Anton Hiersemann Verlag

Der Anton Hiersemann Verlag ist ein wissenschaftlicher Buchverlag mit Sitz in Stuttgart.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aus dem im Jahr 1884 von Karl Wilhelm Hiersemann in Leipzig gegründeten Antiquariat und Exportsortiment entstand ab 1892 ein wissenschaftlicher Verlag. Erstes Verlagswerk war der Titel: L. Bickel, Bucheinbände des 15. bis 18. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrzehnten waren Buchgeschichte und Bibliographie, Kunstgeschichte und Kunstgewerbe, Literaturwissenschaft, Americana und Orientalia die bevorzugten Verlagsgebiete. Aus den engen Verbindungen zu den großen Bibliotheken Deutschlands ergaben sich Publikationen wie die Mitteilungen aus dem Preußischen Staatsbibliotheken, der Gesamtkatalog der Wiegendrucke, der Bilderschmuck der Frühdrucke von Albert Schramm, das Beschreibende Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich und andere mehr. Charakteristisch für den Verlag in den 1920er Jahren war die damals (auf Grund der neu entwickelten Nachdruckverfahren) mögliche Komplettierung teilweise vergriffener großer Serienwerke, deren Rechte man erworben hatte, wie beispielsweise die Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, der Flora Brasiliensis von Maritus, der Historischen Zeitschriften und der (von der Hahnschen Buchhandlung übernommenen) Folio-Serie Monumenta Germaniae Historica.

Der in Leipzig unter dem Namen des Gründers Karl Wilhelm Hiersemann geführte Verlag wurde wie auch das Antiquariat 1950 von der DDR-Regierung entschädigungslos enteignet und die Firma wenig später liquidiert. Ab 1949 erfolgte in Stuttgart unter Verlagsleiter W. Olbrich der Aufbau des Verlages, der unter dem Namen Anton Hiersemann die Tradition und das Programm des Leipziger Hauses fortsetzt.

Seit 2005 unterstützt und leitet mit Florian Hiersemann (* 11. Februar 1976 in Stuttgart) die vierte Generation die Geschicke des familiär geführten wissenschaftlichen Verlags.

Bedeutung

Unter Leitung von Anton Hiersemann und seit 1969 von Gerd Hiersemann (* 23. Juni 1938 in Leipzig) wurde das Programm mit den Schwerpunkten Buch- und Bibliothekswesen, Antike und Christentum, Mittelalterliche Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Religionswissenschaft ausgebaut. Zu den herausragenden Titeln gehören: Armin / Hodes: Internationale Personalbibliographie; Dahlmann-Waitz: Quellenkunde der deutschen Geschichte; Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder; Handbuch der Geschichte Russlands; Kirchner: Bibliographie der Zeitschriften des deutschen Sprachgebiets; Reallexikon für Antike und Christentum; Reallexikon zur byzantinischen Kunst; Der Romanführer; Der Schauspielführer; Schottenloher: Bibliographie zur Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung; Schreiber: Handbuch der Holz- und Metallschnitte des 15. Jahrhunderts; Stopp: Die Handwerkskundschaften mit Ortsansichten; Verzeichnis der im deutschen Sprachgebiet erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts.

Von besonderer Bedeutung ist die zweite, völlig neu bearbeitete Auflage des Lexikons des gesamten Buchwesens. Wichtige Buchreihen sind: Bibliothek der griechischen Literatur; Bibliothek der Mittellateinischen Literatur; Bibliothek des Buchwesens; Bibliographisches Jahrbuch für Erzählbände; Datierte Handschriften in Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland; Denkmäler der Buchkunst mit der Abteilung Corpus der byzantinischen Miniatur-Handschriften; Hiersemanns Bibliographische Handbücher, Monographien zur Geschichte des Mittelalters; Päpste und Papsttum; Quellen und Untersuchungen zur Lateinischen Philologie des Mittelalters.

