“ (marranos) und begründete dies mit dem rassistischen Ideal der „Reinheit des Blutes“ (limpieza de sangre).

Dieses Muster wiederholte sich im 19. Jahrhundert gegen die Judenemanzipation. Schon 1790 entwickelte der Göttinger Popularphilosoph Christoph Meiners (1747–1810) ein Rangsystem der Rassen, das Juden zwar über „Orang-Utans“, „Negern“, „Finnen“ (Lappen) und „Mongolen“ einstufte, aber unter Weißen und Christen. Deshalb stünden ihnen weniger Rechte als diesen zu. Seit Ernest Renan wurde es zunehmend üblich, Juden als „Semiten“ einen Mangel an Zivilisiertheit nachzusagen. Frühe Antisemiten wie Grattenauer und Hartwig von Hundt-Radowsky beschrieben Juden direkt als Affen, um ihnen die Menschenrechte abzusprechen und ihren Emanzipationsprozess, ihr Streben nach Bildung und Aufklärung als von vornherein lächerlich und illusorisch abzuwerten.[39]

1853 unterschied Arthur de Gobineau mit dem Aufsatz Die Ungleichheit der Rassen Arier von angeblich minderwertigen semitischen und negriden Rassen. 1858 begründete Charles Darwins Aufsatz Über die Entstehung der Arten die Evolutionstheorie und moderne Genetik mit den Prinzipien Variation, Vererbung und Selektion: Der „Kampf ums Dasein“ führe zu einer Auslese der dem Überleben angepasstesten Arten. Dies übertrugen Rassisten auf die Völkergeschichte: Sie sei als ewiger Kampf zwischen höheren und niedrigeren Rassen zu deuten. Das ermöglichte Antisemiten, die „Judenfrage“ mit pseudobiologischen Argumenten als Rassenproblem zu propagieren.

So schrieb der österreichische Kulturhistoriker Friedrich von Hellwald (1842–1892) 1872 in einem Zeitungsartikel, Juden seien aus Asien eingewanderte Fremdrassige; dies würden Europäer „instinktiv“ spüren. Das sogenannte Vorurteil gegen Juden sei also durch zivilisatorischen Fortschritt nie zu überwinden. Als Kosmopolit sei der Jude dem „ehrlichen Arier“ an Schläue überlegen. Von Osteuropa aus grabe er sich als Krebsgeschwür in die übrigen europäischen Völker ein. Ausbeutung des Volkes sei sein einziges Ziel. Egoismus und Feigheit seien seine Haupteigenschaften; Selbstaufopferung und Patriotismus seien ihm völlig fremd.

Nach der rechtlichen Gleichstellung der Juden überhöhten Antisemiten den rassischen zum welthistorischen Gegensatz: „Arier“ galten als zur Weltherrschaft berufen, „Semiten“ als ihre zur Unterlegenheit bestimmten Konkurrenten, die gleichwohl zur Zeit noch über die Arier herrschten. Der Nationalökonom Karl Eugen Dühring (1833–1921) begründete dies mit seinem populären Buch Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Culturfrage (1881), das eine Art Bibel für Antisemiten wurde. Er erklärte die „Selbstsucht“ und „Machtgier“ der Juden als unveränderbare Erbanlage und verband damit antichristliche und antikapitalistische Motive: Die Bibel sei eine vom „Asiatismus“ durchtränkte Religionsurkunde. Juden seien „Drahtzieher“ der Krisenphänomene und sozialen Missstände der Industrialisierung. Als einer der Ersten sprach er von einer „Endlösung“. Da diese vorläufig nicht möglich sei, solle man die Juden wieder in Ghettos zwingen und dort überwachen.[40] Ziel aber bleibe:[41]

„Der unter dem kühlen nordischen Himmel gereifte nordische Mensch hat die Pflicht, die parasitären Rassen auszurotten, wie man eben Giftschlangen und wilde Raubtiere ausrotten muss!“

Diese seit dem Mittelalter bekannten Sprachbilder der Entmenschlichung passten die Antisemiten der wissenschaftlichen Sprache der Bakteriologie, Mimikry-Theorie und Rassenlehre an. Juden wurden immer mehr nicht nur mit Blutsaugern, Krebsgeschwüren, Schmarotzern, Seuchen, Ungeziefer, Volksschädlingen, wuchernden Schlingpflanzen usw. verglichen, sondern identifiziert. Stand im mittelalterlichen Aberglauben hinter ihnen der Teufel, also eine letztlich unbesiegbare dämonische Macht, so wurde es mit dem medizinisch-technischen Fortschritt denkbar, sich dieser „menschlichen Viren“ radikal zu entledigen.[42]

Das verschloss Juden jede Möglichkeit, sich sozial anzupassen. Denn auch getaufte Juden blieben nun Juden, die von Vorfahren mit jüdischer Religion abstammten, egal ob und wie lange ihre Vorfahren schon Christen waren. Damit war die Religionszugehörigkeit für Antisemiten nur noch als pseudobiologisches Merkmal wichtig, das Judesein zum unentrinnbaren Schicksal machte. Die Juden zugeordneten negativen Erbanlagen erschienen durch keinerlei Erziehung, Bildung, Integration und Emanzipation veränderbar. So wurde ihre völlige Vertreibung oder Vernichtung in ganz Europa als einzig realistische „Lösung der Judenfrage“ nahegelegt.

Der Rassismus untermauerte auch sonst die Ablehnung fremder Völker nach außen und ethnischer oder anderer Minderheiten nach innen. So wuchs parallel zum Antisemitismus in ganz Europa die Fremdenfeindlichkeit. In Deutschland richtete sich diese z. B. gegen „Zigeuner“ oder Sorben.

Darwin distanzierte sich 1880 von diesem politischen Missbrauch seiner Theorien. Nach seinem Tod 1882 wurden diese jedoch immer stärker rassistisch umgedeutet. Man redete nun von der „Zersetzungskraft jüdischen Blutes“ und zählte auch „Halb“- oder „Viertel“-Juden zum Judentum, während die „arische Rasse“ immer stärker zur einheitsstiftenden Idee wurde. Deren „Notwehr“ gegen die Juden wurde als Naturgesetz dargestellt. Damit wurde das Recht des Stärkeren gegenüber Natur- und Menschenrecht deterministisch legitimiert. So forderte z. B. Paul de Lagarde (1827–1891) in Juden und Indogermanen 1887 die Einheit von „Rasse und Volk“ unter Ausschluss des Judentums. Er beklagte, dass in Berlin mehr Juden lebten als in Palästina, und forderte, „dies wuchernde Ungeziefer zu zertreten“:[43]

„Mit Trichinen und Bacillen wird nicht verhandelt, Trichinen und Bacillen werden auch nicht erzogen, sie werden so rasch und so gründlich wie möglich vernichtet.“

1899 forderte Houston Stewart Chamberlain (1855–1927) in seinem Buch Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts als Erster die „Reinheit der arischen Rasse“ gegen „Vermischung“. Das Buch las Kaiser Wilhelm II. persönlich seinen Kindern vor und empfahl es als Lehrstoff für die Kadettenschulen.

In den 1920er Jahren erreichte die Massenproduktion rassistischer und antisemitischer Traktate, Bücher und Neuauflagen neue Höhepunkte. In Deutschland wurden z. B. die Schriften von Hans F. K. Günther populär: Rassenkunde des deutschen Volkes (München 1922, 16. Auflage 1933), Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes (München 1929) und Rassenkunde des jüdischen Volkes (München 1930).

Die Bedeutung des rassistischen Antisemitismus wird verschieden beurteilt. Manche Historiker sehen in den Rassenlehren jene Steigerung des überkommenen Judenhasses, die den Nationalsozialismus vorbereiteten. Andere, etwa Mark Weitzmann vom Simon Wiesenthal Center, betonen, sie hätten dem bestehenden Antijudaismus nur einen „rassistischen und wissenschaftlichen Glanz“ hinzugefügt.

Etablierung im Kaiserreich (1871–1883)

Nach der Reichsgründung von 1871 sollte der Patriotismus die zerrissene bürgerlich-liberale Gesellschaft einen. Im Gründerkrach 1873 und den folgenden wirtschaftlichen Auf- und Abschwüngen (→ Große Depression (1873–1896)) verloren viele Bauern, Händler und Bürger ihre Ersparnisse und Firmen, während Großindustrie und Bankiers Verluste besser auffangen konnten. Da sich unter letzteren relativ viele Juden befanden, machte der abstiegsbedrohte Mittelstand diese insgesamt für Wirtschaftskrise und Pleitewelle verantwortlich. Nun machten viele neu gebildete Vereine Antisemitismus zu ihrem Programm.

Damals begann Wilhelm Marr seine antisemitische Publizistik. Otto Glagau (1834–1892) argumentierte eher ökonomisch in einer vielgelesenen Artikelserie in der Gartenlaube (1874), dann mit Schriften über den angeblichen Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin (1875) und Bankerott des Nationalliberalismus und die ‚Reaktion‘ (1878). Beide mobilisierten dabei auch überkommene christliche Vorurteile gegen Juden.

Adolf Stoecker (1835–1909), protestantischer Hofprediger in Berlin, gründete 1878 die "Christlich-soziale Arbeiterpartei", die sich 1881 als "Christlich-soziale Partei" und eigenständige Strömung der Deutschkonservativen Partei anschloss. Sie fand weit mehr Anhänger im ökonomisch bedrohten Kleinbürgertum und Mittelstand als unter den ursprünglich angesprochenen Arbeitern. Stoecker positionierte seine Partei nun zunehmend antisemitisch. Mit seiner Rede Unsere Forderungen an das moderne Judentum vom September 1879 forderte er die Begrenzung des vermeintlichen jüdischen Einflusses auf die Politik. Diese Agitation war ein Hauptgrund für seine rasch wachsende Popularität. Seine öffentliche Aussagen als Reichstagmitglied verurteilten "die Juden" zugleich als Erz-Kapitalisten als auch als antikapitalistische Revolutionäre. Wirtschaft wie Arbeiterbewegung seien in gleicher Weise "verjudet". Stoecker konstruierte den sozialen Hauptkonflikt seiner Zeit antisemitisch in einen ethnischen Antagonismus um - hier aufbauende deutsche Volksgemeinschaft, dort fremdvölkische/fremdrassische und zerstörerische jüdische Minderheit.[44]

1879 gilt als Geburtsjahr des „modernen“ Antisemitismus, in dem sich deutschnationale, antiliberale, antikapitalistische und rassistische Motive verknüpften und im Bürgertum reichsweit gesellschaftsfähig wurden.[45] Damals erreichte Marrs Buch Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum 12 Auflagen. Daraufhin gründete er die „Antisemitenliga“ als erste deutsche Gruppe, die die Vertreibung aller Juden aus Deutschland anstrebte. Dazu gab Marr 14-täglich das Blatt Deutsche Wacht heraus. Kurz zuvor hatte ein Aufsatz des angesehenen Historikers Heinrich von Treitschke (1834–1896) den zwei Jahre anhaltenden Berliner Antisemitismusstreit ausgelöst. Treitschke unterstützte Stoeckers Forderungen und prägte den Satz Die Juden sind unser Unglück, der später Untertitel des nationalsozialistischen Stürmer wurde. Der Althistoriker Theodor Mommsen (1817–1903) kritisierte diese antiliberale Judenfeindschaft 1880 scharf und erreichte mit einer von ihm initiierten Notabeln-Erklärung, Treitschke an der Humboldt-Universität zu Berlin zu isolieren. Doch Antisemitismus war nun auch als „wissenschaftliches“ Thema etabliert.

Die insbesondere Anfang der 1880er Jahre vielfach ins Leben gerufenen Tierschutzvereine sprachen sich sowohl gegen die rituelle Schächtung wie gegen Tierversuche aus, die sie als Ausdruck ein und derselben „jüdischen Medizin“ sahen und wurden von Berühmtheiten wie etwa Richard Wagner[46] in gleichem Sinne unterstützt. Während im Kaiserreich Tierschutz eher ignoriert und eine tierschutzfreundliche Gesetzgebung verweigert wurde, nahmen sich die Nationalsozialisten des Themas später mit hoher Priorität und klar antisemitischen Vorzeichen an.[47] Dies erschwert den Umgang mit eigenen tierschutzspezifischen Traditionen im deutschen Judentum [48] bis heute.

Eine im Sommer 1880 von Max Liebermann von Sonnenberg, Bernhard Förster u. a. initiierte „Antisemitenpetition“ forderte u. a. eine Sondersteuer für Juden, ihren Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern und ein Verbot jüdischer Einwanderung nach Deutschland. Viele Studentenausschüsse warben für die Petition an den Universitäten. Daraus gingen die Vereine Deutscher Studenten hervor, die sich 1881 im Kyffhäuserverband vereinten. Auch Marr und Stoecker mobilisierten ihre Anhänger in der Berliner Bewegung für die Petition. Um die 250.000 Bürger unterzeichneten sie. Im April 1882 übergab Sonnenberg die Unterschriften im Reichstag; Reichskanzler Otto von Bismarck ignorierte die Forderungen jedoch.

Der Lehrer Ernst Henrici warb 1880 reichsweit mit antisemitischen Hetzreden um Wähler für seine Soziale Reichspartei. Der unaufgeklärte Synagogenbrand vom 18. Februar 1881 in Neustettin folgte auf eine seiner Reden.[49] 1881 gründete Sonnenberg den patriotisch-konservativen Deutschen Volksverein sowie die Deutsche Volkszeitung, die das Schlagwort „Antisemitismus“ in ganz Deutschland verbreiteten.

Der Lokalpolitiker Alexander Pinkert gründete in Dresden 1879 den antisemitischen Deutschen Reformverein, dem bis 1885 in 139 Städten ähnliche lokale Vereine folgten. Daraus ging 1881 die Deutsche Reformpartei hervor. 1882 berief Pinkert den ersten „Internationalen antijüdischen Kongress“ nach Dresden ein. Dort versuchten etwa 400 Vertreter antisemitischer Gruppen vor allem aus Deutschland und dem Habsburgerreich, gemeinsame Ziele zu finden. Dies misslang, sodass das abschließende Manifest an die Regierungen und Völker der durch das Judenthum gefährdeten christlichen Staaten keine konkreten politischen Forderungen erhob. Der zweite Antisemitenkongress 1883 in Chemnitz brachte ebenfalls keine konkreten Ergebnisse und keine Einigung zwischen gemäßigten Sozialkonservativen und Rasseantisemiten.

Vordringen in Publizistik und Parteipolitik (1884–1893)

Theodor Fritsch (1852–1933) versuchte 1884, die zerstrittenen Antisemiten in seiner Deutschen Antisemitischen Vereinigung zu sammeln. 1885 gab er dazu die Zeitung Antisemitische Correspondenz heraus. 1887 verfasste er den bis 1945 immer neu aufgelegten Antisemitenkatechismus, der alle judenfeindlichen Klischees verbreitete. Fritsch schloss aus den Misserfolgen seiner Vorgänger:[50]

„Unser Ziel muss es sein, alle Parteien mit dem antisemitischen Gedanken zu durchsetzen. […] Sobald wir als politische Partei auf den Plan treten, haben wir nicht mehr allein die Juden zu Gegnern, sondern zugleich alle anderen politischen Parteien.“

Der Marburger Bibliothekar Otto Böckel (1859–1923) fand bei der Landbevölkerung in Hessen mit antisemitischer Agitation viel Zustimmung. 1886 gründete er seine Deutsche Reformpartei, die sich bald mit dem Verein von Fritsch zusammenschloss. Bei der Reichstagswahl am 21. Februar 1887 errang Böckel im Wahlkreis Kassel als erster bekennender Antisemit ein Reichstagsmandat, das er bis 1907 innehatte.

Auf dem Antisemitentag in Bochum am 10. und 11. Juni 1889 konnten sich die verschiedenen Gruppen erneut nicht einigen. Stoecker und Sonnenberg wollten konservative und kleinbürgerliche Wähler für Monarchie und Nationalstaat gewinnen; ihre Anhänger bildeten die neue Deutschsoziale Partei. Böckel dagegen wollte seine Ziele im Parteinamen zeigen und gründete mit weiteren Gruppen 1890 die Antisemitische Volkspartei. Beide Neuparteien forderten die Aufhebung der Emanzipationsgesetze und verhöhnten liberale Parteien vor den Reichstagswahlen 1890 als „Judenschutztruppe“. Sie stießen aber auf Widerstand und gewannen zusammen nur knapp drei Prozent der Stimmen. Dazu meinte der Führer der Deutschfreisinnigen Eugen Richter:[51]

„Wenn wir dieser Bewegung erlauben, größer zu werden, zerstören wir die Säulen, auf denen unsere Kultur ruht.“

1890 trat Hermann Ahlwardt (1846–1914) mit den Büchern Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judentum und Der Eid eines Juden hervor, in dem er Gerson von Bleichröder, Bankier und Freund Bismarcks, der Korruption bezichtigte. Danach behauptete er in der Schrift Judenflinten, der jüdische Waffenfabrikant Ludwig Loewe habe den preußischen Truppen in geheimer Absprache mit den Franzosen untaugliche Gewehre geliefert. Für diese Verleumdungen erhielt er jeweils vier und fünf Monate Gefängnis, die er wegen seiner Immunität als Reichstagsabgeordneter nicht verbüßen musste. Er wurde von Bauern in der Region Arnswalde-Friedeberg – wo es kaum Juden gab – gewählt, indem er in persönlichen Gesprächen „Junkern und Juden“ die ökonomische Notlage anlastete. 1894 legte er ein Programm vor, das vorsah, alle Großgrundbesitzer zu enteignen und ihren Besitz in Gemeineigentum zu überführen, was von den übrigen Antisemiten abgelehnt wurde.

1893 errangen beide Antisemitenparteien zusammen 18 Reichstagsmandate. 1894 vereinigten sie sich unter Führung Sonnenbergs und Oswald Zimmermanns – ohne Böckel und Ahlwardt – zur Deutschsozialen Reformpartei. Ihr Programm baute auf den Rassentheorien von Houston Stewart Chamberlain auf und redete 1899 erstmals von der „Endlösung der Judenfrage“ durch „Absonderung“ und notfalls „völlige Vernichtung“.[52] 1898 gewann die Partei 13 Reichstagssitze. 1900 spaltete sie sich jedoch wieder an der Frage der Zusammenarbeit mit dem 1893 gegründeten Bund der Landwirte. Diesen hatten Aktivisten der Studentenvereine wie Diederich Hahn und Zeitungsverleger wie Otto Schmidt-Gibichenfels antisemitisch, christlich und monarchistisch ausgerichtet. Er wurde von den radikaleren Antisemiten daher als Anhängsel der Konservativen Partei betrachtet. Sie richteten ihren Nationalismus stärker gegen Adel, kirchliche und staatliche Konservative und die im Reichstag führende Nationalliberale Partei. – Auch bei der Reichstagswahl 1903 erhielten die uneinigen Antisemitenparteien nur 3,5 Prozent (11 Mandate). 1907 stellten sie noch sieben Abgeordnete. Sonnenberg saß bis zu seinem Tod 1911 im Reichstag. Keins der Ziele seiner Petition von 1879 wurde im Kaiserreich umgesetzt.

Bei der Reichstagswahl 1912 verloren die Antisemitenparteien Wähleranteile; auch die rassistischen Reformvereine hatten kaum messbaren Erfolg. Heinrich Pudor zog in seiner Schrift Wie kriegen wir sie hinaus? 1913 die Bilanz, die antisemitische Bewegung habe seit der Reichsgründung „so gut wie nichts“ erreicht. Man solle daher den Juden „das Leben so sauer machen, dass sie von selbst wieder zum Wanderstab greifen“ und „mit Hilfe von Ansiedlungsverträgen dieses Völkergift wieder ausstoßen.“ Über ältere Zuwanderungs- und Berufsverbote hinaus forderte er nun die „gesetzliche Eliminierung des Judentums aus deutschen Landen“. Die Parole vom „Ausschluss der Juden“ war Allgemeingut antisemitischer Gruppen geworden; ein politisches Konzept für dessen Umsetzung fehlte.

Antisemitische Vereine und Verbände

Antisemitismus war im Kaiserreich nicht nur parteigebunden. Viele Vereine blieben seit 1880 antisemitisch oder gründeten sich als antisemitische Vereine neu, darunter die Deutsche Turnerschaft, das angesehene Offizierskorps und viele Studentenverbindungen. Der Kyffhäuserverband schloss Juden 1886 als erster Verband aus. Bis 1896 folgten ihm die meisten Burschenschaften. 1902 stellte Ernst Böhme vom Kyffhäuserverband rückblickend fest:[53]

„Die gesellschaftliche Isolierung des jüdischen Studenten ist heute in der Hauptsache vollzogen. Die gesamten angesehenen Kouleurverbände, Korps, Burschenschaften, Landsmannschaften und farbentragenden Turnerschaften, sowie die Hauptmasse der schwarzen Verbände, die akademischen Turnvereine, Gesangvereine und wissenschaftlichen Vereine schließen heute die Juden von der Mitgliedschaft aus.“

Nur der Allgemeine Deutsche Burschenbund erklärte noch 1905: Um deutsch zu sein, müsse man nicht rein germanischer Abstammung sein.

Über andere Themen wie die Flottenaufrüstung oder Schutzzölle gegen englische Importe konnte sich das Bild der „jüdischen Ausbeuter“ und ihrer „zersetzenden“ demokratischen Ideen in breiten Bevölkerungsschichten festsetzen.

Besonders folgenreich war der Antisemitismus an den Hochschulen. Viele dort ausgebildeten Akademiker, Juristen, Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Pastoren beteiligten sich dauerhaft an der antisemitischen Agitation, benachteiligten Juden aktiv und trugen so zu ihrer zunehmenden Verdrängung aus staatlichen Ämtern und gesellschaftlichen Ächtung bei. Auch ihre Fachverbände wurden seit etwa 1890 von der antisemitischen Welle erfasst. Als antisemitischer Verband gründete sich 1893 der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband für Angestellte und Handwerker. Er gewann rasch Einfluss auch unter evangelischen Jugendverbänden. Dort sah man Antisemitismus als einzige weltanschauliche Alternative zu Liberalismus und Sozialismus. Viele spätere Parteipolitiker gingen aus ihm hervor. Jedoch standen dort Sonderinteressen im Vordergrund. Daraufhin gründeten Böckel und Förster 1900 den nach dem Führerprinzip aufgebauten Deutschen Volksbund, dessen Mitglieder 1907 aus der Deutschsozialen Reichspartei ausgeschlossen wurden.

