Antiviren-Programm

Ein Antivirenprogramm (auch Virenscanner oder Virenschutz genannt, Abkürzung: AV) ist eine Software, die bekannte Computerviren, Computerwürmer und Trojanische Pferde aufspürt, blockiert und gegebenenfalls beseitigt.

Inhaltsverzeichnis

Typen von Antivirenprogrammen

Virenscanner arbeiten meist auf eine oder mehrere der folgenden Arten:

Echtzeitscanner

Der Echtzeitscanner (engl. on-access scanner, real-time protection, background guard u. a.), auch Zugriffsscanner oder residenter Scanner genannt, ist im Hintergrund als Systemdienst (Windows) bzw. Daemon (Unix) aktiv und scannt alle Dateien, Programme, den Arbeitsspeicher und evtl. den HTTP- wie den FTP-Verkehr. Um dies zu erreichen, werden so genannte Filtertreiber vom Antivirenprogramm installiert, welche die Schnittstelle zwischen dem Echtzeitscanner und dem Dateisystem bereitstellen. Generell muss beim Echtzeitschutz zwischen zwei Strategien unterschieden werden:

  1. Scannen beim Öffnen von Dateien (Lesevorgang)
  2. Scannen beim Erstellen / Ändern von Dateien (Schreibvorgang)

Bei einigen Virenscannern lässt sich diese Strategie einstellen, bei anderen ist sie unveränderlich im Programm konfiguriert. Da Schreibvorgänge wesentlich seltener vorkommen als Lesevorgänge, bevorzugen viele Benutzer diese Einstellung. Sie sorgt dafür, dass die ohnehin zusätzliche Belastung des Computers durch den Echtzeitscanner vermindert wird, aber sie verhindert nicht, dass sich das Computersystem infiziert, wenn Benutzer virulente aber inaktive Dateien öffnen.

ClamTK beim Virenscan unter Ubuntu

Der alleinige Einsatz eines On-Access-Virenscanners bietet keinen vollständigen Schutz vor Malware, da die meisten Virenscanner nicht sehr erfolgreich beim Erkennen anderer Arten bösartiger Software als Viren und Würmer sind. Auch sind sie meist nur in der Lage, solche Malware zu erkennen, für die sie Virensignaturen erhalten haben. Befindet sich jedoch eine vom Antivirenprogramm erkannte virulente aber unaktivierte Datei auf dem Computer, die vor dem entsprechenden Update der Virensignatur heruntergeladen wurde, kann sie das System bzw. evtl. das Netzwerk nicht infizieren, wenn sie durch den Benutzer ausgeführt (geöffnet) wird, falls alle Dateien auch beim Öffnen überprüft werden.

Um die Belastung durch den Echtzeitscanner weiter zu verringern, werden oft einige Dateiformate, komprimierte Dateien (Archive) oder Ähnliches nur zum Teil oder gar nicht gescannt. Daher sollte trotz eines Echtzeitschutzes regelmäßig ein manueller Scan durchgeführt werden. Findet der Echtzeitscanner etwas Verdächtiges, fragt er in der Regel den Benutzer nach dem weiteren Vorgehen. Dies sind das Löschen der Datei, das Verschieben in die Quarantäne oder, wenn möglich, ein Reparaturversuch.

Manueller Scanner

Der manuelle Scanner (engl. on-demand scanner), auch als Dateiscanner bezeichnet, muss vom Benutzer manuell gestartet werden (On-Demand). Findet ein Scanner dann schädliche Software, erscheint eine Warnung und in manchen Fällen Optionen zur Reinigung, Quarantäne oder Löschung der befallenen Dateien. In den Fällen, wo derartige Optionen nicht gegeben werden, erfolgt meist ein Verweis auf ein kostenpflichtiges Produkt. Der Festplattenscan sollte regelmäßig ausgeführt werden. Die meisten Programme bieten dafür bestimmte Assistenten an, die den Rechner z. B. einmal pro Woche durchsuchen.

Online-Virenscanner

Als Online-Virenscanner werden Antivirusprogramme bezeichnet, die ihren Programmcode und die Viren-Muster über ein Netzwerk (online) laden. Sie arbeiten im Gegensatz zu fest installierten Virenscannern nur im On-Demand-Modus. Das heißt der persistente Schutz durch einen On-Access-Modus ist nicht gewährleistet. Deshalb eignen sich Online-Virenscanner zwar zum Reinigen, nicht aber zum präventiven Schutz eines Systems. Auch besteht die Gefahr, dass ein befallener Rechner über die Verbindung zum Internet ferngesteuert werden kann oder selbst Spam versendet oder andere Rechner angreift, während er für den Scan online ist. Daher sollte man ein potenziell befallenes System nach Möglichkeit umgehend vom Netz trennen und mit einem Offline-Scanner untersuchen. Oft werden Online-Virenscanner auch als sogenannte Second-Opinion-Scanner benutzt, um sich zusätzlich zum installierten Virenscanner eine „zweite Meinung“ zu evtl. Befall einzuholen.