Literatur

  • Wilhelm Olbrich: 100 Jahre Hiersemann 1884 – 1984. Hiersemann, Stuttgart 1984, ISBN 3-7772-8429-7 (344 Seiten, Literaturverzeichnis auf den Seiten 229 - 292).
  • Severin Corsten (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. ... In [bisher] acht Bänden. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Hiersemann, Stuttgart 1985 - 2007 [ff.], ISBN 3-7772-8527-7.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Anton Hiersemann — (* 9. November 1891 in Leipzig; † 23. September 1969 in Stuttgart) war ein deutscher Verleger und Antiquar. Leben und Wirken Der Sohn des Buchhändlers und Antiquars Karl W. Hiersemann wurde in Leipzig, Moskau und in den USA zum Buchhändler… …   Deutsch Wikipedia

  • Hiersemann — ist der Familienname folgender Personen: Anton Hiersemann (1891−1969), deutscher Verleger Karl Heinz Hiersemann (1944−1998), deutscher Landespolitiker (Bayern) (SPD) Karl Wilhelm Hiersemann (1854 1928), deutscher Antiquar und Verleger Hiersemann… …   Deutsch Wikipedia

  • Anton Kippenberg — Anton Hermann Friedrich Kippenberg (* 22. Mai 1874 in Bremen; † 21. September 1950 in Luzern) war ein bedeutender deutscher Verleger und Goethe Sammler. Von 1905 bis 1950 leitete er den Insel Verlag. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 1.1 Ausbildung …   Deutsch Wikipedia

  • Anton Koberger — Eneas Sylvius, epistolae. Gedruckt von Anton Koberger in Nürnberg 1497 Anton Koberger (* um 1440 in Nürnberg; † 3. Oktober 1513 ebenda) (auch: Koburger, Coberger, Coburger) war ein bedeutender deutscher Buchdrucker, Verleger und Buchhändler der… …   Deutsch Wikipedia

  • Franz Anton Bustelli — (* 12. April 1723 in Locarno, Schweiz; † 18. April 1763 in München) war Bildhauer und Modellierer von Porzellanfiguren. Er gilt als der bedeutendste Porzellankünstler des Rokoko neben Johann Joachim Kändler, der für Meissen arbeitete. Über sein… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Verlagen — Diese alphabetische Liste beinhaltet Verlage und Verlagsgruppen im deutschen Sprachraum, die die Relevanzkriterien für Verlage erfüllen. Verlage, die nicht (mehr) eigenständig sind, werden mit Verweis auf den Dachverlag aufgeführt. Erloschene… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Verlagen im deutschen Sprachraum — Diese alphabetische Liste beinhaltet Verlage und Verlagsgruppen im deutschen Sprachraum, die die Relevanzkriterien für Verlage erfüllen. Verlage, die nicht (mehr) eigenständig sind, werden mit Verweis auf den Dachverlag aufgeführt. Erloschene… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Verlagen in Deutschland, Österreich und Schweiz — Diese alphabetische Liste beinhaltet Verlage und Verlagsgruppen im deutschen Sprachraum, die die Relevanzkriterien für Verlage erfüllen. Verlage, die nicht (mehr) eigenständig sind, werden mit Verweis auf den Dachverlag aufgeführt. Erloschene… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste deutschsprachiger Verlage — Diese alphabetische Liste beinhaltet Verlage und Verlagsgruppen mit überwiegend deutschsprachigen Publikationen, die vermutlich die Relevanzkriterien für Verlage erfüllen. Verlage, die nicht (mehr) eigenständig sind, erscheinen mit einem Verweis… …   Deutsch Wikipedia

  • Goldene Regel — Als Goldene Regel (lat. regula aurea; engl. golden rule) bezeichnet man einen alten und verbreiteten Grundsatz der praktischen Ethik:[1] „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Europäer im 17. Jahrhundert prägten den… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”