Louis Braille
Louis Braille
Brailleschrift-Postkarte zum Int. Blindentag 1915
Louis Braille in Braille
Büste Brailles an der Seepromenade in Bad Wiessee
Welt-Braille-Jahr
Briefmarke der DDR 1975

Louis Braille [bʁaj] (* 4. Januar 1809 in Coupvray bei Paris; † 6. Januar 1852 in Paris) ist der Erfinder des nach ihm benannten Punktschriftsystems für Blinde, der Brailleschrift oder kurz das Braille.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Kindheit und Jugend

Im Alter von vier Jahren verletzte sich Braille mit einer Ahle am Auge. Das verletzte Auge entzündete sich und infizierte das zweite, bis dahin unversehrte Auge. Dies führte zur völligen Erblindung des kleinen Louis.

Da der wissbegierige Junge sich nicht damit abfinden wollte, Literatur nur durch Vorlesen erleben zu können, machte er sich schon früh Gedanken über eine Schrift für Blinde.

Louis Braille erfand seine Blindenschrift nicht isoliert für sich allein. Er baute auch auf den Überlegungen anderer auf. Ein Anstoß war, dass einer seiner blinden Mitschüler dem Lehrer erzählte, er habe zu Hause eine Karte entdeckt, auf der die Lettern durchgeprägt waren, so dass er die Schrift leicht lesen konnte. Der Blindenlehrer ließ daraufhin Drucke in erhabener Schrift herstellen. Aber die Buchstaben mussten mindestens zweieinhalb Millimeter hoch sein, damit sie erfühlt werden konnten. Nun experimentierte Louis Braille die ganzen Sommerferien hindurch in der Schusterwerkstatt seines Vaters damit, aus Lederstücken Dreiecke, Quadrate und Kreise herzustellen, aber das Ergebnis stellte ihn nicht zufrieden.

Als 11-Jähriger lernte Braille die von einem Artilleriehauptmann namens Charles Barbier für militärische Zwecke erfundene „Nachtschrift“ kennen, die ein kompliziertes System von Punkten und Silben darstellte. Braille vereinfachte diese Schrift, indem er die Silben durch Buchstaben ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen reduzierte.

1825 hatte der erst 16-jährige Louis Braille seine Blindenschrift fertig gestellt.

Brailleschrift

Erste Schritte: Literatur in der Punktschrift

Obwohl die Schriftzeichen leicht erlernbar und einfach zu schreiben waren, konnten sie sich lange nicht durchsetzen. Mit 27 Jahren hat Louis Braille eine Auswahl aus den Werken des (blinden) englischen Dichters John Milton übertragen und versucht, mit einem öffentlichen Vortrag zu beweisen, dass er schnell schreiben und lesen kann. Doch seine Zuhörer glaubten, er habe die Texte auswendig gelernt.

Louis Braille schrieb an den französischen Innenminister und erhielt die nichtssagende Antwort: „Diese Arbeit scheint mir hervorragend, und Herr Braille verdient, ermutigt zu werden.“ Eine offizielle Anerkennung blieb jedoch aus. Hinzu kam, dass der neue Direktor der Blindenschule die Punktschrift verbot. Er war der Auffassung, dass sich Blinde durch eine Schrift, die Sehenden unbekannt ist, isolieren würden. Außerdem hatte der Direktor ein Handleitgerät erfunden, mit dem die Buchstabenschrift geschrieben werden konnte. Manche Schüler aber praktizierten die Punktschrift heimlich weiter.

Entwicklung einer Notenschrift für Blinde

1828 erfand Louis Braille, der selbst Orgel spielte, eine ebenfalls auf den sechs Punkten basierende Notenschrift. Sie setzte sich schnell durch und ist bis heute die sowohl einzig brauchbare als auch gleichzeitig perfekte Möglichkeit für Blinde, Musiknoten zu lesen und zu schreiben. Mittlerweile ist diese Schrift auch international standardisiert. Mit ihr schuf Louis Braille die Grundlage dafür, dass blinde Menschen ein Einkommen als Berufsmusiker finden können. Braille war ein Schüler von Valentin Haüy.

Entwicklung der Raphigrafie

1839 veröffentlichte Louis Braille seine Raphigrafie zur Nachbildung der lateinischen Buchstaben durch Punkte, an der er längere Zeit gearbeitet hatte. Gedacht war diese Schrift für blinde Schüler, die Angehörigen oder Freunden schreiben wollten, welche diese Brailleschrift nicht lesen konnten. Die Groß- und Kleinbuchstaben sowie Ziffern des Raphigrafie-Alphabetes waren bis zu zehn Punkte hoch und unterschiedlich breit. Mit der einsetzenden Entwicklung der mechanischen Schreibmaschine geriet diese Schrift wieder in Vergessenheit.

Internationale Anerkennung der Blindenschrift und Tod

Erst 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. In Deutschland erfolgte die offizielle Einführung 1879. Den internationalen Siegeszug seiner Erfindung erlebte Braille nicht mehr. Er starb 1852 in Paris an Tuberkulose. 100 Jahre nach seinem Tod wurde Brailles Körper exhumiert und in das Panthéon in Paris überführt. Seine Hände, die so zentrale Bedeutung für seine Erfindung hatten, blieben jedoch in seinem Grab an seinem Heimatort.

Gedenkmünze

Zum 200. Geburtstag von Louis Braille gab Belgien am 25. September 2009 eine 2-Euro-Gedenkmünze heraus.[1] Auch Italien gab am 15. Oktober 2009 eine 2-Euro-Gedenkmünze zu diesem Anlass aus.[2]

Literatur

  • C. Michael Mellor: Louis Braille : le génie au bout des doigts, Paris : Éd. du Patrimoine, 2008, ISBN 978-2-7577-0026-6

Einzelnachweise

  1. http://www.zwei-euro.com/2-euro/belgien/gedenkmuenzen/2009/200-geburtstag-von-louis-braille.html
  2. http://www.zwei-euro.com/2-euro/italien/gedenkmuenzen/2009/200-geburtstag-von-louis-braille.html

Weblinks

 Commons: Louis Braille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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