Die meisten Online-Virenscanner basieren auf der ActiveX-Technologie und sind damit an die Benutzung des Internet Explorers gebunden. Es gibt aber auch Alternativen für den plattformübergreifenden Einsatz, die mit Java verwirklicht wurden.

Sonstige Scanner

Neben dem Echtzeit- und dem manuellen Scanner gibt es noch eine Reihe weiterer Scanner. Die meisten davon arbeiten, indem sie den Netzwerkverkehr analysieren. Dazu scannen sie den Datenstrom und führen bei einer Auffälligkeit eine definierte Operation aus, wie etwa das Sperren des Datenverkehrs.

Eine andere Lösung ist der Einsatz von Proxysoftware. Manche Proxys erlauben das Anbinden von Antivirensoftware. Wird eine Datei so heruntergeladen, wird diese zunächst am Proxy untersucht und geprüft, ob sie verseucht ist. Je nach Ergebnis wird sie dann an den Client ausgeliefert oder gesperrt.

Eine Variante dieser Proxy-Virusfilter sind Mail-Relay-Server mit Antivirus-Software, teilweise als Online-Virusfilter bezeichnet (vgl. aber oben). Dabei werden E-Mails zunächst auf den Relay-Server geleitet, dort gescannt und abgewiesen, unter Quarantäne gestellt oder gesäubert und dann auf den Mailserver des Empfängers weitergeleitet.

Weiterhin gibt es Webseiten, die es ermöglichen, Dateien mit verschiedenen Virenscannern zu prüfen. Für diese Art des Scans muss der Benutzer selbst aktiv die Datei hochladen, es ist also eine Spezialform des On-demand-Scan.

Erfolgswahrscheinlichkeit

Aufgrund der ständigen Weiterentwicklung von Malware (Viren, Würmer, Trojaner etc.) und der Unvorhersehbarkeit der eingesetzten Schadlogik (Evil Intelligence) kann praktisch kein Virenscanner vor allen erdenklichen Viren und Würmern schützen. Virenscanner sollten daher generell nur als Ergänzung zu allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen betrachtet bzw. eingesetzt werden. Vorsicht und aufmerksames Handeln sind deshalb für verantwortungsvolle Computernutzer trotz des Einsatzes eines Virenscanners unabdingbar.

Grundsätzlich kann bei der Erkennung zwischen zwei Techniken unterschieden werden:

  • Reaktiv: Bei dieser Art der Erkennung wird ein Schädling erst erkannt, wenn eine entsprechende Signatur seitens des Herstellers der Antivirensoftware zur Verfügung gestellt wurde. Dies ist die klassische Art der Virenerkennung, welche von praktisch jeder Antivirensoftware verwendet wird.
  • Proaktiv: Dies bezeichnet die Erkennung von Viren, ohne dass eine entsprechende Signatur zur Verfügung steht. Aufgrund der rapiden Zunahme neuer Malware ist davon auszugehen, dass die Zukunft der Virenerkennung in dieser Technik liegt. Proaktive Verfahren sind etwa die Heuristik oder die SandBox-Technologie.

Scanengines

Unter einer Scanengine versteht man den Programmteil eines Virenscanners, der für die Untersuchung eines Computer oder Netzwerkes auf schadhafte Software Malware verantwortlich ist. Eine Scanengine ist somit unmittelbar für die Effizienz von Antivirensoftware verantwortlich. Für gewöhnlich sind Scanengines Softwaremodule, die unabhängig vom Rest eines Virenscanners aktualisiert und eingesetzt werden können.

Es gibt Antivirensoftware, welche neben der eigenen Scanengine auch lizenzierte Scanengines anderer AV-Hersteller einsetzt. Durch den Einsatz mehrerer Scanengines kann zwar die Erkennungsrate theoretisch gesteigert werden, jedoch führt dies immer zu drastischen Performance-Verlusten. Es bleibt daher fragwürdig, ob sich Virenscanner mit mehreren Scanengines als sinnvoll erweisen. Das hängt vom Sicherheitsanspruch bzw. dem Anspruch an System-Performance ab und muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Die Leistungsfähigkeit eines signaturbasierten Antivirenscanners bei der Erkennung von schädlichen Dateien hängt nicht nur von den verwendeten Virensignaturen ab. Oftmals werden die ausführbaren Dateien vor ihrer Verbreitung so gepackt, dass sie sich später selbst entpacken können (Laufzeitkomprimierung). So kann ein eigentlich bekannter Virus der Erkennung durch manche Scanner entgehen, weil sie nicht in der Lage sind, den Inhalt des laufzeitkomprimierten Archives zu untersuchen.

