Louis-Napoléon Bonaparte

Louis-Napoléon Bonaparte
Napoléon III., 1852 (Gemälde von Franz Xaver Winterhalter)

Napoléon III. (* 20. April 1808 in Paris; † 9. Januar 1873 in Chislehurst bei London; eigentlich Charles-Louis-Napoléon Bonaparte) war von 1848 bis 1852 französischer Präsident und von 1852 bis 1870 der zweite und letzte Kaiser der Franzosen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Jugend

Die vier Napoleons (Propagandabild, um 1858)

Charles Louis Napoléon Bonaparte war der Sohn von Louis Bonaparte (1806–1810 König von Holland) und somit der Neffe Kaiser Napoleons I. Auch seine Mutter, Hortense de Beauharnais, stand in einem engen Zusammenhang zu Napoléon Bonaparte. Hortense war die Tochter von Alexandre Vicomte de Beauharnais und Joséphine Tascher de la Pagerie. Nach der Hinrichtung ihres Vaters während der Terrorherrschaft und der Heirat ihrer Mutter mit Napoleon Bonaparte wurde sie dessen Stieftochter.

Obwohl es in der heutigen Forschung keine Zweifel gibt, hält sich hartnäckig das Gerücht, Louis Bonaparte sei nicht der Vater von Charles Louis Napoléon. Die Vaterschaft wurde Carel Hendrik Graf Verhuell zugeschrieben. Belegt ist, dass Graf Verhuell und Hortense de Beauharnais eine Freundschaft verband, aber ebenso belegt ist dessen Verbleib in Holland, während Hortense und Louis in Paris weilten.

Charles Louis Napoléon war der Cousin von Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte, Herzog von Reichstadt, der von den Bonapartisten als Napoleon II. betrachtet wird. Nach dessen Tod wurde Louis Napoléon der erste Anwärter auf die Kaiserkrone.

Einen Großteil seiner Jugend verbrachte Louis Napoléon in der Schweiz im Schloss Arenenberg in Salenstein am Untersee des Bodensees im Kanton Thurgau und in Konstanz am Bodensee.[1] Er sprach deshalb perfekt Schweizerdeutsch. Seine Schulzeit verbrachte er in Augsburg, zunächst bei Privatlehrern und dann von 1821 bis 1823 am Gymnasium bei St. Anna. 1829 ging er an die Artillerieschule von Thun, diente später als Artillerieoffizier in der Schweizer Armee und erhielt 1832 die Schweizer Staatsbürgerschaft als Ehrenbürger des Kantons Thurgau. Dies erlaubte ihm, gleichzeitig die französische Staatsbürgerschaft zu behalten.

Kämpfe in Italien, Putschversuche und Exil

Präsident Louis-Napoleon Bonaparte

1829 plante Louis Napoléon am Russisch-Türkischen Krieg teilzunehmen. Dies wurde ihm von seinem Vater untersagt. Stattdessen schloss er sich gemeinsam mit seinem Bruder Napoléon Louis den italienischen Carbonari an. Dort führte er die Belagerung der Festung Civita Castellana an. Nach der Niederschlagung des Aufstandes und dem Tod seines Bruders floh Louis Napoléon mit seiner Mutter ins Frankreich Ludwig Philipps.[2]

In Straßburg konnte Louis Napoléon einige Offiziere dafür gewinnen, ihm bei einem Putschversuch zu folgen. Am Morgen des 29. Oktober 1836 erklärte er den Männern des 4. Artillerieregimentes, in dem bereits sein Onkel gedient hatte, dass er Frankreichs Größe und Ehre wiederherstellen wolle. Da der Regimentskommandeur, Oberst Vaudrey, auf seiner Seite stand, folgten ihm die Artilleristen. Allerdings wurde der Putsch von den gleichfalls in Straßburg stationierten Soldaten des 46. Infanterieregimentes abgelehnt und niedergeschlagen. Louis Napoléon wurde gefangen genommen und am 9. November nach Paris gebracht. Von König Ludwig Philipp wurde er unter der Bedingung begnadigt, ins Exil in die USA zu gehen. An Bord der Fregatte Andromeda reiste er am 21. November 1836 über Rio de Janeiro nach New York. [3]

Als seine Mutter 1837 im Sterben lag, kehrte er nach Arenenberg zurück. Frankreich verlangte daraufhin von der Schweiz die sofortige Ausweisung Napoléons. Da er jedoch als Offizier in der Schweizer Armee gedient hatte und Ehrenbürger des Kantons Thurgau war, weigerte sich die Eidgenossenschaft (sog. Napoleonhandel). Frankreich mobilisierte das Heer, Napoléon kam einer kriegerischen Auseinandersetzung durch seine Ausreise nach England zuvor. Im Londoner Exil verfasste er sein Werk Idées Napoléoniennes.

