Anton Günther (Oldenburg)
Graf Anton Günther
Graf Anton Günther von Oldenburg auf seinem Apfelschimmel „Kranich“
Briefmarke des Deutschen Reichs von 1945 zum 600. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte an Oldenburg

Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst (* 10. November 1583 in Oldenburg; † 19. Juni 1667 in Rastede) aus dem Haus Oldenburg, war absolutistischer Landesherr und Reichsgraf von Oldenburg (1603–1667) und Delmenhorst (1647–1667) innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Seine Eltern waren Graf Johann VII. von Oldenburg (* 1540; † 1603) und Elisabeth von Schwarzburg-Blankenburg.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Der letzte und politisch klügste Graf der Oldenburger Landesdynastie, Graf Anton Günther, unternahm schon in seiner Jugend viele Reisen an die Fürstenhöfe Deutschlands und des europäischen Auslandes. Damit gewann er einen guten Einblick in die politische Situation der europäischen Welt. Die außenpolitischen Verbindungen, die er dabei knüpfte, kamen später seinem Lande zugute.

Landesherr und Monarch des Barocks

Als sein Vater 1603 starb, übernahm er im Alter von 20 Jahren die Regierung und setzte sofort die Ziele fort, die sein Vater Johann angefangen hatte: den Deichbau am Jadebusen und die Erlangung des Weserzolls. Beide Leistungen bedeuteten herausragende innen- d.h. wirtschaftspolitische sowie außenpolitische Erfolge.

Der „Deichbauer“

1615 wurde bei Ellens die Durchdämmung des Schwarzen Bracks vollendet. Damit waren 2000 Jück Grodenland dem Meer abgerungen und das Land Oldenburg als solches entsprechend vergrößert; zugleich war dadurch die Verbindung zwischen Oldenburg und Jever hergestellt und allen Ausdehnungsbestrebungen der ostfriesischen Grafen zur Jade hin ein Riegel vorgeschoben worden.

Der Weserzoll

1612 verlangte Graf Anton Günther die Einführung eines Weserzolls für alle die Unterweser befahrenden Handelsschiffe, um die angeblich hohen Kosten für die Sicherung des Fahrwassers der Unterweser zu decken. Dieses führte zu einem heftigen Konflikt mit der Hansestadt Bremen. Erst 1622 konnte Graf Anton Günther die Zustimmung der Kurfürsten und des Kaisers Ferdinand II. zur Einführung des Weserzolls erreichen. Die Verleihung der Zollrechte erfolgte im Jahre 1623. In der Begründung zur Verleihung wurde anerkannt, dass Oldenburg für die Erhaltung des Leuchtfeuers auf der Insel Wangerooge und die Aufwendungen für die Uferbefestigungen an der oldenburgischen Küste eine Entschädigung zustehe. Trotz der Bestätigung der Zollrechte weigerte sich Bremen, den Zoll zu bezahlen. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde der Weserzoll wiederholt bestätigt. Bremen leistete weiterhin Widerstand und wurde deshalb von 1652 bis 1653 in Reichsacht genommen. Erst mit dem Regensburger Vergleich von 1653 erkannte Bremen die Oldenburger Zollhoheit an, die dem Land in manchen Jahren mehr als 100.000 Reichsthaler einbrachte.

Souveräne europäische Außenpolitik

Während des 30jährigen Krieges (1618–1648) bewahrte der Landesfürst Graf Anton Günther durch seine ebenso kluge wie raffinierte Neutralitätspolitik gegenüber den kriegsführenden Mächten und einzelnen Heeresführern sein Land fast als einziges unter den deutschen Staaten weitgehend vor Not, Elend und Verwüstung. Er erwarb sich dadurch die Verehrung und Liebe seiner Untertanen. Eine Legende erzählt, Anton Günther habe sogar Wallensteins brutalen Feldherrn Johann Tserclaes Graf von Tilly vom unmittelbar bevorstehenden Überfall auf die Stadt Oldenburg abhalten können, indem er ihm wertvolle Pferde schenkte und ihm einen gangbaren Abzugsweg durch die Moore verriet.

Innen-, Agrar- und Handelspolitik

Als Liebhaber und Züchter schöner Pferde begründete er im Lande die Oldenburger Pferdezucht. Dass er deswegen spöttisch als der „Stallmeister des Heiligen Römischen Reiches“ tituliert wurde, bekümmerte ihn nicht. Wegen seiner Neutralitätspolitik blühten Verwaltung und Wirtschaft, Landwirtschaft und Handel, Handwerk und Kunst, Literatur und Musik. Militär und Militärpolitik spielten eine untergeordnete Rolle. Im Jahre 1608 erließ Graf Anton Günther zur Belebung des Handels die „Verordnung wegen der Oldenburger Krahmer-Marckte“. Der „Kramermarkt“ ist seitdem zu einem der größten norddeutschen Jahrmärkte geworden und bezieht sich noch immer auf Graf Anton Günther, der den alljährlichen Festumzug auf seinem Apfelschimmel „Kranich“ anführt.

Territoriale Vergrößerung des Landes

1623 erwarb er die Herrlichkeit Kniphausen und erbte 1647 die Grafschaft Delmenhorst. Er erreichte damit die flächenmäßig größte Ausdehnung des Staates.

