Anton Köhler
Anton Köhler, porträtiert von Zacharias Kniller
Anton Köhler mit Ehefrau und Kindern

Anton Köhler (* 1585; † 12. September 1657 in Lübeck) war ein Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Köhler entstammte einer Lübecker Ratsfamilie und war ein Bruder des Bürgermeisters Heinrich Köhler. Er studierte von 1605 bis 1608 an der Universität Helmstedt und anschließend an der Universität Jena. Promotion zum Dr. der Rechte. Er war mit dem Grafen Vitzthum befreundet, für dessen Familie als Rechtsberater tätig und lebte zunächst auf deren Schloss Kannawurf, bevor er dann Rat am Braunschweiger Hof wurde und 1619 die Tochter des Lübecker Kaufmanns Thomas Hebbens ehelichte. Im Jahr 1622 wurde er in Ratzeburg Rat des Herzogs August von Sachsen-Lauenburg. 1628 kehrte er nach Lübeck zurück als Syndikus des dortigen Domkapitels. 1629 wurde er wiederum in Sachsen-Lauenburg Vizekanzler, als solcher 1630 Gesandter auf dem Reichstag in Regensburg und 1635 in Lüneburg zu Verhandlungen "über die Frage des Beitritts norddeutscher Fürsten zum Prager Frieden".

Nach dem Tod seines Bruders Heinrich im Jahr 1642 wurde er Ratsherr und kurze Zeit später Bürgermeister der Stadt Lübeck. Als solcher war er wiederum vorwiegend in diplomatischen Funktionen tätig. 1643 als Gesandter der Stadt in Glückstadt zur Vermittlung zwischen König Christian IV. von Dänemark und der Schwesterstadt Hamburg, anschließend in Reinbek zu Verhandlungen über Gebietsforderungen des Herzogs Friedrich III. von Holstein-Gottorf auf Bergedorfer Gebietsteile und 1648 aus Anlass der Krönung von König Friedrich III. von Dänemark gemeinsam mit dem Bürgermeister Johann Marquard in Kopenhagen. 1653 erhielt er einen kaiserlichen Adelsbrief.

Als Bürgermeister war er an Wiederherstellung und Erhalt der Hanse interessiert und verfasste eine Chronik der Hanse für den Zeitraum von 1370 bis 1630[1].

Anton Köhler hatte von seinem Vater das Gut Bliestorf vor den Toren der Stadt geerbt. In zweiter Ehe heiratete er eine Tochter des Ratsherrn Dietrich Brömse[2]. Seine Schwester hatte in die Ratsfamilie Kerkring eingeheiratet. Seine Tochter aus erster Ehe wurde die Frau von Dietrich Brömse[3].

Er erwarb 1635 in der Lübecker Marienkirche eine Grabkapelle für die Familie. Diese liegt an der Nordseite des Kirchenschiffes und war ursprünglich von Johann Geismar, Ratsherr in Stockholm, gestiftet worden.[4] Ein Teil des schmiedeisernen barocken Gitters der Kapelle ist erhalten. Sein 1664 gesetztes Wappenepitaph befand sich neben dem seines Bruders Heinrich an der Westwand der Kirche links neben der Bergenfahrerkapelle; es wurde 1942 zerstört.[5]

An seine Tätigkeit als Vorsteher der Ägidienkirche und deren Renovierung 1645 erinnert dort eine Gedenktafel mit seinem Wappen.[6]

Familiengalerie

Auf Anton Köhlers Veranlassung und wohl im Zusammenhang mit seiner Nobilitierung 1653 wurden die verstorbenen und lebenden Mitglieder seines weit verzweigten Familienkreises in 20 großen Bildern porträtiert, wobei es sich vor allem um Arbeiten von Michael Conrad Hirt, aber auch von Zacharias Kniller handelt. Die Köhlersche Sammlung war zeitweilig in der Katharinenkirche aufgehängt. Später[7] waren einige der Porträts im Langhaus des Rathauses zu sehen.[8] 2009 wurde die Sammlung wieder als ganze vereinigt, konserviert und im St.-Annen-Museum ausgestellt.[9]

Literatur

  • Heinrich Bangert: De Magnifici Viri Dn. Antonii Coleri, ICti, Reipublicae Lubecensis Consulis, & Haereditarii in Bleystorff/ &c. Ortu, vita & excessu. Lubecae: Volckius, Schmalhertz Erben 1662 (VD 17 23:238475M)
  • Emil Ferdinand Fehling, Lübeckische Ratslinie. Lübeck 1925.
  • Rosemarie Wesnigk: Zur Köhlerschen Ahnengalerie. In: Der Wagen 1955, S. 76-83

Weblinks

Anmerkungen

  1. Lt. Fehling abgedruckt bei Willebrandt: Hansische Chronik, 1748.
  2. Fehling Nr.755: † 1638
  3. Fehling Nr.784: Als Mitglied der Zirkelgesellschaft ab 1637 Dietrich von Brömbsen, † 1671 in Burggrub/Franken
  4. Fehling unter Hinweis auf BuK II, 162, 266
  5. Beschreibung in BuK II, S. 358
  6. Vollständiger Text mit Erläuterung und Übersetzung bei: Adolf Clasen: Verkannte Schätze - Lübecks lateinische Inschriften im Original und auf Deutsch. Lübeck 2002, S. 146. ISBN 3-7950-0475-6
  7. Fehling, 2. Aufl. 1925
  8. Fehling, aaO
  9. Schätze II - restauriert und ausgestellt. Die Köhlersche Ahnengalerie - eine Porträtfolge des 17. Jahrhunderts, Meldung der Museen der Hansestadt Lübeck, abgerufen am 20. April 2009

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