Der kleine, aber einflussreiche Alldeutsche Verband wollte nach Bismarcks Entlassung 1890 bewusst einer großdeutschen imperialistischen Politik zum Durchbruch verhelfen und alle Deutschen einem „Gesamtwillen der Nation“ unterordnen. Damit wurde er zunehmend antisemitisch. Der erste Vorsitzende Ernst Hasse erklärte 1906, dass die heute gebildeten Rassen nunmehr homogen und konstant werden wollen, dass sie demnach die nicht assimilierten Fremdkörper wieder ausscheiden wollen … namentlich wenn diese eindringenden Fremdkörper minderwertig sind oder als minderwertig empfunden werden.[54] Der zweite Vorsitzende Heinrich Claß veröffentlichte 1912 das Buch Wenn ich der Kaiser wär. Darin forderte er, alle ausländischen Juden auszuweisen und allen deutschen Juden die Staatsbürgerschaft abzuerkennen.

Der von Friedrich Lange 1894 gegründete Deutschbund vertrat die „Pflege deutscher Art“. Er sah in Bauern und Handwerkern die „wurzelechtesten Vertreter unseres Volkstums“: …diese Kräfte müssen unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie sowohl wie gegen ihre christlichen Mitbewerber erhalten werden. Lange unterschied in Reines Deutschtum (1893) strikt Volkstum und Nationalstaat und nannte das Gleichheitsprinzip des Judentums als gemeinsame Basis von Christen und Sozialisten Morbus internationalitis („internationale Krankheit“):[55]

„Vor dem Christentum gibt es nicht Volk, Kaste und Stammesart, sondern nur Menschheit…Ist der Krieg ein Übel? An dieser Frage lässt sich scharf erweisen, dass christliches Gebot dem natürlichen Empfinden unseres Volkes widerspricht.“

Die Gobineaugesellschaft, gegründet 1894 von Ludwig Schemann (1852–1938), wollte die „nordisch-germanische Rasse“ fördern, ließ Gobineaus Werke ins Deutsche übersetzen und veröffentlichen. Chamberlain gehörte ihr an. Auch Richard und Cosima Wagner waren Gobineau und seinen Ideen eng verbunden.[56] Theodor Fritsch gründete 1904 „Hammer-Gemeinden“, die sich 1912 im Reichshammerbund einten, um parteiungebundene Antisemiten zu sammeln. Er kooperierte dazu eng mit dem Alldeutschen Verband.

Unter dem Eindruck der Stimmengewinne der SPD und Stimmenverluste der Antisemitenparteien bei den als „Judenwahlen“ verhöhnten Reichstagswahlen von 1912 bildeten sich weitere völkisch-rassistische Antisemitengruppen: der geheime Germanenorden, aus dem 1918 die Thule-Gesellschaft hervorging, der Verband gegen die Überhebung des Judentums, der Deutsch-Österreichische Schutzverein Antisemitenbund, die Deutschvölkische Beamtenvereinigung und der Bund völkischer Frauen.

Einfluss auf Innenpolitik und etablierte Parteien

Unter dem Eindruck der Anfangserfolge der Antisemiten nahm die Konservative Partei 1892 einige ihrer Forderungen in ihr Programm auf. Der erste Absatz lautete:[57]

„Wir bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluss auf unser Volksleben. Wir verlangen für das christliche Volk eine christliche Obrigkeit und christliche Lehrer für christliche Schüler.“

Das bedeutete Ausschluss von Juden aus allen Staatsämtern, aus Bildung und Kultur.

Auch die katholische Zentrumspartei ließ – nicht zuletzt wegen der Haltung von Papst Pius IX., der Juden seit 1872 der Neigung zu Anarchismus und Freimaurerei bezichtigte – zunächst einige judenfeindliche Abgeordnete auf ihren Listen kandidieren. Parteiführer Ludwig Windthorst setzte sich jedoch u. a. über die „Kölnische Volkszeitung“ öffentlich für die Rechte der Juden und gegen antisemitische Ausfälle ein. Er ließ den preußischen Abgeordneten Cremer wegen seines Beitritts zu Stöckers „Berliner Bewegung“ aus Fraktion und Partei ausschließen. Danach blieb das Zentrum weitgehend frei von antisemitischem Gedankengut und verteidigte die Juden, etwa 1887, als Antisemiten im Bündnis mit Tierschützern das Schächten verbieten lassen wollten.

So blieben die „Radauantisemiten“ Splittergruppen, erreichten aber bleibende Aufmerksamkeit für ihr Thema. Die antisemitischen Verbände bejahten die Staatsordnung und meist auch die imperialistische Außenpolitik der Regierung, obwohl diese ihre antijüdischen innenpolitischen Forderungen nur zum Teil umsetzten. Der gemäßigte Antisemitismus der nationalliberalen und konservativen Parteien begünstigte diese Übereinstimmung.

Antisemitische Karikatur von katholischer Seite (1872): Kreuzige ihn; denn er ist ein Jesuit! Wenn du diesen loslässt, so bist du kein Freund des Kaisers (Anspielung auf Joh 19, 12)

Die SPD verstand sich als Interessenvertretung der Lohnarbeiter zugleich als Kraft des humanen Fortschritts und Opposition gegen Diskriminierung von Minderheiten. Sie nahm seit ihrer Gründung nie antisemitische Forderungen in ihr Programm auf, ließ keine Antisemiten auf ihren Listen kandidieren und widersprach dieser Ideologie als einzige Partei im Kaiserreich offen. Doch in sozialdemokratischen Unterhaltungsblättern wie dem Wahren Jakob, Süddeutschen Postillon oder der Neuen Welt wurden Juden ab 1890 in Witzen, Karikaturen und Alltagsgeschichten als vom Profitstreben gelenkte, gerissene Schacherer und Wucherer, Börsenjobber und Händler ohne Geschäftsmoral dargestellt. Diese Klischees wurden genauso in bürgerlicher Literatur wie Der Jude von Karl Spindler, Der Büttnerbauer von Wilhelm von Polenz, Soll und Haben von Gustav Freytag, Rembrandt als Erzieher von August Julius Langbehn u. a. unter das Volk gebracht, sodass sie sich als kultureller Code (Shulamit Volkov) etablieren konnten.

1892 auf dem Berliner Parteitag der SPD konnte sich August Bebel mit einer Resolution gegen den Antisemitismus nur mühsam gegen parteiinterne Gegner wie Franz Mehring und Wilhelm Liebknecht durchsetzen. Liebknecht zeigte sich 1893 auf dem Parteitag in Köln überzeugt, dass „die Antisemiten ackern und säen und wir Sozialdemokraten ernten werden“, wollte also antisemitische Propaganda nicht direkt bekämpfen. Bebel dagegen bezeichnete Antisemitismus als „Sozialismus der dummen Kerle“ und glaubte, sie hätten „nie Aussicht, irgendeinen maßgebenden Einfluß auf das staatliche und soziale Leben auszuüben“.[58]

1895 sorgte die Louis-Stern-Affäre für eine nachhaltige Verstimmung zwischen den Außenministerien der USA und Deutschlands.

Radikalisierung im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg überlagerte zunächst die innenpolitischen Fronten, der Burgfriede band alle Parteien in vermeintlich patriotische Pflichten ein.

1914 vereinte der Reichstagsabgeordnete Ferdinand Werner beide Antisemitenparteien in der Deutschvölkischen Partei (DVP). Innenpolitisch verlangte diese die Ausweisung der Juden, einen Grenzschluss für osteuropäische Einwanderer und eine rassistische Neuordnung der Gesellschaft. Sie agitierte so stark gegen den Burgfrieden, dass die Behörden viele ihrer Presseorgane zensierten. Außenpolitisch verlangte sie weitreichende Eroberungen, die Deutschland zur Hegemonialmacht Europas machen sollten, und mit anderen rechtsradikalen Parteien einen „Siegfrieden“ als einzig akzeptables Kriegsziel. Seit 1917 zierte ein Hakenkreuz ihr Parteiorgan „Deutschvölkische Blätter“.[59]

1916 verstärkten Alldeutscher Verband und DVP ihre antisemitische Hetze: Juden seien Schieber, die sich am Handel mit knappen Lebensmitteln bereicherten, und Drückeberger, die sich häufiger krankmeldeten an der Front als Nichtjuden. Darauf ordnete Kriegsminister Hohenborn für den 1. November 1917 eine Judenzählung im ganzen Heer an. Als diese statistische Erhebung einen hohen Anteil jüdischer Frontsoldaten, darunter zehn Prozent Freiwilliger, ergab, hielt das Ministerium die Ergebnisse bis 1919 geheim. Die Regierung blockierte Beförderungen von Juden in Staatsämtern und ihre Ernennung zu Offizieren und erörterte Pläne zu ihrer „Aussiedlung“.[60]

Artur Dinter, Vorläufer der späteren Deutschen Christen, schrieb 1917 den Bestseller Die Sünde wider das Blut. Darin verband er antisemitische Stereotypen mit körperlichen Zuschreibungen. Heinrich Pudor rief ab 1917 zu Gewalt gegen Staatsvertreter auf, die für ihn die absehbare Kriegsniederlage und kommende „Judenrepublik“ verkörperten. So gewannen Pogromhetze und Gewalt gegen Juden bald nach dem Kriegsende an Boden.[61]

Reaktionen von Juden

Juden gehörten im Kaiserreich ebenso wie ihre Gegner meist zum aufstrebenden Bürgertum. Sie erfuhren vor allem in Schule, Universität und Armee alltägliche Diskriminierung und Feindseligkeit, sodass Walther Rathenau resümierte:[62]

„In den Jugendjahren eines jeden deutschen Juden gibt es den schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn er sich zum erstenmal voll bewusst wird, dass er als Bürger zweiter Klasse in die Welt getreten ist, und dass keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.“

Die antisemitische Propaganda traf besonders viele gebildete Juden unvorbereitet, da sie sich von ihren Traditionen schon weit entfernt hatten. So antwortete der jüdische Historiker Harry Bresslau 1880 apologetisch auf Treitschke, „Juden“ und „Semiten“ seien nicht identisch. Er werde nur die als Juden bezeichnen, deren beide Eltern als Juden geboren seien. Diese Argumentation begünstigte einerseits die vollständige Assimilation von Juden als Deutschen, da immer weniger zwei jüdische Elternteile vorweisen konnten, und andererseits die Gleichsetzung von Juden mit einem eigenen Volkstum bzw. einer angeblichen „semitischen Rasse“, da nur die Abstammung über ihr Judesein entscheiden sollte. Demgemäß definierte der Brockhaus 1895 „Semitismus“ als Bezeichnung für das ausschließlich vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtete Judentum.

Der jüdische Arzt Leo Pinsker bereiste unter dem Eindruck der Pogrome in Russland von 1881 ganz Europa. Er sah in dem Umsichgreifen des Rassenwahns gerade in den „aufgeklärten“ Ländern eine „Judäophobie“, also eine Geisteskrankheit, in der sich gegenseitig verstärkende „Gewissheiten“ eine kollektive mentale Störung anzeigten. Er folgerte in seinem Aufsatz „Autoemanzipation“ 1882 daraus die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Landes und wurde damit ein Pionier des Zionismus.

Diese Haltung lehnten die meisten deutschen Juden jedoch ab und zogen vor, für ihre Integration zu kämpfen. Auf die Ausgrenzung jüdischer Studenten aus den meisten Studentenverbindungen reagierte die Gründung der Viadrina in Breslau 1886 als erster rein jüdischen Studentenverbindung. 1896 entstand der erste Kartellconvent jüdischer Verbindungen (KC). Diese bekannten sich gleichermaßen zu Deutschtum und Judentum und versuchten, ihre Mitglieder durch Sport zu ertüchtigen, um in Duell-Forderungen ihre Ehre gegen Antisemiten zu verteidigen. 1895 gründeten Heinrich Loewe und Max Bodenheimer in Berlin den Verein jüdischer Studenten, der vor allem Mitglieder aus Russland und Polen anwarb. Weitere zionistische Vereine schlossen sich 1914 im Kartell Jüdischer Verbindungen (KJV) zusammen, das „für eine der Vergangenheit des jüdischen Volkstums würdige Erneuerung in Eretz Israel“ eintrat. KC und KJV lehnten einander radikal ab; aber beide riefen ihre Mitglieder zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf.

Viele Juden arbeiteten in nichtreligiösen und nichtnationalistischen Gruppen mit, z. B. dem linksliberalen Verein für Sozialpolitik. Sie hofften, durch Anpassung und Verbergen ihres Judeseins bis hin zur Selbstaufgabe von Nichtjuden akzeptiert zu werden. Sie hatten die rechtliche Gleichstellung nur um den Preis ihres „Nationalbewusstseins“ erhalten und bejahten dies in der Hoffnung, dass der Liberalismus den Antisemitismus allmählich überwinden werde. So gründeten liberale und zum Christentum konvertierte Juden erst 1891 den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. 1893 bildeten liberale Bürger in Berlin zudem den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Doch diese Vereine hatten auf die generelle Entwicklung kaum Einfluss und suggerierten ihren Mitgliedern nur, doch irgendwie zur bürgerlichen Gesellschaft zu gehören.

1920 vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten als Antwort auf die Anschuldigungen fehlenden Patriotismus herausgegebener Handzettel

Unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre in Frankreich schrieb Theodor Herzl 1896 sein Buch Der Judenstaat, das den politischen Zionismus begründete. Ein Jahr darauf berief er den ersten Zionistenkongress nach Basel ein. Doch die meisten Juden rangen weiterhin um Anerkennung und Gleichberechtigung im Kaiserreich. Folglich meldeten sich etwa 100.000 Juden auf Drängen ihrer Vereine zum deutschen Militärdienst, 10.000 davon freiwillig zur Front, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Etwa 2000 von ihnen wurden trotz Ablehnung der höheren Ränge in den Offiziersrang befördert und oft für besondere Tapferkeit ausgezeichnet. Sie glaubten, ihre Eisernen Kreuze würden sie vor weiteren Verfolgungen schützen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gegründet, seine Zielsetzung war die Abwehr des Antisemitismus und die Unterstützung der jüdischen Veteranen. Diesen wurde die Mitgliedschaft in vielen Wehrverbänden wie z.B. dem Stahlhelm verwehrt.

Weimarer Republik

In und nach der Novemberrevolution 1918 traten die im Krieg verschärften sozialen Gegensätze offen hervor. Geschockt von der drohenden Entmachtung durch Sozialdemokraten und Pazifisten, lasteten besonders Offiziere und Teile des Bürgertums die Kriegsniederlage, später auch die Auflagen des Versailler Vertrags, den „jüdischen“ Führern der Arbeiterbewegung an. So griffen Freikorpssoldaten und Studenten während der blutigen Niederschlagung der kommunalen Räterepubliken zusätzlich Juden an; Rosa Luxemburg wurde kurz vor ihrer Ermordung als „Judenhure“ beschimpft und schwer misshandelt.[63]

Seit der Republikgründung 1919 konnten Juden erstmals in höchste Staatsämter aufsteigen. Obwohl auch konservative Juden skeptisch gegen die Linksparteien waren, galten sie weithin als Profiteure von Umsturz und Kriegsniederlage. Antisemiten, die bislang auf staatliche Umsetzung ihrer Ziele gehofft hatten, lehnten daher fast immer Revolution und Demokratie zugleich ab, ihre Gegner verteidigten meist beides. War allzu offene antisemitische Propaganda im Krieg staatlich zensiert worden, um den „Burgfrieden“ nicht zu gefährden, so konnten sich die Antisemiten nun ungehindert neu organisieren und agitieren. Zeitungen wie das Deutsche Wochenblatt und Flugblätter hetzten gegen die Juden. Bei deren Verteilung kam es bis zum Frühjahr 1920 öfter zu Prügeleien auf offener Straße; eingreifende Polizei nahm nicht selten Juden zu ihrem Schutz oder als Anstifter fest.[64]

Neu gegründete rechtsradikale Gruppen wie der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund und die Thulegesellschaft propagierten die Dolchstoßlegende. In ihr verbanden sich antisemitische, antisozialistische und antidemokratische Motive so miteinander, dass die gesamte nationale Demütigung – eigene Kriegsschuld, Niederlage, Revolution und Elend der Nachkriegszeit – erneut auf die jüdische Minderheit als deren angebliche Drahtzieher projiziert wurden. Juden und Sozialdemokraten, die fast seit der Reichsgründung als „innere Reichsfeinde“ markiert worden waren, wurden nun auch mit den „Bolschewisten“ identifiziert: Sie seien angeblich dem „im Felde unbesiegten“ Heer heimtückisch in den Rücken gefallen, um Deutschland fremden Mächten auszuliefern und alle kulturellen Werte der Nation zu vernichten. Dabei verwies man auf jüdische Namen unter führenden russischen wie deutschen Revolutionären. Die 1920 auf Deutsch veröffentlichten gefälschten Protokolle der Weisen von Zion bestätigten diese Verschwörungstheorie von russischer Seite aus.

Der gestürzte Monarch Wilhelm II. steht seinem Biographen John Röhl zufolge exemplarisch für die Entwicklung großer Teile der bürgerlichen und militärischen Eliten der Kaiserzeit von einem gewöhnlichen zu einem eliminatorischen Antisemitismus in der Weimarer Zeit. So schrieb Wilhelm im August 1919 in einem Brief aus dem niederländischen Exil an Generalfeldmarschall August von Mackensen:[65]

„Die tiefste und gemeinste Schande, die je ein Volk in der Geschichte fertiggebracht, die Deutschen haben sie verübt an sich selbst. Angehetzt und verführt durch den ihnen verhassten Stamm Juda, der Gastrecht bei ihnen genoss. Das war sein Dank! Kein Deutscher darf das je vergessen noch ruhen, bis diese Parasiten von deutschem Boden vertilgt und ausgerottet sind! Dieser Giftpilz an der deutschen Eiche.“

An anderer Stelle verknüpfte er deutsche Juden, ausländische Kriegsgegner und zivile Politiker der „Heimatfront“:[66]

„Während unter Mir, meinen Generalen und Offizieren das tapfere Frontheer die Siege erfocht, verlor das Volk zuhause, von Juda und Entente belogen, bestochen, verhetzt, mit seinen unfähigen Staatsmännern den Krieg.

1927 fragte er bei Fritz Haber, dem Erfinder des Giftgases, an, ob es möglich sei, ganze Großstädte zu vergasen. Im selben Monat bezeichnete er die Presse, Juden und Mücken als „Pest“, von der sich die Menschheit „auf die eine oder andere Weise“ befreien müsse. Er notierte handschriftlich dazu: Ich glaube, das beste wäre Gas.[67] 1940 behauptete er, Juden und Freimaurer hätten 1914 und 1939 Vernichtungskriege gegen Deutschland vom Zaun gebrochen, um ein von britischem und amerikanischem Gold gestütztes „jüdisches Weltreich“ zu errichten.[68]

Antisemitisch eingestellte Studenten und Akademiker und ehemalige DVP-Mitglieder fanden ihre neue politische Heimat nun in mehreren rechtsextremen und bürgerlich-konservativen Parteien, vor allem in der DNVP. Diese startete 1919 eine Kampagne gegen sogenannte Ostjuden: Etwa 34.000 meist polnische Juden waren im Krieg als Rüstungsarbeiter angeworben und interniert worden; danach flohen zudem etwa 107.000 in Osteuropa verfolgte und verarmte Juden nach Deutschland. Etwa ein Viertel davon lebte vorübergehend oder dauerhaft in Berlin Mitte. Bis 1921 waren ca. 40 Prozent weitergewandert. Die DNVP verlangte einen Zuzugsstopp und ihre Ausweisung, um so die Meinungsführerschaft gegenüber den „Radauantisemiten“ wiederzugewinnen. In Bayern wurden osteuropäische Juden nach dem Kapp-Putsch 1920 von den Behörden gezielt schikaniert und zum Teil in Abschiebelagern interniert.[69]

1921 schloss die DNVP Juden und Menschen mit einem jüdischen Elternteil aus der Partei aus. Auch die Deutsche Burschenschaft beschloss 1921 den Ausschluss jüdischer Mitglieder. Mit der Propagierung der „nationalen Revolution“ begünstigten viele Studentenverbindungen den Aufstieg des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds (NSDStB). Mit diesem Schlagwort fanden Konservative, bürgerliche Monarchisten, Befürworter autoritärer Staatsmodelle und des Volkstums einen gemeinsamen ideologischen Nenner. Diese Ablehnung der oft als „Judenrepublik“ verachteten Demokratie im reaktionären Bürgertum gilt als ein wichtiger Faktor, der den Siegeszug des Nationalsozialismus mit ermöglichte.[70]

Nach einer von einigen Medien unterstützten Hetzkampagne ermordeten rechtsextreme paramilitärische Geheimbünde wie die Organisation Consul Symbolfiguren ihres Judenhasses, darunter 1922 Außenminister Walther Rathenau. Dadurch nahmen republiktreue Medien, Parteien und Interessenverbände den Antisemitismus nun als Angriff auf die Verfassung wahr. Dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gelang es zeitweise, mit einer Kampagne die enorme Zunahme antisemitischer Friedhofsschändungen (etwa 200 registrierte Fälle 1923–1932) bewusst zu machen und zu verringern.

Im Herbst 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation, griffen aufgehetzte Jugendliche und Arbeitslose Juden im Scheunenviertel (Berlin) an, drangen in ihre Geschäfte und Wohnungen ein, misshandelten die Bewohner und raubten sie aus. Rechtsradikale hatten zuvor behauptet, „Galizier“ hätten das wertbeständige Notgeld aufgekauft, das die Stadtverwaltung für die Erwerbslosen ausgegeben hatte.[71]

Beim Hitler-Ludendorff-Putsch am 9. November 1923 in München nahm der aus dem Freikorps Oberland hervorgegangene Bund Oberland wahllos „jüdisch aussehende“ Bürger als „Geiseln“, um politische Änderungen zu erpressen. Nun war rechtsradikale Straßengewalt, u. a. von SA-Banden, gegen Juden und politische Gegner alltäglich. Sie wurde von Polizei und Justiz kaum verfolgt. Der jüdische Rechtsanwalt Ludwig Foerder dokumentierte 1924 in Schlesien mit einer Skandalchronik, wie stark Staatsbehörden antisemitische Straftaten duldeten oder durch Gesinnungsurteile mittrugen.[72]

Konservative Akademiker wie Wilhelm Stapel oder Edgar Julius Jung erneuerten die Volkstumsideologie des 19. Jahrhunderts. Stapel erklärte 1927 das deutsche und das jüdische Kollektiv für unvereinbar und forderte, den Zionismus zu unterstützen, um Juden zur Auswanderung zu drängen. Jung forderte eine Rückkehr zur Ständegesellschaft und gesetzliche „Dissimilation“ der Juden.