Von England aus begann Louis-Napoléon seinen zweiten Putschversuch. Dieser fand am 6. August 1840 in Boulogne-sur-Mer statt und scheiterte ebenfalls. Er wurde nun zu lebenslanger Festungshaft in der Festung Ham verurteilt. Hier verfasste er sein Werk Vertilgung des Pauperismus. Seiner Beziehung zu Eleonore Vergeot in dieser Zeit entstammten zwei Kinder, die er später zu Grafen erhob. Am 25. Mai 1846 konnte er durch eine abenteuerliche Flucht in das Vereinigte Königreich entkommen.

Präsidentschaft, Staatsstreich und Kaiserkrönung

Napoléon III., Bild von Franz Xaver Winterhalter.

Louis Napoléon kehrte nach der Februarrevolution 1848 nach Frankreich zurück und versuchte nun, auf demokratischem Wege die Macht zu gewinnen. Im Dezember gewann er bei der Präsidentschaftswahl gegen den bisherigen Präsidenten Louis-Eugène Cavaignac mit 5.430.000 von 7.317.344 abgegebenen Stimmen. Grundlage dafür war sein Programm einer gefestigten Regierung, sozialer Konsolidierung und nationaler Größe.

Bereits im April 1849 entsandte Louis Napoléon Truppen nach Italien, um die weltliche Herrschaft des Kirchenstaates wiederherzustellen. Diese konnten nach einer anfänglichen Niederlage am 30. April schließlich am 2. Juli in Rom eindringen.

Durch häufige Wechsel der Regierungen gelang es ihm, seine Position zu stärken und die Ministerien mit Männern zu besetzen, die ihm gegenüber loyal waren. So bekleideten zum Beispiel von seinem Amtsantritt bis 1851 Joseph Marcelin Rulhières, Alphonse Henri, comte d'Hautpoul, Jean-Paul, comte de Schramm, Auguste Regnaud de Saint-Jean d'Angely, Jacques-Louis Randon und Armand-Jacques-Achille Leroy de Saint-Arnaud das Amt des Kriegsministers. Gerade das letzte Kabinett wurde hauptsächlich eingesetzt, um mit der Ernennung Saint-Arnauds die Einsetzung eines ergebenen Helfers zu kaschieren.[4]

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit führte Napoléon am 2. Dezember 1851 einen Staatsstreich durch. In Folge des Staatsstreiches kam es zu blutigen Kämpfen in ganz Frankreich, die Napoléon am 5. Dezember schließlich für sich entscheiden konnte. Am 21. Dezember ließ er eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung, die ihm diktatorische Vollmachten gewährte, durchführen. Dabei stimmten 7,5 Millionen Franzosen für, 640.000 gegen ihn.

Am 21. November 1852 wurde ein Plebiszit zur Wiederherstellung des Kaisertums durchgeführt. Darin entschieden 7.824.000 Franzosen mit Ja, 253.000 mit Nein.[5] Napoléon ließ sich daraufhin am 2. Dezember 1852 zum Kaiser der Franzosen ausrufen.

Das autoritäre Empire

Charles-Louis-Napoléon Bonaparte nahm den Herrschernamen Napoléon III. an. Er tat dies, um eine Kontinuität zu Napoléon Bonaparte zu suggerieren. Dessen Sohn, Napoléon II., hatte zwar de facto nie regiert, war aber von Napoléon I. bei dessen Abdankung als Nachfolger benannt worden. Er ging bei der Wahl des Herrschernamens ähnlich vor, wie das bereits Ludwig XVIII. getan hatte. Das Zweite Kaiserreich begann als autoritäres Empire. Zunächst regierte Napoléon mit absoluter Macht. Das Parlament (Corps législatif) besaß keine Gesetzesinitiative, sondern konnte lediglich vom Kaiser eingebrachte Gesetze billigen. Säulen des Systems waren Armee und Kirche.

