Antitauromarquia
Stierkämpfer in der Arena von Málaga
Ein Stierkampf in Spanien 1928

Stierkampf (spanisch toreo, corrida de Toros oder tauromaquia; portugiesisch tourada, corrida de Touros oder tauromaquia) ist ein Ritual, dessen Thema der Kampf eines Menschen gegen einen Stier ist. Die bekanntesten Stierkämpfe finden in Spanien statt, aber auch in Portugal, Südfrankreich sowie in ehemaligen spanischen Kolonien und spanisch beeinflussten Regionen in Lateinamerika. Eine nichttödliche Version wird als Erbe portugiesischer Vergangenheit auf der tansanianischen Insel Pemba gepflegt.[1] Je nach Region wird nach unterschiedlichen Regeln gekämpft. Stierkämpfe sind von einer ethischen Position aus umstritten.

Inhaltsverzeichnis

Spanischer Stierkampf (Corrida de Toros)

Ankündigung eines Festejo de rejones, eines Stierkampfes zu Pferd, in Tarifa
Las Ventas, die Stierkampfarena von Madrid
Plaza de Toros, Málaga
Alguacilillos in der Arena von Alicante
Stier in der Arena von Málaga
Stierkämpfer und Stier
Matador
Resultat eines Stierkampfes in Alicante

Im spanischen Stierkampf, der Corrida (span.: „Rennen“), wird der Stierkämpfer Torero (von Toro, „Stier“) genannt. Der Stierkampf findet in einer Stierkampfarena (Plaza de Toros) statt, die meist ausschließlich diesem Zweck dient. Das wesentliche Element des Stierkampfes ist die Form der Durchführung, das Ritual, das mit ihm einhergeht. Meist treten bei einer Corrida drei Matadore und sechs Stiere auf. Ein Kampf dauert etwa 20 Minuten. Pro Jahr finden in Spanien rund 2.000 Stierkampfveranstaltungen statt.

Geschichte

Die heutige Art des Stierkampfes gibt es seit dem frühen 18. Jahrhundert, die erste Stierkampfarena wurde 1749 gebaut. Unter König Karl IV. war der Stierkampf verboten, sein Nachfolger Ferdinand VII. erlaubte ihn jedoch wieder. 1796 wurden in der Schrift "Tauromaquia" des Matadors José Delgado erstmals die Regeln beschrieben, nach denen der spanische Stierkampf im Wesentlichen bis heute durchgeführt wird. 1830 gründete Pedro Romero in Sevilla die erste Stierkampfschule.

Wirtschaftliche Bedeutung

In Spanien gibt es etwa 1.200 Zuchtbetriebe von Kampfstieren mit etwa 70.000 Beschäftigten, vor allem in Andalusien, Castilla-Leon und Extremadura, die in fünf Dachverbänden organisiert sind und einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Für die bei einer Corrida verwendeten sechs Stiere werden bis zu 150.000 Euro gezahlt.

Es gibt rund 70 Veranstalter von Corridas in Spanien. Größte Arena ist die Plaza Las Ventas in Madrid, deren Betreibergesellschaft 400 Angestellte beschäftigt und pro Jahr 5 Millionen Euro Konzessionsgebühr an die Stadt zahlt.[2]

Der Torero

Torero ist ein Oberbegriff für alle Teilnehmer einer Corrida, also Matador/Novillero, Banderilleros sowie Picadores.

Hauptfigur des Stierkampfes ist der Matador de Toros (span.: „Stiertöter“). Ein Matador beginnt als Novillero (span.: Neuling, Novize). In dieser Zeit kämpft er mit Jungstieren (spanisch Novillos). Erreicht er ein gewisses Niveau und hat er genügend Corridas als Novillero bestritten, so wird er in einer besonderen Zeremonie (Alternativa, span.: „Wechsel“) in den Rang eines Matador de Toros erhoben – fortan darf er gegen ausgewachsene Kampfstiere kämpfen. Pro Jahr werden in der Madrider Escuela de Tauromaquia etwa hundert Schüler für eine vierjährige Ausbildung zum Torero aufgenommen. Toreros, die in den großen Arenen auftreten, erhalten eine Gage von rund 50.000 Euro.

