Lisunow Li-2

Lisunow Li-2
Lissunow Li-2
Lissunow Li-2 im Museum in Minsk
Lissunow Li-2 im Museum in Minsk
Typ: Transportflugzeug
Entwurfsland: UdSSR UdSSR
Hersteller: Iljuschin
Indienststellung: 1939
Produktionszeit: 1938 oder 1952
Stückzahl: 6.157 oder 4.937 (je nach Quelle)

Die Lissunow Li-2 (NATO-Codename: „Cab“) ist ein in der Sowjetunion hergestelltes zweimotoriges Passagier- und Transportflugzeug, das eine Lizenzversion der US-amerikanischen Douglas DC-3 ist und im Zweiten Weltkrieg in großem Umfang zum Einsatz kam. In anderen Quellen findet sich häufig auch die Schreibweise Lisunow Li-2.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Jahre 1937 erwarb die Sowjetunion die Lizenzrechte für die US-amerikanische DC-3 und beauftragte eine Entwicklungstruppe unter Boris Lissunow damit, diesen Typ auf sowjetische Anforderungen zuzuschneiden. Daraufhin wurden die gesamten Abmessungen der DC-3 in das metrische System übertragen. So entstand die PS-84 (Passascherski Samoljot = Passagierflugzeug), die eine etwas verkleinerte Spannweite sowie eine etwas erhöhte Leermasse aufwies, außerdem wurde die Seitentür auf die rechte Rumpfseite verlegt. Um eine größere Reichweite zu erzielen, wurden außerdem etwas leistungsschwächere 750-kW-Motoren verwendet, die die Höchstgeschwindigkeit gegenüber der DC-3 drastisch verringerten.

1938 begann der Serienbau in Chimki bei Moskau. Ab Mitte 1939 wurde die PS-84 bei der Aeroflot in Dienst gestellt und blieb bis 1947 das wichtigste Verkehrsflugzeug dieser Luftfahrtgesellschaft. Im Laufe ihrer Einsatzzeit wurde die Zahl der zu befördernden Passagiere von 14 auf maximal 28 erhöht.

Als das Deutsche Reich 1941 die Sowjetunion angriff, erhielten viele PS-84 auf dem Rumpfrücken einen drehbaren UTK-1-Waffenstand mit einem 7,62-mm-MG SchKAS, später mit einem 12,7-mm-MG UBK und ab 17. September 1942 die Bezeichnung Li-2. Während des Krieges war die Li-2 das Standard-Transportflugzeug der Sowjetunion und übernahm auch Aufgaben zur Partisanenversorgung in den besetzten Gebieten, das Absetzen von Fallschirmjägern (Li-2D) sowie den Transport von Verwundeten.

Eine als Li-2WW (Wojenny Wariant = militärische Variante) bezeichnete Ausführung erhielt im Bug sowie in zwei speziell modifizierten Luken beiderseits des Rumpfes je ein als Abwehrbewaffnung vorgesehenes SchKAS-MG und wurde als Frontbomber eingesetzt. Dazu bekamen die Li-2 äußere Waffenstationen für bis zu vier 250-kg-Bomben. Häufig wurden im Rumpfinneren zusätzlich noch leichtere Bombenkaliber mitgeführt, die von der Besatzung einfach aus der Frachtluke geworfen wurden.

Nach dem Kriegsende wurden die Li-2 wieder zu normalen Transportflugzeugen zurückgerüstet und auch in Staaten des Ostblocks eingesetzt, so auch in der VR Polen, wo sie als Li-2T(sb)-Übungsbombenflugzeuge bis 1960 Verwendung fanden. Die in Jugoslawien eingesetzten Maschinen erhielten Pratt & Whitney R-1830-Motoren und die Bezeichnung Li-3. In der UdSSR wurden die Maschinen durch die Il-12 abgelöst. 1956 entstand noch die als Wetterflugzeug für große Höhen konzipierte Li-2W.

Gebaut wurden nach sowjetischen Angaben schätzungsweise 3.000 Li-2.

Li-2 heute

Zur Zeit befindet sich noch eine Li-2 im flugfähigem Zustand. Nach fünfjähriger Restaurierung durch einen privaten Verein dient sie während der Sommermonate touristischen Rundflügen, außerdem ist sie gelegentlich bei Messen (wie z.B. der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin und der Aero Friedrichshafen) in ganz Europa zu Gast. Sie trägt die Kennung „HA-LIX“ und ist auf dem Flugplatz Budaörs, einem Vorort von Budapest, stationiert. Insgesamt fünf Piloten haben heute (2006) eine Musterberechtigung (das sog. Typerating) für die Maschine; diese wurde aufgrund von alten Erfahrungen ehemaliger LI-2-Piloten, sowie aus noch vorhandenen und teilweise in russischer Sprache und handschriftlich erhaltenen Handbüchern, extra neu festgelegt.