Auch in linksgerichteten Gruppen und Parteien gab es Antisemitismus, zum Teil als konsequenter Antikapitalismus ausgegeben und gerechtfertigt. So forderte das Vorstandsmitglied der KPD Ruth Fischer 1923:[73]

„Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie!“

Eine Hetzkampagne der Nationalsozialisten gegen den jüdischen Polizeivizepräsidenten von Berlin Bernhard Weiß als Isidor folgte Verunglimpfungen in der Zeitschrift Roter Aufbau. Clara Zetkin warnte deshalb 1924 in einem Brief aus Moskau an den 9. Parteitag der KPD:[74]

„Die linke Parteimehrheit vereinigt brüderlich reichlichst KAPisten, Syndikalisten, Antiparlamentarier, bei Lichte besehen – horribile dictu – sogar Reformisten und neuerdings – faschistische Antisemiten.“

Am 13. Oktober 1930 nach der Reichstagswahl 1930 wurden dem Berliner Kaufhaus Wertheim die Scheiben eingeworfen, am 12. September 1931 leiteten etwa 500 SA-Angehörige den ersten Kurfürstendamm-Krawall als „Säuberungsaktion“ eines „verjudeten“ Straßenzugs ein. Dabei wurde ohne Waffengebrauch geprügelt. 33 ermittelte Beteiligte wurden zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; dem Initiator Wolf-Heinrich von Helldorf wurde eine geringe Geldbuße auferlegt.

Nationalsozialismus

Die 1920 gegründete NSDAP entwickelte sich zunächst in Bayern zum Sammelbecken für die radikalsten Antisemiten der Kaiser-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Ihr 25-Punkte-Programm legte fest: Kein Jude kann Volksgenosse sein…er muss unter Fremdengesetzgebung stehen, er darf kein öffentliches Amt bekleiden. Alle Juden, die seit dem 2. August 1914 eingewandert waren, sollten ausgewiesen werden, bei Versorgungsknappheit ebenso alle „Angehörigen fremder Nationen“.

Adolf Hitler gewann 1923 vor allem mit antisemitischer Rhetorik und Agitation die Führung der Partei. Er war nach eigener Aussage schon in seiner Schulzeit „instinktiv“ Judenfeind. Seit 1908 beeinflussten ihn Wiener Antisemiten wie Jörg Lanz von Liebenfels, der Wiener Bürgermeister Karl Lueger, der österreichische Führer der „Alldeutschen“ Georg Heinrich Ritter von Schönerer. Wie weit er ihre Ideen damals schon übernahm, ist jedoch umstritten. Manchen Historikern zufolge wurde Hitler erst nach dem Ersten Weltkrieg Rasse-Antisemit und übernahm wesentliche Elemente seiner Ideologie vom Zeitungsherausgeber Dietrich Eckart und „nationalen Sozialisten“ Gottfried Feder.[75]

In einem als bestelltes „Gutachten zur Judenfrage“ deklarierten Brief vom 16. September 1919 beschrieb er erstmals seinen „Antisemitismus der Vernunft“:[76]

„Sein letztes Ziel aber muss unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein.“

Obwohl der Wahlmünchner Hitler die Münchner Räterepublik 1919 nicht bekämpft hatte, gab er 1924 in seiner Autobiographie Mein Kampf Rache an den „Novemberverbrechern“ als Motiv für seine Hinwendung zur Politik an, bekannte sich zum eliminatorischen Rasse-Antisemitismus und kündete an, die „Entfernung“ aller Juden politisch und militärisch durchzusetzen. Er sah darin eine unausweichliche Befreiung der Menschheit vom angeblichen Weltjudentum, auf dessen Verschwörung gegen die „arische Herrenrasse“ er – wie die ihm bekannten „Protokolle der Weisen von Zion“ – den angloamerikanischen Kapitalismus und russischen Bolschewismus gleichermaßen zurückführte. Aus seinen Fronterfahrungen gewann er auch die Idee, Juden mit Giftgas zu ermorden.

Bei der Reichstagswahl 1928 erhielt die NSDAP nur 2,6 Prozent der Stimmen, auch weil ihre antisemitische Propaganda bürgerliche Wählerschichten abstieß. Daraufhin ordnete die Parteiführung intern an, bei der Propaganda künftig auf judenfeindliche Ausfälle zu verzichten. Sie konzentrierte sich 1929 bis 1933 vor allem auf Themen wie die Reparationen, den Young-Plan, die Weltwirtschaftskrise und vertrat eine diffuse Volksgemeinschaftsideologie.[77] Dennoch kam es auch in diesen Aufstiegsjahren wiederholt zu antisemitischen Gewalttaten, vor allem durch die SA.

Demolierte Schaufenster bei Wertheim, Oktober 1930

Sofort nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten, alle Juden aus der deutschen Gesellschaft zu verdrängen. In den Parteiideologen Julius Streicher (Herausgeber des Stürmers), Alfred Rosenberg (Redakteur des Völkischen Beobachters) und Joseph Goebbels sowie in der von Heinrich Himmler aufgebauten SS hatte Hitler dafür fanatische und ergebene Mitstreiter.

Eine der ersten Maßnahmen war ein im April 1933 erlassenes verschärftes Tierschutzgesetz, das auch das Schächten verbot.[78] Damit konnten die Nationalsozialisten deutsche Juden, die im Pelzhandel, der Ärzteschaft und Biologie eine wichtige Rolle spielten, diskriminieren[47] und weitverbreitete Ressentiments bedienen.[79]

Ausstellung „Der ewige Jude“ im Deutschen Museum (München) vom 7. - 8. November 1937

In nie zuvor gekannter Schärfe und Konsequenz führten die Maßnahmen des NS-Regimes über den Judenboykott, Berufsverbote, Auswanderungsdruck, die Nürnberger Gesetze, die „Reichskristallnacht“, „Arisierung“ und Ghettoisierung bis zum als „Endlösung“ getarnten Holocaust. Im Januar 1939 kündigte Hitler die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ im Falle eines Weltkriegs an. Mit dem „Russlandfeldzug“ begann ab Juni 1941 die organisierte Massenvernichtung der Juden. Sie forderte um die sechs Millionen Opfer.[80]

Zwar wandten sich die Nationalsozialisten in einem Dekret vom Mai 1943 vom Begriff „Antisemitismus“ ab, um die neuen arabischen Verbündeten nicht „mit den Juden in einen Topf“ zu werfen. Doch der Judenmord wurde nach dem Kriegseintritt der USA und der verlorenen Schlacht von Stalingrad noch intensiviert und zum Teil vorrangig gegenüber der Kriegführung behandelt.

Die vieldiskutierte Besonderheit des deutschen Rasse-Antisemitismus findet etwa Werner Bergmann daher in seiner praktischen Durchsetzung:[81]

„Der A. der NSDAP unterschied sich vom primär literarischen des Kaiserreichs durch seine Umsetzung in eine terroristische Politik. Ihr verbal aggressiver A. war nicht Handlungsersatz, sondern Wegbereiter der Tat. Auch wenn es keinen konkreten Aktionsplan gab, so lag doch der Völkermord in der Logik des rassistischen A., denn zu seinen Wesenselementen gehörte die Weigerung, eine Regelung für eine dauerhafte deutsch-jüdische Koexistenz zu finden, da er nicht auf einen Zustand der Apartheid, sondern auf eine völlige „Entfernung“ der Juden zielte.“

Daher steht das deutsche NS-Regime für die unerreicht mörderische Umsetzung einer von Beginn an menschenverachtenden Ideologie.

Österreich

Emanzipation und Aufstieg bis 1815

Mit den Toleranzpatenten Josephs II. begann die Emanzipation auch für die traditionell ghettoisierten, damals etwa 1,5 Millionen Juden der Habsburger Monarchie. 1782 wurden sie in Wien und Niederösterreich zu allen Schulen und Hochschulen zugelassen und erhielten weitgehende Gewerbefreiheit. Sie sollten Zugang zu handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen erhalten, um so ihren Nutzen für den Staat zu erhöhen. Einwanderung blieb ihnen aber ebenso verboten wie der Erwerb von Haus- und Grundbesitz und die Einfuhr jüdischer Schriften. Seit 1787 mussten sie deutsche, oft zudem diskriminierende Namen annehmen: z. B. Burda – „Fraß“ – oder Blumentritt – „der, der unschuldige, minderjährige Mädchen verführt“.[82] 1788 mussten sie auch Militärdienste leisten.

Zahlreiche Sondergesetze schränkten diese Gleichstellungsansätze wieder ein. Jüdische Ausländer mussten z. B. täglich 30 Kreuzer zahlen und ihre Aufenthaltsberechtigung alle 14 Tage erneuern. Jüdische Hebammen durften nur im Notfall Christinnen entbinden. Die Hofkanzlei ignorierte 1815 eine Bittschrift der Wiener Juden, die Toleranz gesetzlich zu verankern.

Für monarchistische Beamte wie Friedrich von Gentz, den Berater Fürst Metternichs, waren Juden „geborene Repräsentanten des Atheismus, Jakobinismus, der Aufklärerei“. Das hinderte ihn nicht, beim Wiener Kongress im Salon von Fanny von Arnstein (geb. Itzig) zu verkehren. Diese versuchte, die Salonkontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Stände und Bekenntnisse für Beachtung der Probleme ihrer Glaubensgenossen zu nutzen.

Doch die christlichen Gilden und Zünfte wehrten die aufkommende jüdische Konkurrenz weiterhin nach Kräften ab. Juden blieben vor allem auf dem Land weitgehend auf den Handel angewiesen und gelangten nur langsam in andere Berufszweige. Der Fernhandel, die relativ krisensichere Belieferung der Armee mit Uniformen, auch die Pachtung der Tabakregie erwiesen sich als Ausgangspunkte zum Aufbau jüdischer Manufakturen und Fabriken mit Hilfe von Handelskapital.

Nachdem die Einfuhr von Rohbaumwolle freigegeben worden war, konnten Juden in Böhmen die rasch wachsende Baumwollindustrie zu ihrer Domäne machen und bis dahin die Stoffbranche dominierenden Leinen- und Woll-Gewerke verdrängen. Die Schneiderzünfte in Mähren konnten trotz heftiger Proteste nicht verhindern, dass kapitalkräftige jüdische Großhändler aus dem traditionell von Juden betriebenen Ausbessern und Umarbeiten von Kleidern und Uniformen eine Konfektionsindustrie entwickelten. Diese gab nun ihrerseits vielen jüdischen Vertrieben in Städten und Dörfern Arbeit. Jüdische Bankhäuser expandierten auch in andere damalige Wachstumsbranchen; so finanzierte Salomon Rothschild in Wien den Bau der Eisenbahnstrecke nach Galizien, der 14 000 Arbeiter beschäftigte.[83]

Die bürgerliche Gleichstellung der Juden begünstigte ihren städtischen Aufstieg stärker als auf dem Land, sodass sich der Zuzug von Juden in die Städte verstärkte. In Prag z. B. lebten 1848 11 700 Juden, 40 Prozent der Juden Böhmens. Damit wohnten dort die meisten Juden im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung in allen deutschsprachigen Großstädten. In Mähren durften Juden sich bis 1848 nicht in Dörfern ansiedeln; Brünn entwickelte sich für sie zum Anziehungspunkt. Sie verteidigten ihre vergleichsweise gesicherte Lage zusammen mit den Stadträten auch gegen weiteren Zuzug von verarmten mittellosen Juden aus Galizien.

In Wien lebten um 1800 erst 500 bis 600 Juden unter insgesamt 200.000 Bürgern. Nur einzelne privilegierte Familien wurden hier geduldet. 1848 waren es hier 4000 Juden (0,8 Prozent); die erste jüdische Gemeinde konstituierte sich.[84]

Restauration nach 1815

Nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon machte die 1815 begründete Heilige Allianz das Christentum zur Grundlage ihrer Politik und vertrat erneut das Gottesgnadentum der Fürsten. In der folgenden Restaurationsphase lehnten viele Gebildete die begonnene Judenemanzipation ab. So forderte der Gesellschaftstheoretiker Adam Heinrich Müller, Mitglied der Christlich-deutschen Tischgesellschaft, 1823 in einem Gutachten ein Heiratsverbot zwischen Juden und Christen und die Rücknahme erreichter Gleichstellung. Er führte die Umbrüche der Frühindustrialisierung auf jüdische Wirtschaftstätigkeit zurück und setzte Judentum und Kapitalismus gleich. Dagegen vertrat er das Ideal der vorindustriellen Ständegesellschaft.

Die städtischen jüdischen Gemeinden reagierten darauf mit verstärkten Anpassungs- und Reformbemühungen. Der traditionell aschkenasische Gottesdienst, der in weiten Teilen auch eine profane Gemeindeversammlung gewesen war, wurde zuerst in Wien dem christlichen Gottesdienst angeglichen. Der „Wiener Ritus“ sah anstelle der in Jiddisch gehaltenen Predigten, strenge Anstandsregeln und ein hohes musikalisches Niveau des Chasan (Kantor) vor. Die deutschsprachigen Laienprediger stellten den Vorrang der Hebräisch sprechenden Rabbiner in Frage. Von Wien aus verbreitete sich der Wiener Ritus nach Böhmen und Galizien.

Einige Juden konvertierten nun zum Christentum. Einer der prominentesten Konvertiten war Johann Emanuel Veith. Er wurde 1831 am Wiener Stephansdom Hofprediger, blieb aber seiner jüdischen Gemeinde verbunden. Als die Damaskusaffäre die Ritualmordlegende auch in Europa wiederbelebte, schwor er von der Kanzel herab, dass diese Vorwürfe falsch seien. Mit anderen Judenchristen gründete er im Mai 1848 den Wiener Katholikenverein für mehr Freiheit für Judenchristen in der Kirche und gegenüber dem Staat. Auch Paulus Stephanus Cassel wurde evangelischer Prediger und angesehener Historiker der Jüdischen Geschichte. Er nahm die Juden später gegen Treitschkes und Stöckers Angriffe in Schutz. Erst mit zunehmender Akzeptanz der Juden um die Jahrhundertmitte nahmen die Konversionen ab.

Nach der Revolution von 1848

In der Märzrevolution engagierten sich Akademiker, darunter viele gebildete Juden, meist für den Liberalismus. Viele Juden kämpften mit den Christen auf den Barrikaden. Im Revolutionsjahr war es noch möglich, dass der jüdische Prediger Isaak Mannheimer und der Kantor Salomon Sulzer zusammen mit katholischen und protestantischen Geistlichen an einem Gemeinschaftsgrab auf dem Schmelzer Friedhof standen, um die Gefallenen der Märztage zu ehren. Es war aber nur eine kurze Zeit, bald nahmen die Spannungen zu. In Wiens Armenvierteln wurde der Ruf laut: Schlagt die Juden tot!, begleitet von einzelnen Gewalttaten. Trotzdem brachte die Pillersdorfsche Verfassung den Juden endlich die ersehnten vollen Bürgerrechte und Religionsfreiheit in Österreich. Dies nahm die Restauration zum Teil wieder zurück: 1851 mussten jüdische Beamte ihre Staatstreue beeiden, 1853 wurde Juden Grunderwerb erneut verboten, 1855 auch das Notariat und Lehrerberufe.

Eigene Zeitungen blieben ihnen erlaubt, sodass sie im Verlagswesen häufiger führende Positionen errangen. Daraufhin entstand eine antisemitische katholische Gegenpresse, die nun dauerhaft gegen das „demokratische Judengesindel“ hetzte und es mit Liberalismus, Kapitalismus und Kommunismus gleichsetzte. Führend darin war der Artillerieoffizier Quirin Endlich, der „Judenfresser von Wien“. Auch Eduard von Tellering, Journalist für die „Neue Rheinische Zeitung“ von Karl Marx, griff Juden in seiner Schrift Freiheit und Juden als „Wucherer“ (Vertreter des Kapitals) und „Freigeister“ (Vertreter der Demokratie) an, griff aber auch auf die alte Ritualmordlegende zurück.

Flugblätter behaupteten schon 1848, Juden hätten aus Christensärgen Barrikaden gebaut und auf offener Straße Christenkinder geschlachtet, die Guillotine verlangt und Kreuze verhöhnt. Weiter hieß es:

„Wenn das Christusvolk kein Christentum und kein Geld mehr hat…, dann ihr Juden, lasst Euch eiserne Schädel machen, mit den beinernen werdet ihr die Geschichte nicht überleben.“

Der Herausgeber der 1848 gegründeten „Wiener Kirchenzeitung“, Kaplan Sebastian Brunner, dichtete gegen aufgeklärte Philosophen in seinem bekannten Nebeljungenlied:

„Wir haben keinen Judengott mehr,
Und hassen den Gott der Christen,
Wir sind die keckste Rotte der Welt,
Wir jüdischen Pantheisten.“

Er versuchte, den „historischen Nachweis der Ritualmordlegende“ zu führen, erneuerte auch das Klischee vom Gottesmord, aufgrund dessen das Judentum verflucht sei, und folgerte:

„Solange die Juden Juden bleiben, nicht bloß der Abstammung, sondern auch dem Glauben nach, ist ihre Emanzipation überhaupt unmöglich ….Diese werde die Gesellschaft entchristlichen, so dass dann das Judentum herrsche. Dies werde Volkes Stimme nicht hinnehmen.“

Der folgende öffentliche Disput mit Ignaz Kurandas Ostdeutscher Post erregte internationales Aufsehen. Brunner unterlag vor Gericht in mehreren Zensur- und Beleidigungsklagen, was seinen Judenhass noch verschärfte. 1886 verfasste er ein Wanzen-Epos, in dem er Juden als „Ungeziefer“ und „Parasiten“, Antisemitismus als „Wanzenpulver“ bezeichnete. Er hetzte auch gegen Heinrich Heine und Ludwig Börne.

Österreich-Ungarische Monarchie

1867 wurde im Österreichisch-Ungarischen Ausgleich die Emanzipation der Juden im Habsburgerreich vollendet. Durch die Dezemberverfassung wurde den Juden erstmals in ihrer Geschichte in ganz Österreich der ungehinderte Aufenthalt und die Religionsausübung gestattet. 40.000 Juden bildeten bereits 6,6 % der Einwohnerzahl Wiens und hatten damit die alten jüdischen Bevölkerungszentren der Habsburger wie Prag, Krakau und Lemberg überflügelt. 1858 wurde eine Synagoge in Wien gebaut, die zu den imposantesten in Europa gehörte. Die meisten Einwanderer Wiens waren aus der ungarischen Reichshälfte gekommen, gefolgt von Böhmen und Mähren. Auch galizische Juden waren gekommen, getrieben von Überbevölkerung, Hungersnöten und Choleraepidemien. Als die polnische Nationalisierungskampagne sie in den 70er-Jahren zunehmend aus dem Wirtschaftsleben verdrängte, flohen sie in Massen. Die Urbanisierung konzentrierte die vordem kleinstädtische und dörfliche Judenheit in den Großstädten.

Schießstand mit Schützenscheibe aus Böhmen/Mähren um 1860/70. Sobald der Schütze ins Schwarze getroffen hat, schnappt der Hund unter beträchtlichem Lärm nach dem Juden, der sich mit seinem Schirm zu verteidigen sucht, während ein Knabe von hinten an seinem Rockschoß zerrt und ihn mit Fußtritten traktiert.

Ab 1875 entstand auch in Österreich wie im Deutschen Kaiserreich eine „christlich-soziale“ bzw. „völkische“ Bewegung: Hauptvertreter war der Konvertit Karl von Vogelsang, Redakteur der Wiener konservativen Zeitung Vaterland. Er sah das Land „mit Juden überschwemmt“,

„… weil der liberale Umschwung, mit dem man uns beglückt, durch und durch von jüdischem Geiste durchdrungen ist…uns selbst hat der Judengeist angesteckt, in unseren Institutionen ist er incarniert, unsere ganze Lebensanschauung, unser Handel und Wandel ist davon durchzogen …“

„Mit Sondergesetzen gegen Juden sei nichts gewonnen. Die Gesellschaft müsse sich wieder dem Christentum und der Ständegesellschaft zuwenden, dann werde sie die Juden „absorbieren“ und so die „Judenüberfluthung“ beenden.“

Er distanzierte sich 1881 von plumper „Judenhetze“, wie sie damals im Berliner Antisemitismusstreit hervortrat. Aber auch er griff die „goldene Internationale“ des „Finanzjudentums“ an und polemisierte gegen die angebliche Weltherrschaft des Hauses Rothschild, gegen arme „Hausierjuden“ und russische „schachernde und wuchernde Talmudjuden“. Wie Vogelsang sahen Prinz Aloys von Liechtenstein und der Moraltheologe Franz Martin Schindler Antisemitismus als natürliche Reaktion auf den Kapitalismus dort, wo Juden angeblich sozial privilegiert seien.

Offen rassistisch hetzte seit 1877 das Monatsblatt Österreichischer Volksfreund unter Carl von Zerboni: Talmudjuden wollten die regierende Race des Erdballs werden (Nr. 1), Gegenwehr gegen die Verjudung sei nötig (Nr. 5). Ab Nr. 9 stand über jeder Ausgabe in Großbuchstaben: Kauft nur bei Christen! Ab 1882 wurde das Blatt Presseorgan der aus verschiedenen antisemitischen Handwerkervereinen hervorgehenden „Österreichischen Reformpartei“ unter dem Rechtsanwalt Robert Pattai. Er sah „Manchesterliberalismus“ und Judenemanzipation als identische Vorgänge und strebte dagegen einen „gesunden Staatssozialismus“ an:

„Sollte es aber nicht gelingen, der Judenfrage durch diese notwendigen Reformen die Wurzel abzuschneiden und das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen, dann müssten eben die vielbegehrten Ausnahmegesetze gegen das Judentum notwendig werden.“

Dies unterstützte Ludwig Psenner, seit 1884 neuer Herausgeber des „Volksfreunds“, den er bis 1897 führte. Er suchte wie Vogelsang in der Rückbesinnung auf „christliche Werte“ das Heilmittel gegen die „Verjudung“ der Kultur und Gesellschaft. Doch 1886 zerbrach die Reformpartei daran, dass ein radikaler Flügel unter Georg Ritter von Schönerer den großdeutschen „Pangermanismus“ zum Programm erheben wollte.

