Antiterrorgesetze

Ein Anti-Terror-Gesetz ist ein Gesetz, das ausschließlich oder zumindest vorrangig der Bekämpfung des Terrorismus dienen soll. In der Bundesrepublik Deutschland sind seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 mehrere Anti-Terror-Gesetze in Kraft getreten, darunter das Gesetz zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus (Terrorismusbekämpfungsgesetz) vom 9. Januar 2002 und das Luftsicherheitsgesetz vom 11. Januar 2005.

Ein bekanntes nicht-deutsches Anti-Terror-Gesetz ist der USA PATRIOT Act.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die Maßnahmenpakete in Deutschland erstreckten sich auf verschiedene Regelungen und Bereiche. So wurden die Sicherheitsüberprüfungen im Luftverkehr strenger. Das in Sicherheitsbereichen eingesetzte Personal unterliegt nun einem jährlichen Zuverlässigkeitscheck. Ausweispapiere wurden stärker auf computergestützte Identifizierungen ausgerichtet und künftig um biometrische Merkmale ergänzt. Extremistisch ausgerichtete Religionsgemeinschaften können nach der Novellierung des Vereinsgesetzes verboten werden. Die Befugnisse verschiedener Sicherheitsbehörden wurden erweitert. Das deutsche Bundeskriminalamt darf nun auch Anhänger ausländischer Terrororganisationen verfolgen und bei Datennetzkriminalität tätig werden. Der Bundespolizei ist der Einsatz von so genannten Sky Marshals in Flugzeugen erlaubt. Dem Verfassungsschutz wurde zusätzlich die Beobachtung von Tätigkeiten auferlegt, die sich gegen Völkerverständigung und friedliches Zusammenleben richten. Er soll durch Informationsabfragen Geldströme von Terrorverdächtigen aufspüren. Polizei und Geheimdienste erhielten Zugriff auf eine künftig gemeinsame Antiterrordatei.

Ältere deutsche Anti-Terror-Gesetze sind beispielsweise das Kontaktsperregesetz von 1977 und der 1976 neu geschaffene Straftatbestand Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Kritik

Kritiker der Anti-Terror-Gesetzgebung behaupten, dass die Terrorismusbekämpfungmaßnahmen vornehmlich der Unterdrückung und Überwachung von gesetzestreuen Bürgern und politisch andersdenkenden Gruppierungen dienten, während sie gegen die Terroristen selbst wirkungslos seien.[1][2] So berichtete die American Civil Liberties Union, dass auf der Liste der Terrorverdächtigen der USA nach Angaben des US-Justizministeriums über eine Million Personen stünden.[3]

Siehe auch

Literatur

  • Till Müller-Heidelberg: Das Terrorismusbekämpfungsgesetz – Ein Erfolg der Terroristen. In: vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik Nr. 159, September 2002. PDF-Datei
  • Erhard Denninger: Freiheit durch Sicherheit? Anmerkungen zum Terrorismusbekämpfungsgesetz. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 10–11/2002), S. 22–30. PDF-Datei
  • Philipp H. Schulte: "Terrorismus und Anti-Terrorismusgesetzgebung - Eine rechssoziologische Analyse" ISBN 3830919824

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Offener Brief von 25 Bürgerrechtsorganisationen zum Terrorismusbekämpfungsgesetz vom 12. Dezember 2001.
  2. „Neues Anti-Terror-Gesetz schafft unkontrollierbare Befugnisse für Geheimdienste.“ Pressemitteilung der Humanistischen Union vom 9. Juli 2006.
  3. n-tv.de, "USA außer Kontrolle" - Eine Million Terrorverdächtige, 15. Juli 2008
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