Ablauf der Corrida

Zu Beginn der Veranstaltung ziehen die Beteiligten in die Arena ein und präsentieren sich dem Publikum. Es sind dies: der Matador („Stiertöter“), die Picadores („Lanzenreiter“; wörtlich „Hauer, Stecher“) und die Banderilleros (von „banderilla“ = geschmückte Stechlanze). Diese erste Phase nennt man den Paseillo.

Zwei Reiter, die Alguacilillos, erbitten symbolisch den Schlüssel zur Puerta de los Toriles, dem Tor der Kampfstiere, vom Präsidium. Dieses Präsidium, dessen Präsident die Autorität erhalten hat, Stierkämpfe durchführen zu lassen, wacht über den Kampf. Gemäß den Reglements sollte der Präsident der Bürgermeister oder der Polizeichef der Stadt sein, jedoch ist diese Position unbeliebt, sodass häufig ein anderer Beamter das Amt übernimmt. Der Präsident stellt die höchste Autorität in der Arena dar und entscheidet über Ablauf, Wertung und evtl. Strafen.

Der eigentliche Kampf besteht aus drei Teilen, den Tercios („dt. Dritteln“), die durch Hornsignale voneinander getrennt werden.

Erster Teil

Im Tercio de Varas verwendet der Matador den Capote, ein großes, meist aussen purpurrotes und innen gelbes Tuch, um den Stier zu zitieren, aufzunehmen und seinen Ansturm zu mässigen. Dabei ist es seine Hauptaufgabe, den Stier zu „lesen“, also die individuelle Verhaltensweise des Stieres in Bezug auf Angriffs- und Bewegungsablauf zu studieren und entsprechend sein eigenes Vorgehen für den dritten Teil des Kampfes festzulegen. Bereits in diesem frühen Stadium offenbaren sich die Fähigkeiten (capacidades) des Stieres und die Möglichkeiten (posibilidades) des eigentlichen Kampfes zwischen Stier und Matador im letzten Drittel der Begegnung.

Neben dem Matador sind auch zwei Lanzenreiter, die Picadores, in der Arena, die den Stier mit ihren Lanzen im Nackenbereich verwunden. Seit 1928 sind die Pferde durch eine Peto genannte Polsterung geschützt. Je nach Stierkampf kann auch nur ein Picador eingesetzt werden. Die Distanz zwischen Stier und Picador vor dem Angriff ist durch zwei konzentrische Kreidekreise markiert, die in einem Abstand von 2 Metern in den Sand gezeichnet sind. Im ersten Drittel geht es darum, die Tapferkeit und Angriffslust des Stier zu zeigen, der mehrmals angreifen soll, obwohl er dabei bestraft wird. Die verwundete Nacken- und Schultermuskulatur zwingt den Stier zum Absenken des Kopfes, was die spätere Tötung durch den Matador mit dem Degen erst ermöglicht. Das Publikum begleitet die Arbeit der Picadores häufig mit Pfiffen und Buh-Rufen, wenn einem als wenig oder mittelmäßig befähigt beurteilten Stier allzu sehr zugesetzt wird. Während der Verwundung des Nackens dürfen die Picadores dem Stier den Ausweg zur Mitte der Arena nicht versperren, sonst droht eine Strafe durch den Präsidenten.

Zweiter Teil

Im zweiten Teil treten die so genannten Banderilleros auf, deren Aufgabe es ist, dem Stier drei Paare langer, mit bunten Bändern versehene Spieße (Banderillas) so in den Rücken zu stechen, dass sie hängen bleiben. Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg der Banderilleros ist die Colocación (etwa: „Einpassung, Anbringung“) der Spieße. Ziel ist es, den Muskelstrang zwischen den Schulterblättern des Stieres zu treffen, zu schwächen und zu markieren, ohne jedoch den Zugang für den finalen tödlichen Stoß des Matadors zu versperren. Hierbei ziehen die Banderilleros die Aufmerksamkeit des Stieres durch Zurufe auf sich. Dies ist die einzige Situation, in welcher der Stier in seinem Angriffsverhalten auf das Erscheinungsbild eines Menschen geprägt wird (bei der Aufzucht des Stieres wird darauf geachtet, dass eine solche Situation in keinem Fall eintritt).