Einen der letzten Verteidiger des Parlamentarismus, Alexis de Tocqueville, ließ er beim Staatsstreich verhaften. Gegner wie Louis-Eugène Cavaignac, Victor Hugo, Adolphe Thiers, Louis Juchault de Lamoricière und Marie-Alphonse Bedeau wurden genötigt, außer Landes zu gehen. Im Jahr darauf begann er politische Gefangene und Kriminelle in Strafkolonien wie die Teufelsinsel (Île du Diable) oder, in weniger schlimmen Fällen, nach Neukaledonien abschieben zu lassen. Am 28. April 1855 überlebte er ein Attentat.

Das seit dem Wiener Kongress unter europäischer Kontrolle stehende Frankreich war zu Beginn des Kaiserreiches immer noch ein Staatswesen, das für alle europäischen Mächte als revolutionärer Unruheherd galt. Erstes Ziel der napoleonischen Politik war es, diese außenpolitische Isolation zu überwinden.

Der Krimkrieg

Napoleon III.

Napoléon III. tendierte in der Orientalischen Frage dazu, diese aufrechtzuerhalten. Er wollte nicht, dass die Schlüsselpositionen des Osmanischen Reiches in russische Hände fielen. Im religiösen Konflikt um die Nutzung der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem, dem Auslöser des Krimkrieges, versuchten die Katholiken mit Unterstützung Napoléon III. ihre Situation zu verbessern. Der russische Zar Nikolaus I. verlangte daraufhin zum Schutz der orthodoxen Christen im osmanischen Reich das Protektorat über sie im Heiligen Land. Der osmanische Sultan und Napoléon III. wollten sich mit einer russischen Vorherrschaft über die Christen in Palästina aber nicht einverstanden erklären. Napoléons Infragestellung russischer Ansprüche gegen das Osmanische Reich führten Ende März 1854 zur Kriegserklärung gegen Russland.

Der Versuch Russlands, sein Gebiet auf Kosten des zerfallenden Osmanischen Reiches zu vergrößern, sollte durch den Einsatz einer alliierten Streitmacht unter französischer Führung verhindert werden. Im Mai 1854 landeten die alliierten französisch-britischen Truppen bei Warna und im September 1854 auf der Krim. Nach mehreren Schlachten und fast einjähriger Belagerung konnte im September 1855 Sewastopol eingenommen werden. Nach der Eroberung der Festung plante Napoléon III., ins Landesinnere vorzurücken, um durch den zu erwartenden Erfolg aus dem Schatten seines Onkels zu treten. Seine Generäle rieten aber von einem solchen Abenteuer ab. Auch die Stimmung in Frankreich war durch die Dauer des Feldzuges und die krankheitsbedingten hohen Verluste gedämpft. Sein Cousin Prinz Plon-Plon hatte darüber hinaus die Truppe verlassen und gab der französischen Öffentlichkeit zu allerlei Diskussion darüber Raum. Dies alles führte dazu, dass Napoléon III. schließlich zu Friedensverhandlungen bereit war.[6]

Napoléon bewies sein diplomatisches Geschick, als er auf dem Pariser Friedenskongress als Schiedsrichter auftrat und die Anerkennung des Kaiserreiches in Europa erreichte. Der Pariser Frieden führte zu einer neuen Mächtekonstellation in Europa. An Stelle der alten Kontinentalmacht Russland trat nun Frankreich. Die Heilige Allianz zerbrach und die Beziehungen zwischen Russland und Österreich blieben nachhaltig gestört. Russland wendete sich nun Frankreich und Preußen zu. Österreich blieb isoliert.

Während der Verhandlungen zum Pariser Frieden wurde der Sohn Napoléons III. Napoléon Eugène Louis Bonaparte geboren. Die Geburt war sehr schwierig, da sich das Kind im Leib der Mutter nicht gedreht hatte. Nach dem Erfolg der Zangengeburt defilierten die Vertreter sämtlicher Großmächte, die an den Friedensverhandlungen teilnahmen. Mit der Geburt des Prinzen schien die dauerhafte Herrschaft der Dynastie Bonaparte in Frankreich gesichert zu sein.[7]

Im Jahr 1855 wurden zwei Attentate auf den Kaiser unternommen: am 28. April durch den Italiener Giovanni Pianori und am 8. September durch Edouard Bellemare. Beiden Anschlägen entging der Herrscher.[8]

Nach dem Sieg im Krimkrieg, den erfolgreichen Verhandlungen im Pariser Frieden und dem folgenden wirtschaftlichen Aufschwung in Frankreich stieg die Popularität des Kaisers im Land an. Napoléon III. billigte 1858 eine Marineexpedition nach Vietnam und drängte die dortige Regierung, die französische Anwesenheit in diesem Land anzuerkennen.