Tod und Teilung

Nach sechzigjähriger Regierungszeit starb Anton Günther im Alter von 83 Jahren in seinem Jagdschloss in Rastede. Da seine Ehe mit der Prinzessin Sophie von Holstein-Sonderburg kinderlos geblieben war, hatte Anton Günther zu Lehnserben der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst den aus dem Hause Oldenburg stammenden König von Dänemark und die Herzöge von Holstein-Gottorp bestimmt. Aus einer Laision mit Elisabeth von Ungnad-Weißenwolf entstammt ein illegitimer Sohn, der spätere Grafen Anton von Aldenburg. Er übertrug ihm das Amt Varel, die Herrlichkeit Kniphausen, die Vogtei Jade und das Vorwerk Hahn als eigenen Staat. Seine Schwester Magdalene, verh. Fürstin von Anhalt-Zerbst, bedachte er mit der erblichen Herrschaft Jever. Ob die Dreiteilung des Staates klug war, ist recht zweifelhaft. Damit endete die Geschichte des ruhmreichen selbständigen oldenburgischen Grafenhauses und Staates.

Erst 1773 sollte unter Friedrich August von Holstein-Gottorp (1711–1785) das Land Oldenburg wieder als selbständiger Staat in der Staatsform eines Herzogtums (ab 1815: Großherzogtum) in die deutsche und europäische Staatenfamilie zurückkehren. Der neuen Dynastie (bis 1918) gelang es in zäher Politik, die drei historischen Landesteile wieder zu vereinigen und beim Untergang des Reiches durch Napoleon I. 1803 (Reichsdeputationshauptschluss) mit Gebietsgewinnen von den Nachbarstaaten eine territoriale Ausdehnung Oldenburgs zu erreichen, die die Graf Anton Günthers weit übertraf.

Nachruhm

Graf Anton Günther ist noch heute in der kollektiven Erinnerung Oldenburgs präsent. Die historischen Abbildungen des Grafen sind in vielen Reproduktionen verarbeitet. Ein eigenes Denkmal wurde ihm trotz seiner Beliebtheit erst 2006 errichtet. In diesem Jahr schuf der Abiturient Florian Müller ein Graf-Anton-Günther-Denkmal und schenkte es seiner nach dem Grafen benannten Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg als Abitur-Geschenk, seitdem steht es vor dem Schulgebäude.[1] An der Außenwand der Schule neben dem Haupteingang befindet sich ebenfalls ein Wandbild des Grafen. In Elsfleth wurde 2008 vor dem ehemaligen Jagdschloss Anton Günthers ein bronzenes modernes Reiterstandbild des Grafen auf seinem Schimmel enthüllt; es ist ein Werk des Oldenburger Künstlers Michael Ramsauer.

Die größte und anscheinend erste denkmalartige öffentliche Präsenz stellt das über 100jährige große Wandbild des Grafen Anton Günther an der Nordwand des Hauses „Hotel Graf Oldenburg“ im belebtesten Zentrum der Stadt Oldenburg (Ecke Lange Straße/Kurwickstraße) dar. Es wurde ca. 1894/1895 von dem in Oldenburg gebürtigen Maler August Oetken (1868–1951) im Auftrage des Architekten Ludwig Klingenberg, Bruder des Industriellen Klingenberg in Berlin und des von ihm geleiteten patriotischen Vereins vermutlich als Werbung für ein zu errichtendes Stein-Denkmal gemalt. Das Denkmal kam nie zustande. Oetken aber stieg in Berlin zu einem der bekanntesten historischen Kirchenmaler und Mosaizisten des deutschen Kaiserreiches (1871–1918) auf. Er wurde 1906 preußischer Kunstprofessor und schuf zahlreiche berühmte „Kaiserwerke“ wie den „Kaiserbrunnen“ in Istanbul/Türkei, die „Elisabeth-Kemenate“ auf der Wartburg/Thüringen und die Schlosskapelle auf der Kaiserburg Posen/Polen. Mit seinem Anton-Günther-Fresko schuf August Oetken eines der Wahrzeichen des Stadtbildes Oldenburgs und prägte das Bewusstsein der Oldenburger nachhaltig.

Im Juli 2011 stellte eine private Initiative ein bereits fertig gegossenes Reiterstandbild vor und wirbt seitdem für die Aufstellung auf einem öffentlichen Platz in Oldenburg. Kritiker warfen der Initiative einen Rückgriff auf eine überkommene absolutistische Herrscherikonographie vor.[1] Insbesondere die in Oldenburg erscheinende Nordwest-Zeitung unterstützt die Denkmalsinitiative.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Merzdorf: Anton Günther, letzter Graf von Oldenburg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 491–493.
  • Hermann Lübbing: Anton Günther, Graf von Oldenburg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 317.
  • Friedrich-Wilhelm Schaer: Anton Günther. In: Hans Friedl, Wolfgang Günther, Hilke Günther-Arndt und Heinrich Schmidt (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Isensee Verlag, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 37–40 (Rez. u.a. v. Gerold Schmidt, in: Oldenburgische Familienkunde Jahrgang 35, Heft 4/1993, S. 774–776)
  • Karl Veit Riedel: August Oetken. In: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg a.a.O. S. 534–535
  • Gerold Schmidt: Der Kirchenmaler und Mosaikkünstler des Historismus Prof. August Oetken (1868–1951), Mitgestalter des Melanchthonhauses in Bretten. In: Stefan Rhein und Gerhard Schwinge (Hrsg.): Das Melanchthonhaus Bretten. Ein Beispiel des Reformationsgedenkens der Jahrhundertwende. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, ISBN 3-929366-63-0, S. 167–212 (Rez. u.a. von: Rolf Schäfer, in: Oldenburger Jahrbuch. Band 98, 1998, S. 179)

Einzelnachweise

  1. a b Graf Anton Günther auf den Sockel, abgerufen am 27. Juli 2011
  2. Presseschau 26. Juli: Denkmalschutz und Denkmalwerbung, abgerufen am 27. Juli 2011

Weblinks

 Commons: Anton Günther (Oldenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann VII. Graf von Oldenburg
1647–1667
Friedrich III.
Christian V. Graf von Delmenhorst
1603–1667

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