Bei diesen Scannern kann nur das Archiv als solches in die Signaturen aufgenommen werden. Wird das Archiv neu gepackt (ohne den Inhalt zu ändern), müsste dieses Archiv ebenfalls in die Signaturen aufgenommen werden. Ein Scanner mit der Fähigkeit möglichst viele Formate entpacken zu können ist hier im Vorteil, weil er den Inhalt der Archive untersucht. Somit sagt auch die Anzahl der verwendeten Signaturen noch nichts über die Erkennungsleistung aus.

Heuristik

Einige Virenscanner verfügen über die Möglichkeit, auch nach allgemeinen Merkmalen zu suchen (Heuristik), um unbekannte Viren zu erkennen, oder sie bringen ein rudimentäres Intrusion Detection System (IDS) mit. Die Wichtigkeit dieser – präventiven – Art der Erkennung nimmt stetig zu, da die Zeiträume, in denen neue Viren und Varianten eines Virus auf dem Markt drängen, immer kürzer werden. Für die Antivirenhersteller wird es somit immer aufwändiger und schwieriger, alle Schädlinge zeitnah durch eine entsprechende Signatur zu erkennen. Heuristika sollten nur als Zusatzfunktion des Virenscanners angesehen werden, da die tatsächliche Erkennung noch unbekannter Malware eher gering ist. Der Zugewinn an Sicherheit ist daher minimal.

SandBox

Um die Erkennung von unbekannten Viren und Würmern zu erhöhen, wurde von dem norwegischen Antivirenhersteller Norman 2001 eine neue Technologie vorgestellt, bei der die Programme in einer gesicherten Umgebung, der Sandbox, ausgeführt werden. Dieses System funktioniert, vereinfacht ausgedrückt, wie ein Computer im Computer. In dieser Umgebung wird die Datei ausgeführt und analysiert, welche Aktionen sie ausführt. Bei Bedarf kann die Sandbox auch Netzwerkfunktionalitäten, etwa eines Mail- oder IRC-Servers, bereitstellen. Die Sandbox erwartet bei der Ausführung der Datei eine für diese Datei typische Verhaltensweise. Weicht die Datei von dieser zu einem gewissen Grad ab, klassifiziert die Sandbox diese als potentielle Gefahr. Dabei kann sie folgende Gefährdungen unterscheiden:

Als Ergebnis liefert sie zudem eine Ausgabe, die zeigt, welche Aktionen die Datei auf dem System ausgeführt hätte und welcher Schaden angerichtet worden wäre. Diese Information kann aber auch nützlich sein, um eine Bereinigung eines infizierten Computersystems vorzunehmen.

Durch die Technik der Sandbox konnten nach Tests von AV-Test[1] 39 % noch unbekannter Viren und Würmer erkannt werden, bevor eine Signatur bereitstand. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Heuristik ist dies ein wirklicher Fortschritt in proaktiver Erkennung.

Automatische Aktualisierung

Die sogenannte Auto-, Internet-, oder auch Live-Updatefunktion, mit der automatisch beim Hersteller aktuelle Virensignaturen heruntergeladen werden, ist bei Virenscannern von besonderer Bedeutung. Wenn sie aktiviert ist, wird der Benutzer regelmäßig daran erinnert, nach aktuellen Updates zu suchen, bzw. die Software sucht selbstständig danach. Es empfiehlt sich, diese Option zu nutzen, um sicher zu gehen, dass das Programm wirklich auf dem aktuellen Stand ist. Die Häufigkeit, mit der Updates von den Herstellern bereitgestellt werden, sagt jedoch nichts direkt über die Qualität des Produktes aus. Wichtiger ist, dass bei einer bestehenden Bedrohung möglichst zeitnah eine entsprechende Signatur veröffentlicht wird (Reaktionszeit).