Der Angriff des Stieres wird pariert, indem der Banderillero im richtigen Moment seinen nach hinten gespannten Körper vorschnellen lässt und die in den erhobenen Händen gehaltenen Banderillas in den Nacken des Stieres stößt. Dann zieht er sich aus der Angriffsrichtung des Stieres, die er zuvor durch das „Lesen“ des Stieres erahnt hat, zurück und verbirgt sich hinter der hölzernen Barriere der Arena, um eine erneute Attacke des Stieres zu verhindern. Dies wiederholt sich dreimal. Sehr selten und nur in bestimmten Plazas werden, wenn der Stier den Kampf verweigert, die Banderillas negras oder Banderillas de castigo (schwarze Banderillas oder Straf-Banderillas) eingesetzt. Diese Banderillas haben, mit acht Zentimeter, längere Widerhaken. Besonders gelungene Figuren der Akteure, der Banderilleros, des Matadors und auch des Stieres, werden vom Publikum mit lauten Olé-Rufen begleitet. Umgekehrt werden schlechte Akteure vom Publikum ausgepfiffen. Insgesamt sind sechs Verhaltensweisen des Publikums von Bedeutung: am deutlichsten wird Missfallen mit Pfiffen ausgedrückt, gefolgt von Murren und Stille (Silencio). Zustimmung wird mit leichtem Klatschen (Palmas), Ovationen (Ovaciones) und schließlich stehenden Ovationen (Ovaciones de pie) zum Ausdruck gebracht. Dies gilt nur in der Phase der Faena. Es kann durchaus geschehen, dass ein Matador während dieses Abschnitts gefeiert wird, aber durch einen unwürdigen Tötungsakt die Gunst des Publikums verspielt und die Arena nicht durch die große Tür verlassen kann (Salir por la puerta grande; „Abgang durch das große Tor“).

Dritter Teil (Faena)

Im dritten und wichtigsten Teil des Stierkampfes, der Faena (etwa: „Arbeit“), sind nur noch der Matador, ausgerüstet mit einem kleineren dunkelroten Tuch, der Muleta, und einem Degen, und der Stier in der Arena. Sie dauert etwa acht Minuten. Sollte sich diese Phase zu lange hinziehen, ertönen Signale (Avisos). Ziel des Matadors ist es, den Stier und seine individuellen Eigenschaften zu nutzen, um seinen Mut, Respekt, aber auch seine Überlegenheit unter Beweis zu stellen. Der Stier ist zu diesem Zeitpunkt schon schwer verletzt. Sollte der Matador in gefährliche Situationen geraten, eilen seine Helfer herbei, die den verwundeten Stier ablenken. Um Verletzungen des Matadors zu verhindern, werden häufig die Hörner des Stieres abgeschliffen.

Der Matador versucht, die Angriffe des Stieres zu parieren, seine Bewegungen vorauszuahnen und die eigenen Bewegungen mit jenen des Stieres abzugleichen, um so tradierte Figuren und Bewegungsabläufe auszuführen. Von Anhängern des Stierkampfes wird dieser Teil des Kampfes mit einem Tanz verglichen, wozu auch die in dieser Phase gespielte Musik, der Paso Doble, beiträgt. Die Bewegungsabläufe und Figuren sind in der Tradition des Stierkampfes festgelegt, und das erforderliche langjährige Training wird in der Fachliteratur etwa den Anforderungen an einen Stabhochspringer gleichgesetzt.

Todesstoß mit dem Degen

Zuletzt sticht der Matador dem Stier mit seinem Degen (Estoque) tief in den Nacken, in den Spalt zwischen den Schulterblättern. Hierbei versucht er den Stierkopf in eine tiefe Position und die Vorderhufe in parallele Stellung in etwa 25 cm Abstand zu bringen. Erst in dieser Position kann der Matador mit seinem Degen von oben herab, zwischen die Schulterblätter hindurch, das Herz des Stieres erreichen. Der Degen wird nach erfolgtem Stoß, möglichst bis zum Heft, steckengelassen.