Der Sardinische Krieg

Napoleon III. in der Schlacht von Solferino

Am 14. Januar 1858 überlebte Napoléon ein Attentat des italienischen Revolutionärs Felice Orsini. Orsini gehörte zu den Carbonari, denen sich Napoléon 1830 angeschlossen hatte. Dieser war von Orsinis Auftritt bei der folgenden Gerichtsverhandlung so beeindruckt, dass er sich am 20. Juli 1858 in Plombières-les-Bains mit dem Ministerpräsidenten des Königreichs Piemont-Sardinien Camillo Benso von Cavour traf. Napoléon bot Cavour in dem geheimen Treffen an, ihn bei der Einigung Italiens zu unterstützen. Ohne seine Minister zu konsultieren, schloss er mit Cavour einen Geheimvertrag. Dieser sah für den Fall eines österreichischen Angriffs die Unterstützung Frankreichs vor. Cavour beanspruchte Oberitalien für Piemont-Sardinien und ging auf Napoléons Idee einer Konföderation Italiens unter Berücksichtigung des Kirchenstaates ein. Im Gegenzug sollte das Königreich Piemont-Sardinien auf sein Stammland Savoyen und auf die Grafschaft Nizza zugunsten Frankreichs verzichten. Zusätzlich wurde die Allianz durch die Vermählung der Tochter des späteren italienischen Königs Viktor Emanuels mit dem Prinzen Napoléon besiegelt.

Durch seine Neujahrsrede am 1. Januar 1859 vor dem diplomatischen Korps und seine Worte an den österreichischen Gesandten provozierte Napoleon III. Österreich.[9] Nach einer ähnlichen Rede König Victor Emanuels begann von Seiten Österreichs die militärische Aufrüstung. Diese konnte Frankreich den passenden Vorwand abgeben, um das bedrohte Sardinien gegen die Angriffspläne Österreichs zu schützen. Ein darauf folgendes Ultimatum der Österreicher vom 19. April 1859 führte schließlich zum Sardinischen Krieg von Mai bis Juli 1859.

Napoléon III übernahm selbst den Oberbefehl über die 130.000 Mann starke französische Armee. Allerdings hatte er wenig Anteil an den militärischen Operationen, die von seinen Generälen geführt wurden. Die siegreichen Schlachten von Magenta und Solferino führten zur Niederlage Österreichs. Fortan galt Napoléon III. als Förderer des Panlatinismus.

Umgestaltung von Paris

Zeitgenössische Karikatur aus Vanity Fair

Ein wichtiger Schritt während seiner Regierungszeit war die Neugestaltung von Paris. Große Teile der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht und viele der alten, gebogenen Straßen wurden durch breite Alleen ersetzt. Der Neuaufbau wurde von Georges-Eugène Baron Haussmann (1809–1891) geleitet, Präfekt des Département Seine (1853–1870). Kunstgeschichtlich bedeutsam ist seine 1863 gefällte Entscheidung, dass neben dem offiziellen Pariser Salon auch ein Salon des Refusés stattfinden sollte. Damit gab er den Malern, die später den Impressionismus begründeten, die Gelegenheit, ihre Arbeiten erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Gründe, die zu dieser Entscheidung führten, sind umstritten. Von einigen Kunsthistorikern wird darin der Versuch des kaiserlichen Hofs gesehen, die Autorität des in die Kritik geratenen Pariser Salons wieder herzustellen. Andere, wie etwa Édouard Manets Biograph Gottlieb Jedlicka, sehen darin einen Schachzug in einem reichen und ununterbrochenen Spiel von Intrigen zwischen Hof und Opposition, bei dem die vom kaiserlichen Hof unabhängige École des Beaux-Arts geschwächt werden sollte.

