Anton Burger (SS-Mitglied)

Anton Burger (* 19. November 1911 in Neunkirchen; † 25. Dezember 1991 in Essen) war österreichischer SS-Obersturmführer und Lagerkommandant im Ghetto Theresienstadt.

Leben

Der Sohn eines Papierwarenhändlers absolvierte nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule eine kaufmännische Lehre und trat 1930 ins Bundesheer ein.

Er trat 1932 der in Österreich verbotenen NSDAP bei und wurde daraufhin im Juli 1933 unehrenhaft aus dem Heer entlassen. Illegal reiste Burger nach Deutschland und schloss sich in Lechfeld der „Österreichischen Legion“ an, einer Splittergruppe aus Exilösterreichern, die zur neuen Partei standen. Bald darauf trat er in die SA ein. 1935 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft, wegen seiner Arbeitslosigkeit wohnte er in SA-Kasernen.

Mit der „Österreichischen Legion“ war Burger schließlich auch beim „Anschluss“ am 12. März 1938 in Wien beteiligt. Nach dem Wechsel in die SS arbeitete Burger in der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien“; sein unmittelbarer Vorgesetzter war Adolf Eichmann.

Im Sommer 1939 erfolgte seine Versetzung zur Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag, und im April 1941 seine Beförderung zum Untersturmführer. Bereits im Frühjahr 1941 wurde er zum Leiter der Zweigstelle in Brünn befördert.

Im Februar 1943 wurde Burger zusammen mit SS-Hauptsturmführer Dieter Wisliceny nach Saloniki entsandt, um die Deportation der mazedonischen Juden nach Auschwitz-Birkenau zu leiten. In den sechs Monaten bis August 1943 wurden 46.000 Menschen nach Polen deportiert – in den sicheren Tod.

Infolge seines Einsatzes wurde Burger am 5. Juli 1943 als Nachfolger von Siegfried Seidl Lagerkommandant in Theresienstadt. Hier war Burger bald wegen seiner Grausamkeit und seiner Willkür gefürchtet. Er selbst stellte Transportlisten nach Auschwitz zusammen und exekutierte Häftlinge.

Im März 1944 wurde er Leiter des „Judenreferates“ beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) in Athen. Sein Auftrag war es, die jüdische Bevölkerung von Korfu und Rhodos – knapp 7.000 Personen – nach Auschwitz zu deportieren.

Unerkannt wurde er bei Kriegsende in ein amerikanisches Internierungslager bei Salzburg gebracht, wo Burger erst 1947 als Kommandant von Theresienstadt enttarnt wurde. In der Zwischenzeit war er jedoch in Abwesenheit vom Volksgerichtshof in tschechischen Litoměřice zum Tode verurteilt worden. Kurz vor der Vollstreckung des Todesurteils konnte Burger im Juni 1947 aus dem Internierungslager fliehen. Bis zu seiner erneuten Verhaftung im März 1951 lebte er unter falschem Namen im Untergrund seiner Heimatstadt Neunkirchen. Doch seine zweite Verhaftung dauerte nur wenige Wochen. Bereits am 9. April 1951 gelang ihm erneut die Flucht.

Unter dem Familiennamen Bauer mit wechselnden Identitäten lebte er im Grenzgebiet Österreichs zu Deutschland und konnte zwischen 1960 und 1961 sogar als Hüttenwart auf einer Alm überleben. Burger nannte sich bald darauf nur mehr Wilhelm Bauer und fand im Januar 1962 Anstellung bei einer Firma in Essen, die er 1974 wieder verlor. Nach einem Herzinfarkt und trotz mangelhaft gefälschter Papiere lebte Burger bis zu seinem Tod als Rentner in Deutschland. Erst im März 1994, über zwei Jahre nach seinem Tod, konnte das Bayerische Landeskriminalamt nach Hinweisen von Simon Wiesenthal die Identität Burgers als die von Wilhelm Bauer bestätigen.

Literatur

  • Hans Safrian: Eichmann und seine Gehilfen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12076-4.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.

Weblinks


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