Da dieser Stich den Stier nicht sofort tötet, wird er von den anderen helfenden Stierkämpfern zu einigen Hin- und Her-Bewegungen des Kopfes und kurzem Lauf gereizt, bis er vollkommen erschöpft niedersinkt. Dann wird er durch einen Helfer (Puntillero) gezielt, mittels eines Dolchstoßes ins Genick, getötet. Sollte er dies nicht zuwege bringen, wird dies als Schande betrachtet, da der Stier seiner Würde beraubt wird. Sehr selten werden außergewöhnlich mutige und starke Stiere "begnadigt". Dies war beispielsweise im legendären Stierkampf vom 5. Oktober 1879 in der Arena von Córdoba der Fall, als der Stier mit dem Namen Murciélago (spanisch „Fledermaus“) aus der Zucht von Joaquín del Val de Navarra einen derart blutigen Kampf gegen den Torero Rafael Molino führte, dass das Publikum nach 24 Schwertstößen dessen "Begnadigung" verlangte. Nach dem Kampf wurde Murciélago an den Züchter Antonio Miura verschenkt, der mit diesem Stier eine neue Zuchtlinie begründete, deren Nachkommen noch heute in spanischen Kampfarenen anzutreffen sind. Es kann auch vorkommen, dass sich ein Stier als ungeeignet für den Kampf erweist, z.B. aufgrund einer Verletzung. Der Präsident der Arena kann dann entscheiden, den Stier wieder aus der Arena treiben und gegen den Sobrero, den Ersatzstier auszutauschen.

Nach dem Tod des Stieres wird der Matador vom Publikum bejubelt, das durch geschwenkte Taschentücher darüber Auskunft gibt, ob es dem Torero als Zeichen der Ehre zugesteht, eine Ehrenrunde durchzuführen. Als besondere Trophäe kann der Matador ein Ohr, beide Ohren oder beide Ohren und den Schwanz des Stieres als Trophäe erhalten. Die Entscheidung über die Belohnung des Matadors fällt der Präsident der Stierkampfarena, der in einer geschmückten Loge im Oberrang der Arena sitzt. Eine schlechte Vorstellung des Matadors wird vom Publikum mit gellenden Pfiffen und unter anderem (verbotenerweise) mit dem Wurf der (gemieteten) Sitzkissen in die Arena quittiert. Als besondere Wertschätzung für den Matador werden mitunter Zigarren in die Arena geworfen.

Wenn der Stier besonders angriffslustig oder außergewöhnlich ausdauernd war, wird er mit Pferden oder Maultieren in einem großen Bogen durch den Ring geschleift, was als Ehrenbezeugung angesehen wird.

Musik (Paso Doble)

Die bekannte Stierkampfmusik, der Paso Doble, ertönt bei folgenden Gelegenheiten:

  • Beim Einmarsch der Toreros.
  • Wenn der Matador die Banderillas im zweiten Drittel selbst platziert.
  • Wenn die Faena im letzten Drittel das Publikum begeistert. Die Musik soll hier den Matador animieren.
  • Wenn der Matador eine Ehrenrunde abgeht.
  • Wenn die Corrida zu Ende ist.

Stierkampf in Frankreich (Courses de taureaux)

Die Razeteurs bringen den Stier in Position.
Der Razeteur versucht dem Stier die Cocarde zu entreißen.

In Südfrankreich gibt es ebenfalls Stierkämpfe nach spanischen Regeln. In über 60 südfranzösischen Städten finden Stierkämpfe statt, bei denen die Stiere getötet werden. Stierkämpfe spanischer Art sind in Frankreich sehr umstritten und werden von der Bevölkerung mehrheitlich als Tierquälerei abgelehnt. Das französische Tierschutzgesetz verbietet zwar die Quälerei von Tieren, lässt aber die courses de taureaux als Ausnahme zu. In der französischen Nationalversammlung wird mit dem Ziel, die Tierquälerei in den Arenen zu verbieten, zurzeit eine Änderung des widersprüchlichen Gesetzes vorbereitet.

Außerdem werden in Südfrankreich Stierrennen veranstaltet, bei denen der Stier oder die Kuh nicht getötet und bei denen es völlig unblutig zu geht. In der Provence und im Languedoc sind die "Courses Camarguaises" (Synonyme: Course à la Cocarde, Course libre) und in der Gegend um Bordeaux (Landes und Gers) die "Course Landaise" sehr beliebt.

Hochburg der provenzalischen und camarguischen Stierrennen sind Nîmes, Béziers oder Céret, wo ein- bis zweimal im Jahr eine Woche lang Stierfeste stattfinden, zum Beispiel zur Weinlese. Die Courses à la Cocarde, sind ein traditionsreiche Schauspiel, das strengen Regeln unterworfen ist, bei den der Begriff "Stierkampf" sogar etwas irreführend wäre – es ist eher ein "Messen" mit dem Stier, ein Überlisten, Austricksen bei dem viel Geschick und Einfühlungsvermögen nötig ist um zum Erfolg, der an den Hörnern befestigten Trophäen zu kommen, eine Kokarde oder Quaste (Cocarde), die zuvor mit Fäden oder Schnüren zwischen den Hörnern befestigt wurden. Die weißgekleideten Razeteurs versuchen dem Stier die Kokarde mit einem stumpfen Haken, dem so genannten Crochet, zu entreißen.