Daraufhin gründeten Psenner, Ernst Schneider und Adam Latschka einen Verein, aus dem 1887 die „Christlich-Soziale Partei“ (CSP) hervorging. Bei der Gründungsversammlung übertrafen sich die Redner, u. a. der Ungar Franz Komlossy und der Wiener Reichstagsabgeordnete Karl Lueger, gegenseitig in antisemitischen Hetzreden, die etwa 1000 Anwesende mit stürmischem Beifall bedachten.

Für Regionalwahlen bildete die CSP sofort eine antiliberale Koalition mit deutschnationalen und antisemitischen Gruppen, die „Vereinigten Christen“. Der Antisemitismus war das Bindeglied, auf das alle Beteiligten sich einigen konnten. Das Programm forderte einen Einwanderungsstopp für Juden, ihren Ausschluss aus Staatsdienst, Justiz- und Arztberufen, Einzelhandel und gemeinsamem Schulunterricht mit Nichtjuden. Im Deutschen Volksblatt wurde das Ziel umrissen:

„Radical antisemitisch, streng national und entschieden christlich-social rühren wir alle Tage die Werbetrommel für die große Armee der Judenfeinde…, um deren Vereinigung in einer einzigen großen Volkspartei zu erreichen.“

1888 bei einer Kundgebung für Papst Leo XIII. errang Karl Lueger die Führungsrolle. Er forderte 1890 im Reichstag, die „Hauptursachen des christlichen Antisemitismus“ zu beseitigen:

  • die „judenliberale Presse“,
  • das „erdrückende Großkapital“, das in jüdischer Hand sei,
  • die „Unterdrückung der Christen durch die Juden“;
  • das „Martyrium der Deutschen“ unter den jüdischen „Raubtieren in Menschengestalt“.

So fand auch sein Parteifreund Ernst Schneider 1893, Österreich leide an einem contagiösen Geschwür, an dem die Völker und der österreichische Staat leider zugrunde gehen werden, wenn dieses Geschwür nicht beseitigt wird…: Es sind die Juden. Er forderte später in Niederösterreich als Ergänzung für ein Gesetz über die Tötung von Raubvögeln analoge Prämien für die Erschießung von Juden.

Die Einigung der Antisemiten misslang erneut: Die konservativen Katholiken wollten eher die Habsburger Monarchie retten, während die deutschnationalen „Demokraten“ ein antiklerikales großdeutsches Reich anstrebten. Dabei behauptete sich der „gemäßigte“ christlich-soziale Flügel: Schindler verfasste 1895 das Parteiprogramm der CSP, das die Ausbeutung angriff, „sie komme woher sie immer wolle“. Rassistischer Judenhass wurde abgelehnt; man wolle nicht das Judentum als Religion, aber den „Talmudismus“ und die mit dem Liberalismus gleichgesetzten „Reformjuden“ bekämpfen.

Der Papst segnete dies mit der Auflage ab, antisemitische Ausfälle zu unterlassen. Daraufhin musste Kaiser Franz Joseph Karl Lueger 1897 schließlich als Bürgermeister von Wien bestätigen. Mit Lueger war keine eindeutige Abgrenzung der CSP vom Rassen-Antisemitismus möglich.

Dies galt aber auch für Theologen wie August Rohling, dessen in 17 Auflagen verbreitetes Pamphlet Der Talmudjude (1871) den Antisemiten jahrzehntelang religiöse Argumente lieferte. Er wollte mit teilweise gefälschten Auszügen beweisen, dass der Talmud erlaube,

„…alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigenthum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, heimlich und meuchlings; – das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von Religions wegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschaft bringe.“

Darauf beriefen sich Antisemiten in politischen Versammlungen, u. a. der Wiener Handwerker Franz Holubek 1882:

„Wisst Ihr, was in diesem Buch steht? Die Wahrheit! Und wisst Ihr, wie Ihr in diesem Buch bezeichnet seid? Als eine Horde von Schweinen, Hunden und Eseln!“

Dies löste Tumulte aus. Holubek wurde wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt, doch freigesprochen, nachdem sein Verteidiger Robert Pattai vor Gericht aus Rohlings Buch zitierte. Als Rohling als Prozessgutachter zudem den Ritualmord als für Juden „außerordentlich heilige Handlung“ darstellte, warf ihm der junge Rabbiner und Reichsratsabgeordnete Joseph Samuel Bloch öffentlich Bereitschaft zum Meineid vor. Rohling zeigte ihn an; um das Verfahren zu ermöglichen, hob der Reichsrat Blochs Immunität auf. Sein Verteidiger, Josef Kopp, erreichte in zähen Verhandlungen die Zulassung von zwei ausländischen Gutachten zum Talmud. Darauf zog Rohling seine Klage vor Beginn der Hauptverhandlung zurück. Er musste die Prozesskosten tragen und verlor seine Professur für Bibelstudium.

Gleichwohl blieben seine Thesen und die Ritualmordlegende unter Österreichs Katholiken lebendig. Der Pfarrer Joseph Deckert verglich 1893 in einem Predigtzyklus Türkennot und Judenherrschaft und verteilte gratis Broschüren, die den Ritualmord an Simon von Trient anhand von „Akten“ des Jahres 1475 zu beweisen angaben. Er beauftragte den Konvertiten Paulus Mayer für ein Monatsgehalt von 100 Gulden, ihm eine Schrift zu liefern, die den Ritualmord nach kabbalistischen und talmudischen Lehren „belegen“ sollte. Nach einer Vorabveröffentlichung zeigte Bloch Deckert, Mayer und den Herausgeber des Vaterlands an: Im Prozess wurden alle drei zu Haft bzw. Geldbußen verurteilt.

Dies hinderte Deckert nicht, seine Hetze mit antisemitischen Konferenzreden und Schmähschriften (1894–98) fortzusetzen. Darin hieß es z. B.:

„Darum, die Augen auf, mein christliches Volk, erkenne den ältesten und gefährlichsten Feind Deiner Religion; …wehre Dich Deines Glaubens; Du wirst dadurch auch Deine irdische Wohlfahrt sichern. Amen.“

Deckert wurde 1896 vom Wiener Ordinariat verwarnt und erklärte daraufhin, Bloch habe ihn „in den Antisemitismus hineingehetzt“. Doch er hatte sich schon 1895 mit Karl Lueger solidarisiert:

„Nicht gegen die Religion der Juden ist der Antisemitismus gerichtet, obwohl der Talmud die Grundlage und das Grundübel des Judenthums bildet…sondern gegen die Rasse, insofern sie sich allen Nichtjuden, besonders aber den christlichen Ariern feindlich erwiesen hat und noch erweist. Darum hat der Rassenantisemitismus Berechtigung…“

Als Bürgermeister Wiens war Lueger allzu radikale Hetze unangenehm. Antisemitismus sei ein sehr gutes Agitationsmittel, um in der Politik hinaufzukommen, wenn man aber einmal oben ist, kann man ihn nicht mehr brauchen, denn das ist ein Pöbelsport! Diesen trieb er vor 1914 vor allem gegen die „rote Judenschutztruppe“ der aufstrebenden Sozialdemokratie weiter.

Nach 1918 verschärfte die Christlich-Soziale Partei ihren Kurs gegen die Republik und den Zuzug von polnischen Juden aus Galizien. Einzelfälle von Schiebern und Spekulanten führten im Oktober 1919 zu einer „Massenkundgebung christlicher Wiener“, bei denen Landtagsabgeordnete die Ausweisung aller Juden aus Österreich verlangten. Das neue Parteiprogramm forderte 1926 die Pflege deutscher Art und die Bekämpfung der Übermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet. Parteichef Ignaz Seipel erklärte, dies sei kein Kurswechsel, sondern immer Tradition der Partei gewesen.

Der Publizist Joseph Eberle gab seit 1918 für die katholische Intelligenz die Zeitschrift Das Neue Reich heraus, die in der „Judenfrage“ bewusst auf mittelalterliche Lösungen setzte. Ihm „roch“ die parlamentarische Demokratie „zu sehr nach polnischen Ghettos“. Er schlug z. B. eine von Richard Kralik verfasste „Volkshymne“ mit dem Text vor:

„Gott erhalte, Gott beschütze vor den Juden unser Land! Mächtig durch des Glaubens Stütze, Christen, haltet festen Stand! Lasst uns unser Väter Erbe schirmen vor dem ärgsten Feind, dass nicht unser Volk verderbe, bleibt in Treue fest vereint!“

Antisemitisches Wahlplakat der Christlichsozialen Partei bei der Nationalratswahl in Österreich 1920.

Weitere radikale Antisemiten und Gegner der „Judenrepublik“ waren vor 1933 der Ethnologe Wilhelm Schmidt und der Sozialreformer Anton Orel. Der österreichische Klerikalfaschismus zog die Linien vom Mittelalter zur Gegenwartspolitik: Die katholische Presse in Salzburg hob 1920 z. B. das Verdienst der Kirche hervor, jahrhundertelang die jüdische Gefahr durch Sondergesetze abgewehrt zu haben. Bischof Dr. Sigismund Waitz warnte 1925 im Neuen Reich vor der „Weltgefahr“ des habgierigen, wucherischen, ungläubigen Judentums, dessen Macht „unheimlich“ gestiegen sei.

Ihm widersprach der Benediktiner Alois Mager, der erstmals den Antisemitismus überhaupt als halt- und rechtlos, ja unchristlich erklärte. In der Folgezeit rückte das Blatt von politischer Judenausgrenzung ab und warnte vor dem Ansteigen des Nationalsozialismus. Doch es bekämpfte den katholischen Antisemitismus weiterhin kaum: 1933 erschien in Graz ein weiteres Hetzpamphlet über die Protokolle der Weisen von Zion: Pfarrer Arbogast Reiterers Das Judentum und die Schatten des Antichrist.

Nach Hitlers Ernennung zum deutschen Reichskanzler verharmloste Österreichs Presse die Judenverfolgung in Deutschland: Nach dem Judenboykott des 1. April 1933 zitierte man Hermann Görings Erklärung, die NS-Regierung werde niemals dulden, dass ein Mensch nur deshalb irgendwelchen Verfolgungen ausgesetzt werden sollte, weil er Jude sei. Der Philosophieprofessor Hans Eibl betonte die geschichtliche Schuld der Juden am Bolschewismus. Die Ausgrenzung von Juden wie Max Reinhardt aus dem Kulturleben Berlins wurde ebenso begrüßt wie die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. Der Ethnologe Oswald Menghin bejahte in seinem Buch Geist und Blut den Zionismus aus „rassischen“ Gründen, da die Integration der Juden den „deutschen Volkscharakter“ verändern würde.

Wer den Maßnahmen der Nazis öffentlich widersprach, betonte meist im selben Atemzug, Assimilation und Bekehrung der Juden seien unbedingt nötig, um die von ihnen ausgehende „Gefahr“ zu vermeiden. Zugleich wurde oft die Rückkehr zum katholischen Ständestaat propagiert, in dem die Juden ghettoisiert waren. Selbst die „Reichskristallnacht“ deuteten führende Katholiken Österreichs wie Eberle als Reaktion auf jüdische Schuld früherer Jahrhunderte. Nur wenige wie der Philosoph Dietrich von Hildebrandt bezogen deutlich und leidenschaftlich gegen die Nürnberger Gesetze Stellung.

Schweiz

Juden wurden in der Schweiz lange Zeit stark diskriminiert. Seit ihrer Vertreibung im 15. Jahrhundert lebten nur noch wenige Juden dort; um 1800 waren es 553 Juden in zwei Aargauer Dörfern (Endingen und Lengnau). Sie wurden rechtlich stark benachteiligt, mussten erhöhte Zölle und einen Leibzoll entrichten, durften kein Handwerk ausüben und keinen Boden besitzen. Zahlreiche Sondergesetze bezeichneten Juden als „gottlosen Schwarm“ oder „Pestilenz“.

Der Einmarsch der Franzosen 1798 brachte den Schweizer Juden mit der Idee der Menschenrechte erste Chancen zur Emanzipation. Nun strich man nach und nach die ihnen aufgebürdeten Sonderabgaben. In Genf setzte sich die Gleichstellung aller Bürger vor dem Gesetz – auch wegen der Tradition des Calvinismus – zuerst durch. Doch die Bundesverfassung von 1848 verwehrte Nichtchristen weiterhin die generelle Niederlassungs- und Religionsfreiheit sowie die Gleichheit in Gerichtsverfahren außerhalb des Heimatkantons. Bis etwa 1850 weigerten sich die meisten Kantone, außerkantonalen Juden die Ansiedlung zu gestatten. Erst 1866 brachte eine Volksabstimmung den Nichtchristen die vollen bürgerlichen Rechte und erlaubte ihnen auch die freie Religionsausübung.

Erst auf internationalen Druck Frankreichs, der Niederlande und der USA hin, die ihre Handelsverträge mit der Schweiz von der Niederlassungsfreiheit auch für Juden abhängig machten, hob die revidierte Bundesverfassung 1874 die letzten Einschränkungen der Bürgerrechte für Juden auf. Doch die Bevölkerung blieb antijüdisch eingestellt: Das zeigte 1892 eine Volksinitiative für ein Verbot des Schächtens, also den in der Tora vorgeschriebenen Brauch, für koscheres Fleisch ein Tier durch Halsader- und Luftröhrenschnitt ausbluten zu lassen. Daraufhin verbot die Bundesverfassung von 1893 Juden das Schächten generell, behinderte also massiv ihre Religionsausübung. In der Debatte darum kam es zu einer verstärkten Publikation von antisemitischen Schriften. Diese Haltung war aber nicht einheitlich: In der französischsprachigen Schweiz war die Bevölkerung mehrheitlich tolerant gegenüber Juden.

Der rechtlichen Gleichstellung auf staatlicher Ebene standen in vielen traditionell von Juden bewohnten Dorfgemeinden weiterbestehende rechtliche Einschränkungen auf lokaler Ebene gegenüber, beispielsweise Einschränkungen des Wahlrechtes in Endingen und Lengnau. Das führte auch in der Schweiz zu einer Wanderungsbewegung der Juden in die Städte. In den folgenden Jahrzehnten entstanden städtische jüdische Gemeinden, so in Zürich, Basel, St. Gallen und Luzern. In den Städten war das Klima wesentlich liberaler. In Bern war bereits 1859 Moritz Lazarus als Honorarprofessor an die Universität berufen worden, wo er mit drei weiteren jüdischen Dozenten das Lehramt ausübte und 1864 Rektor und Dekan wurde.[85]

Im Ersten Weltkrieg wurde „den Juden“ in der Schweiz die starke Lebensmittelteuerung angelastet, u. a. weil z. B. in Basel relativ viele Kaufhäuser jüdische Inhaber hatten. Seit 1918 übte die Schweiz eine restriktive Einwanderungspolitik und ließ nur sehr wenige jüdische Flüchtlinge einreisen; besonders Juden aus Osteuropa wurden abgewiesen. 1920 erließ Zürich besondere Vorschriften zur Einbürgerung, die „Ostjuden“ diskriminierten; sie blieben bis 1936 in Kraft.

Seit 1930 bildete sich auch in der Schweiz ein antisemitisches Parteienbündnis, die Frontenbewegung. Sie übte Hetzpropaganda nach nationalsozialistischem Vorbild, pflegte das „Führerprinzip“ und mystifizierte „alteidgenössische Tugenden“ gegen liberale und sozialistische Ideen. Doch hatten sie damit nur 1934–1936 bei lokalen Wahlen Erfolge. In St. Gallen wirkte eine „Schweizerische Christenwehr“ um den Arzt Walter Fehrmann und propagierte den Hass gegen Juden, Freimaurer und Zeugen Jehovas gleichzeitig, die alle ohnehin dasselbe seien[86]

Zwar gelang es dem Schweizer Israelischen Gemeindebund 1937 nach einem vierjährigen Prozess, die Protokolle der Weisen von Zion als Fälschung erklären zu lassen.[87] Doch verboten wurden sie nicht; die Bundesbehörden ergriffen keine weitergehenden staatlichen Schutzmaßnahmen gegen rassistische und antisemitische Propaganda. Bündnispartner für solche Forderungen fanden die Schweizer Juden nur in einigen Kantonen, bei linksgerichteten Parteien und einzelnen prominenten Humanisten, z. B. dem religiös-sozialistischen Theologen Leonhard Ragaz.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war die Schweiz für deutsche und österreichische Juden ein wichtiges Fluchtziel geworden. Die Schweizer Regierung gestattete ihnen jedoch meist nur einen Zwischenhalt. Ausländische Juden wurden kaum noch eingebürgert, stattdessen nahm die Abwanderung von Schweizer Juden nach Übersee drastisch zu. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 vereinbarte die Schweiz mit Deutschland ein Abkommen zur Kontrolle deutscher Juden: Sie veranlasste eine Verordnung, wonach ab 1939 die Pässe deutscher Juden mit einem roten J abgestempelt werden mussten. Dies verhinderte deren illegale Flucht und bedeutete ab 1941 für viele deutsche Juden den Tod, da sie der Deportation in die Vernichtungslager nun nicht mehr entgehen konnten. Mindestens 30.000 deutschösterreichische Juden wurden zudem 1941–1945 an der Schweizer Grenze abgewiesen.[88]

Nach jüngeren Nachforschungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums reagierte diese judenfeindliche Flüchtlingspolitik keineswegs nur auf Druck der Nationalsozialisten. Vielmehr gab es seit 1940 in der Schweiz mindestens 36 extrem rechtsgerichtete, patriotische und faschistische Gruppen, deren antisemitisches Gedankengut die gesamte Schweizer Öffentlichkeit mitbestimmte und auch von Offizieren und Professoren mitgetragen wurde. In dem Nationalarchiv der USA aufgefundene Dokumente decken mehrere Geheimabsprachen zwischen dem Schweizer Justizminister Eduard von Steiger und der Vereinigung des Schweizer Vaterlandes über das Abweisen von fluchtwilligen deutschösterreichischen Juden an den Grenzen und Asylverweigerung für bereits eingereiste Flüchtlinge auf. Auch die Schweizer Polizei wies die Grenzbeamten dazu an.

Dieser geheime Numerus clausus machte Einbürgerungen von Juden faktisch unmöglich. Jüdische Kinder durften seit 1939 nicht wie andere Kinder zu einem Erholungsaufenthalt in die Schweiz kommen; auch Schweizerinnen jüdischen Glaubens, die mit einem Ausländer verheiratet waren, durften nicht wieder einreisen oder eingebürgert werden. 1941 zögerte der Bundesrat zudem, jüdischen Schweizern in Frankreich und Italien vollen diplomatischen Schutz zu gewähren. Für diese Politik hat sich der Bundesrat 1995 bei den Überlebenden entschuldigt.[89]

Der Bericht des Wiesenthal-Zentrums stieß jedoch bei der heutigen Schweizer Regierung auf Ablehnung: Thomas Borer, Regierungssprecher für Schweizer Vergangenheitsbewältigung, meinte, die weitaus meisten Schweizer seien während des Zweiten Weltkriegs „eindeutige Demokraten und Antifaschisten“, die Schweiz „die einzige Oase der Demokratie, der Redefreiheit und der Toleranz auf dem Kontinent“ gewesen. Sie habe trotz ihrer außenpolitischen Isolation die meisten Flüchtlinge, darunter viele Juden, aufgenommen.[88]

Dagegen sieht Historiker Gerhard M. Riegner die Abweisung jüdischer Flüchtlinge seit 1938 nicht als Ausnahme einer ansonsten vorbildlichen Demokratie, sondern als Ergebnis einer Schweizer Tradition der antijüdisch motivierten Fremdenabwehr und des gelebten Antisemitismus. Er verweist dazu auf die späte Durchsetzung der jüdischen Emanzipation, das Schächtverbot 1893, die restriktive Einbürgerungspraxis gegenüber Ostjuden und die Transitland-Doktrin in der eidgenössischen Migrationspolitik nach dem Ersten Weltkrieg.[90]

Frankreich

Die Erklärung der Menschenrechte von 1789 hatte die französischen Juden noch nicht explizit einbezogen, da sie zunächst nicht als Teil der Nation galten. Nach zweijährigen Debatten, ob man sie vertreiben oder einbürgern solle, entschied die französische Nationalversammlung 1791 sich für ihre sofortige und uneingeschränkte rechtliche Gleichstellung. Während der Terrorherrschaft der Jakobiner 1793–1794 traten jedoch massive judenfeindliche Tendenzen der ländlichen und städtischen Unterschichten zutage.

Dennoch beeinflusste die Französische Revolution die Entwicklung zur Judenemanzipation in ganz Europa. Weil diese eins ihrer bleibenden Ergebnisse war, verband sich Antisemitismus auch in Frankreich selbst seither mit royalistischen, antirevolutionären und antidemokratischen Gruppen und Tendenzen.

1846 erschien in Paris das Traktat von Alphonse Toussenel: Les Juifs, rois de l’epoque („Die Juden, Könige der Epoche“), das bald in viele Sprachen übersetzt wurde. Es war eine der ersten Schriften, die vor einer jüdischen Weltherrschaft warnte: Die einst unterdrückte, nun privilegierte Minderheit werde die christliche Welt unterwerfen und drohe Rache an den früheren Verfolgern zu nehmen.

1858 definierte Gobineau in seiner Rassenlehre den Begriff der Nation gegen die Revolutionäre von 1789 völkisch und genetisch. Er fand damit in seiner Heimat aber nur bei wenigen Intellektuellen wie Ernest Renan und Édouard Drumont (1844–1917) Resonanz. So verfasste Drumont 1880 La France juive, das viele Auflagen erlebte. Es gilt als Grundlagenwerk des modernen Antisemitismus in Frankreich und wirkte auch auf deutsche Antisemiten zurück.

Bereits 1869 war in Paris das Pamphlet Le juif, le judaïsme et la judaisation des peuples chrétiens („Die Juden, der Judaismus und die Judaisierung der christlichen Völker“) von Roger Gougenot des Mousseaux erschienen. Für dieses Machwerk, das die Verschwörungstheorie einer Allianz von Juden und Freimaurern zur Weltbeherrschung aufleben ließ, erhielt der Autor einen hohen päpstlichen Orden.

