Antoine Béchamp
Antoine Béchamp

Pierre Jacques Antoine Béchamp (* 16. Oktober 1816 in Bassing; † 15. April 1908 in Paris) war ein französischer Mediziner, Biologe und Pharmakologe.

Seine ersten Studien der Pharmazie macht Béchamp in Bukarest, wo sein Onkel französischer Konsul war. Zurück in Frankreich schreibt er sich 1834 an der École supérieure de Pharmacie von Straßburg ein, wo er 1843 eine Apotheke eröffnet. 1851 wechselt er zur Universität Straßburg und wird Toxikologe. 1856 ist er Professor für klinische Chemie der medizinischen Fakultät von Montpellier. 1876 ist er Dekan der medizinischen Fakultät von Lille. Aufgrund von Streitigkeiten mit Louis Pasteur (ab 1881), muss er angeblich aus diesen Gründen seinen Posten 1888 räumen und erwirbt eine Apotheke in Le Havre. Heute wird sein Werk von einer „Fondation Antoine Béchamp“ weiter gepflegt und verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

Béchamps Theorien zum Pleomorphismus (Vielgestaltigkeit)

Aufgrund experimenteller Arbeiten entwickelte Béchamp eine inzwischen widerlegte Hypothese des Pleomorphismus nach der alle tierischen und pflanzlichen Zellen aus kleinsten Partikeln beständen, die unter bestimmten Umständen sich zu Bakterien weiterentwickeln könnten. Nach dem Tode der Zelle hätten diese Partikel die Fähigkeit weiter zu existieren. Béchamp nannte diese kleinen Partikel „Mikrozyme“ (microzymas, oder granulations moleculaires).

Nach der Überzeugung von Béchamp wäre das Mikrozym in der Lage sich zu replizieren, hätte einen eigenen Stoffwechsel, könne Zeichen der Gärung zeigen, wäre imstande Gewebe (Biologie) zu bilden und könne sich zu Bakterien oder Myzelen wie sie von Pilzen bekannt sind, weiterentwickeln.

Laut Béchamp wäre die Basis allen Lebens das Mikrozym. Béchamp wirft den Forschern seiner Zeit vor, dass diese ihre Beobachtungen lediglich an fixierten, in Scheiben aufgetrennten und angefärbten, also toten Lebewesen, machen würden, während seine Beobachtungen sich auf lebende Präparate beziehen würde.

Béchamp war Zeitgenosse von Louis Pasteur und Robert Koch. Pasteur warf er zeitlebens vor, eigene Theorien in verfälschter Form aufgegriffen zu haben, ohne den Urheber zu nennen. Pasteur solle dadurch die damalige Medizin auf einen falschen Weg gebracht haben. So soll er in diesem Zusammenhang geäußert haben: Ich bin der Vorgänger von Pasteur, exakt so wie der Bestohlene der Vorläufer eines glücklichen und dreisten Diebes ist, der ihn verhöhnt und beleidigt (Je suis le précurseur de Pasteur, exactement comme le volé est le précurseur de la fortune du voleur heureux et insolent qui le nargue et le calomnie). [1] Louis Pasteur lehnte die Sichtweise des Pleomorphismus jedoch strikt ab und propagierte seinerseits den Monomorphismus, nach der die Gestalt und Funktion jedes Organismus durch seine Gattung, Art, bzw. Erbanlagen bestimmt werden.

Béchamps Hypothesen inspirierten eine Reihe von Wissenschaftlern des 19. und 20. Jahrhunderts. Zu diesen gehört der deutsche Zoologe Günther Enderlein und Wilhelm Reich (Bion). Weitere Personen, die einer Hypothese folgen, wie sie Béchamp verbreitete, sind der Amerikaner Royal Rife und die Russin Tamara Lebedewa.

1854 entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von Anilin (Bechamp-Reduktion) und die Arsonylierung. Er leistete auch Arbeiten über die optischen Aktivitäten von Eiweißbestandteilen und Zuckern. Bei seinen pharmakologischen Forschungen entdeckte Béchamp 1863 das als Heilmittel verwendete Präparat Atoxyl, dem später auch von Robert Koch und Paul Ehrlich Beachtung geschenkt wurde.

Béchamps Ansichten von vor 100 Jahren sind mittlerweile von der modernen Biologie und Medizin widerlegt worden, spielen aber weiterhin bei einigen alternativmedizinischen Lehren eine Rolle.

Referenzen

  1. Brief aus dem Mai 1900 von Antoine Béchamp an Vitteaut, in Marie Nonclercq: Antoine Béchamp, Verlag Maloine (1982), S. 43.

Bibliographie

  • Béchamp A: Recherches sur la pyroxyline, impr. de G. Silbermann, Strasburg 1853.
  • Béchamp A: De l'Action Chimique de la Lumière. Dissertation im Fachbereich Physik (Strasburg 19. August 1853) , imprimerie de G. Silbermann, Strasburg 1853.
  • Béchamp A: Essai sur les substances albuminoïdes et sur leur transformation en urée, impr. de G. Silbermann, Strasburg 1856.
  • Manchester K.L.: Antoine Béchamp: père de la biologie. Oui ou non? Endeavour, Volume 25, Number 2, 1 Juni 2001, pp. 68-73(6)
  • Antoine Béchamp, Les microzymas, Paris, Baillière (1883), (Neuauflage durch le Centre international d'études A. Béchamp (1990))
  • M. Nonclercq, Antoine Béchamp, l'homme et le savant, bei Maloine (1982) (ISBN 2-224-00854-6)

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