Antithese

Eine Antithese (griechisch αντίθεσις antithésis ‚Gegenbehauptung, -satz, Opposition‘, aus anti ‚gegen‘ und thésisThese‘) bezeichnet allgemein eine Gegenbehauptung zu einer Ausgangsbehauptung (der These). Dabei werden zwei Wörter, Begriffe, Satzteile oder Sätze einander gegenübergestellt, die sich im Sinn widersprechen: Durch diese Gegenüberstellung wird ein Gegensatz oder Widerspruch besonders hervorgehoben. Mit einer Antithese kann man eine Widerlegung erreichen. Eine Antithese wird oft mit aber eingeleitet.

In der Literatur ist eine Antithese eine rhetorische Figur, in der unter einem Oberbegriff in direktem Gegensatz zueinander stehende Begriffe oder Gedanken kombiniert werden. Dadurch können unter anderem Zwiespalt, Spannung und Zerrissenheit ausgedrückt werden. Beispiele sind: Himmel und Hölle, Gut und Böse, Tugend und Laster. Diese sogenannte Antithetik ist insbesondere in der Lyrik seit der Barockzeit beliebt. In einer antithetischen Reihe kann auch das Ausbleiben einer eigentlich erwarteten Antithese wirkungsvoll eingesetzt werde. William Empson führt in Seven Types of Ambiguity (1930) eine Strophe aus Thomas Love Peacocks The War-Song of Dinas Vawr als Beispiel für eine solche rhetorische Strategie an:

We there, in strife bewildering,
Spilt blood enough to swim in:
We orphan’d many children
And widow’d many women.
The eagles and the ravens
We glutted with our foemen:
The heroes and the cravens,
The spearmen and the bowmen.

Die moralisch aufgeladenen Begriffspaare eagles und ravens sowie heroes und cravens lassen den Leser eine weitere, klimaktische Antithese im Schlussvers erwarten, doch wird diese Erwartung konterkariert; der Erzähler beschließt den Vers stattdessen mit einer „rein technischen Art, die Toten zu klassifizieren, und zeigt durch diesen Bruch in der Antithese, dass er sie nur noch als einen riesigen Haufen wahrnimmt,“ in dem Unterscheidungen wie „Held“ und „Feigling“ irrelevant sind – im Tod sind alle gleich.[1]

Beispiel: In der Bergpredigt greift Jesus sechs bekannte Gesetze aus den zehn Geboten auf. Eine bekannte Antithese ist die über die Vergeltung: „Ihr wisst, dass es heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die linke hin.“ (Mt 5,38 GNB).

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Antithese – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. William Empson: Seven Types of Ambiguity. New Directions, New York 1966. S. 22. (Erstausgabe 1930)

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  • Antithēse — (griech.), Gegensatz, eine Redefigur, in der sich die Neigung des Sprechenden verrät, einen Begriff durch gleichzeitige Apperzeption eines andern ihm konträren oder korrelaten Begriffs zu erhellen. Unter den deutschen Dichtern ist Schiller am… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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  • Antithese — Antithese, der Gegensatz, der in der Rede einen vorhergehenden Satz aufhebt, seine Bedeutung vernichtet. Z. B. er ist ein eigenthümlicher Geist, aber der Geist ist nicht sein Eigenthum. Oder: Er besitzt viel Reichthum, aber sein Reichthum ist ein …   Damen Conversations Lexikon

  • antithese — Antithese. s. f. Figure de Rhetorique qui consiste dans l opposition des pensées ou des mots. Les antitheses dans cet autheur sont trop frequentes, il n y a rien de solide dans cet ouvrage, ce ne sont que des antitheses foibles & pueriles …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Antithèse — L antithèse (substantif féminin), du grec anti ( contre ) et thesis ( idée, argument ) soit antithesis : opposition , est une figure de style qui consiste en un rapprochement, à l intérieur d une structure syntaxique binaire et équilibrée,… …   Wikipédia en Français

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