Hausmann leitete auch den Ausbau des französischen Eisenbahnnetzes. Die Fahrpläne waren allerdings nicht sehr effizient, da alle Linien nach Paris führten. Es gab Verbindungen von Paris nach Lyon, Caen und Marseille, aber keine Strecken, die die anderen Städte untereinander verbanden. Um von Marseille nach Bordeaux zu reisen, musste man mit dem Zug über Paris fahren, was sehr unwirtschaftlich war. Aber auch militärisch waren Truppenbewegungen über dieses Schienennetz viel langsamer zu organisieren, als es im rationeller organisierten Preußen bzw. Deutschland möglich war.

Wie Napoleon I. zeigte auch sein Neffe großes Interesse an der Archäologie sowie dem Leben bedeutender historischer Persönlichkeiten. 1862 veröffentlichte Napoleon III. eine zweibändige französische „Histoire de Jules César“ plus Atlasband, die bis 1865 auch ins Deutsche und acht weitere europäische Sprachen übersetzt worden ist. Im Zuge dieser Arbeiten beauftragte er einen Oberst mit der Lokalisierung der cäsarischen Lager in Gergovia und Alesia. Moderne Nachgrabungen in den letzten Jahren bestätigten die Ergebnisse dieser frühen archäologischen Sondagen. Er förderte auch unter anderem die Ausgrabungen im keltischen Oppidum von Bibracte (Mont Beuvray).

Das liberale Empire, Interventionen in Mexiko, Destabilisierung

Übergabe des Kaisers Napoleon III. an König Wilhelm von Preußen in Sedan am 2. September 1870

Seit 1860/61 änderte Napoléon III. seinen Regierungsstil. Das Parlament erhielt mehr Rechte, die Pressefreiheit wurde erweitert und Gewerkschaften zugelassen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die von Beginn des Kaiserreiches an positiv verlaufen war, geriet ab Mitte der 1860er Jahre in eine Krise. Dies führte neben den folgenden außenpolitischen Rückschlägen und der vermeintlichen innenpolitischen Schwäche zur Destabilisierung des imperialen Systems.

Nachdem das mexikanische Parlament im Juli 1861 beschloss, die Rückzahlung der Auslandsschulden ab sofort einzustellen, unterzeichnete Napoléon III. am 31. Oktober mit Großbritannien und Spanien den Londoner Vertrag. Dieser legte fest, dass die unterzeichnenden Nationen gemeinsam von Mexiko die ausstehenden Schulden mit allen notwendigen Mitteln eintreiben würden. Da die Vereinigten Staaten im Sezessionskrieg gebunden waren, war ihnen ein Eingreifen gemäß der Monroe-Doktrin zugunsten Mexikos unmöglich. Im Dezember 1861 und im Januar 1862 trafen spanische, französische und britische Truppen in Mexiko ein. Als die britische und spanische Regierung erkannten, dass das Ziel Napoleons III. nicht in einer bloßen Rückzahlung der Kredite, sondern vielmehr in einer Eroberung Mexikos bestand, zogen sie ihre Truppen zurück. Die Französische Intervention in Mexiko von Januar 1862 bis März 1867 endete mit einer Niederlage und der Hinrichtung des von den Franzosen von 1864 bis 1867 als „Kaiser von Mexiko“ eingesetzten Maximilian I.. Diese Niederlage wirkte nochmals destabilisierend auf das Regime Napoléons. Außerdem sahen die Franzosen ihren Einfluss durch die vernichtende Niederlage Österreichs gegen Preußen im preußisch-österreichischen Krieg (1866) gefährdet.

Im weiteren Verlauf der 1860er-Jahre wurden die französisch-preußischen Spannungen weiter verschärft, insbesondere durch Bündnisverhandlungen Frankreichs mit Österreich und Italien. 1867 kam es zur Luxemburgkrise. Vor dem Krieg 1866 hatte Napoléon III. mit Preußen über Gebietserwerbungen als Kompensation für seine Neutralität verhandelt. Dabei war auch Luxemburg erwähnt worden. Otto von Bismarck hatte keine Einwände offen gelegt, aber angedeutet, dass Frankreich selbst aktiv werden müsse. 1867 wollte Frankreich Luxemburg erwerben. Als dies ruchbar wurde, kam es in den deutschen Fürstentümern zu heftigen Protesten, u.a. zu einer von Bismarck bestellten Anfrage im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Napoleon musste seine Pläne fallen lassen, und Luxemburg wurde im Zweiten Londoner Vertrag von 1867 für neutral erklärt. Für Napoléon III. war dies eine Niederlage, die sein ohnehin schon angekratztes politisches Ansehen weiter minderte. Innenpolitisch musste er sich gegen republikanische Bestrebungen wehren, ruhmreiche Schlachten in der Tradition seines Vorfahren hätten in dieser Situation hilfreich sein können.