Ein Stierrennen dauert insgesamt etwa zwei Stunden. Je Stier haben die "Raseteurs" 15 Minuten Zeit die Kokarden und Quasten zu entreißen (die Cocarde, die Glans an den beiden Hörnen, das Frontal und die Ficelles -eng um beide Hörner gewickelte Schnüre), die zuvor mit Fäden oder Schnüren an die Hörner gebunden wurden. Während des Kampfs befinden sich in der Arena ein Stier, fünf bis elf "Raseteurs" und die "Tourneurs", deren Aufgabe es ist, den Stier für die "Raseteurs" in die beste Position zu bringen. Für jede Kokarde und jede Quaste, die der "Raseteur" dem Stier abjagen kann, erhält er einen Geldpreis, der im Verlauf des Kampfes von einigen Hundert auf Tausend Euro erhöht werden kann. Die kampfeslustigen Stiere "Barradiers" genannt, verfolgen die "Raseteurs" oft bis an den Rand der Arena, wo sich die jungen Männer nur noch mit einem Sprung über die Bretterwand retten können. Gefürchtet sind Stiere, die kurzerhand hinterher springen. Gelingt es dem Stier, seine Trophäen zu verteidigen, verlässt er nach 15 Minuten als Sieger die Arena und der nächste Stier ist an der Reihe. Hat sich der Stier wacker geschlagen, wird er wie ein Held gefeiert und für den nächsten Einsatz hoch gehandelt, denn die Stiere werden pro Kampfeinsatz bezahlt und je berühmter der Stier, desto höher sein Preis. Wie hoch die Stiere geachtet werden, zeigen die Plakate, auf denen die Namen der Stiere immer wesentlich größer als die der Razeteure gedruckt sind.Manche der Stiere haben in ihrem Leben bis zu hundert Auftritte und je länger der Stier "dabei" ist, umso schwieriger wird es, gegen ihn anzutreten. Er lernt mit jedem Mal dazu und wird für die Raseteurs ein immer schwierigerer Gegner.

Selten verlässt ein Kampfstier nicht freiwillig die Arena, in diesem Falle werden speziell abgerichtete Stiere (Simbeu), manchmal auch einfach Kühe eingesetzt, die den hartnäckigen Kämpfer zum Ausgang bewegen, denn auch beim wildesten Stier setzt sich der Herdentrieb durch und er läuft einfach hinter den Artgenossen her. Nach dem Ende des Spiels folgt La Bandido – die Stiere werden wieder auf ihre Weiden zurückgebracht. Die Stiere der Camargue-Rasse werden für diese Rennen gezüchteten, sie sind schwarz, roh, widerstandsfähig, genügsam, kräftig, durchschnittlich groß und wendig und flink in ihren Bewegungen auf ihren dünnen Beinen. Die Hörner sind lang und in der Regel lyraförmig. Wesentlich athletischer sind die Course Landaise".

Stierkampf in Portugal (Corrida de touros nordport. Corrida de toiros)

Der Cavaleiro

Der portugiesische Stil des Stierkampfs unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom spanischen oder französischen Stierkampf.

Der erste Teil eines portugiesischen Stierkampfes wird der Cavaleiro genannt. Dabei werden von einem Reiter vom Pferd aus dem Stier Pfeile mit Widerhaken (Bandarilhas) im Schulterbereich gesetzt. Diese Reiter stammen traditionell aus aristokratischen Familien.

Im zweiten Teil, der Pega, tritt eine Gruppe von acht Männern, die sogenannten Forcados, ohne Waffe oder Verteidigungsmittel direkt gegen den Stier an. Sie stellen sich in einer Reihe hintereinander gegenüber dem Stier auf und der vorderste Mann reizt den Stier mit Rufen und provozierenden Bewegungen. Er springt dann dem anstürmenden Stier auf den Kopf, genannt pega de cara oder pega de Caras (im Gesicht fangen), um ihn sinngemäß bei den Hörnern zu packen. Genau genommen hält er sich aber am Hals des Tieres fest. Sechs andere Mitglieder einer Gruppe packen den stürmenden Stier ebenfalls am Kopf und ein weiterer am Schwanz, um ihn zum stehen zu bringen. Obwohl bei dieser Art des Stierkampfes die Hörner des Stieres oft abgeschliffen oder gepolstert werden, kommt es mitunter zu schweren Verletzungen der Forcados. Die Forcados stammen bis heute aus den unteren Gesellschaftsschichten und treten häufig als Amateure auf.