Probleme mit Virenscannern

Da Virenscanner sehr tief ins System eingreifen, kommt es bei einigen Anwendungen zu Problemen, wenn sie gescannt werden. Zumeist kommen diese Probleme beim Echtzeitscan zum Tragen. Um Komplikationen mit diesen Anwendungen zu verhindern, erlauben die meisten Virenscanner das Führen einer Ausschlussliste, in der definiert werden kann, welche Daten nicht vom Echtzeitscanner überwacht werden sollen. Häufige Probleme treten auf mit:

  • Zeitkritischen Anwendungen: Da die Daten immer erst gescannt werden, entsteht eine gewisse Verzögerung. Für einige Applikationen ist diese zu groß und sie erzeugen Fehlermeldungen bzw. Funktionsstörungen. Besonders häufig tritt dieses Verhalten auf, wenn auf Daten über eine Netzwerkfreigabe zugegriffen wird und an diesem entfernten Rechner ebenfalls eine Antivirensoftware läuft.
  • Datenbanken (jeglicher Art): Da auf Datenbanken für gewöhnlich ein ständiger Zugriff stattfindet und sie oftmals sehr groß sind, versucht der Echtzeitscanner, diese dauerhaft zu scannen. Dies kann zu Timeout-Problemen, ansteigender Systemlast, Beschädigungen der Datenbank bis hin zum völligen Stillstand des jeweiligen Computersystems führen.
  • Mailserver: Viele Mailserver speichern E-Mails MIME- oder ähnlich codiert auf der Festplatte ab. Viele Echtzeitscanner können diese Dateien decodieren und Viren entfernen. Da der E-Mailserver jedoch von dieser Entfernung nichts wissen kann, „vermisst“ er diese Datei, was ebenfalls zu Funktionsstörungen führen kann.
  • Parsing: Weil Antivirensoftware viele verschiedene, teils unbekannte Dateiformate mit Hilfe eines Parsers untersucht, kann sie selbst zum Ziel von Angreifern werden.[2][3]
  • Häufig erlauben es Virenscanner nicht, noch einen zweiten Virenscanner parallel auszuführen.
  • False Positives, also Fehlalarme, die bei einigen Virenscannern zu einer automatischen Löschung, Umbenennung etc. führen und teilweise nur sehr schwer abzustellen sind. Nach einer Rückumbenennung "erkennt" das Programm erneut diese Datei und benennt sie wieder um.

Überprüfen der Konfiguration des Virenscanners

Die Funktion des Virenscanners kann nach der Installation und nach größeren Systemupdates überprüft werden. Damit kein "echter" Virus zum Test der Virenscanner-Konfiguaration verwenden werden muss, hat das European Institute of Computer Anti-virus Research in Verbindung mit den Virenscanner-Herstellern die sogenannte EICAR-Testdatei entwickelt. Sie ist kein Virus, wird aber von jedem namhaften Virenscanner als Virus erkannt. Mit dieser Datei kann getestet werden, ob das Antivirenprogramm korrekt eingerichtet ist.

Antivirensoftware

Software Hersteller Lizenz Betriebssystem Deutschsprachig kostenlos
AntiVir PersonalEdition Premium Avira Proprietär Windows, Linux, BSD, Solaris ja nein
AntiVir PersonalEdition Classic Avira Proprietär Windows, Linux, BSD, Solaris ja ja
avast! Professional Edition Alwil Software Proprietär Windows, Linux ja nein
avast! Home Edition Alwil Software Proprietär Windows, Linux ja ja
AVG Anti-Virus Free AVG Technologies Proprietär Windows ja ja
AVG Anti-Virus AVG Technologies Proprietär Windows, Linux ja nein
BitDefender AntiVirus Softwin Proprietär Windows, Linux ja nein
BitDefender Free Edition Softwin Proprietär Windows ja ja
ClamAV ClamAV GPL Windows, Linux, Unix, Mac OS X nein ja
F-Secure F-Secure Corporation Proprietär Windows ja nein
G DATA Antivirus G DATA Software Proprietär Windows, Linux ja nein
Kaspersky Anti-Virus Kaspersky Lab Proprietär Windows ja nein
McAfee VirusScan McAfee Proprietär Windows ja nein
Nod32 eset Proprietär Windows, Linux, NetWare ja nein
Norton AntiVirus Symantec Proprietär Windows ja nein
Panda Security Panda Security Proprietär Windows, Linux ja nein
Sophos Endpoint Security and Control Sophos Proprietär Windows, Linux, Unix, Mac OS X, NetWare, AIX, Solaris, OpenVMS, NetApp Storage systems ja nein
Winpooch Benoit Blanchon GPL Windows ja ja

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Testbericht von 2004 auf av-test.org, ZIP-Format
  2. http://www.nruns.com/_downloads/cw47-Artikel-Virenscanner.pdf
  3. http://www.nruns.com/parsing-engines-advisories.php

Weblinks


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