Napoléon III. bei Sedan von Wilhelm Camphausen
Napoléon III. nach seinem Tod, Illustration aus der Illustrated London News vom 25. Januar 1873.

Der Deutsch-Französische Krieg

Um die Hoffnungen seiner Anhängerschaft und seiner Gattin auf militärischen Ruhm zu erfüllen, aber auch durch die Falle des preußischen Ministerpräsidenten Bismarck mit der Emser Depesche herausgefordert, begann Napoléon III. im Juli 1870 den Deutsch-Französischen Krieg. Seine Erwartungen, dass die mit Preußen verbündeten süddeutschen Staaten neutral bleiben würden und die Grande Armee im Alleingang stark genug sein würde, erfüllten sich nicht. Der französische Kaiser, der selbst den Oberbefehl übernommen hatte, reiste zur Festung Metz. Aufgrund furchtbarer Blasenschmerzen war er jedoch kaum in der Lage, das Kommando zu führen. Am 13. August übergab er den Oberbefehl an Marschall François-Achille Bazaine und floh aus dem eingeschlossenen Metz. Am 30. August erreichte er die Armee Marschall Mac-Mahons, der von Châlons mit 120.000 Mann abmarschiert war, um sich mit Marschall Bazaines Armee zu vereinigen. Nach der Schlacht bei Beaumont war der Weg nach Metz aber durch preußische Truppen blockiert. In der Schlacht von Sedan am 2. September 1870 wurde der Kaiser durch die Preußen gefangen genommen und durch die Ausrufung der Dritten Republik zwei Tage später in Paris abgesetzt. Napoleon wurde von preußischen Truppen nach Kassel gebracht. Am 5. September 1870 traf er in Schloss Wilhelmshöhe ein, der ehemaligen Residenz seines Onkels Jérôme, wo er bis zum 19. März 1871 unter Arrest gestellt wurde. Am 30. Oktober 1870 wurde er dort von Kaiserin Eugénie besucht. Der Krieg endete für Frankreich mit einer vollständigen Niederlage.

Lebensende

Napoléon III. ging nach dem Ende des Krieges ins Exil nach Großbritannien. Am 19. März 1871 verließ er Schloss Wilhelmshöhe und erreichte am 21. März Chislehurst, heute Teil des Stadtbezirkes London Borough of Bromley. Von dort aus plante er erneut in Frankreich zu landen. Diese Pläne wurden aber durch seinen Tod am 9. Januar 1873 zunichte gemacht. Am 3. und 6. Januar hatte Napoléon sich Operationen zur Entfernung seiner Blasensteine unterzogen. Am 9. Januar sollte er erneut operiert werden. Das im Zuge der Operationen verabreichte Chloroform, dessen Nebenwirkungen damals noch nicht bekannt waren, führte aber in Verbindung mit der Schwächung Napoléons durch die Krankheit zum Herzversagen. Seine letzten Worte sollen „Étiez-vous à Sedan?“ („Waren Sie in Sedan?“) gelautet haben, nach einer anderen Quelle sagte er allerdings „Henri, Du warst bei Sedan?“ zu seinem Arzt Henri Conneau. Napoléon III. ist in der kaiserlichen Krypta der Sankt-Michaels-Abtei in Farnborough, Hampshire, England, begraben, wo auch seine Frau und sein einziger Sohn, der 1879 im Zulukrieg gefallene Napoléon Eugène Louis Bonaparte, zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Ehe und Nachkommen

Kaiserin Eugénie

Am 29./30. Januar 1853 heiratete Napoléon III. die spanische Gräfin Eugénie de Montijo. Die Hochzeit war eine getreue Kopie der Feierlichkeiten Napoléons I. Eine vorhergehende Brautwerbung um Prinzessin Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg, die spätere Herzogin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, war am Widerstand von Königin Victoria gescheitert, deren Nichte die Prinzessin war, sowie wohl auch deshalb, weil der Brautvater, Fürst Ernst I. zu Hohenlohe-Langenburg, den Bräutigam, der zwar mächtig, aber nicht von altem Adel war, für nicht ebenbürtig hielt[10].