Der Stier wird nach dem Stierkampf je nach Verletzungsgrad entweder am Leben gelassen und zur Zucht benutzt oder von einem professionellen Fleischer außerhalb der Arena getötet und zerlegt.

Muleta – das rote Tuch

Die Stiere reagieren, entgegen einem populären Irrtum, nicht aggressiv auf die Farbe Rot, sondern auf die schnellen Bewegungen, die mit dem Tuch vollführt werden. Die Augen der Stiere, wie die aller Rinder, haben keine Zapfen für rotes Licht und sind dementsprechend "rot-farbenblind".

Ursprünglich war das muleta genannte Tuch weiß. Da das Blut des Stieres die muleta während der faena, dem letzten Drittel der corrida, verfärbte, wurde ihre Farbe der des Blutes angepasst.

Kontroversen

Graffiti gegen Stierkampf in Bogotá

Für viele Menschen stellt der Stierkampf eine unnötige, grausame und archaische Tierquälerei dar. Diese beginne bereits vor der Corrida, wenn die Stiere in Spanien tagelang im Dunkeln eingesperrt und ihnen die Hörner abgeschliffen werden (Afeitado). Der Einschluss in die Arena und die permanenten Reizungen der seitlich verschanzten Picadores blockiere den natürlichen Fluchttrieb des Tieres. Wenn der Stier am Boden liegt, werden ihm als Trophäe Schwanz und Ohren abgeschnitten, ohne dass sein Tod zuverlässig festgestellt wurde.

Kritisiert wird weiterhin das Leiden der im spanischen Stierkampf eingesetzten Pferde, denen oft Augen und Ohren verbunden werden, um ihren natürlichen Fluchtinstinkt zu verhindern. Trotz Schutzpolsterung kommt es bei ihnen häufig zu schweren Verletzungen, darunter tiefe Fleischwunden und Rippenbrüche.

Stierkampfbefürworter entgegnen dem Vorwurf der Tierquälerei, dass Kampfstiere nur eine kurze Zeit in der Arena leiden würden, wogegen sie ihr ganzes Leben artgerecht im Freiland verbringen würden - was für die meisten Zuchttiere (seien es Kühe, Schweine oder Hühner) nicht zutrifft.

Zudem wird der Kampf nicht als Tierquälerei, sondern als eine in sich geschlossene Kunstform dargelegt. Dabei würden die (meist kundigen) Zuschauer sich nicht an Quälerei ergötzen, sondern im Gegenteil die Akteure mit Pfiffen bestrafen, wenn das Tier aus ihrer Sicht unnötig verletzt und nicht im entsprechenden Moment schnell getötet wird.

Ohne den Stierkampf würde die Rasse der Kampfstiere aussterben.

Ein weiteres Argument für die Beibehaltung der Corrida de toros ist ihr Anteil an der kulturellen Identität Spaniens. Die Mehrheit der Spanier sei nämlich nicht bereit, auf diese Tradition zu verzichten. Nach einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2006 haben allerdings 72 % der Befragten kein Interesse mehr am Stierkampf. Das Interesse ist seit Jahren tendenziell rückläufig, insbesondere in den jüngeren Altersgruppen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen überträgt seit 2007 Stierkämpfe nicht mehr im Vorabendprogramm.[3]

Im April 2004 hat der Stadtrat von Barcelona eine Resolution verabschiedet, worin der Stierkampf als „grausame Praxis“ bezeichnet wird. Dies hat aber keine Auswirkung auf die Veranstaltung der Corridas, daher finden nach wie vor Stierkämpfe statt. Die Regierung von Katalonien (zu dem Barcelona gehört) wurde aufgefordert, diese zu verbieten. Da die Durchführung von Stierkämpfen vom spanischen Innenministerium kontrolliert wird, kann Barcelona nur auf einer genauen Einhaltung der Gesetze bestehen.