1894 zeigte die Dreyfus-Affäre, wie stark der Antisemitismus im französischen Militär und in der Justiz verankert war: Reaktionäre Offiziere und Richter, unterstützt von Monarchisten und strenggläubigen Katholiken verurteilten den Hauptmann Alfred Dreyfus, Elsässer und Jude, aufgrund gefälschter Papiere wegen Landesverrats. Als die Fälschung bekannt wurde, verweigerte man ihm jahrelang die Rehabilitation. Journalisten wie Émile Zola, die sich öffentlich für Dreyfus einsetzten, wurden gerichtlich verfolgt. Die Affäre ließ Theodor Herzl zu dem Schluss kommen, dass die Assimilation der Juden in Europa gescheitert und jüdisches Leben auf Dauer nur in einem eigenen jüdischen Staat möglich sei. Sein Buch Der Judenstaat (1896) begründete den politischen Zionismus.

Antisemitische Karikatur in Frankreich (1898)

Nachdem Dreyfus 1905 schließlich rehabilitiert wurde, war der Antisemitismus in Frankreich gesellschaftlich und politisch diskreditiert. Nach dem Ersten Weltkrieg flackerte er unter dem Einfluss von Charles Maurras nochmals kurz auf.

Während der Occupation 1940 bis 1944 setzten sich erneut antidemokratische und antisemitische Tendenzen durch. Das Vichy-Regime beteiligte sich aktiv an Inhaftierung und Deportation französischer Juden in die deutschen Vernichtungslager. Die Bevölkerung war gespalten: Viele Franzosen halfen, Juden zu verstecken, in den unbesetzten Teil Frankreichs zu schleusen und nahmen an der Résistance teil, während andere sie denunzierten und auslieferten. Die Propaganda französischer Antisemiten erhielt Auftrieb: In Bordeaux initiierte der „Inspektor für Judenfragen“, Maurice Papon, 1942 die Wanderausstellung Der Jude und Frankreich, die viel Anklang fand. Die Zeitung La Petite Gironde schrieb:

„Der Volksmund sagt, bei einem Verbrechen müsse man stets nach der Frau suchen, die dahinter steckt. Fortan wissen wir, dass wir bei allen Miseren, Konkursen, finanziellen Katastrophen, Skandalen oder Kriegen nach dem Juden suchen müssen, der dahinter steckt.“

Großbritannien

Shylock und Jessica von Maurycy Gottlieb (1856–1879)

1290 war England das erste Land in Europa, das die Juden vollständig aus dem Land wies. Den Juden wurde bei Androhung der Todesstrafe die Rückkehr verwehrt. Die Anordnung des Königs Eduard I. wurde am 18. Juli 1290 verkündet. Am 12. Oktober begann die Vertreibung, die am Ende des Monats dem königlichen Erlass gemäß abgeschlossen wurde. Die Schätzungen zur Anzahl der Betroffenen schwanken zwischen zwei- bis fünftausend Personen.[91] Die Aktion war im christlichen Mittelalter ohne Beispiel und erfolgte ohne eine Begründung, die von Chronisten niedergeschrieben worden wäre. Schon Jahrzehnte zuvor spitzte sich die Diskriminierung und Verfolgung der Juden zu. Sie wurden des Ritualmordes und der Hostienschändung angeklagt, galten als Christusmörder und wurden als Geldverleiher gehasst, geschlagen und gelyncht. Dieser Hass hinterließ tiefe Spuren, die noch Jahrhunderte nachwirkten. Als Antithese zum Christentum waren Juden noch immer in den Predigten präsent. Obwohl die Engländer keine Juden mehr gesehen hatten, spielten noch 300 Jahre später zu Zeiten Shakespeares Juden „wie Wölfe in neuzeitlichen Kindergeschichten eine starke symbolische Rolle in der Ökonomie der Imagination.“ [92] Sehr anschaulich wurde der Antisemitismus in England in der Literatur. Dazu zählen die über England hinaus bekanntesten Stücke Christopher Marlowes – „Der Jude von Malta“ – und ShakespearesDer Kaufmann von Venedig“. Die Figur des Juden Shylock war Hauptfigur des Themas und vieler antisemitischer Stereotype, obgleich die Figur nicht die Hauptfigur des Stückes war. „Der Kaufmann von Venedig“ wird heute als eine Reaktion Shakespeares auf die damalige Fremdenfeindlichkeit interpretiert. Marlowes „Der Jude von Malta“ galt als Massenspektakel in der Londoner Metropole. Stephen Greenblatt verweist hierbei auf die tiefe Verankerung des Antisemitismus in der Gesellschaft: „Es ist in der Tat durchaus möglich, dass Der Jude von Malta eine derart befreiende Wirkung entfaltete, aber wahrscheinlich nur unter denjenigen Zuschauern, die bereits geneigt waren, sich befreien zu lassen.“ [93] Als Schlüsselszene für Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ gilt eine für den Antisemitismus der damaligen Zeit typisches politisches Ereignis: die Denunziation des portugiesischen Leibarztes der Königin Elisabeths Roderigo (Ruy) Lopez als Jude und Verschwörer durch „die äußerst spanienfeindliche, militant protestantische Fraktion um den Earl of Essex“. Seine Verurteilung als Hochverräter ohne Beweise und die Reaktionen des Publikums bei seiner Hinrichtung wird als extrem antisemitisch beschrieben. [92]

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts begannen die Juden, zurückzukehren. Um 1750 lebten circa 8000 Juden im Land, die jedoch etlichen Beschränkungen (Ausschluss vom Seehandel, Verbot des Ankaufs von Land, und verwehrter Zugang zu öffentlichen Ämtern) unterlagen. Ein Einbürgerungsgesetz (jewish naturalization act) des Whig-Premierministers Henry Pelham traf auf erbitterten Widerstand der Tory-Opposition und der Öffentlichkeit. Im Verlauf dieser Ereignisse kam es zu einer heftigen Diskussion über die Judenfrage, was jedoch nicht als breiter Antisemitismus gedeutet werden kann. [94] Die Unterbrechung des jüdischen Lebens während der Zeit entscheidender wirtschaftlicher Entwicklungen wird als einer der Gründe für den relativ schwach entwickelten Antisemitismus im Lande gesehen. [95]

Im britischen Königreich vollzog sich die Judenemanzipation in der Folgezeit fast ohne öffentliche Debatte. Seit 1850 waren Juden nur noch vom Eintritt in das Parlament ausgeschlossen (1858 erhielten sie Zugang zum Unterhaus), und bis 1871 konnten sie nicht Fellows in Oxford und Cambridge werden.

Der Romanschriftsteller und zweifach britischer Premierminister Benjamin Disraeli (1804–1881), galt als der erste Jude in England, der den „Eintritt in die Gesellschaft“ geschafft hatte. Er vertrat gegenüber dem Rassismus des Adels einen extremen jüdischen Chauvinismus. Als „Ausnahmejude“ beflügelte er viel antisemitische Klischees, indem er nach Hannah Arendt öffentlich sagte, „was die anderen nur im Geheimen oder Privaten hofften und meinten“ [96], und galt in der Gesellschaft als „Scharlatan“, „Schauspieler“ und „Parvenu“. Zwar war Disraeli völlig unkundig in Fragen der jüdischen Kultur und bestätigte, er sei als getaufter Jude „außerhalb der jüdischen Gesellschaft und mit großen Vorurteilen gegen Juden erzogen worden“ [97], nutzt aber selbst die Stereotype über die jüdische Weltverschwörung für seine Karriere und hielt sich für den „auserwählten Mann einer auserwählten Rasse“. Disraeli verlangte in seiner Biographie „Lord George Bentinck“ die Legalisierung des „Einfluß der jüdischen Rasse auf die modernen Staaten“. Hannah Arendt resümiert in ihrer Abhandlung zu Disraeli: „So kam es, dass Disraeli sich von den Herrschaftsaspirationen der Juden eine Vorstellung bildete, welche dem Wahn der Weisen von Zion – zieht man die veränderten Vorzeichen ab – gar nicht so unähnlich war. Er hatte mit den Antisemiten dies gemeinsam: er konnte sich ein Volk ohne allen politischen Willen, eine Herrschaftskaste ohne allen Willen zu herrschen, nicht vorstellen. … Das, was Disraeli (wie Antisemiten) so ungeheuer an den Ausnahmejuden imponierte, war die ohne alle äußere Zeichen nur auf Geld und Blut beruhende Zusammengehörigkeit.“ [98]

Während des Zweiten Burenkriegs von 1899 bis 1902 kam Antisemitismus in breiter Front auf der Seite der liberalen und linken Kriegsopposition zum Ausdruck. Hierbei wurde der Krieg als im Interesse von „jüdischer Finanz“ geführter „Judenkrieg“ bewertet. Zentrales Motiv der antisemitischen Vorurteile war seine Verbindung mit einer Germanophobie. Dies reichte von undifferenzierter Unterstellung prodeutscher politischer Sympathien, über Verschwörungstheorien bis hin zur Gleichsetzung aller Juden mit Deutschen sowie der besonders negativen Darstellung deutscher Juden. [99]

Solomon enjoys himself with two pretty christian girls – Karikatur von Thomas Rowlandson (1756–1827)

Erst im Zuge der starken Einwanderung von fast 200.000 Ostjuden aus Polen und Russland um 1900 kam es zu Konflikten. Die Zuwanderer waren durch Sprache, Tracht und Sitten deutlich unterscheidbar und trafen meist völlig mittellos in England ein. Aus Furcht vor billigen „Lohndrückern“ streikten 1903 die Bergarbeiter von Süd-Wales gegen ihre aus Polen stammenden Kollegen und verlangten einen Einreisestopp für verarmte Ausländer. Diese Anti-Alien-Bill wurde 1905 gegen Proteste der englischen Liberalen erlassen. Ein späterer Zusatz nahm allerdings aus religiösen und politischen Gründen Verfolgte davon wieder aus, sodass aus Russland und Rumänien vertriebene Juden weiterhin fast ungehindert einreisen konnten. Sie wurden relativ reibungslos integriert. [100]

Im 1. Weltkrieg entstanden auch in Großbritannien kleine Gruppen von Antisemiten, die aus nationalistischen Gründen vor allem deutsche Juden ablehnten, ohne damit größere Wirkungen zu erzielen. Bernhard Shaw stellte 1925 fest, es gäbe in seinem Land zwar antijüdische Vorurteile, aber diese seien nicht von Vorurteilen gegen Schotten, Iren, Walliser und alle Fremden verschieden. So wie man die Habsucht der Juden verhöhne, spotte man auch über den Geiz der Schotten. Von einem Antisemitismus könne für England keine Rede sein. Trotz der enormen Zuwanderung von Juden, sozialen Konflikten und gleichzeitiger heftiger antisemitischer Propaganda auf dem Kontinent, vor allem in Deutschland, bewahrte sich Großbritannien also seine Liberalität und öffnete Juden alle sozialen Aufstiegschancen.

Ein Grund dafür lag im hier traditionell starken aufgeklärten Philosemitismus, etwa von Dichtern wie Matthew Arnold und der Schauspielerin Mary Ann Evans, bekannt unter dem Pseudonym George Eliot. Ihr Aufsatz Die Juden und ihre Gegner, der leidenschaftlich und intelligent für die Verständigung und Aussöhnung mit dem lange geknechteten Judentum plädierte, fand 1880 viel Zustimmung. Ein weiterer Grund lag im theologischen Interesse der englischen Christen an der heilsgeschichtlichen Rolle Israels. Dies führte 1850 zur Bildung einer „Israel-Bewegung“ (British Israel Movement), die auch kirchenoffizielle Theologen des Anglikanismus und Methodismus beeinflusste.

Doch 1930 entstand auch in England eine faschistische Strömung, die sich in der British Union of Fascists organisierte. Sie konnte aber keine entscheidende politische Macht erringen.

Italien

Denkmal für die 1943 deportierten Juden Merans am ehemaligen Balila-Haus, Otto-Huber-Str., Meran

Die jüdischen Gemeinden Italiens waren klein. Im August 1938 wurde eine Judenzählung nach rassistischen Kriterien vorgenommen, bei der 58.412 Juden registriert wurden. 46.656 von ihnen waren mosaischen Glaubens. Sie lebten vorwiegend in den Großstädten des Nordens. In Rom, Mailand, Triest und Turin lebten mehr als die Hälfte von ihnen. In Süditalien, Sizilien und Sardinien, wo die Spanier lange geherrscht und fast alle Juden vertrieben hatten, gab es kaum welche von ihnen.

Im Zuge des Risorgimento hatte sich auch die Emanzipation der Juden seit 1848 vollzogen; das liberale Königreich Italien verstand sich trotz formaler Privilegierung der katholischen Kirche als neutral in Glaubensfragen. Es wurde aber erwartet, dass sich die Juden im Gegenzug für die Aufhebung aller diskriminierenden Vorschriften langfristig integrieren und assimilieren sollten.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts war aber Antisemitismus auch in Italien anzutreffen. In der katholischen Kirche und der mit ihr verbundenen Presse erschienen die Juden nicht nur als Mörder Christi, sondern auch als Symbol aller als bedrohlich empfundenen Entwicklungen der Moderne wie Liberalismus, Kapitalismus, Freimaurerei und Sozialismus. 1921 erschienen erstmals auf Italienisch die Protokolle der Weisen von Zion, ein antisemitisches Pamphlet, das eine jüdische Weltverschwörung belegen sollte. Begünstigt wurden diese Vorurteile durch die gute soziale Lage der Juden, die vorwiegend Kaufleute und Angestellte waren, und ihren überdurchschnittlich hohen Bildungsgrad. 1931 gab es unter ihnen kaum Analphabeten, während die durchschnittliche Quote in Italien noch über dreißig Prozent lag.

Im Unterschied zu Deutschland fand der Antisemitismus in der liberalen Führungsschicht Italiens jedoch kaum Resonanz und war auch in der übrigen Gesellschaft nicht so stark verbreitet. Juden hatten wichtige Positionen in der Privatwirtschaft, in den freien Berufen und selbst in der Politik inne. Der Jude Luigi Luzzatti war italienischer Premierminister in der Amtszeit vom 31. März 1910 bis zum 2. März 1911, ein weiterer Spitzenpolitiker, Sidney Sonnino, hatte einen jüdischen Vater.

Benito Mussolini fand seit 1921 unter ihnen Gegner, aber auch opferbereite Mitstreiter, z. B. Enrico Rocca, den Gründer des römischen Faschismus. Er setzte den Begriff „Rasse“ mit der Nation gleich, unterschied also Juden und Italiener nicht. Politisch suchte er den Dialog mit Vertretern zionistischer Organisationen, um internationale Anerkennung zu gewinnen und den britischen Einfluss im Mittelmeerraum zurückzudrängen. Er gab sich als Philosemit und verspottete Hitlers Rassetheorien, sodass NSDAP-Ideologen wie Rosenberg ihn zeitweise als „Judenknecht“, der selber von polnischen Juden abstamme, denunzierten.

Erst nach dem Abessinienkrieg und der „Achse Rom-Berlin“ 1936 machte Mussolini Zugeständnisse an die nationalsozialistische Ideologie. Ein „Rassenmanifest“ seiner Partei sprach 1938 von einer „reinen italienischen Rasse“, die „arischen Ursprungs“ sein sollte. Im Herbst jenes Jahres verboten Gesetze, die den Nürnberger Rassegesetzen glichen, Personen mit einem jüdischen Elternteil die Ehe mit „Ariern“, Bekleidung öffentlicher Ämter und Beschäftigung „arischer“ Angestellter. Weitere Gesetze verboten ihnen den Besitz von Radiogeräten, den Besuch von Bibliotheken und Schulen zusammen mit Nichtjuden.

Damit war keine weitere Verfolgung intendiert: Bis 1943 lebten jüdische Italiener noch relativ sicher in ihrer Heimat. Erst die nach Mussolinis Sturz von Deutschen eingesetzte Marionettenregierung ließ Juden in besonderen Konzentrationslagern internieren und ihr Eigentum beschlagnahmen. Die deutschen Besatzer bereiteten Maßnahmen zur „Endlösung“ vor und trieben die Juden italienischer Großstädte in Ghettos, um sie in die Vernichtungslager zu deportieren. Die italienische Bevölkerung lehnte dies überwiegend ab, da Juden nicht als Fremde galten. Trotz schwerster Strafandrohungen versteckten viele ihre jüdischen Nachbarn und verhalfen ihnen zur Flucht, besonders nach der „Räumung“ des römischen Judenghettos innerhalb nur eines Tages am 17. Oktober 1943.

Spanien

Spanien hatte sein Judenproblem schon gegen Ende des Mittelalters „gelöst“. Nach dem Ausweisungsedikt vom 31. März 1492 mussten alle Juden, sofern sie sich nicht taufen ließen, binnen drei Monaten das Land verlassen. Die konvertierten Juden (marranos) werden dennoch weiterhin als Juden betrachtet und der Zusammenarbeit mit ihren früheren Glaubensbrüdern verdächtigt.

Juden und marranos waren immer wieder Opfer der Inquisition. So wurden im Jahr 1680 bei einem Autodafé in Madrid 86 Juden verbrannt. Mit dem Nachweis der Blutreinheit (Limpieza de sangre), einer Verbindung von Antisemitismus und Rassismus (Estatutos de limpieza de sangre, erstmalig in Toledo 1449 niedergelegt), bis zu einem 16-tel jüdischen Erbanteils sollte einer Integration der Konvertiten vorbeugt werden.

„Erstmalig in der europäischen Geschichte trat hier eine Argumentationsfigur auf, bei der man sich auf die rassenbiologische, durch individuelle Wahl nicht beeinflussbare Andersartigkeit berief.“

Karin Priester: Rassismus[101]

Vom 16. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts war zur Erlangung eines höheren Amtes die Vorlage eines reinen Stammbaums, ähnlich dem Ariernachweis, erforderlich. Im Jahr 1796 empfahl der Finanzminister Don Pedro Varela, der sich von einer jüdischen Einwanderung eine wirtschaftliche Belebung und Konsolidierung der nach dem Krieg gegen Frankreich schwachen Finanzlage versprach, die Aufhebung des Niederlassungsverbotes. 1802 bestätigte Karl der IV., unter anderem auf Drängen des Klerus, erneut das Niederlassungsverbot. Ab 1876 wurden die Juden in Spanien dann geduldet. In religiöser Hinsicht waren sie dennoch weiter diskriminiert, denn nach Artikel 11 der Verfassung von 1876 ist jede „religiöse Kundgebung“ außer der katholischen verboten. 1909 wurde Artikel 11 aufgehoben.

Trotz der engen Anlehnung des Franco-Regimes an Deutschland und öffentlicher Äußerungen wie:[102]

„[…] die Einstellung der spanischen Regierung gegenüber Bolschewismus und Kommunismus sich nicht ändern werde, und dass dieser Kampf im In- und Ausland fortgeführt werden würde, ebenso wie gegen das Judentum und die Freimaurerei.“

unterschied sich Franco in Bezug auf die Judenfrage von Hitler. Spanien soll circa 50.000 europäische Juden gerettet haben, welche sich nach Spanien flüchteten. 1933 gelang eine größere Anzahl Juden von Deutschland nach Spanien. Auch in der Folgezeit wurde ein „Transit“ von jüdischen Flüchtlingen toleriert, sofern er unauffällig vor sich ging.

Niederlande

In den Niederlanden erhielten Juden schon 1796 die vollen bürgerlichen Rechte und konnten sich danach frei entfalten und integrieren. Sie stiegen z. B. früh in hohe Staatsämter auf, waren Richter, Universitätsprofessoren usw.

Ab 1924 entstand hier eine rechtsautoritäre Strömung mit teilweise faschistischen Positionen, die Nationale Unie. 1931 gründeten Cornelis van Geelkerken (1901–1976) und Anton Adriaan Mussert (1894–1946) in Utrecht die neue Nationaal-Socialistische Beweging (NSB), die sich mit ihrem Führerprinzip an Mussolini anlehnte und wie dieser keinen ausgeprägten Antisemitismus vertrat. Auch Farbige und Juden konnten zunächst dort Mitglieder werden. Ihr Ziel, ein „großniederländisches“ Reich, wurde bis 1936 von etwa acht Prozent Niederländern unterstützt. Innerhalb der Partei wuchs jedoch eine völkische Fraktion mit starker Sympathie für Hitler und den Antisemitismus. Mit Rücksicht auf sie verkündete Parteiführer Mussert 1937 die vollständige Übernahme der nationalsozialistischen Rasseideologie; ab 1938 schloss die NSB jüdische Mitglieder aus. Hohe Parteifunktionäre begrüßten den Anschluss Österreichs an das „Großdeutsche Reich“ und pflegten enge Kontakte zu den Nationalsozialisten in Berlin.

Doch diese deutschfreundliche Haltung wurde nicht belohnt: Es folgten Wahlverluste und Parteiaustritte. Nach Kriegsbeginn versuchte Mussert, die NSB daher zunächst auf „Neutralität“ zu verpflichten. Dennoch inhaftierten die niederländischen Behörden 10.000 NSB-Mitglieder als mutmaßliche Kollaborateure beim Einmarsch der Deutschen am 10. Mai 1940. Nach der Flucht der Königin ins Exil erklärte Mussert seine Partei zur einzigen Vertretung der Niederländer gegenüber den Deutschen und erklärte Hitler, er wolle sein Land – um Belgien und Wallonien zu einem Großniederlande erweitert – in den „Bund germanischer Völker“ eingliedern.

Trotz anderer Zielsetzung ließ Hitler ihn an der Macht. Am 12. Dezember 1941 schwor Mussert einen „Führereid“ auf Hitler, woraufhin die NSB zwei Tage später zur einzig zugelassenen Partei der Niederlande erklärt wurde. Ab 1942 ließ die formell regierende NSB-Führung die Deportation von 102.000 niederländischen Juden – neben 400.000 niederländischen Zwangsarbeitern für die deutsche Kriegswirtschaft – ohne Widerspruch zu. Bis zu 40.000 Niederländer dienten in niederländischen Untergruppen der Waffen-SS unter deutscher Führung und halfen mit beim Niederschlagen des Widerstands und beim Ausliefern von Juden. Dafür wurde Mussert am 12. Dezember 1945 als Landesverräter in Den Haag zum Tod verurteilt und am 7. Mai 1946 erschossen.