Bemerkenswert ist, dass dieses Flugzeug bis auf neue, zeitgemäße, Funkgeräte und einen nachgerüsteten GPS-Empfänger noch vollständig mit originaler Avionik fliegt.

Obwohl es sich um einen lizenzierten Nachbau handelt, hat das Flugzeug in der Praxis nur wenig mit einer DC-3 gemeinsam. Die Flugleistungen sind aufgrund anderer (deutlich leistungsschwächerer) Motoren wesentlich geringer, die russische Instrumentierung erfordert eine besondere Einweisung, und das gesamte Fluggerät unterscheidet sich in sehr vielen Details ebenfalls von seinem amerikanischen Pendant. Daher ist auch die Ersatzteilbeschaffung mit Neuteilen zunehmend problematisch. In Budaörs befinden sich noch drei weitere LI-2, von denen zumindest zwei als Ersatzteilspender dienen.

Eine weitere Maschine wurde ebenfalls in Budaörs zur späteren Ausstellung in einem Museum restauriert, ist jedoch nicht flugfähig. Vor dem Terminal-2-Gebäude des Budapester Flughafens Ferihegy befindet sich ein kleines Open-Air-Museum, in dem derzeit neben anderen Exponaten noch eine weitere LI-2 optisch restauriert wird. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Militärflugzeug, welches nun jedoch, aufgrund des hauptsächlichen Sponsors dieses Museums, in der Malév-Lackierung erscheint.

Zahlreiche Flugzeuge desselben Typs sind noch in diversen anderen Museen zu besichtigen, so zum Beispiel in Moskau (Monino), Kiew und Krakau.

Varianten

Sowjetunion
PS-84 Ursprüngliches Passagierflugzeug (Passascherski Samoljot) mit 14 bis 28 Sitzplätzen. Im Unterschied zur DC-3 etwas kleinere Spannweite, etwas höhere Leermasse, Seitentür auf der rechten Seite und schwächere Motoren
Li-2 Militärisches Transportflugzeug mit nachgerüsteter Abwehrbewaffnung (Bezeichnung ab 17. September 1942)
Li-2D Version der Li-2 zum Absetzten von Fallschirmjägern (1942)
Li-2WW Bomberversion (Wojenny Wariant) der Li-2 (1942)
Li-2W Als Wetterflugzeug konzipierte Version der Li-2 für große Höhen (1956)
Jugoslawien
Li-3 Li-2 mit nachgerüsteten US-Originalmotoren der DC-3 vom Typ Pratt & Whitney R-1830
Polen
Li-2T(sb) Übungsbombenflugzeuge auf Basis der Li-2

Beschreibung

Die Li-2 war ein in Ganzmetallbauweise produzierter freitragender Tiefdecker mit einem rechteckigen dreiholmigen Mittelflügel und trapezförmigen Außenflügel mit hydraulischen Landeklappen. Das Leitwerk war ebenfalls freitragend und in Normalbauweise. Das Heckfahrwerk war einziehbar, wobei die Haupträder nur zur Hälfte in die Triebwerksgondeln eingefahren werden konnten. Im Winter war die Umrüstung auf Schneekufen möglich.

Technische Daten

Kenngröße Daten der Li-2WW
Länge    19,65 m
Flügelspannweite    28,81 m
Höhe    5,15 m
Flügelfläche    91,7 m²
Antrieb    zwei luftgekühlte 9-Zylinder-Sternmotoren M-62IR
Startleistung    je 735 kW
Höchstgeschwindigkeit    270 km/h
Marschgeschwindigkeit    240 km/h
Landegeschwindigkeit    108 km/h
Dienstgipfelhöhe    5.600 m
Reichweite    2.600 km
Leergewicht    7.650 kg
Startgewicht    11.700 kg
Besatzung    5–6
Bewaffnung    drei 7,62-mm-MG SchKAS
ein 12,7-mm-MG UBK
RS-82 oder RS-132 Luft-Boden-Raketen unter den Flügeln
Bombenlast    normal 1.000 kg
maximal 2.000 kg bei Kurzstrecken

Kurioses

Die Sowjetunion erwarb zwar die Lizenz zum Bau der DC-3, bezahlte jedoch der Herstellerfirma Douglas niemals einen US-Dollar dafür.

Siehe auch


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