Die französischen Stierkampfveranstalter berufen sich ebenfalls auf eine bodenständige „kulturelle Tradition“, deren Insignien jedoch rein spanischen Ursprungs sind.

Berühmte Stierkämpfer

Der Torero Antonio Barrera, 2003

Geehrt mit dem Titel „Califa“ („Kalif“):

  • 1. „Lagartijo“ Rafael Molina Sánchez, aktiv 1865–1893
  • 2. „Guerrita“ Rafael Guerra Bejarano, aktiv 1887–1899
  • 3. „Machaquito“ Rafael González Madrid, aktiv 1900–1913
  • 4. „Manolete“ Manuel Rodrígez Sánchez, aktiv 1939–1947
  • 5. „El Cordobés“ Manuel Benítez Pérez, aktiv 1963–2004

Andere:

Stierkampf in Literatur, Kunst und Film

Stierkampf (Édouard Manet, ca. 1865-66)
Aus Goyas Tauromaquia (1815-16)

Ernest Hemingway, der vom Stierkampf fasziniert war, verarbeitete das Thema in seinen Büchern Fiesta, Tod am Nachmittag und Gefährlicher Sommer. Der deutsche Roman Toreros sind so dagegen hat - seinem Namen zum Trotz - wenig mit Stierkampf zu tun. Das Buch von Michael Eichhammer handelt vielmehr vom Redaktionsalltag des fiktiven Lifestyle-Magazins "Torero".

Federico García Lorca setzte einem im Kampf getöteten Matador in seinem Gedicht Llanto por Ignacio Sanchez Mejías ein literarisches Denkmal.

Für Francisco de Goya und Pablo Picasso war der Stierkampf ein wichtiges Motiv.

Der 1956 gedrehte Spielfilm The brave one (Roter Staub), Regie: Irving Rapper, in dem ein mexikanischer Junge sich für das Leben seines von ihm aufgezogenen Stieres einsetzt, enthält in seinem Schlussteil eine lange Stierkampfszene im Plaza de Toros in Mexiko-Stadt, die mit einer "Begnadigung" des Stieres endet. Die Story für den Film wurde unter Pseudonym von Dalton Trumbo verfasst.

Pedro Almodóvar verwendet in seinem Film Matador das Umfeld des Stierkampfes für eine Geschichte über Lust und Tod.

Einzelnachweise

  1. Bilder vom Stierkampf auf Pemba auf Flikr
  2. Stierkampf: Blutiges Milliardengeschäft, Die Welt, 6. Juli 2006
  3. Stierkampf adiós. NZZ, 23. August 2007

Literatur

  • Karl Braun: ¡Toro! Spanien und der Stier. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2000 (Der Autor ist deutscher Ethnologe, der eine um Verstehen und Verständnis geprägte Auseinandersetzung mit dem Stierkampf sucht; dies auf dem Hintergrund umfassender theoretischer, aber auch aus eigener Anschauung gewonnener Sachkenntnisse)
  • Karl Braun: Der Tod des Stiers – Fest und Ritual in Spanien. C.H. Beck, München 1997.
  • Alison L. Kennedy: Stierkampf. Wagenbach, Berlin 2001. ISBN 3-8031-3157-X (Sehr persönliche Ansicht über Begegnungen mit dem Tod einer schottischen Autorin - zwischen Erlebnisbericht, Roman und Referat. Mit umfangreichem Glossar der spanischen Begriffe.)
  • Garry Marvin: Bullfight. Basil Blackwell, Oxford 1988. ISBN 0-631-15471-X
  • Adrian Shubert: Death and money in the afternoon. A history of the Spanish bullfight. Oxford University Press, New York 1999. ISBN 0-19-509524-3
  • Oduaga Zolarde: Les courses de taureaux expliquées. 1854.
  • Lorenz Rollhäuser; Toros, Toreros. Rowohlt 1990 (Sachbuch).
  • Manuel Vicent: Antitauromaquia. Madrid 2001. (Pamphlet gegen stierkampfbefürwortende Argumente)
  • Elisabeth Hardouin-Fugier: Histoire de la corrida en Europe. Editions Connaissances et Savoirs 2005. ISBN 2-7539-0049-3
  • Dominique Aubier: "Fiesta in Pamplona", mit Fotografien von: Galle, Chapestro, Nisberg und Inge Morath HC 23 x 28,5 cm, Manesse 1955

Weblinks


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