Belgien

Im Anschluss an niederländische Forschungen beauftragte der belgische Senat 2002 eine von dem Historiker Rudi van Doorselaar geleitete Forschergruppe damit, das Verhalten der Belgier während der deutschen Besatzung vom 10. Mai 1940 bis Ende 1944 zu untersuchen. Am 13. Februar 2007 berichtete Doorselaar dem Senat von deren Ergebnissen, die in dem Buch „Das gehorsame Belgien“ veröffentlicht wurden.

Danach gab es seit 1930 im demokratisch verfassten Königreich Belgien eine rassistische Politik, um den „schädlichen Einfluss“ der Juden zurückzudrängen. Deshalb ließen belgische Behörden sofort nach dem Einmarsch der Wehrmacht 16.000 belgische Juden festnehmen und in Lagern festhalten. Bis 1944 wurden etwa 25.000 belgische Juden an die Besatzer ausgeliefert und nach Auschwitz deportiert; nur 1.200 davon überlebten.[103]

Skandinavien

In Dänemark kam es 1819 fünf Monate lang zu antijüdischen Ausschreitungen in Kopenhagen und anderen Städten gegen jüdische Geschäfte, Wohnhäuser und Personen. Diese folgten unmittelbar den deutschen Hep-Hep-Unruhen.

1849 erhielten die Juden die bürgerliche Gleichberechtigung und wurden ohne Störungen integriert.

In Schweden wurden antijüdische Sondergesetze langsamer abgebaut: 1870 blieben den Juden aber nur noch der Reichsrat und Ministerämter verwehrt.

In Norwegen wurde Juden der Zuzug bis 1851 ganz verboten. Ein antisemitischer Rassenhass war jedoch in keinem der drei Staaten feststellbar.

In Finnland gestattete Schweden bis 1809 und später Russland keine jüdische Ansiedlung. 1880 begann eine zehnjährige Debatte um die Emanzipation der Juden, bei der ein Teil der Presse sich für die Einführung von Reformen zugunsten der Juden einsetzte, während reaktionäre Stimmen und der Klerus dies ablehnten. Doch bis nach dem Ersten Weltkrieg unterlagen die finnischen Juden etlichen Berufs- und Aufenthaltsbeschränkungen. Während des Zweiten Weltkriegs weigerte sich das mit Deutschland verbündete Land, seine jüdische Bevölkerung zu deportieren.

Obwohl in Island immer nur eine Handvoll Juden lebten, existierte ein erstaunlich hoher Antisemitismus. Das isländische Parlament lehnte 1853 eine Bitte des dänischen Königs nach freiem Ansiedlungsrecht und Religionsausübung zuerst ab. Während des Zweiten Weltkriegs verweigert das Land nicht nur Juden Visa, sondern wies diese auch nach Deutschland aus. [104]

Erst unter dem Einfluss des Berliner Antisemitismusstreits kam es auch in Skandinavien unvermutet zu antijüdischen Reaktionen gegen die Judenemanzipation: So polemisierte der norwegische Theologe F.C. Heuch 1879 gegen den jüdischen Literaturhistoriker Georg Brandes, der in Anlehnung an Gotthold Ephraim Lessing einen humanistischen Fortschrittsglauben vertrat. Heuch sah das „glaubenslose Reformjudentum“ als gefährlichen Feind des Christentums, das auf dessen Ausrottung hinarbeite.

Ähnlich warnte auch der Kopenhagener Pastor Fredrik Nielsen 1880 vor dem „modernen Judentum“, das von Lessing, Moses Mendelssohn und Abraham Geiger inspiriertes Anti-Christentum sei. Beide hatten jedoch kaum eine nachhaltige Wirkung auf das Geistesleben ihrer Länder.

Polen

In den Jahren um 1848 hatten sich die Juden Kongresspolens erneut als „glühende Patrioten“ gezeigt und für Polens Befreiung gekämpft, von der sie sich auch ihre Gleichstellung erhofften. 1862 kam es in Warschau nach gemeinsamen Aufständen gegen die russische Herrschaft zu Verbrüderungen von Christen und Juden, die ihre Gefallenen gemeinsam bestatteten. Der Marquis Aleksander Wielopolski verbesserte daraufhin ihre Rechtslage: Sie durften Immobilien erwerben, wurden als Zeugen vor Gericht zugelassen und mussten keine Sondersteuern mehr zahlen.

Doch nach dem Scheitern des polnischen Aufstands 1864 war den Juden Polens die Perspektive der Emanzipation verstellt, während das Wohlstandsgefälle weiter bestand. Nun gewann allmählich eine Ablehnung der Juden an Boden, da diese die Assimilation offenbar verweigerten und sich aufgrund ihrer religiösen Gebräuche beharrlich absonderten.

Auf die russischen Pogrome von 1881 reagierte das polnische Bürgertum überwiegend empört und schloss ähnliche Gewaltakte für Polen aus. Doch schon am 25. Dezember jenes Jahres kam es in Warschau zu einer tagelangen Plünderung des Judenviertels, nachdem bei einer Massenpanik in einer katholischen Kirche 28 Menschen zu Tode kamen und ein Gerücht Juden dafür verantwortlich machte. Nun schrieb die Warschauer Prawda:

„Das polnische Volk hasst die Juden aus religiösen und Rassengefühlen.“

Dieser Hass traf vermehrt Juden, die damals ohne Kenntnis polnischer Kultur aus Russland flohen und die wirtschaftliche Konkurrenzsituation zu den ebenfalls unterdrückten Polen verschärften. Das löste auch bei liberalen Intellektuellen häufige Sorgen vor „Überfremdung“ aus.

Mit Jan Jelenski begann ab 1877 auch in Polen eine antisemitische Publikation. 1887 gründete sich im Schweizer Exil die Liga Narodowa (nationale Liga) als Geheimbund gegen die russische Fremdherrschaft. Daraus ging 1897 die Partei Narodowa Demokracja (nationale Demokratie) hervor. Sie suchte bald sozialen und ökonomischen Fortschritt durch Kompromisse mit den Russen auf Kosten der polnischen Juden und Deutschen zu erreichen. Ihr führender Ideologe, Roman Dmowski, schrieb 1903:

„Ein nationaler Organismus darf nur das aufsaugen, was er sich zu eigen machen und in eine Vermehrung des Wachstums und der Stärke des Gesamtkörpers umsetzen kann. Ein solches Element sind die Juden nicht… die Aufsaugung einer größeren Menge dieses Elements [würde] uns verderben […], durch Elemente des Zerfalls jene jungen schöpferischen Keimzellen ersetzen […], auf welchen wir unsere Zukunft bauen.“

Die nationale Intoleranz sei Folge des Duldens der Juden, da diese unfähig zur Integration seien. Diese Motive des völkischen Antisemitismus griffen nun in Polen wie in Deutschland 20 Jahre zuvor um sich.

Polnische Ausgabe des Protokolls der Weisen von Zion

Bei den polnischen Bauern waren neben nationalen alte religiöse Motive für neuen Judenhass wirksam. Besonders in Posen und Galizien stachelte sie meist der katholische Klerus, die Dorfpriester, gegen die Juden auf. Man denunzierte sie nach ersten Streikwellen und der Russischen Revolution 1905 als heimliche Drahtzieher des sozialrevolutionären Umsturzes. 1911 schrieb z. B. die Lemberger Gazeta Niedzielna (Wochenzeitung):

„Das sollt ihr nicht erleben, ihr Herren Juden. Nur eines werden wir euch erleichtern, […] dass ihr so schnell wie möglich euch aus unserem Lande begebt. Wer mit uns bleiben will, der nehme unseren Glauben an und werde Pole…“

So bildeten Katholizismus und Nationalismus auf dem Land weithin eine antijudaistische, antidemokratische und antisozialistische Einheit.

Auf jüdischer Seite verstärkte dies die Bindung an eigene Tradition und Religion, Hinwendung zum Zionismus und zum proletarischen Sozialismus. Viele Juden lehnten bis 1914 ein unabhängiges Polen ab, weil dieser Nationalstaat ihnen nur größeren Assimilationsdruck versprach. Als Polen 1918 unabhängig wurde, änderte sich dies rasch: Die Zionisten bildeten einen „Nationalrat“, der als Partei für den Sejm (das polnische Parlament) kandidierte und dort die Gleichberechtigung aller Juden Polens – etwa zwei Millionen – forderte. Diese wurde 1930 realisiert.

Doch seit dem Krieg mit der jungen Sowjetunion 1920 wuchs in Polen der offene Antisemitismus. Polens Bischöfe veröffentlichten einen Hilferuf an die Katholiken in aller Welt, in dem sie das Judentum mit dem Bolschewismus gleichsetzten:

„Das wahre Ziel des Bolschewismus ist die Welteroberung. Die Rasse, welche die Führung des Bolschewismus in ihren Händen hat, hat schon in der Vergangenheit die Welt mittels des Goldes und der Banken unterworfen, und jetzt, getrieben durch die immerwährende imperialistische Gier, die in ihren Adern pocht, zielt sie schon auf die endgültige Unterwerfung der Nationen unter das Joch ihrer Herrschaft… Bolschewismus ist in Wahrheit die Verkörperung und Fleischwerdung des Antichrist auf Erden.“

Der antisemitische Priester und Parlamentarier Kazimierz Lutoslawski denunzierte die Juden als Werkzeuge der Russifizierung und Germanisierung und lastete ihnen die Demoralisierung des Volkes, seiner Arbeitskraft, Entchristlichung der Kultur, kurz: die „Vergiftung der Volksseele“ Polens an. [105]

Auf dem Hintergrund dieser verbreiteten, vom katholischen Klerus und nationalkonservativen Parteien gestützten und propagierten antisemitischen Stereotypen wurden Juden von Polen während der deutschen Besetzung dann kaum verteidigt und z. B. 1941 in Jedwabne von der Dorfbevölkerung ermordet. Bereits im Herbst 1946 kam es in Polen erneut zu Pogromen an Juden, die den Holocaust überlebt hatten.

Siehe auch: Geschichte der Juden in Polen

Litauen

Die in Litauen ansässigen Juden waren ab Mitte des 15. Jahrhunderts wirtschaftlich sehr erfolgreich, was im Jahr 1485 erstmals zu nennenswerten Spannungen führte. Litauen war eines der Zentren jüdischer Kultur in Osteuropa mit eigenen Schulen, einer großen Bibliothek und zahlreichen Toraschulen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wandte sich ein immer größerer Bevölkerungsteil gegen die wirtschaftliche Vormachtstellung der Juden, was 1764 zum Ende der etwa zweihundert Jahre praktizierten jüdischen Selbstverwaltung führte.

In den ersten Jahren nach der litauischen Unabhängigkeit 1918 genossen Juden noch beachtliche Privilegien (eigenes Schulsystem, Recht auf freie Benutzung der eigenen Sprache, Anerkennung des Sabbat (Sabbatobservanz), ein Ministerium für jüdische Angelegenheiten sowie die Gleichstellung der Rabbiner mit anderen Geistlichen). 1924 wurden nach dem Erstarken der nationalistischen Partei die jüdische Gemeindeverwaltung unter staatliche Aufsicht gestellt, das Ministerium für jüdische Angelegenheiten aufgelöst, und die jüdische Autonomie für innere Angelegenheiten weitgehend eingeschränkt. Unter der autoritär-nationalistischen Regierung Antanas Smetonas verschlechterte sich die Situation der Juden weiter.

Nach der sowjetischen Okkupation 1939 wurden jüdische Organisationen aufgelöst, und es kam zum Einzug von Eigentum. Von den 35.000 nach Sibirien deportierten Einwohnern waren 7.000 Juden. Mit dem deutschen Einmarsch im Juni 1941 entfaltete sich der Antisemitismus der litauischen Bevölkerung zu vollem Maß. Bereits ganz zu Beginn der deutschen Offensive waren bei Pogromen mehrere Tausende Juden getötet worden. Im Gesamtbericht der Einsatzgruppe A bis zum 15. Oktober 1941 (Stahleckerbericht) heißt es: „Aufgabe der Sicherheitspolizei mußte es sein, die Selbstreinigungsbestrebungen in Gang zu setzen und in die richtigen Bahnen zu lenken, […] ohne daß eine Anweisung deutscher Stellen erkennbar ist. In Litauen gelang dies zum ersten Mal in Kauen durch Einsatz der Partisanen. […] Im Verlauf des ersten Pogroms in der Nacht vom 25. zum 26.6. wurden über 1.500 Juden von den litauischen Partisanen beseitigt, mehrere Synagogen angezündet oder anderweitig zerstört und ein jüdisches Wohnviertel mit rund 60 Häusern niedergebrannt. In den folgenden Nächten wurden in derselben Weise 2.300 Juden unschädlich gemacht. In anderen Teilen Litauens fanden nach dem in Kauen gegebenen Beispiel ähnliche Aktionen, wenn auch in kleinerem Umfang statt

Bis Herbst 1941 ist von etwa 80.000 Toten auszugehen. Von den ehemals über 200.000 Juden leben heute in Litauen nur noch 5500.

Lettland

Während die jüdische Bevölkerung in den Provinzen Kurland und Semgallen auch nach der Einverleibung in das russische Reich 1795 ihre Eigenständigkeit weitgehend beibehalten konnte, wurde den Juden in der Polen zugeschlagenen Provinz Livland verboten, Handel zu treiben oder Abgaben und Zölle zu erheben. 1785 kam es unter russischer Oberhoheit zur Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Livland. Ab 1822 wurde den Juden erlaubt, in Riga zu wohnen und Handel und Gewerbe zu treiben.

Während der deutschen Besetzungszeit fanden Vernichtungsaktionen der deutschen Besatzungsmacht gegen Juden statt, die zur fast völligen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Lettlands führten.

Estland

Siehe dazu: Geschichte der Juden in Estland
Die erste jüdische Gemeinde entstand in Tallinn (erste Synagoge 1883). Obwohl es zwischen den Weltkriegen judenfeindliche Strömungen gab, kann nicht von einem bedeutsamen öffentlichen Antisemitismus gesprochen werden. Estland hatte 1941 rund 4500 jüdische Einwohner, von denen ungefähr die Hälfte in die Sowjetunion flüchten konnte. Die bei Ankunft der deutschen Truppen noch im Land befindlichen Personen wurden sofort festgenommen und ermordet oder interniert.

Russland, Ukraine, Sowjetunion

Siehe dazu: Geschichte der Juden in Russland

Im Russischen Reich gab es anfangs kaum Judengemeinden. Dennoch übernahm die orthodoxe Staatskirche neben antikatholischer Polemik den traditionellen Antijudaismus der Patristik, etwa von Johannes Chrysostomos. Die Ikonenmalerei enthielt auch antijüdische Motive. Im Zuge der russischen Ausdehnung nach Westen wurden die Juden Polens oft als Katholikenfreunde betrachtet und grausam verfolgt, so durch Iwan IV. 1563 in Polazk.

Der ukrainische Aufstand von 1648 unter Führung des Kosaken-Hetmans Bohdan Chmelnyzkyj richtete sich zwar gegen die Herrschaft des polnischen Adels in den ukrainischen Gebieten Polen-Litauens, doch ein großer Teil seiner Opfer waren Juden, die oft in einer prekären Vermittlerposition zwischen polnischen Magnaten und ukrainischen Bauern standen. Jüdische Opfer werden auf eine Zahl zwischen 10.000 und 200.000 geschätzt. Während der Aufstand in der ukrainischen Geschichtsschreibung als Akt des nationalen Heldentums gilt, sieht die jüdische Geschichtsschreibung darin den ersten Vorläufer der großen neuzeitlichen Judenmorde.

Durch die Türkenkriege und drei polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert gelangten zahlreiche Judengemeinden in den eroberten Gebieten unter russische Herrschaft. Bereits 1790 verbot Katharina II. Juden nach anfänglicher Toleranz den Kaufmannsberuf und erlegte ihnen doppelte Steuern auf, um die Moskauer Kaufleute vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Gleichwohl mussten sich die leibeigenen Bauern häufig beim jüdischen Kleinbürgertum verschulden, um die hohen Auflagen ihrer Grundherren auszugleichen. Auf dieser Basis kam es schon 1825, dann erneut 1841 und 1871 in Odessa zu Ausschreitungen gegen die Juden der Region. Die auf dem Land verbreitete Judenverachtung spiegelt sich auch in der damaligen Literatur, etwa in Turgenews Aufzeichnungen eines Jägers (1852).

Zar Nikolaus I. verfolgte eine harte antijüdische Politik: 1835 begrenzte er den Hauptwohnsitz der Juden im Russischen Reich auf den sogenannten Ansiedlungsrayon (Tscherta osedlosti), dieser umfasste 15 Gouvernements des Kernreichs und zehn weitere im Königreich Polen. Die orthodoxe Staatskirche begrüßte diese Ghettoisierung als Chance zur konzentrierteren Judenmission; der konservative russische Adel und das Großbürgertum sahen darin eine willkommene Abwehr des parlamentarischen „Virus“ aus Westeuropa.

Die 1861 erfolgte „Bauernbefreiung“ von Alexander II. gestattete ehemals leibeigenen Bauern den Landerwerb, was Gebildeten und Begüterten – darunter relativ vielen Juden – eher zugute kam. Dies vergrößerte den Judenhass der einfachen Bevölkerung noch. Ihre Vorurteile vertrat auch Dostojewski in seinem einflussreichen Tagebuch eines Schriftstellers 1877:

„Da kam nun der Befreier und befreite das autochthone Volk – und was nun: Wer stürzte sich als Erster darauf als ein Opfer, wer benutzte vorzugsweise seine Laster, wer umwand es mit seinem ewigwährenden goldenen Gewerbe, wer ersetzte sogleich, wo er nur konnte und gelegen kam, die abgeschafften Gutsherren? Mit dem Unterschied, dass die Gutsherren, wenn sie die Leute auch stark ausgebeutet hatten, dennoch bestrebt waren, ihre Bauern nicht zugrunde zu richten, meinetwegen um ihrer selbst willen, um ihre Arbeitskraft nicht zu erschöpfen; aber den Hebräer kümmert die Erschöpfung der russischen Kraft nicht, er nahm das Seine und ging…“

Erst unter Alexander II. durften einige reiche russische Juden außerhalb der Ghettos wohnen und ihre Kinder auf höhere Schulen schicken. Seine Ermordung am 1. März 1881 aber löste eine Pogromwelle aus: Staatlich lancierte Gerüchte lasteten den Mord und die schlechte Versorgungslage der jüdischen Minderheit an, um den Unzufriedenen ein Ventil für das Ausbleiben einer vom Zaren versprochenen Landreform zu öffnen. In den Folgemonaten verwüsteten und plünderten arbeitslose verarmte Bauern, die sich dabei auf einen angeblichen Zaren-Befehl beriefen, über 100 jüdische Gemeinden vor allem in der Ukraine. Die Behörden blieben untätig, und die christliche Stadtbevölkerung duldete die Übergriffe. Nur wenige orthodoxe Kleriker versuchten, die Bauern von den Exzessen abzubringen.

Zar Alexander III. verordnete dann am 3. Mai 1882 die so genannten Maigesetze, die die Juden an freier Berufswahl und Gewerbefreiheit hinderten und vielfach in noch größere Armut stürzten. Der Prozentanteil jüdischer Gymnasiasten wurde auf 10 % beschränkt. Sie lösten die erste Alija (Einwanderungswelle) von Juden nach Palästina aus. In dieser Zeit begannen einige Intellektuelle gegen die judenfeindlichen Staatsmaßnahmen zu protestieren, darunter Odessas Erzbischof Nikanor. Auch der „russische Lessing“, der Religionsphilosoph Wladimir Sergejewitsch Solowjow setzte sich neben der Wiedervereinigung von orthodoxer und katholischer Kirche für nachhaltige gegenseitige Achtung von Juden und Christen ein (Das Judentum und die christliche Frage 1884). Er fand die rückhaltlose Zustimmung von Leo Tolstoj.

Andererseits griff die judenfeindliche Hetze gerade in der Priesterschaft um sich. Bildungsrückstand und traditionelle Verbindung von staatlicher Despotie und Kirche trugen dazu bei. So fand die Ritualmordanklage im 19. Jahrhundert gerade in Russland prominente Fürsprecher und Popularität. Seit 1881 kam die Gleichsetzung des Judentums mit revolutionären Umtrieben hinzu, die wegen der Bildung einer jüdischen sozialistischen Partei und dem relativ hohen Anteil von Juden in der russischen Sozialdemokratie plausibel wirkte. Die Gegenrevolutionäre vereinten sich in Gruppen wie dem Bund des russischen Volkes oder dem Erzengel-Michael-Bund, die unter orthodoxen Priestern viel Zulauf hatten. Diese Kreise produzierten und veröffentlichten die Hetzschrift „Protokolle der Weisen von Zion“, durch welche bis heute antisemitisches Gedankengut weltweit verbreitet wird.

Opfer eines Pogroms in Jekaterinoslaw (heute Dnipropetrowsk) im Jahr 1905

Die zweite große Pogromwelle wurde wahrscheinlich von solchen Gruppen organisiert. Sie begann am Osterfest 1903 in Chișinău und griff rasch auf Homel, dann Hunderte weiterer Orte über. Der gesetzlich vorgeschriebene Eingriff des Militärs unterblieb, und die Regierung stellte die Pogrome als angeblich „spontane Racheakte“ der christlichen Bevölkerung an jüdischen Revolutionären hin. Das wiederholte sich während der ersten russischen Revolution 1905. Danach wurden die antijüdischen Gesetze noch verschärft und blieben bis zur Februarrevolution 1917 in Kraft. So war der russische Antisemitismus, gestützt auf den ländlichen Antijudaismus, eine kaum verhohlene halboffizielle Maßnahme zur Verhinderung der Sozialrevolution. In diesen Jahrzehnten erfolgte die zweite und dritte Alijah von Juden nach Palästina.

Die Februarrevolution unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski brachte allen Minderheiten, auch den Juden, 1917 die rechtliche Gleichstellung. 140 antijüdische Gesetze wurden aufgehoben. Doch im Russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution kam es zu den bislang schwersten Pogromwellen in den von den „Weißen“ Konterrevolutionären besetzten Gebieten. Sie kosteten vor allem in der Ukraine etwa 60.000 Juden das Leben.