Die Ehe zwischen Napoléon und Eugénie verlief nicht glücklich. Eugénie, überdies von Natur her eher prüde, litt unter den ständigen Affären ihres sexuell äußerst regsamen Gatten, der sich auch keine Mühe gab, seine Seitensprünge zu verbergen. Seine frühe Leidenschaft für die schöne Spanierin war schnell erloschen. Zudem erschöpfte ihre Niederkunft im Jahre 1856 – zuvor hatte sie bereits eine Fehlgeburt erlitten – die Kaiserin so sehr, dass sie nicht nur keine weiteren Kinder mehr bekommen konnte, sondern auch den ehelichen Verkehr mit ihrem Mann stark einschränken und schließlich ganz einstellen musste.

Dagegen engagierte sich Eugénie vor allem seit den 1860er-Jahren durchaus mit Duldung ihres Mannes immer mehr im politischen Geschäft. Im Unterschied zu ihm war ihr Standpunkt entschieden konservativ, klerikal und autoritär: So befürwortete sie eine Allianz mit Österreich und trat energisch für die Erhaltung des Kirchenstaates unter französischer Protektion ein. Napoléon, obgleich in vielem uneins mit ihr, setzte sie dennoch sowohl 1859 als auch 1870 als Regentin in Paris ein. Ihrem Wunsch nach einer Aufrechterhaltung der neoabsolutistischen Regierungsform konnte er zusehends weniger entsprechen. 1870 zählte Eugénie zu den erklärten Befürwortern eines Waffenganges gegen Preußen und wirkte entsprechend auf ihren entscheidungsschwachen Mann ein.[11]

Napoléon und Eugénie hatten einen Sohn:

Siehe auch

Werke

  • Werke, Bd.I-IV, Leipzig 1857.

Literatur

  • T.A.B. Corley: Napoleon III, Ein demokratischer Despot, Stuttgart 1970
  • Michael Erbe: Napoleon III. (1848/52-1870). In: Hartmann, Peter C. (Hg.): Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III., München 1994, S. 422-452. ISBN 3-406-38506-0
  • Konstantin Frantz: Masse oder Volk. Louis Napoleon. Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Franz Kemper. Alfred Protte Verlag, Potsdam 1933.
  • Catherine Granger: L'empereur et les arts: la liste civile de Napoléon III, Paris: Ecole des Chartes 2005, Reihe: Mémoires et documents 79, ISBN 2-900791-71-5
  • Dominik Gügel / Christina Egli: Napoleon III. – Der Kaiser vom Bodensee. Labhard Medien, Konstanz 2008; ISBN 978-3-939142-26-3.
  • Franz Herre: Napoleon III. Glanz und Elend des zweiten Kaiserreiches, München: Bertelsmann 1990.
  • Joachim Kühn: Napoleon III. Ein Selbstbildnis in ungedruckten und zerstreuten Briefen und Aufzeichnungen, Arenenberg 1993 ISBN 3-85809-086-7
  • Heinz Rieder: Napoleon III. – Abenteurer und Imperator, Casimir Katz Verlag Gernsbach 2006, EDITION KATZ, ISBN 3-938047-16-X
  • Felix Schlagintweit: Napoleon III. Lulu und Eugenie. Theodor Ackermann, München 1935.
  • German Werth: Der Krimkrieg, Frankfurt/M 1989, ISBN 3-548-34949-8
  • Johannes Willms: Napoleon III. Frankreichs letzter Kaiser, München 2008, ISBN 978-3-406-57151-0
  • Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852) Online

Einzelnachweise

  1. Bodensee-Magazin Spezial: Napoleonmuseum - Schloss Arenenberg, das schönste Schloss am Bodensee. Konstanz: Labhard, 2005, ISBN 3-926937-85-8
  2. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 44 ff.
  3. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 62 ff.
  4. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 158
  5. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 188
  6. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 215
  7. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 217
  8. http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=131757
  9. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator S. 231
  10. Vgl. Heinz Gollwitzer: Die Standesherren, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht ²1964, S. 267 f.
  11. Vgl. Octave Aubry: L'impératrice Eugénie, Paris: Fayard 1931.

Weblinks

Vorgänger:

(zwischenzeitlich Republik)
Louis-Eugène Cavaignac

Liste der Herrscher Frankreichs Nachfolger:
(Dritte Französische Republik)
Adolphe Thiers

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