Danach waren Christen wie Juden der gleichen antireligiösen Staatspropaganda und Unterdrückung ausgesetzt. Die vorherige Gleichsetzung von Judentum und Kommunismus im orthodoxen Klerus sorgte mit dafür, dass die KPdSU die Synagogen nicht bevorzugte und ihre Lehrer wie die der Kirche für fortgesetzten Religionsunterricht mit Zwangsarbeit oder in Schauprozessen mit dem Tod bestrafte. Im ersten Jahrzehnt nach der Revolution beschränkten sich die antijüdischen Aktionen des Staates hauptsächlich auf Aktivitäten gegen die Religion und deren Ausübung. Es gab z.B. Kampagnen gegen den Sabbat, und andere jüdische Festtage, oder das Backen von ungesäuertem Brot (Matze). Alle jüdischen Schulen, Heradim wie Jeschiwoth, wurden geschlossen, religiöse Publikationen konnten nicht mehr erscheinen, und es kam zu einigen publizitätsstarken Prozessen gegen säkulare wie religiöse jüdische Institutionen und deren Träger. Die Verhaftung, Verurteilung und Ermordung von Klerikern und die Schließung von Synagogen im größeren Umfang begann dann 1928. Die Verwischung der Grenzen zwischen Antisemitismus, Antizionismus und der Unterdrückung religiöser Lebensformen setzte erst Mitte der 30er Jahre ein. [106]

Stalin aktivierte den orthodoxen Antijudaismus seit 1936 gegen alle abweichenden Meinungen und Gruppen in der KPdSU, besonders gegen vermeintliche oder tatsächliche Trotzkisten. Zwar lockerte er seit 1940 einige der antireligiösen Gesetze, um den traditionellen christlichen russischen Patriotismus gegen den Überfall Hitlerdeutschlands zu mobilisieren. Davon waren die Judengemeinden jedoch ausgenommen, obwohl ihre Angehörigen die Heimat nicht minder aufopferungsbereit verteidigten. Russische Juden wurden häufig aus der Bevölkerung bei sowjetischen Behörden angezeigt[107] und den Nationalsozialisten ausgeliefert. Die Rote Armee unternahm anfangs nichts gegen die Ghettoisierung der polnischen Juden.

Neu veröffentlichtes Archivmaterial u. a. des Zentralkomitees der KPdSU datiert den staatlich organisierten Antisemitismus auf 1938 (Kostyrtschenko 2005). Damals fragten führende Parteiorgane nach der angeblichen „Verunreinigung“ der Kader (Angestellten) im Volkskommissariat für Gesundheit: Die Hälfte der Familiennamen auf dieser Liste waren „jüdisch“. Von 1942 bis 1944 häuften sich innerparteiliche antisemitische Dokumente. In den Kriegsjahren ließ Stalin die Wirkungen dieses latenten Antisemitismus im Staatsapparat aus innen- wie außenpolitischen Gründen möglichst bremsen.

Tschechoslowakei

Die Lage der Juden verbesserte sich mit den von Ideen des aufgeklärten Absolutismus und von jüdischen Aufklärern (Haskala) geprägten Reformen des österreichischen Kaisers Josephs II.. So gestattete das Toleranzpatent für das böhmische Judentum von 1781 diesen jede Form von Handwerk und Handel.

Mit dem im Zuge der nationalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts einhergehenden Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen mussten die Juden sich für die Zugehörigkeit zu einer dieser Kulturen entscheiden. Die von Integrationsbemühungen seitens der Tschechen führten zu einer verstärkten „Germanisierung“ der tschechischen Juden, sodass z. B. 1890 74 % der Prager Juden Deutsch als ihre Umgangssprache angaben.

In Boehmen und Mähren war ab 1867 die volle Gleichberechtigung der Juden gesetzlich garantiert. Dennoch wurden die Juden mit „Deutschtum“ und kapitalistischer Ausbeutung in Zusammenhang gebracht. Nach dem gescheiterten Versuch der Wiener Regierung, sowohl deutsch als auch tschechisch zur Amtssprache zu erheben, kam es im ganzen Land zu einem Sturm auf deutsche Institutionen und darauf folgenden antisemitischen Ausschreitungen. Großes Aufsehen erregte im Jahr 1899 die sogenannte Hilsner-Affäre, als in Nordböhmen ein ermordetes Mädchen aufgefunden wurde. Der Verdacht fiel auf den jüdischen Schustergesellen Leopold Hilsner, dem vorgeworfen wurde, das Mädchen aus rituellen Gründen ermordet zu haben, um ihr Blut beim Pessachfest zu benutzen. Hilsner wurde zum Tode verurteilt (später in eine lebenslange Haft umgewandelt).

Unter dem ersten Präsidenten der tschechoslowakischen Republik Tomáš Garrigue Masaryk und seinem Nachfolger Edvard Beneš war Antisemitismus offiziell nicht akzeptiert, und die Juden waren voll gleichberechtigt. Dies endete mit dem Einmarsch deutscher Truppen im Jahr 1938. Von den 118.310 Juden aus den tschechischen Ländern konnten 26.100 emigrieren, und 78.000 fielen dem Holocaust zum Opfer.

Ungarn

In Ungarn entwickelte sich eine Stimmung, welche die reinrassige Kultur der Ungarn durch Juden gefährdet sahen. Wegen der Teilnahme vieler Juden an der Revolution von 1918/19 hatte sich der Begriff ‚Judeobolschewik‘ in konservativen Kreisen verbreitet. Nach dem Zerfall der Monarchie wich der liberale, eher tolerante Nationalismus, einem eher radikalen und autoritären, aus Antisemitismus, Nationalismus, Revanchismus und aggressiver Christlichkeit bestehender Konservativismus.

Rumänien

Deportation jüdischer Frauen, überwacht von einem rumänischen Soldaten, 17. Juli 1941

Im 19. Jahrhundert wurden über 200 Judengesetze erlassen, von denen etliche später dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland als Vorbild dienten. Beim Entwurf der rumänischen Verfassung 1866 wurde überlegt, ob nicht die Juden ein Hindernis für Unabhängigkeit, Prosperität und Kultur des Landes seien. Artikel 7 („Nur Fremde christlichen Glaubens können rumänische Staatsbürger werden“.) grenzte diese Juden dann auch als Staatsbürger aus. Als der Berliner Kongress von Rumänien in den Artikeln 43 und 44 seines Schlussdokuments die Gleichberechtigung der Juden forderte, reagierte der Abgeordnete Vasile Conta am 5. September 1879: „Wenn wir nicht gegen das jüdische Element kämpfen, sterben wir als Nation“. Der Schriftsteller Ioan Slavici schlug gar Pogrome zur Lösung des Problems vor: „Erwürgen wir sie, werfen wir sie in die Donau, damit auch nicht der kleinste Rest von ihnen übrig bleibt“.

Von 1900 bis 1906 emigrierten über 70.000 Juden in Richtung Amerika. Diese starke Abwanderung erregte die Weltöffentlichkeit und veranlasste die amerikanische Regierung zur Absendung der sog. Hay-Note im Jahr 1902, welche die europäischen Mächte auf die Missachtung des Berliner Vertrags durch Rumänien verwies.

Das nächste Aufflammen von Antisemitismus fand kurz nach dem Ersten Weltkrieg statt. 1923 hatte Corneliu Zelea Codreanu nach dem Vorbild des italienischen Faschismus die nationalistische, antisemitische Legion des Erzengels Michael (Legiunea Arhanghelul Mihail) gegründet, die sich ab 1931 Eiserne Garde nannte. Alexandru C. Cuza in Iași[108] forderte 1926 und wieder 1935 im Namen einer Liga apararei nationale crestine (Liga der völkisch-christlichen Verteidigung) die Eliminierung (Entfernung) aller Juden, deren Gleichstellung nur durch die Pariser Vorortverträge 1920 von außen erzwungen worden sei. Diese „Parasiten“ sollten irgendwo als Bauern angesiedelt werden, aber nicht auf Kulturboden und schon gar nicht in Palästina, das den Moslems und Christen gehöre. Es gäbe viel zu viele Juden an den rumänischen Universitäten, z. B. an seiner eigenen in Jassy.[109]

Auch nach dem Tod Codreanus 1937 blieb die „Eiserne Garde“ aktiv. 1940 kam es auf Druck der Nationalsozialisten zu einer Koalitionsregierung von General Ion Antonescu und Codreanus extrem antisemitisch eingestellten Nachfolger Horia Sima, welche ein enges Bündnis mit Deutschland einging. Unter dieser Militärdiktatur wurden die rumänischen Juden dann besonders brutal verfolgt, wobei die Schätzungen über die Zahl der Ermordeten zwischen 300.000 und 400.000 schwanken.

Bulgarien

Im Jahr 1878 wurden im Unterschied zu Rumänien, wo sie bis nach dem Ersten Weltkrieg als meist Staatenlose der Willkür der Behörden preisgegeben waren, alle Juden eingebürgert. Nach 1878 gab es erstmals vereinzelte antisemitische Übergriffe. In den Jahren während des Ersten Weltkriegs, sowie unter dem Regime von Aleksandar Zankow nach dessen Putsch 1923 wurden antisemitische Ideologien und Aktivitäten dagegen stärker.

Ein von der bulgarischen Regierung im Oktober 1940 verkündetes und im Januar 1941 verabschiedetes antisemitisches Gesetz zum Schutze der Nation führte zu massiven Protesten aus der Bevölkerung, von bekannten Intellektuellen und seitens der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Auf Grund der Ablehnung des nationalsozialistischen Antisemitismus in weiten Teilen der bulgarischen Gesellschaft und weiterer Proteste, gelang es auch, Deportationen der ca. 50.000 Juden aus den vor 1940 zu Bulgarien gehörenden Gebieten zu verhindern. Über 12.000 Juden aus den bulgarisch besetzten Gebieten in Griechenland und Jugoslawien wurden in deutsche Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.[110]

Kroatien

Der Antisemitismus der Balkanregion muss in Hinsicht auf die lange Beherrschung durch die multinational geprägte aber dennoch im Kern katholische österreichische k.u.k. Monarchie sowie das Osmanische Reich, ihre nationalen Befreiungsbewegungen, die kurzen Abschnitten nationaler Selbstständigkeit, sowie die anschließende Okkupation durch Deutschland im Rahmen des Zweiten Weltkriegs betrachtet werden. Generell ist festzustellen, dass sich die Lebensbedingungen der Juden des Balkans nach den Reformen der k.u.k. Monarchie ab den 1870er-Jahren verbesserten.

Der Antisemitismus in Kroatien bewegte sich im gesamteuropäisch üblichen Rahmen. Allerdings ermöglichte der vorherrschende Katholizismus und die in Relation zu europäischen Kernstaaten verzögert einsetzende Aufklärung dem unter anderem durch das Motiv des Gottesmordes geprägten Antijudaismus eine längere Lebensdauer.

Ebenso wie in Tschechien wurden die Juden im Verlauf nationaler Bestrebungen des 19. Jahrhunderts mit der als „überfremdend“ empfundenen „anderen Nation“ identifiziert. So galten die oft die kroatische Sprache nicht vollkommen beherrschenden und statt dessen ungarisch sprechenden „kroatischen Juden“ als Ausländer, und wurden im Zusammenhang mit den „Magyarisierungsbestrebungen“ der österreichisch-ungarischen Herrschaft gesehen. Um die Jahrhundertwende erschienen in Zagreb Zeitschriften wie Hrvatsko kolo, welche die nun erstarkten antijüdischen Tendenzen formulierten.

Mit Erreichung der nationalen Unabhängigkeit im 1918 proklamierten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen schwächten sich diese Erscheinungen jedoch nicht ab, sondern intensivierten sich.

Aufgrund der wirtschaftlichen Folgeschäden des Krieges entlud sich die Unzufriedenheit des Volkes in pogromähnlichen Ausschreitungen gegen Juden und deren Besitz in Form von Plünderungen und Zerstörungen ihrer Geschäfte und Häuser.

Es kam zur Vertreibung von Juden, die erst seit kurzer Zeit auf dem Territorium des neuen Staates lebten, und demnach nicht das Recht auf die jugoslawische Staatsbürgerschaft besaßen. Weitere diskriminierende Maßnahmen waren der Ausschluss von den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung sowie die Verwehrung des Zugangs von Juden zu diplomatischen Berufen.

Trotz der genannten Diskriminierungen ist das Ausmaß des Antisemitismus in Kroatien im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten wie Polen oder Russland als eher gering einzustufen. Von einem durchgehend staatlich gelenkten oder parteiprogrammatisch geforderten Antisemitismus kann nicht ausgegangen werden.

1941 wurde das Land zum deutschen Vasallenstaat (Unabhängiger Staat Kroatien) unter der faschistischen Diktatur der Ustascha-Bewegung Ante Pavelićs, welche die Nürnberger Gesetze übernahm, und Serben, Juden und Roma systematisch verfolgte und ermordete.

Serbien

1941, mit der Zerschlagung des Königreichs Jugoslawien, wurde Serbien von den Nazis besetzt und ebenfalls zum deutschen Vasallenstaat (Serbien im Zweiten Weltkrieg) unter der faschistischen Diktatur der ZBOR-Bewegung unter der Führung von Milan Nedić, welche die Nürnberger Gesetze übernahm. Juden und Roma wurden systematisch verfolgt und ermordet. In den Jahren 1941 und 1942 fand in Belgrad eine Anti-Freimaurer-Ausstellung statt, die Teil der propagandistischen Kampagne der serbischen Nazi- Kollaborateursregierung war und von der Stadtverwaltung Belgrads finanziert wurde. Im Juni 1942 wurde Belgrad als die erste Stadt Europas für „judenrein“ („očišćen od Jevreja“) erklärt. Vier Fünftel der serbischen Juden verloren in dieser Zeit ihr Leben.[111]

USA

Deutsche Ausgabe der von Henry Ford herausgegebenen Schrift Der internationale Jude. Ein Weltproblem (1922)
Angebot eines Hotels: „Juden [wörtlich: Personen hebräischer Sprache] unerwünscht“ aus dem Amerika der 30er-Jahre

Die Puritaner hatten als Calvinisten das Alte Testament großgeschrieben. Die Sehnsucht nach freier Religionsausübung war ein Hauptmotiv für ihre Auswanderung in die damals noch britischen Kolonien. Die in der Bill of Rights 1776 verankerte religiöse Toleranz ließ die USA zum idealen Ziel vieler in Europa bedrängter und religiös verfolgter Gruppen, auch der Juden werden.

Bis 1850 lebten nur etwa 60.000 Juden in den USA. Seit den russischen Pogromen von 1881 kamen jährlich 6.000 russische Juden dazu. Bis 1910 stieg die Zahl der amerikanischen Juden so auf insgesamt zwei Millionen. Um 1930 lebten schon über vier Millionen Juden in den USA. Dieser enorme Zuzug führte zu regionalen Spannungen, die 1921 zu einer gesetzlichen Begrenzung der jüdischen Zuwanderung vor allem aus Südosteuropa durch ein Quotensystem führten.

Seit 1879 beeinflussten deutsche und französische antisemitische Schriften die Öffentlichkeit in den USA etwas. Der deutsche Lehrer und Antisemit Hermann Ahlwardt versuchte seit 1896, auch in den USA nach deutschem Vorbild eine antisemitische Partei zu gründen, scheiterte jedoch.

Freikirchen hatten in den USA ein traditionelles Interesse an der Judenmission. Um 1900 wurde diese von über 30 Konfessionen und Verbänden gepflegt. Aber schon 1890 kam es zu einer nationalen Konferenz von Juden und Christen, die einander besser kennenlernen wollten, zusammen Vorträge hörten und beteten. Die Abschlusserklärung proklamierte, dass jede ungerechte Behandlung von Juden und ihr Ausschluss zu sozialen Vorteilen „unamerikanisch“ und „unchristlich“ seien.

Erst im Gefolge des 1. Weltkriegs entstand auch in den USA eine antisemitische Strömung. Dafür war seit 1920 vor allem die Kampagne von Henry Ford verantwortlich. Gegen seine öffentlichen Anklagen in der Zeitung Dearborn Independent erhoben sich jedoch sofort anhaltende Proteste von vielen Seiten, darunter dem Verband der Churches of Christ in America. In Großannoncen veröffentlichten u. a. 119 angesehene Bürger ihre Abscheu vor Fords antisemitischen Hetzparolen:

„Antisemitismus ist fast unabänderlich verbunden mit Gesetzlosigkeit, Brutalität und Ungerechtigkeit. Er ist ebenso unausweichlich verflochten mit anderen dunklen Gewalten, vornehmlich jenen, die korrupt, reaktionär und voll Unterdrückung sind. Wir glauben, der Kampf gegen diese Pest sollte nicht den Männern und Frauen jüdischen Glaubens überlassen bleiben…“

1927 widerrief Ford angesichts des breiten innenpolitischen Widerstands seine antisemitische Erklärung und brach die Kampagne ab.

Eine gewisse Nachwirkung zeigte sich an manchen Hochschulen: So führte zum Beispiel die Yale University 1925 ein diskriminierendes Aufnahmesystem ein, das Kinder von nichtjüdischen Absolventen bevorzugte, um so den Anteil jüdischer Studierender zu begrenzen.

In den 1930er-Jahren waren Radiosendungen des antisemitischen katholischen Priesters Charles Coughlin sehr beliebt. Auch der Luftfahrtpionier Charles Lindbergh, der in der amerikanischen Öffentlichkeit beträchtliches Ansehen genoss, vertrat antisemitische Ansichten. Er war 1936 und 1938 zu Besuch im nationalsozialistischen Deutschland, wo er von Hermann Göring mit großem Pomp und mit viel propagandistischem Wirbel empfangen wurde. Nach einer Umfrage von 1939 waren 53 Prozent der US-Bürger der Ansicht, dass Juden anders seien und Einschränkungen unterliegen sollten. 10 Prozent hielten Deportationen für angebracht.[112] Verschiedene Untersuchungen zwischen 1940 bis 1946 belegten, dass sie als eine größere Gefahr für das Wohl der Vereinigten Staaten angesehen wurden als jede andere national, religiös oder rassisch definierte Gruppe. [113]

In den Südstaaten ist unter den weißen Protestanten die Ablehnung „jüdischer Yankees“ der „Wallstreet“ – also der städtischen Hochfinanz der Nordstaaten – zum Teil bis heute verwurzelt.

Japan und China

Nach Japan waren seit 1854 einige wenige Juden ausgewandert, die sich kaum von anderen westlichen Einwanderern unterschieden und auch nicht anders wahrgenommen wurden. Antisemitismus war unter Japanern unbekannt, bis westliche Bildungsliteratur – vor allem das Neue Testament und William Shakespeare – ins Japanische übersetzt wurden. Nach Lenins Oktoberrevolution 1917 veröffentlichten die mit den Japanern gegen die Bolschewisten verbündeten weißrussischen Truppen erstmals antisemitische Propaganda in Japan, wonach die Revolution eine Verschwörung von Juden gewesen sei. 1919 wurden die Protokolle der Weisen von Zion ins Japanische übersetzt.

Die politische Annäherung des von der Weltwirtschaftskrise ebenso gebeutelten Japans an Deutschland begann 1930. Damit einher ging der Import von nationalsozialistischer Propaganda, darunter Hitlers Mein Kampf.

Als Reaktion auf den europäischen Antisemitismus und um die USA zu Investitionen in Japan zu bringen, erwog die japanische Regierung seit 1930 mit dem Fugu-Plan, Zehntausende jüdische Flüchtlinge aus Europa anzuwerben und in der Mandschurei anzusiedeln. Man glaubte, Juden könnten Japans Wohlstand mehren und seine internationalen Handelsbeziehungen – besonders zu den USA, die man unter der Kontrolle amerikanischer Juden wähnte – verbessern. Der Plan war also nicht judenfreundlich, sondern aus dem aus Europa übernommenen Glauben an eine jüdische Weltherrschaft motiviert.

1938, nach dem Anschluss Österreichs, gewann der Plan konkrete Gestalt; doch nach dem Pakt Japans mit Deutschland und Italien 1941 blieb die Umsetzung aus. Die Regierung schürte den großjapanischen Nationalismus, ohne jedoch die in Japan lebenden Juden zu verfolgen. Erst aufgrund einer deutschen Intervention wurden in Kobe Juden verhaftet.

In China wurde ein jüdisches Ghetto in Shanghai eingerichtet (Hongkou-Ghetto).

Siehe auch

Literatur

Begriff

  • Thomas Nipperdey, Reinhard Rürup: Antisemitismus. In: Otto Brunner (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe: Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Klett, Stuttgart 1972
  • Gustav Weil: Semitische Völker. in Carl von Rotteck, Carl T. Welcker (Hrsg.): Das Staats-Lexikon. Keip, Frankfurt 1990 (Reprint der Ausgabe Altona 1845) ISBN 3-8051-0054-X
  • Ferdinand Hitzig: Semitische Völker und semitisches Recht. In: Deutsches Staatswörterbuch Hrsg. Johann Caspar Bluntschli, Karl Brater. Keip, Frankfurt 1983 (Reprint der Ausgabe Stuttgart 1865)
  • Georg Christoph Berger Waldenegg: Antisemitismus. Eine „gefährliche Vokabel“? Diagnose eines Wortes. Böhlau, Wien 2003, ISBN 3-205-77096-X[114]

Allgemein

Voraussetzungen

  • Micha Brumlik: „Deutscher Geist“ und Judenhass. Das Verhältnis des philosophischen Idealismus zum Judentum. Luchterhand, München 2000, ISBN 3-630-62028-0
  • Gudrun Hentges: Schattenseiten der Aufklärung. Die Darstellung von Juden und „Wilden“ in philosophischen Schriften des 18. und 19. Jahrhunderts. Wochenschau, Schwalbach 1999 ISBN 3-87920-485-3
  • Nicoline Hortzitz: Die Sprache der Judenfeindschaft in der frühen Neuzeit 1450–1700. Untersuchungen zu Wortschatz, Text und Argumentation. Winter, Heidelberg 2005 ISBN 3-8253-1365-4
  • Reinhard Rürup: Kontinuität und Diskontinuität der „Judenfrage“ im 19. Jahrhundert. Zur Entstehung des modernen Antisemitismus. in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Sozialgeschichte heute. Festschrift für Hans Rosenberg zum 70. Geburtstag. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd. 11), Göttingen 1974, S. 388–415

Deutschland

  • Peter Alter (Hrsg.): Die Konstruktion der Nation gegen die Juden. Wilhelm Fink, München 1999, ISBN 3-7705-3326-7 Inhalt (Link nicht mehr abrufbar)
  • David Bronsen (Hrsg.): Jews und Germans from 1860 to 1933: The Problematic Symbiosis. Reihe: Univ. Siegen, Beiträge zur Literatur- und Sprachwissenschaft, 9. Heidelberg 1979
  • Ismar Elbogen, Eleonore Sterling: Die Geschichte der Juden in Deutschland. EVA, Hamburg 1993, ISBN 3-434-46207-4
  • Nicoline Hortzitz: Früh-Antisemitismus in Deutschland 1789–1871/72. Niemeyer, Tübingen 1988, ISBN 3-484-31083-9
  • Arbeitskreis Kritik des deutschen Antisemitismus (Hrsg.): Antisemitismus: die deutsche Normalität. Geschichte und Wirkungswahn des Antisemitismus. Ça ira Verlag, Freiburg 2001 ISBN 3-924627-69-X
  • Klemens Felden: Die Übernahme des antisemitischen Stereotyps als soziale Norm durch die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands 1875–1900. Diss. phil. Heidelberg 1963
  • Hermann Greive: Geschichte des modernen Antisemitismus in Deutschland. WBG, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-80016-8
  • Wanda Kampmann: Adolf Stoecker und die Berliner Bewegung. Ein Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus. in GWU 13, 1962, S. 558–579
  • Gordon R. Mork: German Nationalism and Jewish Assimilation. The Bismarck Period. in: Robert Welsh (Hrsg.), Publications of the Leo Baeck Institute. Year Book 22, London 1977, S. 81–92
  • Rosemarie Leuschen-Seppel: Sozialdemokratie und Antisemitismus im Kaiserreich. Die Auseinandersetzung mit den konservativen und völkischen Strömungen des Antisemitismus 1871–1914. Hrsg. vom Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Reihe Politik und Gesellschaftsgeschichte, Bonn 1978
  • Rudolf Lill: Die deutschen Katholiken und die Juden in der Zeit von 1850 bis zur Machtübernahme Hitlers. in: Karl Heinrich Rengstorf, Siegfried von Kortzfleisch (Hrsg.): Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden. Darstellung mit Quellen, 2. Stuttgart 1970, S. 370–420
  • Paul Massing: Vorgeschichte des politischen Antisemitismus. Reihe: Frankfurter Beiträge zur Soziologie, 8. Frankfurt 1959 (Englisch: New York 1949)
  • Walter Mohrmann: Antisemitismus. Ideologie und Geschichte im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Berlin (DDR) 1972
  • Peter G. J. Pulzer: Die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland und Österreich 1867–1914. Sigbert Mohn, Gütersloh 1966 (engl. zuerst 1964); überarb. Neuausgabe Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2004; ISBN 3525369549 [119]
  • Edmund Silberner: Sozialisten zur Judenfrage. Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialismus von Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1914. Berlin 1962
  • Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. VS Verlag 2002, ISBN 3-8100-3691-9
  • Peter G. Pulzer: Die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland und Österreich 1867–1914. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2004, ISBN 3-525-36954-9
  • Eva G. Reichmann: Die Flucht in den Hass. EVA, 7. Auflage 1969
  • Stefan Scheil: Die Entwicklung des politischen Antisemitismus in Deutschland zwischen 1881 und 1912 Duncker & Humblot Berlin 1999, ISBN 3-428-09483-2
  • Gustav Seeber: Zum Kampf der deutschen Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus im Kaiserreich. Reihe Texte zur politischen Bildung, 16. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 1999 ISBN 3929994143 S. 7–17
  • Hans-Günther Zmarzlik: Der Antisemitismus im Zweiten Reich. in GWU 14, 1963, S. 273–286
  • Massimo Ferrari Zumbini: Die Wurzeln des Bösen. Gründerjahre des Antisemitismus von der Bismarckzeit bis Hitler. Klostermann, Frankfurt 2003, ISBN 3-465-03222-5
  • Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden?: Gleichheit, Neid und Rassenhass - 1800 bis 1933 Fischer Verlag 2011, ISBN 3100004264

Einzelthemen

  • Kai Drewes: Russophobie und Antisemitismus um 1900. Eine Eingabe des zionistischen Studenten Falk Weinreb an den Rektor der Technischen Hochschule Braunschweig; in: medaon.de, Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung
  • Norbert Kampe: Studenten und „Judenfrage“ im Deutschen Kaiserreich. Die Entstehung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988, ISBN 3-525-35738-9
  • Walter Boehlich (Hrsg.): Der Berliner Antisemitismusstreit. Insel, Frankfurt 1988, ISBN 3-458-32798-3
  • Olaf Blaschke: Wider die „Herrschaft des modern-jüdischen Geistes!“. Der Katholizismus zwischen traditionellem Antijudaismus und modernem Antisemitismus. in: Wilfried Loth (Hrsg.): Deutscher Katholizismus im Umbruch zur Moderne (= Konfession und Gesellschaft Bd. 3), Stuttgart 1991, S. 236–265
  • Olaf Blaschke: Katholizismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-35785-0
  • Gerhard Hanloser: Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute. Unrast, Münster 2003 ISBN 3-89771-423-X
  • Ernst Heinen: Antisemitische Strömungen im politischen Katholizismus während des Kulturkampfes. in: Kurt Kluxen, Wolfgang J. Mommsen (Hrsg.): Politische Ideologien und nationalstaatliche Ordnung. Studien zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Festschrift Theodor Schieder zum 60. Geburtstag, München 1968, S. 259–299
  • Klaus Hödl: Die Pathologisierung des jüdischen Körpers: Antisemitismus, Geschlecht und Medizin im Fin de Siècle. Picus-Verlag, Wien 1997, ISBN 3-85452-415-3.
  • Barbara Suchy: The „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“, Band 2: From the First World War to its Dissolution in 1933. In: Yearbook of the Leo Baeck Institute 30, 1985, S. 67–103
  • Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt. Judenfeindschaft in der Weimarer Republik. Dietz, Bonn 1999, ISBN 3-8012-5026-1
  • Kurt Warwrzinek: Die Entstehung der deutschen Antisemitenparteien 1873–1880. Reihe: Historische Studien, 168. Berlin 1927
  • Maria Anna Zumholz: Das Emsland, ein antisemitisches katholisches Regionalmilieu? in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte, 12. Haselünne 2005, S. 72–132
  • Bernhard Sauer: Freikorps und Antisemitismus in der Frühzeit der Weimarer Republik(pdf, 119 Kb) In: ZfG, 56, 2008, 1

Zeit des Nationalsozialismus

Andere Länder

Weblinks

Begriff

Biografien und Werke von Antisemiten

Überblick/ Bibliografien

Frühantisemitismus

Kaiserreich und Weimarer Republik

NS-Zeit

Ländersituationen

Einzelbelege

  1. Herbert A. Strauss, Norbert Kampe: Antisemitismus – Von der Judenfeindschaft zum Holocaust. Campus Verlag GmbH, 1988, ISBN 3-593-33464-X, S. 27.
  2. Alphons Silbermann, Julis H. Schoeps: Antisemitismus nach dem Holocaust. Wissenschaft und Politik, Köln 1986, ISBN 3-8046-8656-7, S. 33–39.
  3. Ernst Simmel: Antisemitismus. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 1993, ISBN 3-596-15530-4, S. 12.
  4. Olaf Blaschke: Die Anatomie des katholischen Antisemitismus. In: Olaf Blaschke, Aram Mattioli (Hrsg.): Katholischer Antisemitismus im 19. Jahrhundert: Ursachen und Traditionen im internationalen Vergleich. Orell Füssli, Zürich 2000, ISBN 3-280-02806-X.
  5. Yehuda Bauer: Vom christlichen Judenhass zum modernen Antisemitismus. In: Wolfgang Benz: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 1. Campus Verlag GmbH, Frankfurt, New York 1992, ISBN 3-593-34635-4, S. 77–91.
  6. Shulamit Volkow: Das geschriebene und das gesprochene Wort. Über Kontinuität und Diskontinuität im deutschen Antisemitismus. In: Jüdisches Leben und Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. C. H. Beck Verlag, München August 1997, ISBN 3-406-34761-4, S. 54.
  7. Franz Wegener: Kelten, Hexen, Holocaust: Menschenopfer in Deutschland. KFVR, Gladbeck August 2004, ISBN 3931300145.
  8. Boston: Resurgence of antisemitism; http://www.commentarymagazine.com/Summaries/V25I6P44-1.htm
  9. ADL Servey: More Blacks Found To Be Anti-Semitic; ADL Survey: Anti-Semitism Declines Slightly in America; George W. Armstrong
  10. Wolfgang Benz; Verein der Freunde und Förderer des Zentrums für Antisemitismusforschung (Hrsg.): Die „Judenfrage“. Saur KG, Berlin 2003, ISBN 3598350465, S. 35.
  11. Strauss/Kampe, Die Juden in Staat und Wirtschaft der Voremanzipationszeit, in: Antisemitismus S. 77–82
  12. Herbert A. Strauss: Der Holocaust als Epochenscheide der Antisemitismusgeschichte, in: Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945 S. 49
  13. Peter Pulzer, Die Entstehung des politischen Antisemitismus S. 74
  14. Shulamit Volkov: Antisemitismus als kultureller Code S. 135
  15. Bernd Estel, Nationale Identität und Antisemitismus in Deutschland, in: Bergmann/Erb, Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945 S. 61 f.
  16. H. Strauss, a. a. O. S. 47 f.
  17. Winfried Seibert: Antisemitismus in Rheinhessen
  18. Andrea Djuren, Nicole Hummel: Entwicklungslinien des Antisemitismus bis zum Ende des Kaiserreiches (pdf)
  19. Ursula Homann: Nicht immer waren Deutsche Philosophen Juden wohl gesinnt
  20. Erb/Bergmann, Nachtseite der Judenemanzipation S. 212
  21. Antisemitismus bei J. G. Fichte
  22. Ursula Homann, a. a. O.
  23. Diether Huhn, Von Schleiermacher zu Hegel
  24. zitiert nach Reinhold Steig, Heinrich von Kleist’s Berliner Kämpfe S. 612–623
  25. Erb/Bergmann, a.a.O. S. 111–135
  26. nach Weltgeschichte im Aufriss Band 2, Diesterweg, Frankfurt/Main 1978, S. 191
  27. Friedrich Rühs: Über die Ansprüche des Juden an das deutsche Bürgerrecht. in: Bentzel-Sternau u. a. (Hrsg.): Anti-Israel – eine projüdische Satire aus dem Jahre 1818; nebst den antijüdischen Traktaten Friedrich Rühs’ und Jakob Friedrich Fries’ (1816), Manutius-Verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-934877-31-1
  28. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 114
  29. Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Viertes Buch, 1840
  30. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 198 und 202
  31. Jacob Katz: Vom Vorurteil bis zur Vernichtung. Der Antisemitismus 1700–1933. C. H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-33555-1, S. 174 f.
  32. Richard Wagner: Das Judenthum in der Musik. Insel, Frankfurt/Main 2000, ISBN 3-458-34317-2, S. 31
  33. Eduard Meyer: Gegen Ludwig Börne, den Wahrheit-, Recht- und Ehrvergessenen Schriftsteller aus Paris.
  34. Edmund Silberner, Sozialisten zur Judenfrage. Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialismus von Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1914, Berlin 1962, das Zitat S. 260.
  35. Ludwig Andreas Feuerbach: Das Wesen des Christentums. Gesammelte Werke Teil 5, bearbeitet von Werner Schuffenhauer und Wolfgang Harich, 2006, ISBN 978-3-05-004212-1, S. 209 ff.
  36. Micha Brumlik, Doron Kiesel, Linda Reisch: Der Antisemitismus und die Linke, Haag + Herchen, Frankfurt 1991, ISBN 3-89228-726-0, S. 7ff
  37. Michail Bakunin: Persönliche Beziehungen zu Marx, in: Gott und der Staat und andere Schriften, Rowohlt, 1971, ISBN 3-499-45240-5
  38. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 246–261
  39. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 208 f.
  40. Karl Heinrich Rengstorff, a. a. O. S. 306 f.
  41. Frankfurter Rundschau: Kaiser Titus’ Dummheit
  42. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 196
  43. Erb/Bergmann, a. a. O. S. 195
  44. Siehe z. B.: Adolf Stoecker, Reden im neuen Reichstag 1899. Siegen 1899, S.65, 219, 385, 447.
  45. Michael Ley: Holokaust als Menschenopfer: vom Christentum zur politischen Religion des Nationalsozialismus. Lit, Münster 2002, 80
  46. Offenes Schreiben an Herrn Ernst von Weber Verfasser der Schrift Die Folterkammern der Wissenschaft, 1879, R. Wagner, Gesammelte Werke, Leipzig 1888
  47. a b Daniel Jütte: Tierschutz und Nationalsozialismus. Die Entstehung und die Auswirkungen des nationalsozialistischen Reichstierschutzgesetzes von 1933, IDB Münster 2002, S. 167 ff.
  48. Hanna Rheinz, Kabbala der Tiere, Tierrechte im Judentum, in Tierrechte, eine interdiszinplinäre Herausforderung, Hrsg IATE, Heidelberg 2007, S. 234-252
  49. Gerd Hoffmann: Der Prozeß um den Brand der Synagoge in Neustettin (Rezension)
  50. Peter Pulzer, Die Entstehung des politischen Antisemitismus S. 148
  51. zitiert nach Ernst Simmel: Antisemitismus, Fischer TB 1993, ISBN 3-596-15530-4, S. 58f
  52. Wilhelm Mommsen, Deutsche Parteiprogramme S. 84, zitiert nach Neuer Antisemitismus? S. 19
  53. Andreas Winnecken: Ein Fall von Antisemitismus. Geschichte und Pathogenese der deutschen Jugendbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. In: Reihe Wissenschaft und Politik, Köln, 1991, ISBN 3-8046-8770-9
  54. Peter Pulzer, a. a. O. S. 220
  55. Peter Pulzer, a.a.O. S. 254
  56. Harald Loennecker: Wagnerianer auf der Universität
  57. Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden, München 2000, S. 46
  58. Julius H. Schoeps, Wie antisemitisch waren die Sozialisten? in: Über Juden und Deutsche S. 110 ff.
  59. Deutsches Haus der Geschichte: Die Deutschvölkische Partei
  60. Sitzungsprotokoll des preußischen Staatsministeriums vom 4. Februar 1918
  61. Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt S. 39
  62. Monika Richarz (Hrsg.): Jüdisches Leben in Deutschland II. Im Kaiserreich. Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte S. 38
  63. Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt, S. 23
  64. Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt, S. 27
  65. zitiert nach Bischof Dr. Christian Zippert: Erinnerung um der Zukunft willen. Ansprache anlässlich der Übergabe der wiederhergestellten Synagoge in Roth an die Öffentlichkeit am 10. März 1998
  66. zitiert nach Willibald Gutsche: „Man rufe Mir! Ick komme! Amen.“ In: Die Zeit Nr. 28, 3. Juli 1992, S. 70
  67. Spiegel 8/2004, Interview mit John Röhl: Seine Schuld ist sehr groß
  68. Berliner Zeitung, 11. Mai 1994: Rezension zu John Röhls Biographie über Wilhelm II.
  69. Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt, S. 247
  70. z. B. Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich, Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-506-77492-1
  71. Deutschlandradio: Kalendertag 5. November 1923
  72. Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt, S. 253
  73. Eva Groepler: Zertrampelt die Judenkapitalisten! In: Konkret, Heft 1/1991, S. 45
  74. zitiert nach Ludger Heid, Arnold Paucker: Juden und deutsche Arbeiterbewegung bis 1933. Mohr Siebeck, Tübingen 1992, ISBN 3-16-146016-2, S. 99
  75. Brigitte Hamann: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators, München 1996, S. 496ff.; in Ansätzen ähnlich John Toland: Adolf Hitler, Bergisch-Gladbach 1977; Ralf Georg Reuth: Hitlers Judenhass. Klischee und Wirklichkeit, München 2009
  76. Holocaustreferenz: Adolf Hitler: Gutachten zum Antisemitismus
  77. Gerhard Paul, Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 1990, S. 90–94; Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 4: Vom Beginn des ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C.H. Beck Verlag, München 2003, S. 569; Michael Mayer, NSDAP und Antisemitismus 1919-1933, in: Munich Discussion Paper, No. 2002-5 (online, Zugriff am 9. Januar 2011)
  78. Julius Ludwig Pfeiffer: Das Tierschutzgesetz vom 24. Juli 1972. Die Geschichte des deutschen Tierschutzrechts von 1950 bis 1972. Verlag Peter Lang, Bern/Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-52708-X
  79. Boria Sax: Animals in the Third Reich: Pets, Scapegoats, and the Holocaust. Foreword by Klaus P. Fischer. Continuum, New York/London 2000, ISBN 978-0-8264-1289-8
  80. Zeittafel: Juden im Dritten Reich
  81. Artikel Antisemitismus, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Lexikon des Holocaust, 1976, S. 15
  82. Genealogienetz.de: Blumentritt (Familienname)
  83. Michael Brenner, a. a. O. S. 78 ff.
  84. Michael Brenner, a. a. O. S. 63 ff.
  85. Michael Brenner, Stefi Jersch-Wenzel, Michael A.Meyer: Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd.2, Emanzipation und Akkulturation 1780–1871, München 1996, ISBN 3-406-39703-4, S. 308f., S.321
  86. Fehrmann, Die antisemitische Bewegung in der Schweiz und das Programm der Schweizer Christenwehr, in Die Weltfront. Eine Sammlung von Aufsätzen antisemitischer Führer aller Völker. Hg. Hans Krebs, Weltfrontverlag, Aussig 1926 online S. 85 - 89. Nur in dieser 1. Aufl.
  87. Prozessunterlagen im Bezugsartikel "Protokolle…" unter Weblinks
  88. a b Hagalil: Die Juden in der Schweiz
  89. Historisches Lexikon der Schweiz: Antisemitismus
  90. Bericht des Simon-Wiesenthal-Zentrums: Schweiz in 40er Jahren von Antisemitismus durchsetzt
  91. Ira Katznelson, Barry R. Weingast: Preferences and Situations, Seite 88/89. ISBN 978-0-87154-442-1 (englisch), abgefragt am 17. Juli 2011
  92. a b Stephen Greenblatt: Gelächter am Schafott: In: Grennblatt: Will in der Welt. Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde. Berlin, 2004,
  93. Stephen Greenblatt: Gelächter am Schafott: In: Grennblatt: Will in der Welt. Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde. Berlin, 2004,
  94. Thomas Whipple Perry: Public opinion, propaganda, and politics in eighteenth century England. A study of the Jew Bill of 1753, Harvard University Press, 1962, Seite 75–90, 99, und 178–182
  95. George Macaulay Trevelyan: Geschichte Englands. Bd. 2. Von 1603–1918, Leibniz-Verlag, 1947, ASIN B0000BOO8X, Seite 185 ff.
  96. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Dort: Die Karriere Benjamin Disraelis. Piper 4. Aufl. von 1986, Feb. 1995. Seite 131ff, Zitat: S. 136
  97. Joseph Caro, zitiert nach Hannah Arendt. a.a.O. Seite 133
  98. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Dort: Die Karriere Benjamin Disraelis. Piper 4. Aufl. von 1986, Feb. 1995. Seite 144, 145
  99. Jago Salmon auf der Seite des Instituts für Auslandsbeziehungen: Wird Großbritannien antisemitisch?
  100. Susanne Terwey: Moderner Antisemitismus in Großbritannien 1899–1919. Königshausen & Neumann, 2006, ISBN 3-8260-3460-0, Seite 86 ff. und 102 ff.
  101. Karin Priester: Rassismus. Eine Sozialgeschichte, Reclam, Leipzig, 2003, ISBN 3-379-20076-X, Seite 24
  102. The Spanish The Spanish Government and the Axis: No. 15. Notes on Conversation Between General Franco and Ambassador Dieckhoff.
  103. Blick nach Rechts 4/2007: Bericht über belgische Kollaboration
  104. Vilhjálmur Örn Vilhjálmsson: Iceland, the Jews, and Anti-Semitism 1625–2004
  105. Für die Zeit zwischen den Weltkriegen: Heiko Haumann, Geschichte der Ostjuden. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1998, ISBN 3-423-30663-7, Seite 196 ff.
  106. Hellmuth G. Bütow (Hrsg.): Länderbericht Sowjetunion, Schriftenreihe Band 263 der Studien zur Geschichte und Politik, Bundeszentrale für politische Bildung, 2. aktualisierte Auflage, Bonn, 1988, S. 581
  107. z.B. Anklageschrift gegen Erich Ehrlinger und andere, Landgericht Kiel 1960, S. 67; siehe Dokumentenarchiv Yad Vashem
  108. Nicht zu verwechseln mit dem Namensgeber der Universität in Iași, Alexandru Ioan Cuza, die nach dem Fürsten der vereinigten Walachei und Moldawiens zur Gründungszeit 1860 benannt ist.
  109. A. C. Cuza: Das jüdische Problem in Rumänien und die Doktrin der „völkisch-christlichen Verteidigung“; in Hans Krebs, Otto Prager: Weltfront. Eine Sammlung von Aufsätzen antisemitischer Führer aller Völker. Weltfrontverlag, Aussig 1926, S. 56–59. Auch in der 2. erw. Aufl. Nibelungen, Berlin & Leipzig 1935 Autoren- und Titelliste. Cuza lebte 1857–1947.
  110. Bulgarien und Nationalsozialismus
  111. helsinki.org.rs Helsinki Committee for Human Rights in Serbia: Antisemitism, 2008, in englischer Sprache
  112. Frank E. Smitha: Roosevelt and Approaching War: The Economy, Politics and Questions of War, 1937–38, March 12, 2006
  113. Wesley P. Greear: American Immigration Policies and Public Opinion on European Jews from 1933 to 1945
  114. über die Terminologie, mögliche Ersatzbegriffe
  115. darin bes. weiterführend: Gustav Seeber, Zum Kampf der dt. Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus im Kaiserreich. S. 7–16; Karl-Heinz Gräfe: Stalinismus und Antisemitismus in der UdSSR der 20er und 30er Jahre. S. 17–25
  116. Bibliografie mit mehr als 700 Titeln sowie Übersicht als Text
  117. sowie alle vorherigen Bände; mehrere Aufl., auch unter anderen Verlagsnamen
  118. interdisziplinäre Aufsatzsammlung mit Epochenquerschnitten
  119. In der Einleitung ein Forschungsbericht, als Skizze der Jahre 1966–2004; im Anhang histor. Schlüsseldokumente; diese beiden Teile online im Internet-Buchhandel lesbar
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